Łącko (Postomino)
Vorlage:Infobox Ort in Polen Łącko [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Lanzig) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Postomino (Gemeinde Pustamin) im Powiat Sławieński (Schlawer Kreis).
Geographische Lage
Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, am Südufer des Vietzker Sees (Jezioro Wicko), vier Kilometer von der Ostsee entfernt, etwa 18 Kilometer nordnordwestlich vom Sławno (Schlawe), auf einem Moränenhügel, etwa zehn Meter über dem Meeresspiegel, und wird im Osten vom Wiesental des Klosterbachs (Klasztorna) begrenzt.
Geschichte
Das Bauerndorf, früher auch Lanzke genannt, liegt auf sehr altem Siedlungsgrund, was Funde aus frühhistorischer und historischer Zeit belegen. Die älteste Nachricht vom Ort stammt vom 29. November 1394, als Herzogin Adelheid die Gründung des Kartäuserklosters Marienkron auf der Feldmark von Körlin bei Lanzig beurkundete. Das Kloster konnte sich allerdings nicht lange halten. Es wurde 1406 zunächst nach Schlawe verlegt, 1407 in die Nähe von Rügenwalde und nach der Reformation schließlich aufgegeben. An das Kloster erinnert noch der in den Vietzker See mündende ‚Klosterbach‘.
Um 1480 berichtet die Sage von Hans Lange aus Lanzig, der dem Herzog Bogislaw X. in seiner Jugend geholfen haben soll.
Am 18. Februar 1533 verbot Herzog Barnim XI. die Märkte in Lanzig am Tage Mariä Verkündigung (25. März) und Mariä Himmelfahrt (15. August) und verlegte sie nach Rügenwalde auf die Fronleichnamstage.
Am Anfang des 17. Jahrhunderts wurden in Lanzig elf Bauern, ein Hof, drei Landkossäten, ein Schmied und zwei Straßenkossäten genannt. Der Ort gehörte zum Rügenwalder Amt, und die Bauern waren dem herzoglichen Ackerhof in Neuenhagen (Jezierzany) dienstpflichtig. 1784 hatte das Dorf einen Prediger, einen Küster, einen Freischulzen, 13 Bauernhöfe, drei Landkossäten, vier Straßenkossäten, drei Büdner, ein Predigerwitwenhaus, eine Schmiede und eine Hirtenkate.
Um 1935 gab es in Lanzig unter anderem zwei Gasthöfe, eine Bäckerei, zwei Bankgeschäfte, eine Fleischerei, ein Geschäft für Manufaktur- und Modewaren, zwei Mühlen, zwei Schmieden, drei Schneidereien, eine Schuhmacherei, zwei Stellmachereien und zwei Tischlereien.<ref>Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1062 (Google Books).</ref>
Im Jahr 1945 gehörte die Landgemeinde Lanzig zum Landkreis Schlawe i. Pom. im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.
Am 8. März 1945 besetzte die Rote Armee das Dorf. Wie ganz Hinterpommern, wurde Lanzig nach Beendigung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Es begann danach die Zuwanderung von Polen und Ukrainern, zunächst vorwiegend aus Gebieten östlich der Curzon-Linie. Am 24. November 1945 erfolgte die Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner durch die polnische Verwaltungsbehörde. Der Ortsname wurde zu Łącko polonisiert.
Łącko gehört heute zur Gmina Postomino im Powiat Sławieński.
Ortsgliederung bis 1945
Zur Gemeinde Lanzig gehörten vor 1945 drei Ortschaften:
- Lanziger Ländchen (polnisch: Łężek), eine Streusiedlung von sechs Gehöften, 2,5 Kilometer südlich von Lanzig, zwischen Scheddin und Körlin,
- Mühlenbruch (Mulisko), Gehöft am Bülsbach an der Straße nach Jershöft, 2 Kilometer südwestlich von Lanzig, ehemals eine Mühle,
- Neu Lanzig (Łęskie), Siedlung von fünf Gehöften an der Straßenkreuzung Natzmershagen – Körlin, 2 Kilometer südwestlich von Lanzig.
Demographie
- Einwohnerzahlen
- 1818: 288, Dorf mit einer Windmühle und einer Mutterkirche, städtische Besitzung<ref name="Krug" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 69, Ziffer 639–640 (Google Books).</ref><ref name="FvR" >Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 262, Ziffer 27 (Google Books).</ref>
- 1910: 417, Dorf mit einer evangelischen Pfarrkirche<ref name="mgaz" >Lanzig, Dorf, Kreis Schlawe, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Natzmershagen (meyersgaz.org).
</ref>
- 1925: 385, darunter 373 Evangelische<ref name="Stuebs" >Die Gemeinde Lanzig im ehemaligen Kreis Schlawe in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).</ref>
- 1933: 392<ref name="Vwg" >Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de
</ref>
- 1939: 365<ref name="Vwg" />
Kirche
Dorfkirche
Die Dorfkirche ist eine dreischiffige Hallenkirche und stammt wohl aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde in den Besetzungstagen des Jahres 1945 stark verwüstet, wobei ein großer Teil der Innenausstattung gerettet werden konnte.
Das Kirchengebäude wurde 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet und vom polnischen katholischen Klerus ‚neu geweiht‘.
Kirchspiel
Bis 1945 gehörten fast alle Einwohner Lanzigs zur evangelischen Kirche. Das Dorf war Pfarrort für das evangelische Kirchspiel Lanzig, in das die Orte Lanzig, Körlin, Krolow, Krolowstrand (heute nicht mehr existent), Natzmershagen, Neuenhagen Amt, Scheddin, Vietzke (nicht mehr existent) und Vietzkerstrand gehörten. Mit Lanzig historisch verbunden ist eine Synode, die Pfarrer Johann Georg Friedrich Erdt einrichtete. Sie verband alle benachbarten Kirchspiele, bestand aber lediglich in der Zeit von 1817 bis 1826. Im Jahre 1939 zählte das Kirchspiel Lanzig insgesamt 2706 Gemeindeglieder. Es lag im Kirchenkreis Rügenwalde der Kirchenprovinz Pommern der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1736 zurück.<ref>Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 241 (Google Books).</ref>
Das katholische Kirchspiel war in Schlawe i. Pom.
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Bevölkerung ist größtenteils katholischer Konfession. Łącko ist heute Sitz einer Pfarrei, zu der auch die Filialkirchen Jarosławiec (Jershöft) und Rusinowo (Rützenhagen) gehören. Zuständig ist das Dekanat Ustka (Stolpmünde) im Bistum Köslin-Kolberg.
Evangelische Polen in Łącko werden von der evangelischen Parochie Koszalin (Köslin) in der Diözese Pommern-Großpolen der polnischen Evangelisch-Augsburgischen Kirche betreut.
- Pfarrer von der Reformation bis 1945
Schule
In Lanzig stand eine der ältesten pommerschen Dorfschulen. Bereits um 1600 richtet Pfarrer Christian Bielang in seinem Hause eine Privatschule ein.
Das Schulgebäude wurde 1854 erbaut. Die einklassige Volksschule zählte zwischen 1920 und 1945 dreißig Kinder.
Verkehr
Zu erreichen ist das Dorf über eine Stichstraße von 1,5 Kilometern, die es mit Korlino (Körlin) an der Straße Naćmierz (Natzmershagen) – Królewo (Krolow) verbindet.
Die nächste Bahnstation ist Darłowo (Rügenwalde). Die bis 1945 bestehende Bahnstrecke Schlawe–Stolpmünde mit der nächstgelegenen Bahnstation Pustamin ist nicht mehr in Betrieb.
Siehe auch
Literatur
- Lanzig, Dorf, Kreis Schlawe, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Lanzig (meyersgaz.org).
- Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784, S. 854, Ziffer (16) (Google Books).
- Lanzig – Leben am Vietzker See. Eine Gemeinde im Kreis Schlawe in Pommern, hrsg. von Siegfried Pramschüfer, 440 S., Selbstverlag, Schmölln, 2002
- Der Kreis Schlawe. Ein pommersches Heimatbuch, hrsg. von Manfred Vollack, 2 Bände, Husum, 1989
- Ernst Müller, Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart, 2. Teil, Stettin, 1912
Weblinks
- Amtsbezirk Neuenhagen (Territorial.de)
- Die Gemeinde Lanzig im ehemaligen Kreis Schlawe in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
- Lanzig im Heimatkreis Schlawe
Fußnoten
<references />