Naturschutzgebiet Góra Gipsowa
Das Naturschutzgebiet Góra Gipsowa (polnisch Rezerwat przyrody Góra Gipsowa) ist ein Naturschutzgebiet am Südhang der Góra Gipsowa (deutsch Kalkberg, 285,5 m n.p.m.), etwa 2,5 km südlich der Stadt Kietrz (Katscher) auf der Hochfläche der Leobschützer Hochebene in der Woiwodschaft Opole im Süden Polens.<ref name="Naturschutzregister">Naturschutzgebiet Góra Gipsowa im Polnischen Zentralregister Naturschutz Abgerufen am 4. März 2012</ref>
Geschichte
Frühe botanische Untersuchungen
Dieses Gebiet ist schon lange als ein seltener mitteleuropäischer Standort pontischer Flora bekannt. Unter diesem Florenelement wird eine Trockenrasenbiozönose verstanden, wie sie sonst nur in südosteuropäischen Steppengebieten vorkommt und hier an ihre nordwestliche Verbreitungsgrenze stößt.
Die Besonderheit der Pflanzengesellschaft auf dem Kalkberg wurde schon sehr früh erkannt. Herrnhuter Brüder, die in Gnadenfeld (Pawłowiczki) in Oberschlesien am Anfang des 19. Jahrhunderts ein Priesterseminar einrichteten und auch botanische Studien betrieben, entdeckten schon 1823<ref name="Schubert 1932">Carl Schubert. Die Flora von Gnadenfeld. Gnadenfeld – Gedenkblätter zur 160-Jahrfeier der Ortsgründung, in: Der Oberschlesier, Jg. 14, Heft 6, Juni 1932, S. 354.</ref> dieses Gebiet und erforschten seine besondere Flora.<ref name="Kölbing 1837">F. W. Kölbing. Über einige Eigenthümlichkeiten der oberschlesischen Flora. Allgemeine botanische Zeitung, Nr. 13 vom 7. April 1837, Regensburg, S. 193–204 Volltext bei Google Books.</ref>
Naturschutzgebiet „Kalkberg bei Katscher“ im Deutschen Reich
Viele spätere Botaniker nahmen in ihren Arbeiten Bezug auf diesen Standort. Eine systematische Weiterführung der Forschungen wurde mit Beginn des 20. Jahrhunderts durch den in Katscher (Kietrz) ortsansässigen Webelehrer, Heimat- und Naturforscher Richard Keilholz<ref name="Keilholz">Keilholz, Richard. In: Ostdeutsche Biografie (Kulturportal West-Ost)</ref> betrieben. Keilholz regte in den 1920er Jahren die Einrichtung eines Naturschutzgebietes am Kalkberg an. Als erste Schutzmaßnahme forderte er dabei, dass Botaniker, die das Naturdenkmal besuchten, keine Belegpflanzen mehr entnehmen sollten. Im Juni 1932 erfolgte die Übernahme des Naturschutzgebietes „Höhe 285,5 (Pontischer Hügel)“ durch die Stadt Katscher.<ref>Tagung in Katscher am 18./19. Juni 1932. In: Jahresberichte der Geologischen Vereinigung Oberschlesiens., 1932, S. 32–34, abgerufen am 14. September 2014</ref>
1935 wurde von der Oppelner Naturschutzbehörde auf einer Fläche von 3365 m2 das Naturschutzgebiet „Kalkberg bei Katscher“ als eines der ersten anerkannten Naturschutzgebiete des Deutschen Reiches eingerichtet.<ref name="Verdoorn 1936">Frans Verdoorn. Chronica botanica, Band 2, S. 144, Ronald Press Co., Leiden, Holland, 1936.</ref><ref name="Gazeta">Gazeta wyborcza, Regionalteil Opole vom 19. September 2002: Na Gipsowej Górze. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Externer Link ( des Vorlage:IconExternal vom 6. Februar 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..</ref>
Naturschutzgebiet „Góra Gipsowa“ in der Republik Polen
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen polnische Botaniker die Untersuchungen in dem Gebiet. Am 24. Dezember 1957 wurde das Naturschutzgebiet Góra Gipsowa durch Erlass des Ministeriums für Forstwirtschaft und Holzindustrie der Republik Polen auf einer Fläche von 10.200 m2 mit dem Ziel des Schutzes der natürlichen Steppenpflanzengemeinschaft eingerichtet.<ref name=Ministerium>Vorlage:Monitor Polski</ref> Es entstand am Südhang des Kalkberges, wo von 1812 bis 1972 Gips unterirdisch abgebaut wurde, die Abbauspuren sind heute noch am Rande des Naturschutzgebietes erkennbar.
Ein von 2007 bis 2013 laufendes Projekt des operativen Regionalprogramms der Woiwodschaft Oppeln mit Unterstützung des europäischen Regionalentwicklungsprogramms hat den Erhalt der ursprünglichen Pflanzengemeinschaft zum Ziel.<ref name="Regionalprogramm">Restaurierung der xerothermischen Steppenheide des Schutzgebietes Góra Gipsowa. Projekt im Rahmen des operativen Regionalprogramms der Woiwodschaft Oppeln (2007–2013). Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 5. März 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Pflanzenbestand
Im Schutzgebiet findet man eine Steppenpflanzengemeinschaft, z. B. Bologneser Glockenblume (Campanula bononiensis L.), Walliser Schafschwingel (Festuca valesiaca), Rauer Alant (Inula hirta), Graugrüne Quecke (Elymus hispidus), Echter Wiesenhafer (Helictotrichon pratense), Schmalblättriger Dolden-Milchstern, Ungarische Kratzdistel (Cirsium pannonicum ), Mittleres Leinblatt (Thesium linophyllon), Violette Königskerze (Verbascum phoeniceum), Straußblütige Wucherblume (Tanacetum corymbosum), Rispige Graslilie (Anthericum ramosum), Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina), Feinblättrige Schafgarbe (Achillea setacea), Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora), Sichelblättriges Hasenohr (Bupleurum falcatum), Weißes Fingerkraut (Potentilla alba).
Weblinks
Literatur
- Richard Keilholz: Die pontische Pflanzengemeinschaft der Gipsberge bei Katscher. Der Oberschlesier, 9. Jg., Heft 6, Juni 1927, S. 326–336.
- A. Pokorny: Von den Gipsgruben und dem Kalkberg, zwischen Katscher und Dirschel gelegen. Leobschützer Heimatblatt, Heft 5, 1968, S. 22.
- M. Syniawa: Richard Keilholz. Przyroda Górnego Śląska, Nr. 57, 2009, S. 13–15.
Quellenangaben
<references />
Koordinaten: 50° 3′ 23″ N, 17° 59′ 35″ O
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