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Nadel-Blasssporrübling

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Nadel-Blasssporrübling
Datei:Micromphale.perforans.-.lindsey.jpg

Nadel-Blasssporrübling (Paragymnopus perforans)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Omphalotaceae
Gattung: Paragymnopus
Art: Nadel-Blasssporrübling
Wissenschaftlicher Name
Paragymnopus perforans
(Hoffm. : Fr.) J.S. Oliveira

Der Nadel-Blasssporrübling (Paragymnopus perforans<ref name=":0">Jadson J. S. Oliveira, Ruby Vargas-Isla, Tiara S. Cabral, Doriane P. Rodrigues, Noemia K. Ishikawa: Progress on the phylogeny of the Omphalotaceae: Gymnopus s. str., Marasmiellus s. str., Paragymnopus gen. nov. and Pusillomyces gen. nov. In: Mycological Progress. Band 18, Nr. 5, Mai 2019, ISSN 1617-416X, S. 713–739, doi:10.1007/s11557-019-01483-5.</ref>, syn. Gymnopus perforans, Marasmiellus perforans, Micromphale perforans)<ref>Vladimír Antonín, Machiel E. Noordeloos: A monograph of marasmioid and collybioid fungi in Europe. IHW-Verlag, Eching, Germany 2010, ISBN 978-3-930167-72-2, S. 1–479.</ref><ref name="speciesfungorum" /> ist eine Pilzart aus der Familie der Omphalotaceae und die Typusart der Gattung Paragymnopus.<ref name=":0" /> Er wird auch Nadel-Schwindling, Nadel-Zwergschwindling oder Nadel-Stinkschwindling genannt. Der kleine, unscheinbare, schwindlingartige Pilz, der häufig scharenweise in der Nadelstreu von Fichtenwäldern wächst, zeichnet sich in erster Linie durch seinen widerlichen, an faulenden Kohl erinnernden Geruch aus.

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Der 0,5–1,5 cm breite, jung gewölbte, doch schon bald abgeflachte Hut ist in der Mitte leicht vertieft oder andeutungsweise genabelt. Die Hutoberfläche ist über die ganze Länge radial runzelig gefurcht. Trocken ist der Hut weißlich bis beigefarben, bei Feuchtigkeit fleischbräunlich.

Die am Stiel angewachsen bis schmal angehefteten Lamellen sind weißlich bis hellbeige und stehen sehr entfernt. Sie sind untermischt oder teilweise verkümmert, sodass sie nicht den Stiel erreichen, bisweilen können sie aber auch leicht daran herablaufen. Das inamyloide Sporenpulver ist weiß. Der 2–4 cm lange Stiel ist schwarzbräunlich, an der Spitze etwas heller und über die ganze Länge fein bereift oder flockig. Er ist 1–1,5 mm breit, stielrund, innen hohl, elastisch und von fast hornartiger Konsistenz. Meist sitzt der Stiel einer einzigen Fichtennadel auf.

Das Fleisch ist im Hut gelatinös, was man bei einem Längsschnitt durch den Hut mit der Lupe gut erkennen kann. Der Geruch ist unangenehm und erinnert an faulenden Kohl. Zudem hat er auch eine knoblauchartige Komponente. Der unangenehme Geruch kann beim Trocknen vollständig verschwinden. Der Geschmack ist mild.<ref name="gerhart" /><ref name="laux" /><ref name="krieglsteiner" />

Mikroskopische Merkmale

Die elliptischen-tropfenförmigen Sporen sind 5–8 µm lang und 3–3,5 µm breit. Die Huthaut besteht aus liegenden, inkrustierten Hyphen mit koralloiden Auswüchsen (sogenannte Rameales-Struktur; die Eigenschaft, koralloide Auswüchse zu zeigen wird auch als divertikulat bezeichnet).<ref name=":0" /> Die Hyphen sind in eine Schleimmatrix eingelagert<ref name=":0" /> und die dicken Zellwände quellen hier gelatinös auf<ref name=":0" />, sodass sie unter dem Mikroskop nicht scharf abgebildet werden.<ref name="gerhart" /><ref name="krieglsteiner" /> Der Hutdeckschichttyp ist eine dünne Ixocutis.

Artabgrenzung

Der Nadel-Blasssporrübling ist vor allem durch seinen Standort gekennzeichnet. Der Rosshaar-Schwindling (Gymnopus androsaceus) kann leicht mit ihm verwechselt werden, da er das gleiche Substrat besiedeln kann. Er hat einen mehr fleischbräunlichen Hut und ist zudem geruchlos. Sein Stiel meist noch erheblich dünner als der des Nadel-Blasssporrübling.

Der Halsband-Schwindling (Marasmius rotula) wächst an Laubholzästchen. Seine Lamellen sind zu einem Collar zusammengewachsen und erreichen so nicht den Stiel.<ref name="gerhart" />

Ökologie

Der Pilz lebt saprobiontisch in der Nadelstreu von Nadelwäldern. Er ist eine Charakterart der heimischen bodensauren Fichten-Weißtannen-Wälder und Fichten- und Kiefern-Moorwälder. Unter Fichten kann man den Pilz aber auch in anderen Waldgesellschaften finden. In erster Linie dienen Fichtennadeln als Substrat, der Pilz kann aber auch auf Tannennadeln und seltener auf Kiefernnadeln wachsen.

Die Fruchtkörper erscheinen von Juni bis November. Sie wachsen häufig gesellig bis rasig. Man kann den häufigen Pilz vom Hügel- bis ins höhere Bergland finden. Im Flachland ist er recht selten.<ref name="krieglsteiner" />

Verbreitung

Datei:Distribution of Gymnopus perforans.svg
Verbreitung des Nadel-Schwindlings in Europa. Grün eingefärbt sind Länder, in denen der Pilz nachgewiesen wurde. Weiß dargestellt sind Länder, in denen der Pilz bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Grau dargestellt sind Länder ohne Quellen oder Länder außerhalb Europas.<ref name="pilzoek" /><ref name="krieglsteiner" /><ref name="GBIF" /><ref name="Bulgaria" /><ref name="Macedonia" /><ref name="NBN" />

Der Nadel-Blasssporrübling ist eine holarktische Art, die in Nordasien (Kleinasien, Kaukasus, Japan), Nordamerika (USA) und Europa vorkommt.<ref name="GBIF" /> In Europa reicht das Verbreitungsgebiet von der meridionalen bis borealen Klimazone, sodass der Pilz in nahezu ganz Europa verbreitet ist. Im Süden findet man ihn von Spanien, über Italien bis nach Rumänien. Im Norden kommt der Pilz in ganz Fennoskandinavien vor. In Norwegen reicht das Verbreitungsgebiet bis zum Polarkreis, in Finnland bis zum 70. Breitengrad. Der Pilz ist ebenso in Osteuropa verbreitet, wo man ihn in Estland, Lettland und der Ukraine findet. In Deutschland kommt der Nadel-Blasssporrübling von der dänischen Grenze bis weit in die Alpen hinein vor. In Nadelwaldgebieten ist die Art in Deutschland<ref name="pilzkartierung" /> und Österreich<ref name="austria" /> sehr häufig.<ref name="pilzkartierung" />

Systematik

Der Nadel-Schwindling wurde in der Vergangenheit mehreren Gattungen zugeordnet. So wurden Pilze mit schwindlingsartigen Fruchtkörpern, die einen Geruch nach fauligem Kohl oder fauligem Lauch aufweisen, in der Gattung Stinkschwindlinge (Micromphale) platziert<ref name="gerhart" />. Die Gattung der Stinkschwindlinge erwies sich aber als polyphyletisch und alle Mitglieder wurden unterschiedlichen Gattungen zugeordnet, sodass die Gattung der Stinkschwindlinge obsolet wurde. Hierbei wurde der Nadel-Schwindling der Gattung der Blasssporrüblinge (Gymnopus) zugeordnet.<ref>Machiel E. Noordeloos, VladimírI Antonín: Contribution to a monograph of marasmioid and collybioid fungi in Europe. In: Czech Mycology. Band 60, Nr. 1, 2008, S. 21–27.</ref> Es hat sich aber herausgestellt, dass auch die Gattung der Blasssporrüblinge polyphyletisch ist und in mehrere Gattungen zerteilt werden muss.<ref name=":0" /> Aktuell wurde daher der Nadel-Schwindling aus der Gattung der Blasssporrüblinge wieder herausgenommen und in eine eigene Gattung Paragymnopus gestellt.<ref name=":0" /> Als Typus der Gattung steht der Nadel-Schwindling in der Sektion Paragmynopus sect. Paragymnopus, nachdem mit Paragymnopus sect. Pinophili eine weitere Sektion dieser neuen Gattung definiert wurde.<ref name=":0" />

Die Gattung Paragymnopus ist trotz der makroskopischen Ähnlichkeit ihrer Vertreter mit Schwindlingen im engen Sinn (Gattung Marasmius) kein Teil der Schwindlingsverwandten (Marasmiaceae), sondern ist als Mitglied der Familie der Omphalotaceae näher mit den Ölbaumpilzen (Gattung Omphalotus) verwandt.<ref name=":0" />

Bedeutung

Der Nadel-Blasssporrübling ist kein Speisepilz. Er ist zu klein und dünnfleischig, als dass sich ein Sammeln lohnen würde, außerdem lädt der widerliche Geruch kaum zum Verzehr ein.<ref name="laux" />

Quellen

Einzelnachweise

<references> <ref name="austria"> Datenbank der Pilze Österreichs. In: austria.mykodata.net. Österreichischen Mykologischen Gesellschaft, abgerufen am 19. März 2012. </ref> <ref name="Bulgaria"> Cvetomir M. Denchev, Boris Assyov: CHECKLIST OF THE MACROMYCETES OF CENTRAL BALKAN MOUNTAIN (BULGARIA). In: Mycotaxon. Band 111, 2010, S. 279–282 (mycotaxon.com [PDF; 592 kB]). </ref> <ref name="laux"> Hans E. Laux (Hrsg.): Der Kosmos PilzAtlas. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-440-10622-5, S. 76. </ref> <ref name="GBIF"> Weltweite Verbreitung von Gymnopus perforans. In: GBIF Portal / www.gbif.org. Abgerufen am 19. März 2012. </ref> <ref name="gerhart"> Ewald Gerhart (Hrsg.): Pilze Band 1: Lamellenpilze, Täublinge, Milchlinge und andere Gruppen mit Lamellen. Spektrum der Natur BLV. Intersivführer. Band 1. BLV Verlagsgesellschaft, München / Wien / Zürich 1984, ISBN 3-405-12927-3, S. 104. </ref> <ref name="krieglsteiner"> German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 3: Ständerpilze. Blätterpilze I. Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3536-1, S. 334. </ref> <ref name="pilzkartierung"> Pilz-Verbreitungsatlas - Deutschland. In: Pilzkartierung 2000 Online / brd.pilzkartierung.de. Abgerufen am 19. März 2012. </ref> <ref name="Macedonia"> Svetozar Petkovski: Final Report: National Catalogue (Check List) of Species. (PDF; 1,6 MB) 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. Februar 2010; abgerufen am 30. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="NBN">Grid map of Gymnopus perforans. In: NBN Gateway / species.nbnatlas.org. Abgerufen am 21. März 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="pilzoek"> Micromphale perforans. Pilzoek-Datenbank, abgerufen am 17. April 2012. </ref> <ref name="speciesfungorum"> Synonyme von Gymnopus perforans. (Hoffm.) Antonín & Noordel., in Noordeloos & Antonín, Czech Mycol. 60(1): 25 (2008). In: SpeciesFungorum / speciesfungorum.org. Abgerufen am 19. März 2012. </ref> </references>

Weblinks