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Nachtwache (1949)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Nachtwache ist ein deutscher Spielfilm des Regisseurs Harald Braun aus dem Jahr 1949. Die Hauptrollen sind mit Luise Ullrich, Hans Nielsen, René Deltgen und Dieter Borsche besetzt. Die neunjährige Angelika Voelkner gibt in diesem Film ihr Debüt.

Damalige Filmplakate warben folgendermaßen für den Film: „Ein ergreifender Film von der Wandelbarkeit des Herzens. Zu diesem Film nimmt man den liebsten Menschen mit. So schön ist er!“<ref name="filmundgeschichte" />

Handlung

Johannes Heger kommt mit seiner zehnjährigen Tochter Lotte in den kleinen Ort Burgdorf, um die dort freigewordene Stelle als evangelischer Pfarrer anzutreten. In einem Krankenhaus macht er die Bekanntschaft der Ärztin Cornelie Badenhausen. Beide sind sich auf Anhieb sympathisch. Während gemeinsamer Gespräche stellt sich heraus, dass Cornelie ein sehr reserviertes Verhältnis zu Gott und zur Kirche allgemein hat. Dass das daher rührt, dass Cornelie den Verlust ihrer kleinen Tochter nicht verwinden kann und mit Gott hadert, erfährt er erst später. Cornelie wiederum stellt während der Gespräche mit Johannes Heger fest, dass etwas in ihrem Leben fehlt, dass da eine Leere ist, die sie nicht auszufüllen vermag.

Zu seinem katholischen Glaubensbruder, Kaplan von Imhoff, findet Heger schnell Zugang, beide Männer verbindet eine ähnliche Auffassung darüber, wie sie den Menschen in dieser schweren Nachkriegszeit beistehen können. Noch wissen sie nicht, dass auch für sie eine besondere Nacht kommen wird.

Nun fügt es sich, dass der Schauspieler Stefan Gorgas nach Burgdorf kommt, da er die Rolle des Jedermann in Hugo von Hofmannsthals Schauspiel übernommen hat. Außerdem ist er ein Freund von Kaplan Imhoff; beide waren während des Krieges Kampfflieger in einer Einheit. Auch um den alten Freund wiederzusehen, hat er das Engagement in Burgdorf gern angenommen. Er weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, dass er hier auf Cornelie Badenhausen, die Mutter seines in den letzten Kriegstagen während der Bombennächte umgekommenen Kindes, treffen wird.

Die Dinge spitzen sich zu, als Cornelie und Gorgas aufeinandertreffen. Ihre Wege hatten sich während des Krieges getrennt, nun möchte Gorgas die Beziehung wieder aufleben lassen, Cornelie jedoch will davon nichts wissen. In seiner Enttäuschung provoziert Gorgas einen Skandal und Cornelie wird nahegelegt, ihre Stelle zu kündigen. Vergeblich bemüht sich Pfarrer Heger um eine für alle akzeptable Lösung. Cornelie will nur noch weg und begibt sich zum Bahnhof.

Ein tragisches Ereignis durchkreuzt ihre Pläne und alles kommt anders. Hegers Tochter Lotte schaukelt mit Gorgas in einer Schiffschaukel, als sie Cornelie in ihrem Wagen vorüberfahren sieht. Das Mädchen will ihr zuwinken, verliert dabei das Gleichgewicht und stürzt aus der Schaukel. Vergeblich bemüht sich nicht nur Cornelie im Krankenhaus darum, Lottes Leben zu retten. „Mückchen“, wie Pfarrer Heger seine kleine Tochter immer liebevoll gerufen hat, schließt für immer die Augen.

In dieser schicksalsträchtigen Nacht ist Kaplan von Imhoff an Hegers Seite und versucht, ihm beizustehen. Aber alles Flehen zu Gott war vergeblich. Pfarrer Heger stellt seinen Glauben in Frage und die Verzweiflung über den Tod seines geliebten Kindes schlägt über ihm zusammen. Nun ist es Gorgas, der ihm den Weg zurück zu Gott weist. Gorgas, der sich die Schuld an Lottes Tod gibt, will aus Verzweiflung in den Freitod springen. Da ist Pfarrer Heger zur Stelle und hilft dem verzweifelten Mann und findet so auch selbst zum Glauben zurück.

Und Heger schafft es auch, den ersten Kindergottesdienst ohne seine „Mücke“ durchzustehen. Cornelie, die ihn dorthin begleitet hat, ist beeindruckt von seiner inneren Kraft und stellt fest, dass Verwurzelung im Glauben mehr als eine leere Floskel ist und findet dadurch ihren Glauben an Gott wieder.

Befreit stimmt sie in den Lobgesang der Kinder mit ein: Erhebet eure Herzen – wir erheben sie zum Herrn.

Produktion

Hintergrund, Produktionsnotizen

Nachtwache war der erste deutsche Film nach 1945, an dessen Realisierung sich die evangelische Kirche finanziell und ideell beteiligte.<ref name="Luise">Nachtwache Wache im Dunkeln – Bischofshut und Baskenmütze.
In: Der Spiegel Ausgabe 44/1949 vom 26. Oktober 1949, S. 34. Abgerufen am 7. April 2012.</ref> Auf der Seite Lernwerkstatt Film und Geschichte wurde ausgeführt, dass das Besondere bei Nachtwache gewesen sei, dass „für diesen Film mit seiner religiösen Thematik, dessen Produktion u. a. durch kirchliche Bürgschaften finanziert“ worden sei „und dessen Dreharbeiten von Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche beratend begleitet“ worden seien, „zusätzlich zu dem ‚normalen‘ Kinopublikum ein besonderer Interessenkreis“ habe „gewonnen werden“ sollen: „kirchliche Persönlichkeiten, konfessionelle Schulen und Jugendorganisationen“ und „Leser konfessionell gebundener Zeitschriften“.<ref name="filmundgeschichte">Nachtwache (1949) filmundgeschichte.com, 12. Januar 2022, aktualisiert am 29. April 2025. Abgerufen am 20. April 2026.</ref>

Der Filmtitel sollte eigentlich „Die Nachtwache“ lauten, man strich den Artikel aber, vermutlich, um ihn etwas allgemeingültiger klingen zu lassen. Es handelt sich um eine westdeutsche Produktion, kurz nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland entstanden. Eine Filmgesellschaft aus Göttingen, Filmaufbau GmbH, kooperierte hierzu mit einer Münchner Gesellschaft, Neue Deutsche Filmgesellschaft, wobei die Idee zu diesem Film in Göttingen anzusiedeln ist.

Die Dreharbeiten fanden im Filmatelier Göttingen statt sowie in Einbeck und in Göttingen. Die Filmbauten lagen in der Hand von Walter Haag. Die Musik spielte das Philharmonisch Orchester München unter Mitwirkung des Sängerchors der Kantorei Göttingen. Nachtwache war der erste Film von Angelika Voelkner, die damit zum Kinderstar avancierte (sie spielte von 1955 bis 1957 auch die „Dick“ in der Immenhof-Trilogie).

Veröffentlichung

Die Premiere des Films fand am 21. Oktober 1949 in Hannover in den Weltspielen statt. Nachtwache wurde ein überwältigender Publikumserfolg in den späten 1940er/frühen 1950er Jahren.<ref name="Kaplan">Nachtwache neu.deli.de/Stadtarchiv Göttingen.de. Abgerufen am 20. April 2026.</ref><ref name="filmundgeschichte" />

In Österreich war der Film erstmals am 31. März 1950 zu sehen, in den Niederlanden (Amsterdam) lief er am 19. Januar 1951 an, in Schweden am 27. März 1951, in Dänemark am 22. Oktober 1951, in Finnland am 9. November 1951, in Portugal am 28. November 1951, in Belgien am 26. September 1952 und in den Vereinigten Staaten am 29. Mai 1953 unter dem Titel Keepers of the Night.

Alive/Fernsehjuwelen gab den Film am 20. August 2021 innerhalb der Reihe „Juwelen der Filmgeschichte“ auf DVD heraus. Ein Booklet liegt der DVD als Bonusmaterial bei.<ref>Nachtwache fernsehjuwelen.de (inkl. Abb. DVD-Hülle und Filmtrailer)</ref>

Rezeption

Kritik

In der zeitgenössischen Kritik nach der Uraufführung des Films am 27. Oktober 1949 lobte man vor allem „die ökumenische Grundaussage des Films, sowie den Verzicht auf ‚Bekehrungstendenzen‘ und die eindeutigen Antworten auf die ‚drängenden Fragen‘ der Zeit.‘“<ref name="filmundgeschichte" />

So schrieb der Kritiker Gerd Schulte in der Norddeutschen Zeitung vom 22. Oktober 1949, „Nachtwache“ sei „ein überzeitlicher Zeitfilm“ und sein Thema sei „die ewige, bang hoffende, zweifelnde und oft verzweifelte Frage nach Gott“. Aber „diese ewige Frage“ erhebe „sie aus der Not unserer Zeit. Ein solches Thema zu wählen und aus einemm solchen Geiste zu behandeln,“ sei „avantgardistisch. Die Regie von Harald Braun“ sei „es nicht. (…)“.<ref name="filmundgeschichte" />

Im Evangelischen Filmbeobachter war seinerzeit zu lesen: „Und es wäre falsch, die starke Ergriffenheit, mit der das Publikum den Film verläßt, allein auf das Konto des Mitleidens und des Rührseligen zu setzen. Mancher notvolle Mensch unserer Tage begegnet hier den Fragen seines eigenen Lebens. Und, was das überraschende dieses Films ist, er erhält eine Antwort.“<ref name="filmundgeschichte" />

In einer weiteren Kritik der damaligen Zeit schrieb W. Müller-Debus am Ende seiner Betrachtungen: „Die bedeutende Wirkung und die (…) nachweislichen Erfolge machen diesen Film zu einem Bahnbrecher auf einem freilich ebenso gewagten wie zukunftsträchtigen Wege, der aber aus Liebe zu dem ausweglos suchenden Menschen unserer Zeit mutig weiter beschritten werden sollte.“<ref name="filmundgeschichte" />

Anja Horbrügger schrieb in ihrem Werk Geschlechterkonstruktionen im west- und ostdeutschen Nachkriegsfilm von 1945 bis 1952: „Eingebettet in den Rahmen der Religiosität werden die in der Darstellung der Geschlechter verhandelten Fragen nach Moral, Autorität, Sinnstiftung und verbindlichen Werten Vorreiter eines Diskurses, der am Ausgang der vierziger Jahre bereits die für die Adenauer-Zeit spezifischen Themen behandelt. Nachtwache ist gleichsam auch Abgesang einer für den Trümmerfilm typischen Mentalität des ‚Grüblerischen‘ und des Fatalismus: Der Zweifler weicht den ‚höheren Mächten‘, die Schuldfrage dem Verdrängen, der Antifaschismus dem Opportunismus.“<ref name="filmundgeschichte" />

Im KinoTageBuch wurde Luise Ullrich als „eine nach dem Bombentod ihres Kindes vom Glauben abgefallene Ärztin“ und „patent“ in ihrer Rolle apostrophiert. Rene Deltgen als ihr früherer Geliebter wurde als „desillusionierter Schauspieler“ und als „rabiat“ in seiner Rolle bezeichnet. Von Hans Nielsen, der einen protestantischen Pastor verkörpert, hieß es, er agiere „leutselig“, wo hingegen Dieter Borsche, der einen katholischen Kaplan darstellt, als „teilnehmend“ wahrgenommen wurde. Weiter wurde ausgeführt: „Angesichts der kürzlich erlebten historisch-moralischen Katastrophe drängen sich Sinn-, Schuld- und Zweifelsfragen auf, deren Verhandlung jedoch – wie üblich in jenen Jahren – weitgehend privat (und damit paradoxerweise abstrakt) bleibt. ‚Gott spricht, auch wenn er schweigt‘, heißt es einmal im Dialog. In ‚Nachtwache‘ wird nicht geschwiegen, ganz im Gegenteil: es wird pausenlos in hohen bis höchsten Tönen gesprochen, dabei jedoch kaum etwas Greifbares gesagt …“ Von Harald Braun hieß es, dass er sein „symbolbefrachtetes Seelen- und Erbauungsdrama schattenreich-düster wie einen film noir“ inszeniere und „einige Hiobsbotschaften für seine Figuren“ bereithalte, aber „keineswegs dem Nihilismus das Wort“ rede: Am Ende werde „in der Finsternis ein ewiges Licht entzündet und den Skeptikern (auf der Leinwand und im Publikum) dringend empfohlen, sich ins himmlisch-unbegreifliche Geschick zu fügen“.<ref>Nachtwache (Harald Braun, 1949) kinotagebuch.blogspot.com, 19. Januar 1949. Abgerufen am 20. April 2026.</ref>

Das Lexikon des internationalen Films kam zu dem Ergebnis: „Der erste religiöse deutsche Nachkriegsfilm war bei Publikum und Kritik wohl auch deshalb ein großer Erfolg, weil er ein Bedürfnis nach moralischer Geborgenheit im Schoß der Kirche befriedigte. Aus der zeitlichen und emotionalen Distanz sind Sentimentalität, spirituelle Halbherzigkeit und Geschwätzigkeit des ökumenischen Dramas deutlicher zu erkennen. Auch die filmische Umsetzung kann trotz sichtbarer Bemühungen des Regisseurs nicht ganz überzeugen.“<ref>{{#if: 2017-03-02

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Der Spiegel schrieb seinerzeit: „Ein evangelischer und ein katholischer Geistlicher, beide, bei allem konfessionell Trennenden, einander verbunden in der gemeinsamen Idee des Christentums, haben mit ihren Worten kaum Einfluss auf die Zweifelnde und den Höhnenden. Erst was geschieht, erschüttert die Glaubenslosigkeit dieser Menschen. Dem evangelischen Geistlichen verunglückt das einzige Kind, während er am Altar steht. Auch er gerät in Anfechtung, aber er wird wieder unerschütterlich sicher im Glauben, als er neu die Aufgabe erkennt, hilfreich da zu sein für andere, Nachtwache zu halten im Dunkeln. Der Film schließt mit dem Gesang des Hosianna.“<ref>Nachtwache. In: Der Spiegel 44/1949, S. 34.</ref>

Reclams Filmführer sah das ähnlich wie die vorhergehenden Kritiker und führte aus: „Der mit Problemem überfrachtete, allzu sentimentale und pathetische Film ist für die Entwicklung des deutschen Films nicht ohne Bedeutung. Die Nachtwache erschien damals vielen Kritikern beispielhaft; und sie hatte auch beim Publikum einen sensationellen Erfolg. Dies wohl nicht zuletzt deshalb, weil hier eine private Lösung der Zeitprobleme verheißen wurde.“<ref>Nachtwache. In: Reclams Filmführer. Von Dieter Krusche, Mitarbeit: Jürgen Labenski. S. 428. Stuttgart 1973.</ref>

Auszeichnungen

Der Film erhielt 1949 die Prädikate „künstlerisch wertvoll“ und „kulturell wertvoll“.<ref name="Auszeichnung">Nachtwache bei filmportal.de</ref> 1950 und 1951 wurde er jeweils mit einem Bambi ausgezeichnet als „Bester künstlerischer deutscher Film 1949“ und als „Geschäftlich erfolgreichster deutscher Film 1950“.<ref name="Auszeichnung" /> Von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden erhielt er 1952 das Prädikat „wertvoll“.<ref name="Auszeichnung" />

Auf der Biennale in Venedig wurde Nachtwache zum besten deutschen Film gewählt.<ref name="Kaplan" />

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Filme von Harald Braun