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Salomo Friedlaender

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(Weitergeleitet von Mynona)
Datei:Salomo Friedlaender (Mynona).jpg
Friedlaender/Mynona. Foto: Atelier Anny Eberth, Berlin, um 1928 (Berlinische Galerie / Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur)
Datei:Gedenktafel Johann-Georg-Str 20 Salomo Friedlaender.JPG
Gedenktafel (1972) am Haus Johann-Georg-Straße 20 in Berlin-Wilmersdorf. Zu korrigieren: von 1914 bis ... 1933; Friedlaender (mit ae)

Salomo Friedlaender (Namensvariante: Friedländer; Pseudonym: Mynona; geb. 4. Mai 1871 in Gollantsch bei Posen; gest. 9. September 1946 in Paris) war ein deutscher Philosoph, Schriftsteller, Satiriker und Literaturkritiker.

Unter seinem Realnamen S. Friedlaender veröffentlichte er philosophische Bücher und Essays, Rezensionen, zeitkritische Stellungnahmen und Anthologien. Besonders der Buchtitel Schöpferische Indifferenz ist bis heute mit seinem Namen verknüpft. Ab 1909 publizierte er unter dem Ananym Mynona Lyrik, Romane, Novellen, Satiren, Parodien, eine Studie zu George Grosz sowie zahlreiche Grotesken, die ihn im deutschen Sprachraum rasch bekannt machten. Im Oktober 1933 zur Emigration gezwungen, lebte er unter prekären Bedingungen in Paris. Der fast vollständig überlieferte Nachlass befindet sich in der Akademie der Künste und im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Seit 2025 liegen die gesammelten Schriften in 41 Bänden vor, mit umfangreichen, bislang unbekannten Texten und Abbildungen.

Leben

Friedlaender war der älteste Sohn einer jüdischen Familie. Sein Vater war angesehener Arzt, die Mutter Musikerin.<ref name="Exner" details="S. 17–23.">Lisbeth Exner: Fasching als Logik. Über Salomo Friedlaender / Mynona. Belleville Verlag, München 1996, ISBN 978-3-923646-35-7.</ref><ref name="NDB">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#ifeq: 0 | 0

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}}</ref> Krankheitsbedingt (Asthma) legte er erst mit 23 Jahren das Abitur ab, 1894 in Freiburg im Breisgau. Im November 1894 begann er an der Universität München Medizin zu studieren, wechselte im April 1895 nach Berlin zu Zahnmedizin, ab Mai 1896 zu Philosophie.<ref name="GS18" details="Zeittafel: S. 524–536.">Salomo Friedlaender/Mynona: Gesammelte Schriften. Band 18, 2016, ISBN 978-3-7431-7889-2.</ref> In diesem Jahr erschien seine erste Veröffentlichung.<ref>S. Friedlaender: Schopenhauers Pessimismus und seine Metaphysik des Schönen, Metaphysische Rundschau (Berlin-Zehlendorf) 1, Nr. 3 (September 1896), S. 237–249.</ref>

Ab Mai 1897 studierte er an der Universität Jena Philosophie sowie Archäologie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Seine Doktorarbeit über Arthur Schopenhauers verfehlte Kritik an Immanuel Kant wurde 1899 von Otto Liebmann angenommen. Im zweiten Anlauf bestand Friedlaender Anfang 1902 das Rigorosum.<ref name="Exner" details="S. 27–29." /><ref name="GS18" details="Promotionsakten: S. 39–54." />

Seit März 1902 lebte er als freier Schriftsteller in Berlin. Am 12. September 1911 heiratet er Marie Luise Schwinghoff, am 12. Juni 1913 wird ihr einziger Sohn Heinz Ludwig geboren. Friedlaender bestritt seinen Lebensunterhalt zeitweise als Vorleser, vor allem durch Mitarbeit an Zeitungen: Vossische Zeitung (1904–1931), Berliner Tageblatt (1913–1929), Berliner Börsen-Courier (1913–1932), Münchner Neueste Nachrichten (1925–1933) u. a. In rund 80 Aufsätzen und 130 Rezensionen setzte er sich mit der intellektuellen Prominenz auseinander: Henri Bergson, Max Scheler, Werner Sombart, Walther Rathenau, Hermann Graf Keyserling, Ernst Bloch, Gerhart Hauptmann, Franz Werfel, Thomas Mann, Hugo Ball, Oswald Spengler etc.<ref>Die Rezensionen sind gesammelt in Gesammelte Schriften, Band 2 und 3, 2007. ISBN 978-3-8334-7022-6 und ISBN 978-3-8334-7023-3.</ref>

Teils unter dem Pseudonym Mynona (Anonym rückwärts) beteiligte er sich ab 1910 an expressionistischen Zeitschriften. Seit 1911 hielt er Vorträge im Neuen Club und anderen Foren, reiste auch oft zu Lesungen im ganzen deutschen Sprachraum. 1913 nahm er an Ludwig Meidners Atelierabenden teil, in den 1920er Jahren war er Mittelpunkt der Jours von Arthur Segal.<ref name="GS18" details="Zeittafel, S. 524–536; Vorträge und Lesungen, S. 537–552."/><ref name="GS41" details="Lesungen, S. 119–135."/>

Für seine Novelle Der antibabylonische Turm erhielt Friedlaender 1932 den von der Gesellschaft der Bibliophilen ausgesetzten Preis. Als man ihm bei der Drucklegung mit dem KZ Oranienburg drohte, floh er im Oktober 1933 mit Frau und Sohn nach Paris.<ref name="GS13" details="Detlef Thiel: Einleitung, S. 36–51."> Gesammelte Schriften, Band 13, 2012, ISBN 978-3-8448-1028-8</ref> Ohne Publikationsmöglichkeiten, unter dem Existenzminimum, überlebte er mit Hilfe von Verwandten und Freunden. Sein Sohn Heinz Ludwig verbrachte ab 1939 sechs Jahre als Zivil-Internierter in 18 französischen und Schweizer Lagern.<ref name="GS33" details="Liste der Lageraufenthalte: S. 636–637.">Friedlaender/Mynona: Gesammelte Schriften, Band 33, Briefwechsel X, 2021, ISBN 978-3-7543-4972-4.</ref> Friedlaenders Berliner Bibliothek, Anfang 1941 endlich versandfertig, wurde auf dem Bahnhof Halensee zerbombt.<ref name="GS32" details="S. 231, 246, 278, 314, 620."> Gesammelte Schriften, Band 32, Briefwechsel IX, 2021, ISBN 978-3-7528-9860-6</ref> Ab Herbst 1941 verließ er fast zwei Jahre lang die Wohnung nicht. Seine ‚arische‘ Frau Marie Luise wurde Anfang 1943 neun Wochen lang im Lager Drancy (bei Paris) festgehalten.<ref name="GS33" details="S. 564–572."/> Im Exil so gut wie verschollen, war Friedlaender/Mynona lange vergessen. Seit 1965 erschienen nur kleine ‚humoristische‘ Sammlungen.

Werk

Friedlaender veröffentlichte zunächst Aphorismen, Essays und drei gemeinverständliche Bücher, in deren Schlusskapiteln er seine philosophische Position skizzierte.<ref>Robert Julius Mayer (1905, Gesammelte Schriften, Band 12),
Logik. Die Lehre vom Denken und Psychologie. Die Lehre von der Seele (beide 1907, Gesammelte Schriften, Band 6).</ref> Georg Simmel verschaffte ihm den Auftrag für ein Buch über Nietzsche und förderte die Publikation. Friedrich Nietzsche. Eine intellektuale Biographie (1911) ist keine Lebensbeschreibung, sondern ein kritischer Gang durch das damals bekannte Werk. Wie bei allen Büchern Friedlaender/Mynonas war das öffentliche Echo kontrovers.<ref name="GS9" details="Die bisher bekannten zeitgenössischen Rezensionen, S. 219–249.">Gesammelte Schriften, Band 9, 2009, ISBN 978-3-8391-2001-9.</ref><ref name="GS41" details="Weitere Rezensionen, S. 163–166."/> Eine neue Analyse unternimmt Clemens Brunn;<ref>Clemens Brunn: Der Wille zum Machen. Anmerkungen zu Kubins Nietzsche-Rezeption und zu seiner Philosophie einer Ästhetisierung der Welt durch die schöpferische Wirklichkeitsflucht. In: Peter Assmann (Hrsg.): Alfred Kubin und die Phantastik. Ein aktueller Forschungsrundblick, Phantastische Bibliothek, Wetzlar 2011, OHNE ISBN, S. 151–184, bes. S. 164–181.</ref> einen Überblick gibt Detlef Thiel.<ref>Detlef Thiel: Die Magie des Extrems und die Magie der Mitte. Nietzsche im Urteil Salomo Friedlaender/Mynonas. In: Renate Reschke (Hrsg.): Nietzscheforschung. Jahrbuch der Nietzsche-Gesellschaft, Band 20, Akademie Verlag, Berlin 2013. ISBN 978-3-05-005742-2, S. 325–342.</ref>

Seit Ende 1913 veröffentlichte Friedlaender mehrere Essays, die er in das Buch Schöpferische Indifferenz aufnahm. Es erschien kriegsbedingt erst im Sommer 1918. Auf 500 Seiten enthält es drei lange unbetitelte „Abhandlungen“, zwölf „Skizzen“ („Dionysismus“, „Ethik“, „Frieden“, „Wert“, „Liebe“, „Weltperson“, „Farbe“ u. a.) und 150 Seiten mit „Aphorismen“. Fussnoten, Literaturangaben, Register fehlen.<ref name="Lagaay" details="Einen Überblick gibt Detlef Thiel in der Einleitung zur englischen Teil-Übersetzung: The Indifferentism of Polar Performance, S. 21-29.">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref name="Grutsch" details="Einen Überblick über die Abhandlungen gibt Grutsch, S. 29–40.">Stefanie Grutsch: Salomo Friedlaender/Mynonas Prosa als utopische Literatur auf der Basis seiner Philosophie. Eine Analyse unter spezieller Berücksichtigung des philosophischen Werkes und am Beispiel des Romans „Graue Magie“. Magisterarbeit, Universität Tübingen, Deutsches Seminar, 2007. https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/46299/</ref> Es ist ein Kultbuch, oft erwähnt, aber bislang nur selten genauer studiert: „The cult book, yet largely unread.“<ref name="Lagaay" details="S. 125."/> Ansätze zur Interpretation und zur Beurteilung finden sich zunächst bei einigen zeitgenössischen Rezensenten.

Max Pulver erkennt: Friedlaender ist „durchglüht“ vom „ethischen Impuls der Zeit“. „Person (in seiner Ausdrucksweise Individuum)“ sei „empirisch betrachtet“ irreal, „das einzelmenschliche oder kollektivmenschliche Ich nur ihr Schatten, ja ihre Karikatur.“<ref>Max Pulver: Zwei philosophische Bücher. In: Münchner Neueste Nachrichten, Nr. 525 (16. Oktober 1918).</ref><ref name="GS10" details="S. 576.">Gesammelte Schriften, Band 10, 2009, ISBN 978-3-8391-2952-4.</ref> Walter Rheiner würdigt die „Philosophie des Dionysismus.“ „Wie Nietzsche den Sprengstoff des Individualismus in die Schopenhauersche Philosophie trug, so bringt Friedlaender diesen Individualismus zur Explosion.“<ref>Walter Rheiner: Philosophie des Dionysismus. In: 1919. Neue Blätter für Kunst und Dichtung (Dresden; Neudruck: Kraus, Nendeln 1970) Jg. 1 (März 1919), S. 264 f.</ref><ref name="GS10" details="S. 581 f."/> Erich Unger nennt das Buch „die wichtigste philosophische Begebenheit seit Nietzsche“ und einen „der kritischen Punkte in der deutschen Philosophie überhaupt“.

„Alle großen Positionen, die in der Geschichte des europäischen Denkens zu Blickpunkten gewählt wurden, scheinen uns hier in eine einzige zusammengezogen.“

Der Grundgedanke sei am ehesten greifbar „durch die Zusammenrückung der beiden nie zusammen gesehenen philosophischen Anblicke: Nichts der Unterschiede und: lebendige Person.“<ref>Erich Unger: Schöpferische Indifferenz. In: Die Zukunft (Berlin) Jg. 29, Nr. 52 (24. September 1921), S. 350–355.
Neudruck in Derselbe: Vom Expressionismus zum Mythos des Hebräertums. Schriften 1909 bis 1931, Hrsg. von Manfred Voigts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1992. ISBN 978-3-88479-712-9, S. 76–80.</ref><ref name="GS10" details="S. 594–599, hier S. 594 f.">Gesammelte Schriften, Band 10, 2009, ISBN 978-3-8391-2952-4.</ref>

Margarete Calinich sieht in der schöpferischen Indifferenz den

„Punkt des vollkommenen Nichts, in dem alle Unterschiede ausgeglichen ruhen; das Wesen dieses Nullpunkts ist die polare Gegensätzlichkeit. Im Auswirken und Ausgleichen dieser polaren Gegensätzlichkeit besteht das schöpferische Leben im Indifferenzpunkte. [...] Die Welt ist Äußerung dieses Prinzips, und zu dieser Äußerung gehört der Mensch selbst.“<ref>Margarete Calinich: Friedlaender, S., Schöpferische Indifferenz. In: Kant-Studien 34 (1929), S. 203 f.</ref><ref name="GS10" details="S. 610. Siehe auch die Besprechungen von Herman Schmalenbach und Anselm Ruest. Ebd. S. 584–586 u. S. 600–609."/>

Friedlaender setzt sich mit zahlreichen Autoren auseinander: Kant, Fichte, Schopenhauer, Bahnsen, Bergson, Pascal u. a.<ref name="GS10" details=" Detlef Thiel: Einleitung zur Neuausgabe, S. 20–85, hier S. 26, 28 u. 32"./> Nietzsches Bedeutung liege darin, dass er versuchte, von der „Allzumenschlichkeit“ sich zu befreien durch „die absolute Souveränität der eignen Person“. Aber mit dem Übermenschen habe er sich physiologisch verirrt.<ref name="GS10" details="S. 198 u. 105 f."/> Dagegen entwirft Friedlaender eine Figur, die sich nicht mehr vorzeigen oder verdinglichen lässt. Er umschreibt sie mit zahllosen Namen: „neutrale Größe“, „Subjekt, Seele, freier Wille, Selbst, Ich, Geist, Gott“ usw., „das allmächtige Inkognito der anonymen Person“.<ref name="GS10" details="S. 113, 105, 202 u. 24 f./> Um das naheliegendste Mißverständnis auszuräumen, erklärt Friedlaender: Mit der Formel „Schöpferische Indifferenz“ sei „kein einzelner Mensch gemeint, auch nicht die aus solchen Einzelheiten bestehende Menschheit, überhaupt nichts Einzelnes, sondern das Ganze, aber nicht objektiv, sondern subjektiv“.<ref name="GS10" details="S. 97."/>

Nietzsche behauptet: „Der Mensch aber ist etwas, das überwunden werden muß.“<ref>Nietzsche: Also sprach Zarathustra, IV, Der häßlichste Mensch.</ref> Friedlaender radikalisiert das zu der drastischen Forderung nach „Entmenschung“: „Stirb bei Lebzeiten“.<ref name="GS10" details="S. 127."/> Um die „Weltperson“ zu ermöglichen, soll die „Privatperson“ alle Unterschiede in ihrem Selbst vernichten, löschen, neutralisieren, sich „illokalisieren“.<ref name="GS10" details="Detlef Thiel: Einleitung, S. 28−33."/> Das derart indifferenzierte Individuum nennt Friedlaender auch „Schöpfer“. Dieser muss sich äußern: „Selbstentzweiung aus Überschwang“, aus „Überfülle“. Das heißt „Polarisation“.<ref name="GS10" details="S. 171, 138, 141 u. ö."/>

Unter Indifferenz versteht Friedlaender nicht Atheismus, Gleichgültigkeit, Desinteresse (Indifferentismus), sondern Unterschiedslosigkeit. Polarisieren heißt nicht: Meinungen vertreten, die von denen bestimmter Gruppen ideologisch oder affektiv abweichen (Politik), sondern: Pole erschaffen, Unterscheiden. Ohne Differenz, Kontrast, Opposition lässt sich gar nichts erkennen. Friedlaender betont die Dynamik:

„Indifferenz, welche sich extremisiert; Extreme, die einander berühren; das Selbe, das sich mit sich selber entzweit; Gegensätze, aus ihrer eigenen Identität entspringend und auf sie zurückstrebend.“<ref name="GS3" details="S. 704."> Gesammelte Schriften, Band 3, 2007, Philosophische Abhandlungen und Kritiken II, ISBN 978-3-8334-7023-3.</ref>

Dieses spezifische Konzept ist vor allem angeregt von Goethe:

„Das Geeinte zu entzweien, das Entzweite zu einigen, ist das Leben der Natur.“ – „Spannung ist der indifferent scheinende Zustand eines energischen Wesens in völliger Bereitschaft sich zu manifestieren, zu differenzieren, zu polarisieren.“<ref>Goethe: Farbenlehre (1810), § 739; Maximen und Reflexionen, in: Karl Richter u. a. (Hrsg.): Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Münchner Ausgabe. Band 17. Carl Hanser, München/Wien 1991, Nr. 1255.</ref>

Schelling und in seiner Nachfolge zahlreiche Vertreter der romantischen Naturphilosophie des 19. Jahrhunderts spekulierten mit dieser Denkfigur, ignorierten aber die aktive Funktion des Subjekts und suchten einen Indifferenzpunkt aus den Polen zu konstruieren.<ref>Zur Begriffsgeschichte der Polarität vgl. Detlef Thiel: Maßnahmen des Erscheinens. Friedlaender/Mynona im Gespräch mit Schelling, Husserl, Benjamin und Derrida, Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2012. ISBN 978-3-88309-783-1, S. 25–63.</ref> Friedlaender hingegen will „die Polarität den Klauen der Romantiker entreißen“.<ref>Gesammelte Schriften, Band 27, 2019. ISBN 978-3-7347-1997-4, S. 283.</ref> Sein erklärtes Ziel ist es, das „alte Gottvertrauen“ zu verwandeln in ein „Selbstvertrauen“, welches „die Indifferenz aller Weltdifferenzen ist und sie magisch regiert.“<ref name="GS3" details="S. 744." /> Ein solcher Schöpfer darf sich nicht mit seinen Geschöpfen verwechseln.<ref name="GS10" details="S. 556 u.ö." /> Friedlaender sucht zu allem Gegebenen das polare Gegenstück. Es kann verborgen sein, latent, verdeckt. Rechts/Links, Früher/Später, Plus/Minus, Positiv/Negativ, Dur/Moll usw.: Der eine Term ist nicht später oder schlechter als der andere. Beide Waagschalen sind gleichwertig. Es geht um Balance, elastisches Schweben, funktionierende Gegenseitigkeit.<ref>Vgl. Kirstin Zeyer: Wiederentdeckung eines vergessenen Kantianers. Friedlaender/Mynona: Gesammelte Schriften. In: Kant-Studien 101, 2010, S. 89–100, hier S. 92–94.</ref>

„In der Bibel figuriert Eva als bloße Rippe Adams. Diese Unterschätzung des weiblichen Pols ist Symptom einer lebensgefährlichen vital-kulturellen Disproportion.“<ref name="GS22" details="S. 537."> Gesammelte Schriften, Band 22, 2017: ICH-Heliozentrum. Philosophische Abhandlungen (aus dem Nachlaß, 1940-45), ISBN 978-3-7448-7063-4</ref>

Eine neuere Interpretin faßt zusammen:

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Die spätere Rezeption des Buches ist weit verzweigt. Nachweisbar sind Spuren bei Dadaisten, Künstlern (z. B. Johannes Itten, Max Burchartz), bei Kulturschriftstellern, bei Walter Benjamin u. a.<ref name="GS10" details="Ein Überblick bei Detlef Thiel: Einleitung, S. 37–62."/> Für Friedlaender entscheidend war die scharfe Kritik seines wichtigsten Gesprächspartners, den er 1899 durch seinen Schwager Salomon Samuel, Erster Rabbiner in Essen, kennengelernt hatte: Ernst Marcus (1856–1928), Amtsrichter und Philosoph in Essen, Verfasser von zwölf Büchern und vielen Abhandlungen zu Kant. „‚Was Sie wollen‘, sagte er mir, ‚ist Magie.‘“ – „Erschaffen Sie doch einmal Materie, wenn Sie Schöpfer sein wollen.“<ref name="GS18" details="S. 131 f." /><ref name="GS10" details="Vgl. Detlef Thiel: Einleitung, S. 63." />

Seitdem plante Friedlaender eine kritische Revision. Insofern ist Schöpferische Indifferenz das Hauptwerk nur seiner Berliner Jahre. Im Vorwort zur zweiten, unveränderten Auflage 1926 bekannte er sich ausdrücklich zu Marcus und Kant.<ref name="GS10" details="S. 93–95." /> Später urteilte er: Nietzsche habe zwar „die christliche Seele mit aller Gewalt zur Welt herumgedreht“, sie „gezwungen, die Welt und nicht mehr einen erflunkerten Himmel zu verklären“. Aber anstatt Kants Revolution der Denkart fortzuführen, verwechselte er sie mit Begriffskrüppelei.<ref name="GS3" details="S. 659." /><ref>Gesammelte Schriften, Band 6, 2008, ISBN 978-3-8334-8084-3, S. 62 ff.</ref>

Die Revision gelang Friedlaender erst 1935 im Pariser Exil mit dem Buch Das magische Ich. Die Publikation scheiterte 1937 an Geldmangel und wurde durch Hans-Georg Gadamer 1959 nochmals blockiert.<ref name="GS19" details="Detlef Thiel: Einleitung, S. 22–25. Gadamer: Briefe an Hermann Kasack, 6. Oktober 1959, und an Rolf Schütte, 8. Januar 1987.">Gesammelte Schriften, Band 19, 2015, ISBN 978-3-7386-1719-1.</ref> Die erste Annäherung unternahm Joseph P. Strelka 1971.<ref>Strelka: „Die Tiefe ist innen“ oder Der Groteske-Erzähler Mynona. In: Colloquia Germanica 5, Nr. 3 (1971), S. 267–282.</ref><ref name="Studien3" details="Neudruck, S. 118–120.">Detlef Thiel (Hrsg.): „Tummle dich, mein Publikum! Hier sind noch schöne Aufgaben zu lösen“. Berichte und Forschungsergebnisse aus 100 Jahren. Books on Demand, Norderstedt 2016 (Friedlaender/Mynona Studien, Band 3). ISBN 978-3-7357-4204-9.</ref> Peter Cardorff zitiert nur einzelne Formulierungen aus dem Typoskript.<ref>Peter Cardorff: Friedlaender (Mynona) zur Einführung. Junius, Hamburg 1988. ISBN 3-88506-838-9, S. 13, 33 f., 55, 65–68, 82 f. u. 101 f.</ref><ref name="GS19" details="Vgl. Detlef Thiel: Einleitung, S. 26."/> Ausführlichere Darstellungen geben Detlef Thiel<ref name="GS19" details="Detlef Thiel: Einleitung, S. 9–43." /> und Hiroo Nakamura.<ref>Hiroo Nakamura: Studien zu Friedlaender/Mynona. Ein vergessener Philosoph des 20. Jahrhunderts, seine Theorie des Ich und des Friedens (japanisch), MyISBN, Osaka 2022, ISBN 978-4-81503-257-9, S. 134–155 u. S. 156–187.</ref> Friedlaender entwickelt das Programm: „Polarität innerhalb der Grenzen der reinen Vernunft“.<ref name="GS19" details="S. 364–372 u. S. 11 f." /> Kant zog die Grenze zwischen Theorie und Praxis so, dass Vernunft nur in praktischer, nicht in faktisch-theoretischer Hinsicht autonom und frei sei:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Die Gesetzgebung durch Naturbegriffe geschieht durch den Verstand, und ist theoretisch. Die Gesetzgebung durch den Freiheitsbegriff geschieht von der Vernunft, und ist bloß praktisch. Nur allein im Praktischen kann die Vernunft gesetzgebend sein.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Die Gesetzgebung durch Naturbegriffe geschieht durch den Verstand, und ist theoretisch. Die Gesetzgebung durch den Freiheitsbegriff geschieht von der Vernunft, und ist bloß praktisch. Nur allein im Praktischen kann die Vernunft gesetzgebend sein.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Die Gesetzgebung durch Naturbegriffe geschieht durch den Verstand, und ist theoretisch. Die Gesetzgebung durch den Freiheitsbegriff geschieht von der Vernunft, und ist bloß praktisch. Nur allein im Praktischen kann die Vernunft gesetzgebend sein. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Die Gesetzgebung durch Naturbegriffe geschieht durch den Verstand, und ist theoretisch. Die Gesetzgebung durch den Freiheitsbegriff geschieht von der Vernunft, und ist bloß praktisch. Nur allein im Praktischen kann die Vernunft gesetzgebend sein.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: Immanuel Kant || <ref>Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft, B XVII. Vgl. Gesammelte Schriften, Band 29, 2019, ISBN 978-3-739-205205, S. 242.</ref> }}

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Diese Asymmetrie hatte Friedlaender bereits 1899 beanstandet: „Der Spielraum, den Kant der Theorie übrig läßt, ist allzu knapp bemessen.“<ref>Gesammelte Schriften, Band 2, 2007, ISBN 978-3-833-470226, S. 156.</ref> In Das magische Ich stützt er sich besonders auf die Ideenlehre der transzendentalen Dialektik.<ref name="GS19" details="Detlef Thiel: Einleitung, S. 33–36."/> Die Ideen, so Kant, orientieren die Erfahrungserkenntnis auf systematische Einheit hin, auf einen focus imaginarius, von dem die Objekte gleichsam abgeleitet werden können.<ref>Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft, B 672.</ref> Nach Friedlaender gibt Kant hier, „ohne daß er dies merkte, die Schilderung der polaren Funktion des Ich“.<ref name="GS19" details="S. 281."/> Er will Kants System nicht sprengen, aber praktizieren. Bei Kant sei die Aktivität „noch pathologisch beeinträchtigt“. Es besitze aber Selbstbewußtsein, Selbstgefühl, Selbstvertrauen „nicht nur de jure und praktisch, sondern schon theoretisch und faktisch“.<ref name="GS19" details="S. 71 u. 284."/> Läßt man nun das Ich polar rezipieren, so subordiniert man ihm das sinnlich Rezipierte „schon in der Theorie faktisch“. Kant habe diese faktische Tätigkeit mit der sinnlichen Rezeptivität nur koordiniert und damit unterschätzt.<ref name="GS19" details="S. 300."/> Friedlaender will die von Kant vernachlässigte ‚rundende‘ Funktion der Idee vervollständigen zu einer vollen Erfahrung. Erst Polarität gebe der kantischen Entdeckung „die echte stereoskopische Plastik“.<ref>Gesammelte Schriften, Band 28, 2019, ISBN 978-3-7494-7946-7, S. 436.</ref> Wir wären dann bewußt „in unserer Erfahrung, unserem Leben wie im Inneren einer Kugel.“<ref> Gesammelte Schriften, Band 35, 2023, ISBN 978-3-741271-434, S. 102.</ref>

Friedlaender entwickelte seine Ideen kontinuierlich weiter, ohne etwas davon publizieren zu können. Ende 1938 prägte er die neue Formel „ICH-Heliozentrum“, welche die alte, „schöpferische Indifferenz“, ersetzt.<ref name="GS22" details="Eine erste Analyse der späten Nachlasstexte gibt Detlef Thiel: Einleitung, S. 8–37."/> Wiederum ist kein mentaler Zustand gemeint, in den man sich nach Belieben versetzen könnte, kein individuelles Selbstbewusstsein, kein konkreter Mensch, sondern der kleinste gemeinsame Nenner, die Form des Humanen. Kant nennt das die „Menschheit in meiner Person“, „Vernunftmensch“, „homo noumenon“.<ref>„Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“
Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785); Kant’s Gesammelte Schriften, Hrsg. Preußische Akademie der Wissenschaften (u. Nachfolger), De Gruyter, Berlin, Band 4: 429.
„die Menschheit in seiner Person (homo noumenon)“,
Kant: Die Metaphysik der Sitten, Tugendlehre (1797), § 6 (Kant’s Gesammelte Schriften, Band 6: 423).
„Vernunftmensch“ (ebd. § 11; Kant’s Gesammelte Schriften, Band 6: 435).</ref>

Lyrik

Friedlaender verfasste zeitlebens Lyrik. Das früheste veröffentlichte Poem, Zum Gedächtnis Friedrich Nietzsches, erschien 1902.<ref name="GS16" details="S. 56 f.">Gesammelte Schriften, Band 16, 2014, ISBN 978-3-7322-9743-6.</ref> Eine Auswahl seiner ab 1904 in der Zeitschrift Charon gedruckten Gedichte gab er in dem Band Durch blaue Schleier (1908). Die Interpreten versuchten die verschiedensten Etikettierungen: symbolistisch, neuromantisch, Jugendstil usw. Friedlaender selbst nennt es ein „bereits halb und halb groteskes“ bzw. „sentimental-lyrisches Intermezzo“.<ref name="GS18" details="S. 71"/><ref name="GS25" details="S. 130"> Gesammelte Schriften, Band 25, 2018, ISBN 978-3-7481-2789-5.</ref>

Friedlaenders Lyrik ist eine Ausdrucksform seiner Philosophie.<ref name="GS16" details="Detlef Thiel: Einleitung, S. 14–23."/> Die Reime in einer „so ungereimten Welt“, erklärt Friedlaender, bedeuten „symbolisch, daß sie sich einmal reimen kann“.<ref name="GS29" details="S. 221.">Gesammelte Schriften, Band 29, 2019, ISBN 978-3-7392-0520-5.</ref> Nur das Individuum „reimt die sonst zwieträchtige Welt, es polarisiert Gegensätze, Extreme, welche sonst zwittern, schielen, streiten.“<ref name="GS10" details="S. 98."/> Fehlt die „innerste selbsteigene Schöpferkraft“, d. h. auch: die poetische Sprachschöpfung, so bleiben die Pole ungereimt, es kommt nicht zur „Musikalisierung“, zur Kongruenz.<ref name="GS10" details="S. 100 u. 102."/> Lyrik ist also kein Selbstzweck, sondern die Zone, in der dieser kreative Prozeß und sein Bezug zum Philosophischen am sinnfälligsten wird: „Immer wieder bewährt sich Wahrheit als die Reimerin extremer Ungereimtheiten.“<ref name="GS10" details="S. 185."/>

Friedlaender schrieb insgesamt 251 Sonette. In Hundert Bonbons (1918), nach eigener Aussage angeregt durch die von seinem Freund Ludwig Rubiner zusammen mit Friedrich Eisenlohr und Livingstone Hahn verfassten Kriminalsonette,<ref>Kurt Wolff Verlag, Leipzig 1913. Neudruck: Renner Verlag, München 1994. ISBN 978-3-927480-28-5.</ref><ref name="GS16" details="Vgl. S. 26."/> zeichnet er das Bild einer chaotischen Zeit. Der Band, mit Deckelzeichnung von Kubin, fand viele neuere Interpreten.<ref name="GS16" details="Vgl. Detlef Thiel: Einleitung, S. 25–34."/> Das besonders von Dadaisten gern zitierte Sonett Nr. 89 beginnt: „Trenko patrollo! Harden-Kerr olele: / Patrollo Heinrichmann Traki! Trikà. [...]<ref name="GS16" details="S. 184 f."/> Gerhard Rühm nennt es ein „ironisches lautgedicht“, in dem Mynona die Namen „einiger seiner zeitgenossen auf den nackten lautkörper“ entkleide.<ref>Gerhard Rühm: zur geschichte und typologie der lautdichtung (1989), in: Petra Maria Meyer (Hrsg.): Acoustic Turn. Fink, München 2008, ISBN 978-3-7705-4389-2, S. 215–247, hier S. 224 f.</ref> Otto Flake urteilte: „Dadaismus, vermehrt um Geistigkeit, um Denken, um Respekt vor menschlicher Not, das ist Mynona, der als Friedlaender Philosophisches schreibt.“<ref>Otto Flake: Dinge der Zeit. Die fünf Hefte. Das vierte Heft. Roland Verlag, München 1920. Neudruck: Dinge der Zeit. Buchausgabe der Fünf Hefte, Roland Verlag, München 1921. 2. Auflage: Dinge der Zeit. Elena Gottschalk Verlag, Berlin 1923, S. 159 f.</ref><ref name="GS4" details="Vgl. S. 419 f."> Gesammelte Schriften, Band 4, 2007, ISBN 978-3-8334-7895-6.</ref> Dieser zitiert das gern: „Otto Flake nennt mich daher auch unter den Vätern des nachmaligen Dadaismus als dessen ihn geistig übertreffenden Vorwegnehmer.“<ref name="GS18" details="S. 149." /><ref name="GS11" details="Ähnlich: S. 356."> Gesammelte Schriften, Band 11, 2010, ISBN 978-3-8391-8531-5.</ref>

Im Exil verfasste Friedlaender umfangreiche Knittelvers-Zyklen: Kant-Marcus-Cantus, Philosophischer Bänkelsang (1934) und Kopernikantiade in grotesken Elegien (1941).<ref name="GS16" details="S. 273–286 und S. 323–383." /> Auch zu dieser Form hat er eine Theorie: „Beim Schüttel- & Schleifenreimen u. dgl. erweist sich das Mechanische als dem Geistigen verwandt und es unterstützend & herbeiführend. [...] geschüttelte Worte ergeben Schüttelbarkeit der Gedanken: elastischere Mobilisierung.“<ref name="GS40" details="S. 34."> Gesammelte Schriften, Band 40, 2024, ISBN 978-3-7597-6187-3.</ref> In den bedrückendsten Jahren 1943/44 entstehen über 130 Sonette: metaphysische Poesie. Viele Stücke teilt Friedlaender in Briefen mit.<ref name="GS16" details="S. 421–485." />

Grotesken und andere Prosa

Wie Friedlaenders Name mit der Formel „Schöpferische Indifferenz“ verknüpft ist, so der Name „Mynona“ mit seinen Grotesken. Die Bezeichnung begegnet im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zwar häufig, doch lässt sich keine allgemeine Definition dieser Art des Schreibens geben.<ref>Vgl. Michael Müller: Die Groteske, in Otto Knörrich (Hrsg.): Formen der Literatur in Einzeldarstellungen. 2., überarb. Aufl., Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 978-3-520-47802-3, S. 143–150.</ref>

Unter dem Namen Friedlaender wurde im Oktober 1903 eine Mini-Philosophiegeschichte gedruckt, deren Titel von Nietzsche stammt: Freier der Wahrheit.<ref name="GS7" details="S. 84 f.">Gesammelte Schriften, Band 7, 2008. ISBN 978-3-8334-8089-8</ref> Der erste Text unter dem Pseudonym Mynona erschien im Dezember 1909: Das Weihnachtsfest des alten Schauspielers Nesselgrün.<ref name="GS7" details="S. 85 f."/> Der Protagonist begeistert eine Menschenmenge dafür, Weihnachten zu feiern – am 21. August 1910. Die kurze Story (630 Wörter) wird bis heute gerne im Advent rezitiert. Allerdings lautet der Schlüsselsatz: „Corrigeons la nature!“ Kunst soll nicht Natur nachahmen, sondern sie gemäß menschlicher Vernunft korrigieren.<ref name="Lagaay" details="Detlef Thiel: The Indifferentism of Polar Performance, S. 54 f."/>

Mynonas erste Sammlung seiner Grotesken, Rosa die schöne Schutzmannsfrau (1913), fand großes Echo, über die bisher bekannten 15 Rezensionen hinaus.<ref name="GS8" details="S. 479–496">Gesammelte Schriften, Band 8, 2008. ISBN 978-3-8334-8090-4.</ref><ref name="GS41" details="S. 167.">Gesammelte Schriften, Band 41, 2025, ISBN 978-3-8391-2001-9.</ref> Insgesamt schrieb er rund 260 derartige Texte, die aber nicht alle als Grotesken bezeichnet werden können. Es gibt auch Erzählungen und Märchen,<ref name="GS7" details="Z. B. Der Liebesflug (1919; S. 446–448), Das Nachthemd am Wegweiser (1919; S. 459–464), Die Braut auf Rügen (1921; S. 513–-517)."/><ref name="GS8" details="Der Musterschüler. Eine Erinnerung (1927; S. 204 f.), Der neue Ibykus (1929; S. 306–315)."/> Parabeln,<ref name="GS8" details="Z. B. Chrysalida (1931; S. 368–372), In spe (1934; S. 459 f.), Der vergeßliche Strom (1935; S. 465 f.)."/> scharfzüngige Gesellschaftskritik und Sozialreportagen,<ref name="GS7" details="Z. B. Rosa die schöne Schutzmannsfrau (1913; S. 202–204), Neues Kinderspielzeug (1918; S. 370–374), Friedensberichterstattung (1921; S. 506–508)."/><ref name="GS8" details="Z. B. Zeppeleckener (1928; S. 268–270)./> Literaturkritik,<ref name="GS8" details="Z. B. Auf Großmütterchens Insel (1925; S. 120–126, zu Gerhart Hauptmann), Im Bier- und Buchverlag G.m.b.H. Für Leib und Seele (1926; S. 136–139), Zauber-Bergpredigt eines ungläubigen Thomas an Mannbare. Rezept zum Kitsch allerersten Ranges (1926; S. 156 f., Verriß von Thomas Mann: Der Zauberberg)."/> philosophische Vorträge,<ref name="GS7" details="Aërosophie (1911; S. 159–161), Fasching der Logik (1912; S. 162–169), Präsentismus (1913; S. 192 f.), Der Sonnenmissionar (1921; S. 556–566)."/> Autobiographisches,<ref name="GS7" details="Z. B. Warum ich immer so traurig bin? (1921; S. 554 f.)."/> Komödien<ref name="GS7" details="Z. B. die Schachstory Das Unglück im Winkel (1919; S. 418–423)."/> sowie Blicke ins sexuelle Pandämonium mit Seitenhieben auf Psychiatrie und Psychoanalyse.<ref>Das Eisenbahnglück oder der Anti-Freud (1925).</ref> Mynona fächert das Spektrum menschlichen Lebens und der Emotionen auf. Der Stil reicht von klassischem Deutsch über preußische Militärsprache und Mundarten bis zum schnoddrigen Jargon.<ref name="GS8" details="Klamauk (1926; S. 161–163), im Münchner Simplicissimus gedruckt, ist in Berliner Mundart geschrieben."/> Als ein Meister des Wortspiels versteckt er oft Widerhaken und Probleme der Kultur- und Literaturgeschichte. Zum Beispiel erhält der Ich-Erzähler in Das Wunder-Ei (1915) die Chance, durch einfachen Knopfdruck die Wüste (die Welt) in ein Paradies zu verwandeln, doch er zögert wie Hamlet, flieht und bereut dann sein Nichthandeln.<ref name="GS7" details="S. 243–247" /><ref name="Studien3" details="Eine vorbildliche Interpretation gibt Vivian Liska: Redemptive Grotesque. Mynona's The Magic Egg (2009), S. 248–259." />

Wie die Groteske Neues Kinderspielzeug (1918) funktioniert, zeigt Klaus Kiefer. Mynona verknüpft Gesten Nietzsches mit einem pastiche der zeitgenössischen Reform- bzw. Erlebnispädagogik. Dabei übertreibt er einerseits deren nationalistische und militaristische Tendenzen, die von der nationalsozialistischen Erziehungspolitik übernommen wurden; andererseits, in den Detailbeschreibungen, die technologische Faszination.<ref>Klaus H. Kiefer: Avantgarde – Weltkrieg – Exil. Materialien zu Carl Einstein und Salomo Friedlaender/Mynona. Lang, Frankfurt/Bern/New York 1986. [[Spezial:ISBN-Suche/{{#if:trim|3-8204-8833-4}}|ISBN {{#if:trim|3-8204-8833-4}}]], S. 143 ff., 151, 153 u. 158 f.</ref>

Viele dieser Texte erschienen zuerst in expressionistischen Zeitschriften (Der Sturm, Die Aktion, Die Weißen Blätter usw.) sowie in den späteren Jahrgängen von Jugend und Simplicissimus. Daher zählte man Friedlaender/Mynona oft zu den Expressionisten. Z. B. trug Rudolf Blümner im Rahmen der Sturm-Kunstabende ab Ende 1917 „Neue expressionistische Dichtungen“ vor, bei denen Mynona neben Kurt Heynicke, August Stramm u. a. erscheint.<ref>Vgl. Vorträge und Rezitationen, Berliner Börsen-Courier, Nr. 574 (8. Dezember 1917), Beilage, S. 5.</ref> Victor Otto Stomps bemerkt: „Und zum Expressionismus gehörte auch die dichterische Prosa von so typischen Vertretern wie etwa Mynona und Meidner.“<ref>V. O. [Victor Otto] Stomps: En-Avant-ismus, Deutsche Rundschau 84, Nr. 4 (April 1958), S. 390 ff.</ref>

Ines Hoffmann widmet der frühen Groteske Der Verzweifelte und sein Ende (1910)<ref name="GS7" details="S. 96 f." /> nicht weniger als 50 Seiten; sie verdeutlicht, dass die Begriffe, welche man oft mit der Epochenbezeichnung ,Expressionismus’ verknüpft (,Irrationalität’, ,Ichdissoziation’, ,Amoralismus’ usw.), auf dem von Naturwissenschaftlern um 1900 entworfenen Menschenbild beruhen, dessen Spektrum vom Darwinismus bis zur Rassenhygiene reicht.<ref>Ines Hoffmann: Sinnlichkeit und Abstraktion. Versuch, einen expressionistischen Text zu lesen, Königshausen & Neumann, Würzburg 2001. ISBN 978-3-8260-1969-2, S. 19–85.</ref><ref name="GS7" details="Dazu Detlef Thiel: Einleitung, S. 79." />

Friedlaender/Mynona distanziert sich davon. Er gehört einer etwas älteren Generation mit anderem geistigen Hintergrund an. Er selbst nennt sein Buch Schöpferische Indifferenz den „archimedischen Punkt aller Mynonischen Grotesken“.<ref name="GS3" details="Friedlaender: Ist Mynona Pornograph? (1922); S. 711." /> „‚Mynona‘ ist nur die Oberfläche zu einer philosophischen Tiefe.“<ref name="GS25" details="Friedlaender an Hermann Bahr, 12. Juni 1927; S. 366." /> In einem oft zitierten Text erläutert er: Der Humorist bzw. Groteskenschreiber verfremdet den Alltag phantastisch oder absurd, um die Leser zur Selbstfindung aufzurütteln. Er testet die Ideale (das Wahre, Schöne, Gute), indem er sie verzerrt, oft nach dem Prinzip der Umkehrung. Als „Kammerjäger der Seelen“ will er unsere schöne Welt „ausschwefeln“ und an „das göttlich geheimnisvolle Urbild des echten Lebens“ erinnern.<ref name="GS3" details="Friedlaender/Mynona: Grotesk (1919); S. 602 f." /><ref name="Lagaay" details="Vgl. Detlef Thiel: Introduction, S. 221." />

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Groteske Verzerrung ist die Kraft- und Belastungsprobe der seelischen Festigkeit, Umfänglichkeit und Elastizität; die Rechnungsprobe auf die Richtigkeit des metaphysischen Prinzips der schöpferischen Indifferenz polarer Observanz. Die wahre Ataraxie besteht nicht in der Abwesenheit, sondern im äquilibrierenden Kontrebalancement der seelischen Erschütterungen, in deren zur Wiege gewandeltem Erdbeben.}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Groteske Verzerrung ist die Kraft- und Belastungsprobe der seelischen Festigkeit, Umfänglichkeit und Elastizität; die Rechnungsprobe auf die Richtigkeit des metaphysischen Prinzips der schöpferischen Indifferenz polarer Observanz. Die wahre Ataraxie besteht nicht in der Abwesenheit, sondern im äquilibrierenden Kontrebalancement der seelischen Erschütterungen, in deren zur Wiege gewandeltem Erdbeben.}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Groteske Verzerrung ist die Kraft- und Belastungsprobe der seelischen Festigkeit, Umfänglichkeit und Elastizität; die Rechnungsprobe auf die Richtigkeit des metaphysischen Prinzips der schöpferischen Indifferenz polarer Observanz. Die wahre Ataraxie besteht nicht in der Abwesenheit, sondern im äquilibrierenden Kontrebalancement der seelischen Erschütterungen, in deren zur Wiege gewandeltem Erdbeben. | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Groteske Verzerrung ist die Kraft- und Belastungsprobe der seelischen Festigkeit, Umfänglichkeit und Elastizität; die Rechnungsprobe auf die Richtigkeit des metaphysischen Prinzips der schöpferischen Indifferenz polarer Observanz. Die wahre Ataraxie besteht nicht in der Abwesenheit, sondern im äquilibrierenden Kontrebalancement der seelischen Erschütterungen, in deren zur Wiege gewandeltem Erdbeben.}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: Mynona || <ref name="GS18" details="Über Friedlaender (Mynona) von ihm selber (1921); S. 71."/> }}

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Friedlaender/Mynona erfindet die Figur Abnossah Pschorr: Ingenieur, Psychophysiologe, „Hyper-Edison“, „Experimentalmetaphysiker“.<ref name="GS8" details="S. 188."/><ref name="GS7" details="Vgl. Detlef Thiel: Einleitung, S. 48–52. Francis Bacon bezeichnete die Magie als „empirische oder Experimental-Metaphysik“. Vgl. Arthur Schopenhauer: Über den Willen in der Natur, Animalischer Magnetismus und Magie (Werke in fünf Bänden. Hrsg. v. Ludger Lütkehaus, Haffmans Verlag, Zürich 1988, Band. III, S. 284)."/> Pschorr stellt z. B. 1913 augenzwinkernd den „Ferntaster“, Telehaptor vor.<ref name="GS7" details="Mynona: Idee vom Ferntaster, S. 199–201."/> 1916 macht er Goethes Stimme im Haus am Frauenplan in Weimar wieder hörbar.<ref name= "GS7" details="Mynona: Goethe spricht in den Phonographen. Eine Liebesgeschichte; S. 289–302."/> Im selben Jahr skizziert er Grundlagen der Holographie – 30 Jahre vor der offiziellen Erfindung durch Dennis Gabor; die ersten Hologramme wurden um 1960 gezeigt.<ref name="GS7" details="Mynona: Der Stereograph oder die kinetische Automodellierung (1916/1919); S. 251–272."/> 1929 führt Pschorr die „Fatamorganamaschine“ vor: Virtuelle Realität, 3D-Projektionen ohne Bildschirm, freilich zunächst zu Militärzwecken.<ref name="GS8" details="Mynona: Fatamorgana-Maschine (1929); S. 331–336."/> Friedrich A. Kittler hat diesen Text und die Goethe-Geschichte abgedruckt und präzise analysiert; dadurch wurden beide auch im anglophonen Raum, im Französischen und Chinesischen bekannt.<ref>Friedrich A. Kittler: Grammophon, Film, Typewriter. Brinkmann & Bose, Berlin 1986. ISBN 978-3-922660-17-0, S. 107–122.
Gramophone, Film, Typewriter, transl. by Geoffrey Winthrop-Young and. Michael Wutz, Stanford University Press 1999, reprint 2006. ISBN 0-8047-3233-7.
Gramophone, Film, Typewriter, traduit par Frédérique Vargoz, Les Presses du Réel 2018, Dijon 2018. ISBN 978-2-84066-679-0.
Chinesische Übersetzung: Liu sheng ji dian ying da zi ji, Shanghai 2017.</ref>

Friedlaender/Mynona veranschaulichte seine Philosophie in vielen literarischen Genres und Tonlagen. Im Sommer 1919 plant er

„eine Serie Grotesken, deren leitende Idee eine Art umgedrehter Psychoanalyse ist, Antifreud: wie nämlich Freud auch die geringsten Bagatellen aus dem Sexus, so will ich darin sogar den Sexus aus der Bagatelle herleiten. [...] Es handelt sich dabei um lauter Beispiele, wo der Beischlaf aus Allem nur irgend Möglichen, nur nicht aus Geilheit unmittelbar entspringen darf: z. B. aus Höflichkeit, Scham, Gram, Ehrfurcht, Dummheit, Gehorsam, Verachtung, [...] Asexualität, Widerspruchsgeist [...]“<ref name="GS24" details="Friedlaender an Alfred Kubin, 13. Juni 1919; S. 24 f.">Gesammelte Schriften, Band 24, 2018. ISBN 978-3-7460-9979-8.</ref><ref name="GS7" details="Vgl. Detlef Thiel: Einleitung, S. 57–62."/>

Er gesteht freilich seine sachliche Inkompetenz: Der Antifreud sei nur als „groteske Spielerei“ gemeint.<ref name="GS25" details="S. 38."./> Dennoch gibt es zahlreiche thematische Verbindungen zu Sigmund Freud; zudem war Friedlaender persönlich bekannt mit Psychiatern, Neurologen und Sexualwissenschaftlern: Ernst Simmel, Max Levy-Suhl, Magnus Hirschfeld, Iwan Bloch u. a. Er regte den Psychologen Fritz Perls zur Gestalttherapie an.<ref>Vgl. Detlef Thiel: Psychologie, Psychoanalyse, Psychotherapie bei Friedlaender/Mynona. In: Ludwig Frambach und Detlef Thiel (Hrsg.): Friedlaender/Mynona und die Gestalttherapie. Das Prinzip „Schöpferische Indifferenz“. EHP-Verlag Andreas Kohlhage, Bergisch-Gladbach 2015. ISBN 978-3-89797-083-0, S. 312–351.</ref> Es gab auch eine Begegnung mit Carl Gustav Jung, bei dessen Schülerin Toni Sussmann in Berlin.<ref name="GS32" details="Friedlaender an Walter Stucki (Sekretär der Schweizer Gesandtschaft in Paris), 4. Oktober 1940; S. 215."/> Der Komponist Werner Egk, um 1928 mit Friedlaender bekannt, schätzte das Buch:

„Am innigsten liebte ich den ,Antifreud’, eine Sammlung von fürchterlichen Geschichten, deren jede schlüssig bewies, daß sexuelle Empfindungen niemals Triebfedern, sondern immer Ergebnisse weit abliegender Ursachen sind.“<ref>Werner Egk: Die Zeit wartet nicht. Schulz Verlag, Percha/Kempfenhausen 1973; Goldmann, München / Musikverlag Schott, Mainz 21981. ISBN 978-3-442-33059-1, S. 161.</ref>

Im Bilder-Lexikon des Wiener Instituts für Sexualforschung wird der Anti-Freud 1930 gelobt,<ref>T. [Heinrich Többen]: Mynona. In: Institut für Sexualforschung in Wien (Hrsg.): Bilder-Lexikon. Kulturgeschichte – Literatur und Kunst – Sexualwissenschaft, Institut für Sexualforschung, Wien 1930; Verlag für Kulturforschung, Hamburg 21961, Bd. 8, S. 510 f.</ref> anderswo freilich auch missverstanden und nivelliert zu „Das Eisenbahnunglück“. Zu Friedlaender/Mynonas 50. Geburtstag 1921 prägte ein Bewunderer das Bonmot:

{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@- | {{#if:trim|Mynona versucht es, die erstarrten Gegebenheiten ad absurdum zu führen: er rekonstruiert eine Kausalität, die er an irgendeiner Stelle bereits aufgehoben hat. (Man könnte ihn den Charlie Chaplin der deutschen Philosophie nennen).}} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|@#@}}{{#if:|{{{nach}}}|@#@}} | @#@@#@ | {{#ifeq: de | de | „{{#if:trim|Mynona versucht es, die erstarrten Gegebenheiten ad absurdum zu führen: er rekonstruiert eine Kausalität, die er an irgendeiner Stelle bereits aufgehoben hat. (Man könnte ihn den Charlie Chaplin der deutschen Philosophie nennen).}}“ | {{#invoke:Text|quoteUnquoted| Mynona versucht es, die erstarrten Gegebenheiten ad absurdum zu führen: er rekonstruiert eine Kausalität, die er an irgendeiner Stelle bereits aufgehoben hat. (Man könnte ihn den Charlie Chaplin der deutschen Philosophie nennen). | {{{lang}}} }} }} | {{#ifeq: {{#if:|{{{vor}}}|-}} | - | | {{{vor}}} }}{{#if:trim|Mynona versucht es, die erstarrten Gegebenheiten ad absurdum zu führen: er rekonstruiert eine Kausalität, die er an irgendeiner Stelle bereits aufgehoben hat. (Man könnte ihn den Charlie Chaplin der deutschen Philosophie nennen).}}{{ #ifeq: {{#if:|{{{nach}}}|-}} | - | | {{{nach}}} }} }} }}{{ #if: Paul Hatvani || <ref>Paul Hatvani: Für Mynona, Berliner Börsen-Courier, Nr. 376, 12. August 1922, S. 2.</ref><ref name="GS8" details="S. 506–508."/> }}

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}} Der so Geehrte antwortete: „dankesehr! (Man hätte Chaplin lieber den Mynona des Films nennen sollen).“<ref name="GS11" details="Mynona: Der Holzweg zurück oder Knackes Umgang mit Flöhen (1931), S. 346./> Die Antwort ist berechtigt, denn Chaplin wurde erst nach 1918 in Europa bekannt, zehn Jahre nach Mynona.

Anfang 1919 wurde Mynonas „Phantasie“ Der Schöpfer gedruckt.<ref>In: Der Einzige, Nr. 9–15/16, März bis Mai 1919. Nachdruck hrsg. v. Hartmut Geerken, Kraus Reprint, München 1980.</ref><ref name="GS13" details="S. 75–152."/> Wie im Film Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) unternimmt ein Hypnotiseur Experimente mit Seelenkontrolle und Manipulation des Unbewußten. Die Grenze zwischen Wirklichkeit und Traum, Erkenntnis und Phantasie wird durchlässig. Es gibt keine Morde, vielmehr schildert Mynona die experimentalmetaphysische Realisierung des autonomen Subjekts, das aus seiner Vereinzelung zu seiner ‚göttlichen‘ Identifikation durchdringt.<ref name="Schütte" details="S. 298–334."> Rolf Schütte: Die Mitte der Differenz. Polaritätsphilosophie und literarische Phantastik im Werk von Salomo Friedlaender/Mynona. Books on Demand, Norderstedt 2016. ISBN 978-3-7412-3754-6.</ref><ref name="GS13" details="Detlef Thiel: Einleitung, S. 16–20."/>

Die Bank der Spötter, geschrieben im Sommer 1918, publiziert im April 1920 (Copyright-Vermerk: 1919), trägt den Untertitel „Ein Unroman“. In eine Rahmenhandlung eingebunden sind 21 Texte, von denen neun zuvor verstreut gedruckt waren, darunter die von der Kritik gelobte Grusel- bzw. Spukgeschichte Die Nachbarn Ezechiel.<ref>Zuerst separat unter dem Titel Unterm Leichentuch. Ein Nachtstück, Paul Steegemann, Hannover 1920.</ref> Monique Weyembergh-Boussart fasst den Text zusammen und merkt an, dass gewisse Seiten den Übergang vom Geist zur Materie illustrieren. Das Bild, die mentale Impression inkarniere sich auf der Ebene der physischen Realität; Todorov sehe darin ein grundlegendes Kennzeichen des Phantastischen.<ref name="Weyembergh" details="Teil 2, S. 631 ff., mit Bezug auf Tzvetan Todorov: Introduction à la littérature fantastique, Seuil, Paris 1970. ISBN 978-2-0211-9111-0, S. 119."> Monique Weyembergh-Boussart: S. Friedlaender-Mynona. Du grotesque à l’utopie. In: Revue des langues vivantes (Brüssel) 41 (1975), S. 498–516 u. 614–634; 42 (1976), S. 37–55.</ref>

Mynona steigert die zuerst nur „formale Bedeutsamkeit“ des Rahmens stufenweise. Aus einer „Thee- und Lesegesellschaft“ wird allmählich „ein die Menschheit kitzelndes und bluffendes Konsortium unter der dämonischen Direktive meines ‚Abnossah Pschorr‘.“<ref name="GS4" details="S. 16."/><ref name="GS24" details="Friedlaender an Salomon Samuel, 29. August 1918; S. 630 f."/> Die Lesegesellschaft soll einen realen Hintergrund gehabt haben in den Jours, die eine (nicht identifizierte) Mäzenin, Frau Geheimrätin K., um 1915 in einem „achteckigen, mit blauer Seide austapezierten Gemach“ ihres Hauses im vornehmen Berliner Tiergartenviertel veranstaltete.<ref name="GS4" details="S. 91. Vgl. Detlef Thiel: Einleitung, S. 42 u. 46."/> Etwa zwei Dutzend Teilnehmer vereinbaren Erzählthemen, führen sie reihum vor und kommentieren sie. Dabei wird der Rahmen zusehends auf kulturelle Intervention bzw. soziale Praxis hin transparent: „Angewandte Literatur!“<ref name="GS4" details="S. 191."/> Insbesondere das Stück Gar nichts fand Beachtung bei neueren Germanisten. Der Erzähler namens Zeisewiesel erklärt:

„Ich schwöre heilig und teuer, daß ich hier ohne die leiseste Ahnung dessen sitze, was ich eigentlich erzählen will. Aus dem blanken Nichts heraus – durchbohrendes Gefühl! – will ich eine Welt erschaffen mit Helden, Heldinnen, Palästen, Hütten, Schurken, Tieren und Landschaften. [...] Tun Sie gefälligst mit! Strengen Sie Ihre eigene Phantasie an! Eigentlich ist jeder fremde Autor Aberglaube. Jeder sein eigener Autor, denn es gibt nur eigene Autorität.“<ref name="GS4" details="S. 110–126, hier 110."/>

Innerhalb der Erzählung spricht eine Dramenfigur dem Autor die Existenz ab: Er sei nur die Schreibmaschine seiner Geschöpfe.<ref name="GS4" details="S. 123."/> Nach seinem Vortrag bemerkt Zeisewiesel:

„Überhaupt widerlegt sich schließlich alles selber; in diesem Satze schlummert die weiseste Philosophie. Ein humoristischer Roman darf die Selbstaufhebung aller Möglichkeit von Romanen bedeuten.“<ref name="GS4" details="S. 125."/>

Mynonas Appell an die Eigeninitiative den Rezipienten führt, so Hartmut Geerken, zur Überzeugung, „der Autor sei von den Personen der ‚Geschichte‘ erfunden worden, bzw. der Leser sei die Hauptperson in diesem Spektakel.“<ref>Hartmut Geerken: Nachwort. In: Derselbe (Hrsg.): Mynona: Prosa, Band 2, edition text + kritik, München 1980, ISBN 3-88377-064-7, S. 307.</ref> Rolf Schütte zufolge tut Mynona hier „nichts mehr, als den Prozeß des Erfindens zu erfinden, auf den sich der Leser von sich aus einlassen kann“.<ref name="Schütte" details="S. 367."/> William C. Bamberger beobachtet, dass es sich bei Gar nichts, wie auch z. B. bei Der verliebte Leichnam, um Metafiktion handelt.<ref>William C. Bamberger: Translator’s Introduction. In Derselbe (transl.): Mynona: My Papa and the Maid of Orléans and Other Grotesques. Wakefield Press, Cambridge MA 2017. ISBN 978-1-939663-27-6, S. XI.</ref><ref name="GS7" details="Mynona: Der verliebte Leichnam (1918), S. 349–351."/><ref name="GS4" details="Weitere Interpretationen zu Gar nichts fasst Detlef Thiel zusammen, Einleitung, S. 50–53."/> In ihrer Studie zum gesamten Prosa-Werk Mynonas sortiert Monique Weyembergh-Boussart die Themen und Motive. Mynonas Geistesart, seine unbequeme Einstellung, in der er den Spott oft gegen sich selber kehre, mache ihn zum Verwandten der Dadaisten; sein Werk sei das Vorspiel der absurden Literatur (Samuel Beckett, Eugène Ionesco u. a.).<ref name="Weyembergh" details="Teil 3, S. 54." />

In der ersten Monographie über George Grosz verbindet Mynona 1922 präzise Bildanalysen mit scharfer Kritik am Kommunismus.<ref name="GS13" details="Detlef Thiel (Einleitung, S. 22–28) schildert die kurze Freundschaft, faßt den Text zusammen und referiert die Sekundärliteratur./>

Im „Berliner Nachschlüsselroman“ Graue Magie (Impressum 1922, erschienen Januar 1923) lotet er das cineastische Potential aus. Heimlich gedrehte live-Aufnahmen aus dem Berliner Alltag, zu Kinofilmen geschnitten, dienen in „hyperamerikanischem“ Missbrauch Zwecken grausamster Ausschweifungen, „Massenbezwingung“, zuletzt der „Erdherrschaft“.<ref name="GS14" details="S. 116, 155, 111 und 253.">Gesammelte Schriften, Band 14, 2013. ISBN 978-3-7322-5551-1</ref> Dieser ‚schwarzen‘ Magie setzt Mynona eine ‚graue‘ entgegen, Vorspiel der ‚weißen‘, wissenschaftlichen „Vernunftmagie“, die Ernst Marcus anhand von Kants Äthertheorie entwickelt.<ref>Ernst Marcus: Theorie einer natürlichen Magie. Gegründet auf Kants Weltlehre. Reinhardt, München 1924; Die Zeit- und Raumlehre Kants (Transzendentale Ästhetik) in Anwendung auf Mathematik und Naturwissenschaft. Reinhardt, München 1927. Neudruck in Gottfried Martin u. Gerd Hergen Lübben (Hrsg.): Ausgewählte Schriften. Bd. 2, Bouvier/Grundmann, Bonn 1981, ISBN 978-3-416-01385-7, S. 560–586 (§ 21).</ref> In die rasante Handlung, zugleich Science-Fiction, Groteske, Märchen und Krimi, quer durch die Tag- und Nachtseiten des realen Berlin, sind viele Personen des öffentlichen Lebens der Weimarer Republik verwoben.<ref name="Grutsch" details="Eine ausführliche Analyse des Romans gibt Grutsch, S. 78–108. Ihre These lautet: Friedlaender/Mynonas Grotesken und Romane sind ebensosehr wie seine philosophischen Werke geleitet von der Intention auf eine Menschheitsutopie."/><ref name="GS14" details="Detlef Thiel (Einleitung, S. 9–59) beschreibt Entstehung und Struktur des Buches, identifiziert die Personen und faßt die vielfältige Sekundärliteratur zusammen."/>

Monique Weyembergh zeigt, dass Graue Magie von Kubins Roman Die andere Seite (1909) inspiriert ist. Es geht jeweils um den Konflikt zweier Figuren, die sich am Ende vereinigen. Bei Kubin verkörpert Patera Geist, Phantasie, Traum; der reiche Amerikaner Herkules Bell dagegen Gewalt und Machtwillen. Mynonas Figur Sucram (Marcus rückwärts gelesen) ist Theoretiker, Forscher, Weiser und Vernunftmagier, sein Gegenspieler Morvitius ist Praktiker, Opportunist, Materialist, Tyrann und Verbrecher.<ref>Monique Weyembergh-Boussart: Alfred Kubin et Salomo Friedlaender/Mynona. Une parenté spirituelle. In: Roger Goffin, Michel Vanhelleputte u. Monique Weyembergh-Boussart (Hrsg.): Littérature et culture allemandes. Hommages à Henri Plard, Edition de l’Université de Bruxelles, Brüssel 1985, S. 315–334, hier S. 319 ff.</ref>

Auf dem Höhepunkt der Tarzan-Begeisterung parodiert Mynona in Tarzaniade (1924) Edgar Rice Burroughs’ Strickmuster, die Erwartungen des Publikums sowie eurozentrische und rassistische Vorurteile.<ref name="GS13" details="Vgl. S. 28–35."/>

Im Westen nichts Neues: In dem Buch Hat Erich Maria Remarque wirklich gelebt? publiziert Mynona 1929 erstmals biographische Materialien zu Remarque. Er analysiert dessen frühere Texte und demonstriert, wie Weltruhm gemacht wird: indem man eine klare Entscheidung zwischen Pazifismus und Bellizismus vermeidet. „Soldaten töten wohl, aber als solche morden sie nicht.“<ref name="GS11" details="S. 249."/> Er unterstreicht: Das Buch hat keinerlei Tendenz, es ist wie der „Neutralgeschmack eines kristallreinen Bergwassers“.<ref name="GS11" details="S. 189 f."/> Kein Buch Friedlaender/Mynonas erregte ein so lautes und kontroverses Presseecho: über 60 Rezensionen, Notizen, Essays und Glossen in ganz Europa.<ref name= "GS11" details="S. 376–425"/><ref name="GS41" details="S. 223-239. Vgl. Detlef Thiel: Einleitung, S. 11."/> Allerdings wurde er nun von der Nazipresse gelobt, von der Linken beschimpft, und er geriet in einen bitteren Streit mit seinem früheren Fan Kurt Tucholsky.<ref name="GS11" details="Mynona: Der Holzweg zurück oder Knackes Umgang mit Flöhen (1931), S. 293–375."/>

Remarques Jugendfreund Hanns-Gerd Rabe veröffentlichte 1970 in einer grundlegenden Studie die Ergebnisse seiner biographischen Recherchen. Mit seiner Titelfrage fasse Mynona

„die Fehden, Kampfrufe und erbitterten Auseinandersetzungen zusammen, gleichsam als Abschluß der vielen Verzerrungen, Lügen und Unwahrheiten, die gegen Remarque ausgesprochen waren; zugleich aber war seine Schrift eine persiflierende Kritik an dem Roman selbst und der damaligen Zeit, wodurch sie zu einer Fundgrube für den Betrachter der Jahre von 1920 bis 1928 wird.“<ref>Hanns-Gerd Rabe: Remarque und Osnabrück. Ein Beitrag zu seiner Biographie. In: Osnabrücker Mitteilungen 77 (1970), S. 196–246, hier 197.</ref>

Joseph P. Strelka stellt klar: Mynonas Buch ist

„eine heftige Auseinandersetzung nicht so sehr mit Remarque als mit dem bekannten Phänomen jener Kombination von Oberflächlichkeit, Geschäftemacherei, mangelndem kritischem Ernst und Massenmedien, die das Hinaufloben einer durchschnittlichen Leistung zum weltberühmten Kunstwerk der Epoche ermöglicht.“<ref>Joseph P. Strelka: Mynona. In: Wolfgang Rothe (Hrsg.): Expressionismus als Literatur. Gesammelte Studien. Francke, Bern/München 1969, S. 623–636, hier S. 634.</ref><ref name="Studien3" details="Neudruck S. 83–101, hier S. 99."/>

Jörg Drews erkennt, Mynonas Anti-Remarque sei

„aufschlußreich für den Literaturbetrieb Ende der zwanziger Jahre, mit sehr guten literatursoziologischen und psychoanalytischen Einsichten zur Person und zum Werk Remarques, dessen ,Im Westen nichts Neues’ als ,im besten Sinn mittelmäßig’ und als Werk bezeichnet wird, das den Krieg zum ,Konjunkturthema’ gemacht hat.“<ref>Jörg Drews: „Denn wer den Bestien seiner Zeit genug hat angetan / der hat gelebt.“ Notizen zu den Ähnlichkeiten zwischen Karl Kraus’ „Die letzten Tage der Menschheit“ und Otto Nebels „Zuginsfeld“. In: Drews (Hrsg.): Das Tempo dieser Zeit ist keine Kleinigkeit. Zur Literatur um 1918. edition text + kritik, München 1981. ISBN 978-3-88377-081-9, S. 128–142, hier S. 140 Anm.</ref>

Günter Hartung unterstreicht, daß Friedlaender/Mynonas „Haltung zu Krieg und Frieden damals wenig Vergleichbares hatte und an Weitsicht und Energie wohl nur von derjenigen Karl Kraus’ übertroffen wurde.“ Hartung erläutert den kategorischen Pazifismus anhand von Friedlaenders Buch Kant für Kinder; den Verfasser nimmt er vor Tucholsky in Schutz:

„Mynonas moralische Integrität ist zu betonen gegenüber den gängigen Darstellungen, die mit wenigen Ausnahmen [...], aus Unwissenheit, Bequemlichkeit, Opportunismus oder noch anderen Gründen seinen Charakter verkennen.“<ref name="Hartung" details="S. 134."> Günter Hartung: Gegenschriften zu Im Westen nichts Neues und Der Weg zurück. In: Thomas F. Schneider (Hrsg.): Erich Maria Remarque. Leben, Werk und weltweite Wirkung. Rasch, Osnabrück 1998. ISBN 978-3-932147-50-0, S. 109–150.</ref><ref>Zu den Ausnahmen zählt Manfred Kuxdorf: Der Schriftsteller Salomo Friedlaender/Mynona. Kommentator einer Epoche. Eine Monographie. Lang, Frankfurt a. M. etc. 1990. ISBN 978-3-631-42756-9, S. 35–58.</ref>

Im Holzweg gebe Mynona trotz aller Kürze „die gründlichste Kritik, die Remarques vierter Roman [Der Weg zurück] seinerzeit erfahren hat.“ Hartung bestätigt Mynonas Diagnosen: Remarque verwirft den Krieg nicht kategorisch; er strebt nach Neutralität und nach Verfilmbarkeit bzw. dramaturgischer Bearbeitung. In Der Weg zurück werde das ,antithetische Moment’ stärker ausgestaltet, bleibe aber unbefriedigend und führe zu jenen „Plattheiten, soziologischen Schematismen, konstruierten Polarisierungen“, die Mynona „so hart und lieblos, wenn auch nicht ungerecht bezeichnen wird.“<ref name="Hartung" details="S. 144."/>

Philosophische Prosa

Mit seinem Schwager und Vetter Anselm Ruest (Pseudonym für Ernst Samuel, jüngerer Bruder von Salomon Samuel) gab Friedlaender/Mynona 1919 die Zeitschrift Der Einzige heraus, benannt nach Max Stirners Hauptwerk Der Einzige und sein Eigentum. Er redigierte die wöchentlichen Beiblätter, in denen er Texte von Freunden und zahlreiche eigene Grotesken unterbrachte, darunter den Erstdruck von Der Schöpfer.<ref name="GS25" details="S. 24. An Alfred Kubin, 13. Juni 1919."/> Friedlaender war jedoch kein Individualanarchist, vielmehr setzte er sich mit Stirner kritisch auseinander. Er zählt ihn mit Descartes, Fichte, Feuerbach, Schopenhauer, Nietzsche und anderen zur Genealogie der „großen Subjektivisten“.<ref Name="GS33" details="S. 258."/> Stirner konzipiere aber, wie Fichte, ein ICH, das noch nicht „wahrhaft einzig“ sei. Bei ihnen „gibt es so viele Iche, wie es Menschen gibt. Indessen gibt es zwar objektiv viele empirische Menschen, aber subjektiv nur das einzige ICH-Heliozentrum.“<ref name="GS22" details="S. 385."/>

In Abgrenzung vom Kant-Verständnis der Neukantianer nannte Friedlaender sich seit 1924 „Altkantianer“.<ref name="GS3" details="S. 859."/><ref name="GS11" details="S. 311 u. 372."/><ref name="GS41" details="S. 64."/> Er war überzeugt, dass seine polaristische Methode helfen werde, Kants Ideale zu verwirklichen. Provokativ bringt er Kant in Schnadahüpferln (1923)<ref name="GS8" details="S. 39–46."/> und in Knittelverse: Kopernikantiade (1941).<ref name="GS16" details="S. 323–383."/> Er lässt Kant als Direktor einer Irrenanstalt zeitgenössische Philosophen kurieren: William James, Edmund Husserl, Rudolf Steiner, Hans Driesch etc.<ref name="GS6" details="S. 53–132. Kant und die sieben Narren (1934)."> Gesammelte Schriften, Band 6, 2008. ISBN 978-3-8334-8084-3.</ref> In der Parabel Kantholizismus (1934) schildert er die dramatische Begegnung von Altkantianern mit dem Papst.<ref name="GS6" details="S. 133–146."/>

Das Fragelehrbuch Kant für Kinder (1924) soll Lehrern helfen, Schüler in den Grundfragen der Ethik, Erkenntnistheorie und Religion zu orientieren. Vergeblich hoffte Friedlaender, dass das Buch an Schulen eingeführt würde. Der „Kinderkant“ gehört zu den am 10. Mai 1933 verbrannten Büchern. 2008 erschien eine japanische, 2024 eine englische Übersetzung.<ref>Friedlaender: Kant for Children, 2024 (siehe Übersetzungen). Dazu die Rezension von Detlef Thiel, Kant-Studien 116 (2025), S. 442–448.</ref>

Friedlaender zweites Lehrbuch, Katechismus der Magie (1925), zielt auf das seit Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA und Europa florierende Gebräu von Okkultismus, Spiritismus, Esoterik. Der Magiebegriff wird umbesetzt: Es geht nicht um dunkle Machenschaften, sondern um ‚Vernunftmagie‘, um den praktischen Willen des autonomen Ich, nach Kants Abhandlung Von der Macht des Gemüts durch den blossen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein.<ref>In Kant: Der Streit der Fakultäten, 3. Abschnitt (Gesammelte Schriften, Bd. 7: 97–115).</ref>

Im dritten Fragelehrbuch, Kant gegen Einstein (1932), fasst Friedlaender die von ihm und Marcus seit 1920 veröffentlichten Eingriffe in den publizistischen Relativitätsrummel zusammen. Gestützt auf Kants Buch Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft (1785), attackiert er die Kant-Ignoranz und philosophische Naivität des Physikers, der z. B. behauptet: „Der Glaube an eine vom wahrnehmenden Subjekt unabhängige Außenwelt liegt aller Naturwissenschaft zugrunde.“<ref>Albert Einstein: Mein Weltbild. Querido, Amsterdam 1934, S. 159.</ref>

Wähnt ein Naturforscher, „Kant widerlegt zu haben, so verantwortet er, das Fundament der Moral und Religion – denn das ist die Kantische Entdeckung – zu unterwühlen. Wer das so leichtfertig tut wie die Relativisten [...], der gefährdet etwas, das unendlich wichtiger ist als aller Fortschritt der Naturwissenschaft: – den Fortschritt der sittlichen Kultur.“<ref>Gesammelte Schriften, Band 1, 2005. ISBN 978-3-8370-0052-8, S. 93.</ref>

Friedlaender/Mynona reagierte auf politische, militaristische, soziale Entgleisungen. Darwin und Marx, Sozialismus und Zionismus lehnte er ab. Er engagierte sich in humanitären Aktionen, beteiligte sich an Aufrufen für Achtstundentag, Kinderheime der Internationalen Arbeiterhilfe, Amnestie usw.<ref name="GS18" details="S. 409–461."/><ref name="GS41" details="S. 68–83."/> Bereits im November 1920 stellte er den heraufziehenden Nationalsozialismus und die preußisch-christliche Theokratie bloß: Um sich wieder im Herzen des Volkes einzunisten, beschließt die exilierte Fürstenfamilie, den Prinzen Christian mit allem Pomp an ein riesiges Hakenkreuz zu schlagen.<ref name="GS7" details="S. 531–539. Mynona: Der totschicke Heiland oder Dieu à quatre épingles."/>

Im Pariser Exil konnte Friedlaender/Mynona neben wenigen Zeitungsartikeln nur noch ein Büchlein veröffentlichen: Der lachende Hiob und andere Grotesken.<ref name="GS13" details="S. 547–400. Paris: Editions du Phénix 1935."/> Hier verarbeitet er sein Exiltrauma in einer Analyse der NS-Machtstrategie. Der Schein, der das Heute verdeckt, ist für den guten Propheten transparent, behauptet Friedlaender, so dass dieser Prophet „zur umgekehrten Kassandra wird, die mitten im unsäglichen Jammer den Hiob lachen lässt.“<ref>Gesammelte Schriften, Band 31, 2020. ISBN 978-3-7519-0472-8, S. 463.</ref> Der jahrzehntelang kaum zugängliche Text ist ein bedeutendes Dokument der Exilliteratur.

In der Schublade blieben fünfzehn Essays und ein Dutzend philosophische Bücher. Darunter vier weitere Fragelehrbücher zu Kant und der 200 Seiten umfassende Entwurf eines Pädagogischen Romans. Friedlaender/Mynona schildert sein Erziehungsideal und nimmt die um 1980 einsetzende Welle der Philosophischen Praxis um 40 Jahre vorweg.<ref>Gesammelte Schriften, Band 23, 2017. ISBN 978-3-7460-0900-1, S. 302–480.</ref> In der spätesten Abhandlung Ideenmagie (1945/46) rechnet Friedlaender nochmals mit dem Regime ab.<ref name="GS22" details="S. 547–587."/> Sein Kommentar zur Atombombe: „Der Gipfel der Kriegstechnik zugleich Abgrund der Barbarei.“<ref name="GS40" details="S. 447."/> Ein halbes Jahr vor seinem Tod 1946 verreißt Friedlaender/Mynona den Klassiker Ist der Existentialismus ein Humanismus? Jean-Paul Sartres berühmten Satz hatte er bereits 1937 formuliert: „Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein.“<ref name="GS29" details="S. 334."/>

Friedlaender/Mynonas umfangreicher Nachlass liegt in der Akademie der Künste in Berlin und im Deutschen Literaturarchiv Marbach. In der Werkausgabe umfasst er sieben Bände philosophische Prosa sowie Lyrik. Die weit verstreute Korrespondenz 1878–1946 ist in zehn Bänden gesammelt, über 3000 Stücke, mit Gegenbriefen. Mit vielen Personen stand Friedlaender/Mynona über Jahrzehnte hinweg in Kontakt. Überliefert sind kürzere Korrespondenzen mit Elisabeth Förster-Nietzsche (1902–1914), Georg Lukács (1911), Romain Rolland (1934). Ohne Antwort blieben Friedlaender/Mynonas Schreiben an Thomas Mann (1937), Haile Selassie (1938), André Gide (1940). Verschollen sind Briefe an Albert Schweitzer (1934) und Karl Jaspers (1946). An Familienangehörige und Freunde richtete Friedlaender/Mynona oft lange, ‚magisch‘ helfende Vorträge. Weitere sieben Bände enthalten die Denkwerkstatt, die philosophischen Tagebücher sowie die Alltags-Notizbücher ab 1929.

Bibliografie

Ausgaben und Sammlungen

  • Gesammelte Schriften. Hrsgg. von Hartmut Geerken und Detlef Thiel in Zusammenarbeit mit der Kant-Forschungsstelle der Universität Trier. Waitawhile/Books on Demand, Norderstedt 2005–2025. 41 Bände.
    • Bd. 1, 2005: Kant gegen Einstein. ISBN 978-3-8370-0052-8
    • Bd. 2, 2007: Philosophische Abhandlungen und Kritiken I. ISBN 978-3-8334-7022-6
    • Bd. 3, 2007: Philosophische Abhandlungen und Kritiken II. ISBN 978-3-8334-7023-3
    • Bd. 4, 2007: Bank der Spötter. ISBN 978-3-8334-7895-6
    • Bd. 5, 2007: Logik / Psychologie. ISBN 978-3-8334-8087-4
    • Bd. 6, 2008: Kant und die sieben Narren / Kantholizismus / Philosophischer Dialog / Dialog übers Ich. ISBN 978-3-8334-8084-3
    • Bd. 7, 2008: Grotesken I. ISBN 978-3-8334-8089-8
    • Bd. 8, 2008: Grotesken II. ISBN 978-3-8334-8090-4
    • Bd. 9, 2009: Friedrich Nietzsche. Eine intellektuale Biographie. ISBN 978-3-8391-2001-9
    • Bd. 10, 2009: Schöpferische Indifferenz. ISBN 978-3-8391-2952-4
    • Bd. 11, 2010: Hat Erich Maria Remarque wirklich gelebt? / Der Holzweg zurück. ISBN 978-3-8391-8531-5
    • Bd. 12, 2010: Julius Robert Mayer. ISBN 978-3-8391-4969-0
    • Bd. 13, 2011: Der lachende Hiob. (enthält: Der Schöpfer (1919) / George Grosz (1922) / Tarzaniade. Parodie (1924) / Der antibabylonische Turm (1932) / Der lachende Hiob und andere Grotesken (1935) / Kant/Marx. Imaginärer Dialog zwischen Kurt Hiller und Mynona (1936)). ISBN 978-3-8448-1028-8
    • Bd. 14, 2013: Graue Magie. Ein Berliner Nachschlüsselroman. (1922, 1931). ISBN 978-3-7322-5551-1
    • Bd. 15, 2014: Kant für Kinder (1924) / Katechismus der Magie (1925) / Der Philosoph Ernst Marcus. Ein Mahnruf (1930). ISBN 978-3-7357-2415-1
    • Bd. 16, 2014: Lyrik. ISBN 978-3-7322-9743-6
    • Bd. 17, 2015: Vernunftgewitter. Brevier nach Ernst Marcus (aus dem Nachlaß, 1932). ISBN 978-3-7347-5175-2
    • Bd. 18, 2016: Autobiographische Schriften / Anekdoten (1872–1946). ISBN 978-3-7431-7889-2
    • Bd. 19, 2015: Das magische Ich. Elemente des kritischen Polarismus (aus dem Nachlaß, 1935). ISBN 978-3-7386-1719-1
    • Bd. 20, 2015: Vereinzelte Bemerkungen zum System des magischen Ich (aus dem Nachlaß, 1936-1938). ISBN 978-3-7386-4445-6
    • Bd. 21, 2017: Das Experiment Mensch. Philosophische Essays und Kritiken (aus dem Nachlaß, 1912–1939). ISBN 978-3-7448-1270-2
    • Bd. 22, 2017: ICH-Heliozentrum. Philosophische Abhandlungen (aus dem Nachlaß, 1940-1945). ISBN 978-3-7448-7063-4
    • Bd. 23, 2017: Lehrbücher (aus dem Nachlaß). ISBN 978-3-7460-0900-1
    • Bd. 24–33, 2018–2021: Briefwechsel I–X, 1878–1958.
    • Bd. 34–40, 2022–2025: Tagebücher I–VII, 1929–1946.
    • Bd. 41, 2025: Nachträge. Ikonographie. Bibliographie. ISBN 978-3-7693-3872-0

Belletristische Literatur

  • Durch blaue Schleier. Gedichte. A. R. Meyer, Berlin 1908. Autorname: „S. Friedlaender“
  • Rosa, die schöne Schutzmannsfrau. Grotesken. Verlag der Weißen Bücher, Leipzig 1913. Umschlagzeichnung von Lothar Homeyer
  • Für Hunde und andere Menschen. Der Sturm, Berlin 1914
  • Schwarz-Weiß-Rot. Grotesken. Kurt Wolff, Leipzig 1916. Zwei Zeichnungen (eine auf dem Umschlag) von Ludwig Meidner
  • Hundert Bonbons. Sonette. Georg Müller, München 1918. Deckelzeichnung von Alfred Kubin
  • Die Bank der Spötter. Ein Unroman. Kurt Wolff, München 1919. Deckelzeichnung von Emil Preetorius
  • Unterm Leichentuch. Ein Nachtstück. Paul Steegemann, Hannover 1920. Umschlagzeichnung von Ernst Krantz. 2. Auflage: Merlin, Heidelberg 1927. Illustrationen von Kubin. Neuausgaben: Boer, Grafrath 2018. ISBN 978-3-946619-61-1; JMB, Hannover 2018. ISBN 978-3-95945-001-0
  • Nur für Herrschaften. Un-Freud-ige Grotesken. Banas & Dette, Hannover 1920
  • Der Schöpfer. Phantasie. Kurt Wolff, München 1920. Mit 18 Federzeichnungen von Alfred Kubin
  • Mein Papa und die Jungfrau von Orléans nebst anderen Grotesken. Kurt Wolff, München 1921. Deckelzeichnung von Emil Preetorius
  • Das widerspenstige Brautbett und andere Grotesken. Kurt Wolff, München 1921. Deckelzeichnung von Emil Preetorius
  • Trappistenstreik und andere Grotesken. Walter Heinrich, Freiburg (Breisgau) 1922. Zeichnung von Gustav Henselmann
  • Graue Magie. Ein Berliner Nachschlüsselroman. Rudolf Kaemmerer, Dresden 1922. 6 Zeichnungen von Lothar Homeyer. 2. Auflage: Geheimnisse von Berlin. Ein Roman. Steegemann, Berlin/Leipzig 1931. Neudruck der Erstauflage, hrsg. v. Sigrid Hauff, Fannei & Walz, Berlin 1989. ISBN 978-3-927574-04-5. Neudruck: Ullstein, Berlin 1998. ISBN 3-548-24512-9
  • George Grosz. Rudolf Kaemmerer, Dresden 1922. Mit 37 Zeichnungen von George Grosz. Raubdruck: Makol, Frankfurt am Main (1974/75)
  • Ich möchte bellen und andere Grotesken. Seeigel, Berlin 1924. Umschlagzeichnung Lothar Homeyer
  • Tarzaniade. Parodie. Verlag der Tageblatt-Buchhandlung, Hannover 1924. Einbandzeichnung Heiner Dikreiter
  • Das Eisenbahnglück oder der Anti-Freud. Elena Gottschalk Vlg., Berlin 1925. 10 Zeichnungen von Hans Bellmer. Nachdrucke: Anti-Freud. Heitere Geschichten, Steegemann, Berlin/Leipzig (1932); Junius, Hamburg 1988. ISBN 3-88506-406-5
  • Mein hundertster Geburtstag und andere Grimassen. Jahoda & Siegel, Wien 1928. Einbandentwurf Robert Haas (Linolschnitt). Das Caligari-Foto auf dem Schutzumschlag zeigt nicht Mynona!
  • Der neue Ibykus, Officina Serpentis, Berlin 1929. 6 Zeichnungen von Hans Freese. Falscher Titel: „Ibikus“
  • Hat Erich Maria Remarque wirklich gelebt? Der Mann. Das Werk. Der Genius. 1000 Worte Remarque. Paul Steegemann, Berlin & Leipzig 1929. Fotomontage von Kuron-Gogol (Viktor Joseph Kuron)
  • Der Holzweg zurück oder Knackes Umgang mit Flöhen. Paul Steegemann, Berlin 1931. Mit Banderole: „Gegen Kurt Tucholsky“
  • Der lachende Hiob und andere Grotesken. Editions du Phénix, Paris 1935
  • Prosa. Hrsgg. von Hartmut Geerken. 2 Bde. Edition Text und Kritik, München 1980
    • Bd. 1: Ich verlange ein Reiterstandbild. Grotesken u. Visionen. ISBN 3-88377-063-9
    • Bd. 2: Der Schöpfer. Phantasie. – Tarzaniade. Parodie. – Der antibabylonische Turm. Utopie. ISBN 3-88377-064-7

Philosophische Literatur

  • Versuch einer Kritik der Stellung Schopenhauer’s zu den erkenntnistheoretischen Grundlagen der „Kritik der reinen Vernunft“. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Fakultät zu Jena. Schmitz & Bukofzer, Berlin 1902
  • Julius Robert Mayer. Theodor Thomas, Leipzig 1905
  • Jean Paul als Denker. Gedanken aus seinen sämtlichen Werken. Hrsg. von Dr. S. Friedlaender. Piper, München 1907
  • Logik. Die Lehre vom Denken. H. Hillger, Berlin 1907
  • Psychologie. Die Lehre von der Seele. H. Hillger, Berlin 1907
  • Schopenhauer. Seine Persönlichkeit in seinen Werken. 2 Bde. Hrsg. S. Friedlaender. Robert Lutz, Stuttgart 1907
  • Friedrich Nietzsche. Eine intellektuale Biographie. Göschen, Berlin 1911
  • Schöpferische Indifferenz. Müller, München 1918. 2. durch ein Vorwort vermehrte Aufl., Müller, München 1926
  • Kant für Kinder. Fragelehrbuch zum sittlichen Unterricht. Paul Steegemann, Hannover 1924. Faksimile-Nachdruck mit e. Essay v. Detlef Thiel, Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2004. ISBN 3-487-12806-3, 2. Neudruck: ebd. 2008. ISBN 978-3-487-13609-7
  • Wie durch ein Prisma. Gedanken und Blicke im Zeichen Kants. Der Taifun, Frankfurt 1924
  • Katechismus der Magie. Nach Immanuel Kants „Von der Macht des Gemüts“ und Ernst Marcus' „Theorie der natürlichen Magie“. In Frage- und Antwortform gemeinfaßlich dargestellt. Merlin, Heidelberg 1926. Faksimile-Nachdruck: Aurum Vlg., Freiburg 1978. ISBN 3-591-08051-9
  • Der Philosoph Ernst Marcus als Nachfolger Kants. Leben und Lehre. Baedeker, Essen, 1930
  • Kant gegen Einstein. Fragelehrbuch (Nach Immanuel Kant und Ernst Marcus) zum Unterricht in den vernunftwissenschaftlichen Vorbedingungen der Naturwissenschaft. Der Neue Geist, Berlin 1932
  • Hartmut Geerken (Hrsg.): Friedlaender/Mynona: Briefe aus dem Exil 1933–1946, von Hase & Koehler, Mainz 1982. ISBN 3-7758-1030-7
  • Hartmut Geerken u. Sigrid Hauff (Hrsg.): Salomo Friedlaender, Alfred Kubin: Briefwechsel. Edition Neue Texte, Linz 1986, ISBN 3-900292-38-8
  • Das magische Ich. Elemente des kritischen Polarismus. Aus dem Nachlass hrsgg. von Hartmut Geerken, Aisthesis, Bielefeld 2001. ISBN 3-89528-336-3
  • Ich (1871–1936): Autobiographische Skizze. Aus dem Nachlass hrsgg. von Hartmut Geerken, Aisthesis, Bielefeld 2003. ISBN 3-89528-394-0
  • Magie in Knittelversen. Aus dem Nachlass und mit einem Vorwort von Detlef Thiel. Hochroth, Berlin 2013. ISBN 978-3-902871-34-3
  • Detlef Thiel (Hrsg.): Experiment Mensch. Friedlaender/Mynona Brevier. Mit Einleitung, Zeittafel und Bibliographie. Waitawhile/Books on Demand, Norderstedt 2014 (Friedlaender/Mynona Studien, Band 1). ISBN 978-3-7357-8870-2
  • Sigrid Hauff (Hrsg.): Friedlaender/Mynona: „Ich werde nie heiraten“. Liebesbriefe an Marie Luise. Waitawhile/Books on Demand, Norderstedt 2014 (Friedlaender/Mynona Studien, Band 2). ISBN 978-3-7357-4204-9

Übersetzungen ins Englische (Auswahl)

  • Mynona: The Operated Goy. In: The Operated Jew. Two Tales of Anti-Semitism. Transl. and edited by Jack Zipes, Routledge, New York/London 1991, S. 75–86. ISBN 0-415-90461-7
  • Mynona: The Creator. A Fantasy / The Wearisome Wedding Night. A Grotesque. Transl. by Peter Wortsman, afterword by Detlef Thiel, illustrations by Alfred Kubin. Wakefield Press, Cambridge MA 2014. ISBN 978-1-939663-07-8
  • Mynona: The Unruly Bridal Bed and Other Grotesques. Transl. by William C. Bamberger. Wakefield Press, Cambridge MA 2017. ISBN 978-1-939663-26-9
  • Mynona: Black-White-Red. Grotesques. With two drawings by Ludwig Meidner. Transl. by William C. Bamberger. Wakefield Press, Cambridge, MA 2022. ISBN 978-1-939663-84-9
  • Salomo Friedlaender: Kant for Children. Edited and transl. by Bruce James Krajewski. De Gruyter, Berlin/Boston 2024. ISBN 978-3-110991-83-3

Literatur

  • Daniel Hoffmann: Mynona. In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000, ISBN 3-476-01682-X.
  • Ludwig Frambach: Das weltenschwangere Nichts. Salomo Friedlaenders „Schöpferische Indifferenz“. In: Margherita Spagnuolo Lobb, Nancy Amendt-Lyon (Hrsg.): Die Kunst der Gestalttherapie. Eine schöpferische Wechselbeziehung, Springer, Wien/New York 2006, S. 129–144. ISBN 978-3-211-27091-2 (Print), ISBN 978-3-211-35720-0
  • Detlef Thiel: Friedlaender, Salomo (Mynona). In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart, 2., aktualis. u. erw. Aufl. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, S. 150–152. ISBN 978-3-476-02457-2
  • Detlef Thiel: Porträt Salomo Friedlaender / Mynona. In: Information Philosophie Jg. 42, Heft 1 (April 2014), S. 42–48. ISSN 1434-5250
  • Detlef Thiel (Hrsg.): Sonnenreflexe im Achteckspiegel. Beiträge aus Japan (von Junko Yamamoto, Hiroo Nakamura, Osamu Ikeuchi, Yoko Kito u. a.). Waitawhile/Books on Demand, Norderstedt 2018 (Friedlaender Mynona Studien, Band 5). ISBN 978-3-7528-6095-5
  • Kevin Drews: Inmitten der Extreme. Ästhetik und Politik bei Walter Benjamin und Salomo Friedlaender. Brill/Fink, Paderborn 2023, ISBN 978-3-7705-6768-3
  • Julia Martel: Im Zeichen von Kraft und Energie: Ästhetiken bei Herder, Nietzsche, Mynona, Einstein und Musil. Wallstein Vlg., 2023, ISBN 978-3-8353-8405-7

Weblinks

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Einzelnachweise

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