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Moosglöckchen

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Moosglöckchen
Datei:Linnaea borealis.jpg

Moosglöckchen (Linnaea borealis)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Unterfamilie: Linnaeoideae
Gattung: Linnaea
Art: Moosglöckchen
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Linnaea
Gronov. ex L.
Wissenschaftlicher Name der Art
Linnaea borealis
L.

Das Moosglöckchen oder Erdglöckchen (Linnaea borealis) ist die einzige Art der Pflanzengattung Linnaea in der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae).

Beschreibung und Ökologie

Datei:Linnaea borealis by Lindman.jpg
Illustration von Carl Lindman
Datei:Illustration Linnaea borealis1.jpg
Illustration von Otto Wilhelm Thomé

Vegetative Merkmale

Beim Moosglöckchen handelt es sich um einen immergrünen, kriechenden Halbstrauch, der Wuchshöhen von etwa 20 Zentimetern erreicht. Es wurzelt bis 50 Zentimeter tief.<ref name="Oberdorfer2001" /> Ab dem Alter von 5 bis 15 Jahren werden über der Erde verlaufende Stolonen gebildet. Mit den Stolonen erfolgt eine vegetative Vermehrung, und so findet man auch in der Natur Bestände, die Klone darstellen, genetisch identisch sind. Aus den Stolonen treiben neue Äste. Die Äste bekommen nur Durchmesser von etwa 3 Millimetern.

Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist leicht behaart. Die einfache, relativ kleine Blattspreite ist rundlich und am Rand leicht gekerbt. Nach etwa 12 bis 16 Monaten werden die Laubblätter abgeworfen.

Generative Merkmale

Die Blüten sitzen im Regelfall in Zweizahl (daher der englischsprachige Trivialname „Twinflower“) an einem aufrechten Blütenstandsstängel. Die Blüten sind nickend, also mit den Kronzipfeln nach unten weisend. Charakteristisch ist der an Vanille, Mandeln oder Anis erinnernde starke Duft der Blüten. Die Blüte wird von vier kelchähnlichen Hochblättern umgeben, die den drüsig behaarten, unterständigen Fruchtknoten umschließen. Der Kelch ist fünfzählig. Die fünf blassrosafarbenen Kronblätter sind glockenförmig verwachsen mit fünf Kronzipfeln in monostroph gedrehter Knospendeckung, im gleichen Drehsinn wie beim Gilbweiderich. Es sind vier Staubblätter vorhanden. Es wird Nektar produziert. Es wird eine einsamige Nuss<ref name="BiolFlor" /> gebildet, die etwa 36 Tage von der Befruchtung bis zur Reife benötigt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.<ref name="Oberdorfer2001" />

Datei:Carl von Linné.png
Linné mit Linnaea borealis am Revers
Datei:Carolus Linnaeus by Hendrik Hollander 1853.jpg
Linné im Jahr 1737 mit Linnaea borealis in der Hand
Datei:Linnaea borealis (1).jpg
Linnaea borealis subsp. longiflora in Ontario (Kanada)

Vorkommen

Das Moosglöckchen bewohnt die borealen Nadelwälder der kühl-gemäßigten Holarktis, ist also in den nördlichen Gebieten und den Hochgebirgen Eurasiens und Nordamerikas zu finden. Auch in Afrika kommt die Art in Uganda im Ruwenzori-Gebirge vor.<ref name="POWO" /> In Europa kommt sie in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Island, Irland, Belgien, Portugal, Spanien, Ungarn, Bulgarien, Griechenland, Albanien und in der Türkei.<ref name="POWO" /> In Mitteleuropa ist die Art ausgesprochen selten und kommt nur in Nadelwäldern mit ausreichender Moosschicht vor. Es ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Piceetalia, kommt überregional vor allem in Pflanzengesellschaften des Verbands Linnaeao-Piceion aber auch in denen des Verbands Dicrano-Pinion vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> Schon Linné schreibt 1753, die Art komme vor in "sylvis antiquis, muscosis, acerosis, sterilibus, umbrosis"; übersetzt: "in alten Wäldern, die moosreich, sauer, unfruchtbar und schattig sind".<ref name="Linné1753" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 1 (sehr nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Linnaea borealis ist die einzige Art der Gattung Linnaea in der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Alle anderen Arten, die früher in diese Gattung gestellt wurden, sind nun in der Gattung Abelia enthalten.

Benannt wurde die Gattung 1737 nach dem schwedischen Botaniker und Systematiker Carl von Linné, dessen Lieblingsblume sie war. Linné bat seinen reichen Freund und Gönner Jan Frederik Gronovius um diese Namensgebung<ref name="Burkhardt2018" />, da er diese Art nicht nach sich selbst benennen wollte. Das Artepithet borealis, das Linné 1753 zur Artbeschreibung in Species Plantarum Band 2 Seite 631 ergänzte, bedeutet „aus dem Norden kommend“.<ref name="Geiger1912">Geiger 1912, Seite 2–3.</ref>

Es gibt etwa drei Unterarten von Linnaea borealis:

  • Linnaea borealis L. subsp. borealis in Europa und Asien<ref name="GRIN" />
  • Linnaea borealis subsp. americana <templatestyles src="Person/styles.css" />(J.Forbes) Rehder: Sie kommt in Nordamerika und in Grönland vor.<ref name="GRIN" />
  • Linnaea borealis subsp. longiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Torr.) Hultén: Sie kommt in Nordamerika vor.<ref name="GRIN" />

Schutz

Linnaea borealis subsp. borealis ist in Deutschland nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />

Symbol und Herkunft des Vornamens Linnea

Das Moosglöckchen ist die sogenannte Landskapsblomma („Landschaftsblume“) von Småland in Schweden. In dieser Provinz ist Carl von Linné geboren und aufgewachsen.

Linnaea gilt als Quelle der Namensschöpfung für den in Schweden seit dem frühen 19. Jahrhundert verbreiteten weiblichen Vornamen Linnea.

Quellen

Einzelnachweise

<references> <ref name="BiolFlor"> Moosglöckchen. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Burkhardt2018"> Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018. online. </ref> <ref name="InfoFlora"> Linnaea borealis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="POWO">Linnaea borealis. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="Linné1753">Linné: Species Plantarum. 1753 Band 2 Seite 631 [1]</ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Gerald Parolly: Caprifoliaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 838.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Moosglöckchen (Linnaea borealis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien