Zum Inhalt springen

Molybdänit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Molybdänit
Datei:Molly Hill molybdenite.JPG
Molybdänit auf Quarz aus der Moly Hill Mine, Quebec, Kanada
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Mol<ref name="Warr" />

Chemische Formel MoS2<ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/C.10
II/D.25-010<ref name="Lapis" />

2.EA.30
02.12.10.01
Ähnliche Minerale Graphit
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol dihexagonal-dipyramidal; 6/m2/m2/m
Raumgruppe P63/mmc (Nr. 194)Vorlage:Raumgruppe/194<ref name="AMCSD" />
Gitterparameter a = 3,16 Å; c = 12,30 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1 bis 1,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,62 bis 4,73; berechnet: 4,998<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {0001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität unelastisch biegsam, mild<ref name="Rösler" />
Farbe bleigrau bis blauviolett
Strichfarbe dunkelgrau bis grünlichgrau<ref name="Rösler" />
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz
Magnetismus paramagnetisch
Kristalloptik
Pleochroismus extremer Reflexionspleochroismus
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten schwer schmelzbar, in Säuren schwer löslich
Besondere Merkmale diamagnetisch

Molybdänit, veraltet auch als Molybdänglanz, Eutomglanz oder Wasserblei bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem mit der Zusammensetzung MoS2, ist also chemisch gesehen ein Molybdändisulfid bzw. Molybdän(IV)-sulfid.

Molybdänit findet sich meist in Form von krummblättrigen, schuppigen bis massigen Aggregaten von bleigrauer bis blauvioletter Farbe, entwickelt aber selten auch sechseckige, tafelige Kristalle.

Das seltene Element Rhenium kommt immer in geringer Konzentration (von ppm bis 1 bis 2 %) anstelle des Molybdäns vor. Zusätzlich finden sich häufig Beimengungen von Silber und Gold.

Etymologie und Geschichte

Molybdänit, früher auch „Wasserblei“ genannt, wurde nicht nach seinem chemischen Bestandteil Molybdän benannt, sondern nach dem altgriechischen Wort {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (Variante: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) für „Blei“,<ref name="Webmineral" /> dem es in seiner Erscheinung ähnelt – genauer dem Bleimineral Bleiglanz. Das Wort ist schon im Mykenischen Griechisch als {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) überliefert. Das Element Molybdän ist seinerseits nach dem Mineral benannt.

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Molybdänit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S < 1 : 1“, wo er gemeinsam mit Drysdallit, Jordisit und Tungstenit in der „Molybdänit-Reihe“ mit der Systemnummer II/C.10 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.25-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Molybdänit zusammen mit Castaingit (diskreditiert), Drysdallit, Jordisit, Rheniit und Tungstenit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.25 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Molybdänit in die Abteilung „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2; mit Cu, Ag, Au“ zu finden, wo es zusammen mit Drysdallit, Jordisit und Tungstenit die „Molybdänitgruppe“ mit der Systemnummer 2.EA.30 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Molybdänit die System- und Mineralnummer 02.12.10.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 1 : 2“ in der „Molybdänitgruppe“, in der auch Drysdallit und Tungstenit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Datei:Balls and sticks model of crystal of molybdenum disulfide with close-packed sulfur atoms.svg
Kristallstruktur von Molybdänit

Von Molybdänit sind bisher zwei Polytypen bekannt:

Die Kristallstruktur von Molybdänit ähnelt der von Graphit, wobei allerdings statt der einzelnen Graphitschichten wechselnde Schichten von Molybdän- und Schwefelteilchen vorliegen, die leicht gegeneinander verschiebbar sind.

Eigenschaften

Molybdänit ist in Aussehen und Härte dem Graphit sehr ähnlich, unterscheidet sich aber von diesem in der Strichfarbe, die beim Graphit schwarz bis stahlgrau, beim Molybdänit jedoch grünlichgrau bis bläulichgrau ist. Molybdänit fühlt sich zudem fettig an und färbt ab.<ref name="OkruschMatthes" />

Das Mineral hat eine Mohshärte von 1 bis 1,5 und eine Dichte von 4,7 bis 4,8 g/cm3. Es ist normalerweise undurchsichtig, sehr dünne Blättchen sind jedoch durchscheinend und unter Infrarot-Licht durchsichtig.

Molybdänit lässt sich nur schwer schmelzen. Vor dem Lötrohr ist er sogar unschmelzbar, färbt aber die Flamme gelblichgrün (zeisiggrün). In Säuren ist das Mineral nur schwer löslich.

Wie Graphit ist Molybdänit ein Halbleiter und diamagnetisch.<ref name="LdC" />

Modifikationen und Varietäten

Die Verbindung MoS2 ist dimorph und kommt neben dem hexagonal kristallisierenden Molybdänit noch als amorpher Jordisit in der Natur vor.

Bildung und Fundorte

Datei:Molibdenite - Ovrebo, Norvegia 01.jpg
Molybdänit-Kristallaggregat aus Øvrebø (Kommune Vennesla), Norwegen (Größe 5 cm)
Datei:Molybdenum ore, Climax CO.jpg
Molybdänit (dunkelsilbriggrau) – Quarz (mittelgrau) – Ader in alkalischem Granit (hellfarbige Gebiete) aus der Climax Mine, Lake County (Colorado), USA (Breite 5,3 cm an der Basis)

Molybdänit bildet sich entweder in magmatischen Gesteinen wie Aplit, Granit und Pegmatit oder durch hydrothermale Vorgänge in hochthermalen Ganglagerstätten sowie als Imprägnation in porphyrischen Molybdän-Lagerstätten („disseminated porphyry copper ores“). Begleitminerale sind unter anderem Chalkopyrit und andere Kupfersulfide sowie Fluorit, Pyrit, Quarz und Scheelit.

Fundorte sind unter anderem Afghanistan; mehrere Regionen in Argentinien; viele Regionen in Australien; Brabant, Lüttich und Luxemburg in Belgien; Altenberg, Zinnwald und Ehrenfriedersdorf (Erzgebirge) in Deutschland; Horní Slavkov, Krupka und Štachlovice in Tschechien; Finnland; Traversella und Macchetto in Italien; mehrere Regionen in Norwegen; bei Nertschinsk (Region Transbaikalien) in Russland; Grönland; viele Regionen in Österreich; und viele Orte in Nordamerika, z. B. Climax im US-Bundesstaat Colorado.<ref name="Fundorte" />

Verwendung

Molybdänit ist das wichtigste Erzmineral zur Gewinnung von Molybdän. Sieht man vom extrem seltenen Rheniit ab, ist Molybdänit das einzige Mineral mit einer lohnenden Rheniumkonzentration, so dass er auch die wichtigste Rheniumquelle darstellt.

Neben Graphit ist er das wichtigste Mineral zur Herstellung von mineralischen Schmiermitteln (Festschmierstoffen).

Nachdem bisher vor allem Silicium und Graphen als Transistormaterial für Mikrochips bekannt waren, könnte nach bisherigen Forschungsergebnissen einer Schweizer Forschungsgruppe um Andras Kis von der ETH Lausanne zukünftig auch Molybdänit diese Aufgabe übernehmen. Dieser soll ähnlich wie Graphen in nur einer Atomlage herzustellen sein. Bei einer Schichtdicke von nur 0,65 nm soll er dennoch die gleiche Elektronenbeweglichkeit wie eine Siliciumschicht von 2 nm aufweisen. Die Energieeffizienz soll dagegen sogar um den Faktor 100.000 höher sein. Im Gegensatz zum Graphen, bei dem die für Halbleiter notwendige Bandlücke für das An- und Ausschalten eines Transistors künstlich erzeugt werden muss, ist sie beim Molybdänit bereits vorhanden.<ref name="tecchannel" /><ref name="energie-und-technik" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="AMCSD"> American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Molybdenite. In: rruff.geo.arizona.edu. Abgerufen am 18. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="energie-und-technik"> Willem Ongena: Molybdänit: Transistor der Zukunft? Energie & Technik, 16. März 2011, abgerufen am 18. Dezember 2024. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Molybdänit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 18. Dezember 2024. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: November 2024. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, November 2024, abgerufen am 18. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="LdC"> </ref> <ref name="OkruschMatthes"> </ref> <ref name="Rösler"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="tecchannel"> pte pte: Molybdänit sticht Silizium und Graphen aus: Neues Transistormaterial für effizientere CPUs. Computerwoche, 31. Januar 2011, abgerufen am 18. Dezember 2024. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Molybdenite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 18. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>