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Mixtón-Krieg

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Lienzo de Tlaxcala, Schlacht von Xochipilla im Mixtón-Krieg

Der Mixtón-Krieg war eine militärische Auseinandersetzung zwischen mehreren indianischen Stämmen aus Neugalicien und der spanischen Kolonialmacht in Neuspanien, der vom Frühjahr 1540 bis Anfang 1542 dauerte. Mehrere indigene Völker, die bereits von den Spaniern unterworfen worden waren, erhoben sich während dieses Konfliktes gegen die Spanier. Die Bezeichnung Mixtón-Krieg leitet sich von einem Bollwerk der Aufständischen auf einem Mixtón genannten Hügel im Süden des heutigen Bundesstaates Zacatecas ab.

Vorgeschichte

Im Jahre 1529 drang Nuño Beltrán de Guzmán mit 500 Spaniern und etwa 10.000 indianischen Verbündeten, Azteken und Tlaxcalteken, in das Gebiet der späteren neuspanischen Provinz Neu-Galicien ein. Auf seinem Marsch eroberte Nuño Beltrán de Guzmán Nayarit, Jalisco, Durango, Sinaloa und Zacatecas, obwohl die Bewohner dieser Gegenden unter der Herrschaft anderer Spanier standen. Er ignorierte die Rechte der ersten Entdecker und Eroberer und schwang sich selbst zum Herren über das Land auf. In diesem Krieg wurden mehrere Tausend Indigene von den spanischen Truppen und ihren indianischen Verbündeten gefoltert oder getötet.<ref>Hans-Otto Meissner: Ich fand kein Gold in Arizona. Die Abenteuer des Francisco Vasquez de Coronado (= Die Abenteuer der Weltentdeckung, Bd. 5). Cotta, Stuttgart 1967. S. 44–45.</ref> Sobald Guzmán seine Eroberungen konsolidiert hatte, befahl er die Verteilung aller besiegten Indianer an die spanischen Encomiendas und machte sie damit de facto zu Sklaven. Seine Schreckensherrschaft endete 1536, als der Vizekönig, Antonio de Mendoza, Nuño Beltrán de Guzmán aufgrund seiner Verbrechen verhaften und am 30. Januar 1538 in Ketten nach Spanien bringen ließ.<ref>Hans-Otto Meissner: Ich fand kein Gold in Arizona. Die Abenteuer des Francisco Vasquez de Coronado. S. 49–50.</ref> Dort starb er im Jahre 1544 als Gefangener im Schloss von Torrejón. Doch auch nach seinem Sturz 1536 fuhren viele seiner Günstlinge fort, die unterworfenen Indianer zu misshandeln. Der Hass auf die Spanier löste schließlich den Aufstand aus.

Der Widerstand

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Codex Telleriano-Remensis, Die zeitgenössische Darstellung zeigt den Tod des (gekrönten) Pedro de Alvarado im Mixtón-Krieg (der Mann links hinter dem Priester)

Die Gelegenheit zum Aufstand kam, als der neue Gouverneur der Provinz, Francisco Vásquez de Coronado, im Februar 1540 in den Norden aufbrach.<ref>Hans-Otto Meissner: Ich fand kein Gold in Arizona. Die Abenteuer des Francisco Vasquez de Coronado. S. 93.</ref> Auf der Suche nach den sagenhaften sieben goldenen Städten von Cibola nahm er einen großen Teil der wehrfähigen spanischen Männer mit. Damit entblößte er weite Teile der Provinz von Truppen. Nur wenige Wochen nach Coronados Abzug begann am 10. April 1540 der Aufstand im Gebiet von Tepic. Die Indianer erhoben sich gegen die Sklaverei, die spanische Herrschaft und gegen die christliche Religion. Sie töteten Missionare und begannen, ihre Siedlungen zu befestigen. Die Führer der Rebellion waren Petacal, Häuptling der Caxcanes (Jalpa), und Tenamaxtle, Bruder des Herrschers von Nochistlán.

Die Rebellion ergriff schon bald andere Regionen wie Teocaltiche, Nochistlán und Juchipila. Es gab Zusammenstöße zwischen den Caxcan und den Spaniern, aber auch Unruhen der Indianer auf den Gütern ihrer spanischen Herren. Aus gut geschützten Basislagern im Bergland von Nochistlán operierend unterwarfen die größtenteils aus Chichimeken bestehenden Aufständischen große Gebiete. Am 28. September 1540 überrannten die indianischen Rebellen die Stadt Guadalajara. Der Konflikt drohte überzugreifen und gefährdete die Herrschaft der Spanier in ganz Mexiko. Angesichts dieser Notsituation sandte der Vizekönig, Antonio de Mendoza, zunächst Cristóbal de Oñate zur Niederschlagung der Rebellion nach Neu-Galicien, der aber von den Aufständischen geschlagen wurde.<ref>Hans-Otto Meissner: Ich fand kein Gold in Arizona. Die Abenteuer des Francisco Vasquez de Coronado. S. 231.</ref> Am 12. Juni 1541 traf Pedro de Alvarado mit Verstärkungen ein. Er brachte Guadalajara wieder in spanische Hand und wandte sich dann Nochistlán zu. Dort wurde er im Tal von Yahualica von Indianern besiegt und verletzte sich nach dem Gefecht am Bein, als sein Pferd auf der Flucht stürzte und ihn unter sich begrub. Am 4. Juli 1541 starb Pedro de Alvarado an dieser Verletzung, ohne dass er den Aufstand vollständig niederschlagen konnte.<ref name="Clodfelter">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Die Niederschlagung des Aufstandes

Die Erfolglosigkeit der spanischen Konquistadoren und die Angst vor einer Ausweitung der Aufstände auf Michoacán und dann auf ganz Mexiko veranlassten Vizekönig Antonio de Mendoza im September 1541, persönlich Truppen gegen die Aufständischen ins Feld zu führen. Mit einer Streitmacht aus 600 Spaniern (300 Reiter, 200 Fußsoldaten sowie 50 Arkebusiere und 50 Armbrustschützen) und bis zu 50.000 Azteken und Tlaxcalteken marschierte er in die Provinz ein und versuchte, dem allgemeinen Aufstand Herr zu werden. Am 20. und 21. November lieferte er sich eine Schlacht gegen 12.000 Aufständische in Nochistlán und konnte 8000 von ihnen gefangen nehmen, darunter auch Tenamaxtle. Die Überlebenden zogen sich auf die Bergfeste Mixtón zurück und formierten sich neu. Es gelang ihnen, ihren Anführer in einem Überraschungsangriff auf das spanische Lager zu befreien. Nach mehrtägiger Beschießung von Mixtón mit Kanonen gelangten die Spanier am 7. Dezember 1541 über einen geheimen Zugang in die Festung, der ihnen von Überläufern gezeigt worden war. Etwa 1500 Indianer wurden im Kampf getötet, weitere 3000 gerieten in die Gewalt der Spanier und wurden in den folgenden Tagen hingerichtet, darunter auch Tenamaxtle. Weitere Rebellenverstecke in der Nähe konnten erst Anfang des Jahres 1542 von den Spaniern besiegt werden.<ref name="Clodfelter" />

Folgen und Nachleben

Tausende indianische Männer wurden als Gefangene in Ketten in die Silberbergwerke geschickt. Viele Frauen und Kinder wurden aus ihrer Heimat verschleppt und mussten auf den spanischen Haziendas arbeiten.

Trotz der Niederlage der Caxcanen und Chichimeken in Mixtón blieben einige Orte noch einige Zeit unter indianischer Kontrolle. Insofern waren die Aufstände auch nach dem Fall von Mixtón noch nicht überall zu Ende. Immer wieder kam es zu Scharmützeln, die in den Jahren 1550 bis 1600 in einem lange währenden Grenzkrieg gegen die Chichimeken mündeten.

Die Erinnerung an den Mixtón-Krieg blieb unter der indigenen Bevölkerung Mexikos bis heute lebendig.

Literatur

  • Micheal Clodfelter: Warfare and Armed Conflicts: A Statistical Encyclopedia of Casualty and Other Figures, 1492–2015. 4. Auflage. McFarland, Jefferson 2017, ISBN 978-0-7864-7470-7, S. 34f.

Fußnoten

<references />

Weblinks