Michael Köhler (Jurist)
Michael C. Köhler (* 21. Mai 1945 in Heidelberg; † 2. August 2022) war ein deutscher Rechtswissenschaftler. Ab 1983 lehrte er als Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg.
Leben und Wirken
Michael Köhler verbrachte die Nachkriegszeit bei seinen Großeltern in der Schweiz.<ref>Diethelm Klesczewski: Michael Köhler zum 70. Geburtstag. In: JuristenZeitung 11/2015, S. 568–569, hier: S. 568.</ref> Das Abitur legte er 1964 ab. Er studierte Rechtswissenschaft zunächst in Heidelberg und dann in München. Zu seinen akademischen Lehrern gehörte Ernst Amadeus Wolff. In den Jahren 1968 und 1972 folgten die Staatsexamina. Das Referendariat absolvierte er in Baden-Württemberg. Im Jahr 1972 legte er das Assessorexamen ab. Im selben Jahr wurde er promoviert mit einer von Götz Landwehr betreuten Arbeit zum Thema Das Widerstandsrecht in der deutschen konstitutionellen Staatsrechtstheorie der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Köhler war wissenschaftlicher Assistent an der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg bei Wilfried Küper. Im Jahr 1978 erfolgte die Habilitation in den Fächern Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie mit der Arbeit Die bewußte Fahrlässigkeit. Köhler lehrte als Professor 1980 an der Universität Heidelberg und 1982 an der Universität zu Köln.
Ab 1983 lehrte er bis zu seiner Emeritierung als Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg. Zu seinen akademischen Schülern gehörten unter anderem Diethelm Klesczewski und Asmus Maatsch. Bis zu seiner Emeritierung 2010 war Köhler dort außerdem Geschäftsführender Direktor des Seminars für Rechtsphilosophie. Im Jahre 2006 wurde er zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg gewählt. Köhler starb am 2. August 2022 im Alter von 77 Jahren.<ref>Traueranzeige Michael Köhler auf lebenswege.faz.net vom 13. August 2022</ref>
Seine Forschungsschwerpunkte waren der Allgemeine Teil des Strafrechts und die Rechtsphilosophie und dabei besonders die Anwendung rechtsphilosophischer Prinzipien auf das positive Recht, die Aktualisierung der rechtsphilosophischen Tradition sowie die Theorie der Gerechtigkeit. Eingehend befasste er sich mit Grundlagenfragen des Strafrechts, darunter der Strafbegründung, den allgemeinen Lehren der Straftat und der Theorie der Rechtsfolgen.<ref>Diethelm Klesczewski: Michael Köhler zum 70. Geburtstag. In: JuristenZeitung 11/2015, S. 568–569, S. 568.</ref> Im Jahr 1997 erschien sein Lehrbuch zum Allgemeinen Teil des Strafrechtes. Köhler äußerte sich wiederholt zu strafprozessualen Fragen.<ref>Michael Köhler: Prozeßrechtsverhältnis und Ermittlungseingriffe. In: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 107 (1995), S. 10–47.</ref> Fragen des Drogen- und des Medizinrechtes veranlassten Köhler, sich jahrelang in der Ethikkommission der Ärztekammer Hamburgs zu engagieren.
Im Jahr 1996 legte er Verfassungsbeschwerde gegen die Praxis des BND ein, die Telekommunikation mit dem Ausland nach Schlüsselwörtern abzuhören.<ref>Ingo Ruhmann. In: Die Zeit, Nr. 20/1996, S. 74.</ref>
Schriften
Monographien
- Recht und Gerechtigkeit. Grundzüge einer Rechtsphilosophie der verwirklichten Freiheit. Mohr Siebeck, Tübingen 2017, ISBN 978-3-16-154982-3.
- Strafrecht, Allgemeiner Teil. Springer, Berlin u. a. 1997, ISBN 3-540-61939-9.
- Der Begriff der Strafe (= Heidelberger Forum. Bd. 41). Müller und v. Decker, Heidelberg 1986, ISBN 978-3-8226-0886-9
- Über den Zusammenhang von Strafrechtsbegründung und Strafzumessung erörtert am Problem der Generalprävention (= Heidelberger Forum. Bd. 18). v. Decker & Müller, Heidelberg 1983, ISBN 3-8114-7182-1.
- Die bewusste Fahrlässigkeit. Eine strafrechtlich-rechtsphilosische Untersuchung (= Heidelberger rechtswissenschaftliche Abhandlungen. N.F., Bd. 31). Winter, Heidelberg 1982, ISBN 3-533-03091-1 (Zugleich: Heidelberg, Universität, Habilitations-Schrift, 1977–1978).
- Die Lehre vom Widerstandsrecht in der deutschen konstitutionellen Staatsrechtstheorie der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts (= Schriften zur Verfassungsgeschichte. Bd. 18). Duncker & Humblot, Berlin 1973, ISBN 3-428-02908-9.
Übersetzungen und Herausgeberschaften
- Jean Jacques Rousseau, Friedensschriften: Zweisprachige Ausgabe. Französisch-Deutsch. Meiner, Hamburg 2012, ISBN 978-3-7873-1945-9.
Literatur
- Diethelm Klesczewski: Michael Köhler zum 70. Geburtstag. In: JuristenZeitung 11/2015, S. 568–569.
- Rainer Nicolaysen (Hrsg.): Zum Gedenken an die Juristen Albrecht Zeuner (1924–2021) und Michael Köhler (1945–2022). Reden der Akademischen Gedenkfeiern der Fakultät für Rechtswissenschaft am 21. September 2022 und am 23. Juni 2023 (= Hamburger Universitätsreden. Neue Folge, Band 27). Hamburg University, Hamburg 2025, ISBN 978-3-910391-06-2 (online).
Weblinks
- Literatur von und über Michael Köhler im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Seite von Michael Köhler an der Universität Hamburg
- Nachruf auf der Seite der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
Anmerkungen
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Köhler, Michael |
| ALTERNATIVNAMEN | Köhler, Michael C. |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Rechtswissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 21. Mai 1945 |
| GEBURTSORT | Heidelberg |
| STERBEDATUM | 2. August 2022 |
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