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Mendelssohn (Berliner Familie)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Familie Mendelssohn ist eine deutsche Gelehrten-, Bankiers- und Künstlerfamilie, die auf den Philosophen Moses Mendelssohn zurückgeht.

Familiengeschichte

Datei:Ausschnitt.Stammbaum.Moses.Mendelssohn.Dauerausstellung.Kapelle.Dreifaltigkeitskirchhof.I.jpg
Ausschnitt aus dem Stammbaum Moses Mendelssohns an der Wand der Dauerausstellung über die Mendelssohn-Familie in der ehemaligen Kapelle auf dem Dreifaltigkeitskirchhof I in Berlin-Kreuzberg
Datei:Stammbaum.Felix.Mendelssohn.Bartholdy.Dauerausstellung.Kapelle.Dreifaltigkeitskirchhof.I.jpg
Ausschnitt aus dem Stammbaum der Mendelssohn-Familie mit den Kindern von Abraham Mendelssohn Bartholdy an der Wand der Dauerausstellung in der ehemaligen Kapelle auf dem Dreifaltigkeitskirchhof I in Berlin-Kreuzberg

Der Name Mendelssohn ist ein Patronym, das von Mendel Heymann, dem Vater von Moses Mendelssohn, abgeleitet ist. Über Generationen hinweg blieben die Nachkommen der beiden Brüder Joseph Mendelssohn und Abraham Mendelssohn Bartholdy (→Familienzweig Mendelssohn Bartholdy) durch die gemeinsame Leitung des Bankhauses Mendelssohn verbunden. Das Familienbewusstsein kommt zudem in zahlreichen Verwandtenehen und der schon 1879 von Sebastian Hensel, einem Urenkel Moses Mendelssohns, herausgegebenen Familienchronik zum Ausdruck. Das geistige und künstlerische Erbe der Familie wird von der Mendelssohn-Gesellschaft in Berlin-Mitte gepflegt. Die Gesellschaft hat am 3. November 2013 in einer ehemaligen Kapelle auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Berlin-Kreuzberg eine Dauerausstellung zur Geschichte der Mendelssohn-Familie eröffnet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wandelkonzert und Ausstellungseroeffnung (Memento des Vorlage:IconExternal vom 9. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mendelssohn-gesellschaft.de (PDF; 1,4 MB), 3. November 2013, online abgerufen am 4. November 2013.</ref> Auf den Friedhöfen vor dem Halleschen Tor sind 28 Mitglieder der Familie bestattet.<ref>Dauerausstellung zur Geschichte der Familie Mendelssohn auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof vor dem Halleschen Tor, www.mendelssohn-gesellschaft.de, online abgerufen am 17. Mai 2013.</ref>

Vier von sechs Kindern Moses Mendelssohns traten aus verschiedenen Gründen zum Christentum über, andere Nachkommen folgten in späteren Generationen. Durch diese frühe Konversion wurden die Mendelssohn-Nachkommen zur Zeit des Nationalsozialismus teilweise nicht mehr als Juden eingestuft und blieben vom Holocaust, oft aber nicht von Verfolgung und Diskriminierung verschont. Das Verhältnis der christlichen Familienmitglieder zum Judentum ist verschieden: Beteiligt sich Felix Mendelssohn Bartholdy bei jüdischen Freunden an den Sabbatfeiern, nennt sein Vater Abraham die religiösen Riten des Judentums, keine sieben Jahre nach seiner Taufe, „verdorben und zweckwidrig“. Abrahams Schwester Dorothea schließlich, erst zum Protestantismus, später aus Überzeugung zum Katholizismus übergetreten, sorgt sich um das Seelenheil ihrer protestantischen und jüdischen Verwandten. Eine ähnliche Position wird später der evangelische Kirchenmusiker Arnold Mendelssohn vertreten, der sich die allgemeine Taufe aller Juden und eine darauf folgende völlige Assimilation wünscht.

Meist bedingt durch das von den meisten Mitgliedern der Familie vertretene Streben nach Assimilation, wurde auch der Familienname mehrmals geändert: So nahm Abraham für sich und seine Familie nach der Taufe 1822 den zusätzlichen Nachnamen Bartholdy an, den auch sein Schwager Jakob Ludwig Salomon, in Bezug auf eine mit der Familie verbundene Meierei, mit seinem Übertritt zum Christentum angenommen hatte, und er reagierte mit Ablehnung, als sein Sohn Felix seiner Ansicht nach diesen Zweitnamen zugunsten des wesentlich glanzvolleren Mendelssohn zurückstellte. Leicht geändert wurde der Name auch durch die Adelung dreier Familienzweige, der von Mendelssohns, der von Mendelssohn-Bartholdys und der von Mendelssohn Bartholdys (ohne Bindestrich). Die Adelung des Bankiers Otto von Mendelssohn Bartholdy 1906 rief den Widerspruch seines Cousins, des Politikwissenschaftlers Albrecht Mendelssohn Bartholdy, hervor, der einen jüdischen Nachnamen, besonders das zu ehrende „Mendelssohn“, mit einem Adelsprädikat für unvereinbar hielt.

Nicht jeder, der den Nachnamen „Mendelssohn“ oder Varianten von ihm trägt, muss mit der hier behandelten Familie etwas zu tun haben: Da Moses Mendelssohn aufgrund seiner Rolle um die jüdische Aufklärung sehr bekannt war und ist, wurde der Name gerne von verschiedenen Juden angenommen. Zum anderen gibt es die Familie Mendelssohn aus Jever. Aus dieser gingen gleichfalls mehrere bekannte Persönlichkeiten hervor.

Stammliste

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Gräber von Marie (1855–1906) und Ernst von Mendelssohn-Bartholdy (1846–1909) in Börnicke
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Grab des Paul von Mendelssohn-Bartholdy (1875–1935) in Börnicke

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Literatur

Monografien

  • Rudolf Elvers, Hans-Günter Klein: Die Mendelssohns in Berlin. Eine Familie und ihre Stadt. Ausstellung des Mendelssohn-Archivs der Staatsbibliothek PK 1984. Berlin 1984.
  • Sebastian Hensel: Die Familie Mendelssohn 1729–1847. Nach Briefen und Tagebüchern. 15. Auflage. Berlin. Digitalisat
  • Hans-Günter Klein: Die Familie Mendelssohn: Stammbaum von Moses Mendelssohn bis zur siebenten Generation. CD-ROM Ausgabe. Berlin 2007.
  • Hans-Günter Klein: Die Familie Mendelssohn. Stammbaum von Moses Mendelssohn bis zur siebenten Generation, zusammengestellt auf der Grundlage der Erhebungen von Richard Wolff. 2., korrigierte und erweiterte Auflage. Berlin 2007.
  • Hans-Günter Klein (Hrsg.): Fanny Hensel – Briefe aus Venedig und Neapel an ihre Familie in Berlin 1839/40. Wiesbaden 2004.
  • Hans-Günter Klein (Hrsg.): Fanny Hensel – Briefe aus Rom an ihre Familie in Berlin 1839/40. Wiesbaden 2002.
  • Eckart Kleßmann: Die Mendelssohns – Bilder aus einer deutschen Familie. Insel Verlag. Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-458-33223-5.
  • Thomas Lackmann: Das Glück der Mendelssohns – Geschichte einer deutschen Familie. 1. Auflage. Aufbau-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-351-02600-5.
  • Thomas Lackmann: Die Familie Mendelssohn und ihre Gräber vor dem Halleschen Tor. zweisprachiger Katalog (deutsch und englisch) zu einer gleichnamigen Dauerausstellung auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I, Hrsg.: Evangelischer Friedhofsverband Berlin Stadtmitte und Mendelssohn-Gesellschaft e. V., Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2014, ISBN 978-3-89479-903-8.
  • Julius H. Schoeps: Das Erbe der Mendelssohns. Biographie einer Familie. S. Fischer Verlag Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-10-073606-2.
  • Rosemarie Bodenheimer: Mendelssohn & Co.: A Fictive Memoir. Quanah : Anaphora Literary Press, 2018

Lexikoneintrag

Schriftenreihen

Mit der Familie Mendelssohn verbundene Organisationen und Preise

Weblinks

Commons: Mendelssohn (Familie) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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