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Melinda Esterházy

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Melinda Esterházy (* 24. Mai 1920 in Budapest; † 27. August 2014 in Eisenstadt; geborene Ottrubay, von August 1946 bis Jänner 1947 Melinda (Fürstin) Esterházy de Galantha) war eine ungarisch-österreichische Großgrundbesitzerin und vormalige Primaballerina Assoluta an der Budapester Oper. Sie war die Ehefrau des 1989 verstorbenen Paul Esterházy.

Leben

Datei:Family Tree House Esterhazy 2025.svg
Stammtafel der Fürsten Esterházy

Melinda Esterházys Eltern waren Dezső (ung. Form von Desiderius) Ottrubay (* 1881), Präsident des Budapester Obersten Gerichtshofes, und dessen Gattin Rose, geborene von Schmidt. Ihr jüngerer Bruder war Josef Ottrubay.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stiftung Esterhazy trauert um Prof. Josef Ottrubay, Bruder und wichtigster Berater von Melinda Esterházy (Memento vom 31. Januar 2019 im Internet Archive).</ref> Parallel zu ihrer schulischen Ausbildung absolvierte sie eine Tanzausbildung an der Budapester Oper<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 13.</ref> und wurde 1934 Teil des Ensembles.<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 20.</ref> Nach dem Gymnasium spielte sie 1939 in zwei Spielfilmen mit und brachte im selben Jahr ein Buch mit dem Titel „Rhythmus und Tanz“ heraus.<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 35.</ref> 1943 wurde Melinda Ottrubay zur Primaballerina der Budapester Oper ernannt,<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 49.</ref> zwei Jahre später erhielt sie als erstes Mitglied der Budapester Oper den Ehrentitel Primaballerina Assoluta.<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 56.</ref>

Am 3. August 1946 heiratete sie in Budapest den Fürsten Paul V. Esterházy de Galántha, dem sie bereits im Jahr 1941 auf einer Gesellschaft der Erzherzogin Auguste offiziell vorgestellt worden war.<ref name=":0">Claudia Koglbauer: Melinda Esterházy: Gedenken an eine Grande Dame. In: Der Kurier. 26. Mai 2020, abgerufen am 5. April 2021.</ref> Die Ehe blieb kinderlos.

Nachdem zu Beginn des Jahres 1947 die ungarische Monarchie zu existieren aufgehört hatte und Ungarn zur Volksdemokratie geworden war, wurde in Ungarn der Adel samt den Adelsbezeichnungen abgeschafft.<ref>Vgl. Verwaltungsgerichtshof, Erkenntnis VwGH 2008/06/0144 vom 25. November 2008.</ref> Damit wurden die Namen des Ehepaares in Ungarn wie auch international zu Paul Esterházy und Melinda Esterházy.<ref>Vgl. Vereinbarung zwischen dem Bund und dem Land Burgenland zur Erhaltung und Weiterentwicklung des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel samt Anlagen, BGBl. I Nr. 75/1999 (Gesetzesvolltext in der geltenden Fassung im RIS), darin Anlage 2 gemäß Art. VI Abs. 3 (Hervorhebung kursiv): „Pachtvertrag, abgeschlossen zwischen der Verlassenschaft nach Dr. Paul Esterhazy, vertreten durch die Alleinerbin Melinda Esterhazy, […] und dem Land Burgenland andererseits vom 20. Februar 1991“ sowie: „Benützungsvertrag, abgeschlossen zwischen Frau Melinda Esterhazy geb. Ottrubay, […] und dem Land Burgenland andererseits vom 19. Mai 1993.“</ref>

1949 wurde Paul Esterházy im Rahmen des Schauprozesses gegen Kardinal József Mindszenty zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt. Erst 1954 bekam Melinda die Erlaubnis, ihren Mann im Gefängnis von Kőbánya zu besuchen, nachdem sie über vier Jahre ohne Nachricht von ihm gewesen war.<ref>Molden, S. 240 f.</ref> Am 30. Oktober 1956 kam er schließlich im Zuge des ungarischen Volksaufstandes frei. Paul und Melinda Esterházy flüchteten am 1. November 1956 in einem als Rotkreuz-Fahrzeug getarnten Wagen über den Grenzübergang Nickelsdorf nach Österreich. Ihre Flucht war vom Wiener Rechtsanwalt Kurt Werner und dem burgenländischen Nationalratsabgeordneten Franz Strobl geplant und organisiert worden.<ref>Molden, S. 262.</ref> Sie reisten in die Schweiz weiter, wo sie bis zu Pauls Tod 1989 in Zürich lebten.<ref name=":0" /> Paul setzte sie in seinem Testament als Universalerbin ein<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 81.</ref> und sie führte die Esterházy-Domäne weiter.<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 88.</ref> Sie setzte sich insbesondere dafür ein, die Esterházy-Kulturgüter einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 91.</ref> Neben ihren Aufgaben als Verwalterin des Erbes engagierte sie sich außerdem für die Förderung von Nachwuchstalenten in den Bereichen Ballett, Musik und Theater und initiierte dafür im Jahr 2005 die Stiftung „Fürstin Melinda Esterházy, Zürich“.<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 95.</ref>

Melinda Esterházy verstarb am 27. August 2014 in Eisenstadt im Beisein ihrer Familie.<ref>APA: Melinda Esterhazy im 95. Lebensjahr gestorben. In: derStandard.at, 28. August 2014, abgerufen am 13. Juli 2018.</ref> Die Beisetzungsfeierlichkeiten fanden am 12. September 2014 in Eisenstadt statt.<ref>Esterházy Gruft: Für Besucher geöffnet, www.bvz.at, 17. September 2014 (online).</ref> Nach einem Trauergottesdienst im Dom St. Martin, zelebriert vom Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und vom Erzabt der Benediktinerabtei Pannonhalma, Asztrik Várszegi, wurde der Leichnam im Trauerkondukt in die Franziskanerkirche überführt. Nach einer Andacht erklangen die ungarische und die österreichische Nationalhymne. Danach wurde Melinda Esterházy im engsten Familienkreis in der Familiengruft beigesetzt.<ref>Fürstin Esterházy wird in Familiengruft bestattet. In: Der Kurier, 12. September 2014, S. 23.</ref><ref>Georg Gesellmann: „Sie war einfach eine Superfrau“. In: Der Kurier. 12. September 2014, abgerufen am 20. Februar 2025.</ref>

Posthume Ausstellung

Am 15. Oktober 2016 wurde im Schloss Esterházy in Eisenstadt die Ausstellung Melinda Esterházy: „Das Leben hat mir viel geschenkt“ eröffnet, die sowohl ihre Karriere als Primaballerina als auch ihr Leben an der Seite von Fürst Paul V. Esterházy zeigt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ausstellung Melinda Esterházy im Schloss Esterházy: „Das Leben hat mir viel geschenkt“ – Eine Ausstellung in 5 Akten. (Memento vom 13. Juli 2018 im Internet Archive) In: Website der EBG – Esterházy Betriebe GmbH (Hrsg.), ohne Datum, abgerufen am 13. Juli 2018.</ref>

Das Esterházy-Vermögen

Historische Entwicklung

Das Eigentum der Familie Esterházy bildete bis in die Neuzeit ein Fideikommiss, einen unteilbaren Vermögensbestand, der jeweils durch das Familienoberhaupt zu verwalten war. Veräußerungen waren nur auf Beschluss des Familienrates möglich. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Saint-Germain gingen die bis dahin in „Deutsch-Westungarn“, danach im Burgenland, Niederösterreich und Wien gelegenen Besitzungen im Ausmaß von circa 66.000 Hektar Land, wie unter anderem das Schloss Esterházy in Eisenstadt ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), die Burg Forchtenstein ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) in der gleichnamigen Gemeinde Forchtenstein sowie der Römersteinbruch St. Margarethen, auf das Staatsgebiet der neuen Republik Österreich über.

Die in Ungarn gelegenen Besitzungen, circa 128.000 Hektar, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet (siehe Vorgeschichte des ungarischen Volksaufstandes). Zum Zeitpunkt seiner Eheschließung mit Melinda war Paul Esterházy aufgrund der Enteignung „praktisch mittellos“.<ref>Molden, S. 204.</ref> Auch die Güter in der heutigen Slowakei (siehe Schlösser und Burgen der Esterhazys) gingen verloren. Die Besitzungen im Burgenland wurden 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht konfisziert und im Jahr 1946 unter die Verwaltung der USIA (Verwaltung des sowjetischen Eigentums in Österreich) gestellt. Nach dem Staatsvertrag im Mai 1955 und dem darauffolgenden Abzug der Sowjets erhielten die Esterhazys ihre burgenländischen Besitzungen wieder zurück in ihr Eigentum. Ein Versuch der ungarischen Regierung, auch den österreichischen Esterházy-Besitz für sich zu reklamieren, da das gesamte in- und ausländische Eigentum des „Staatsfeindes“ Paul Esterházy zugunsten des ungarischen Staates verfallen sei, wurde vom österreichischen Außenministerium abgewehrt.<ref>Molden, S. 255.</ref>

Erbschaft und Gründung der Privatstiftungen

Nach dem Tod von Paul Esterházy im Jahr 1989 wurde seine Witwe Melinda Alleinerbin. In seiner letztwilligen Verfügung, datiert mit 21. August 1986, hatte Paul ihr aufgetragen, den Bestand des Vermögens auf Dauer zu sichern.<ref>Molden, S. 307.</ref> Über jene Teile des Vermögens, die nie Teil des familiären Fideikommiss gewesen waren (Allodialbesitz), verfügte Melinda Esterházy in den Folgejahren: Das Gut Edelstetten in Bayern ging im Rahmen einer Schenkung Melindas an Paul Anton Esterházy (* 1986). Das Palais Esterházy in der Wallnerstraße in Wien wurde Anfang der 1990er-Jahre an die Creditanstalt verkauft.<ref>Molden, S. 310.</ref>

Für den Großteil des Vermögens war zunächst keine der letztwilligen Verfügung entsprechende Lösung absehbar. Nachdem dann 1994 in Österreich das Privatstiftungsgesetz in Kraft trat, brachte Melinda Esterházy bis zum Jahr 2004, beraten durch den langjährigen Rechtsanwalt des Hauses Esterházy, Emil Schreiner, sowie ihren Bruder Josef Ottrubay,<ref>Molden, S. 311.</ref> das frühere Fideikommissvermögen mit allen Betrieben und Immobilien in drei österreichische Privatstiftungen ein. Diesen Stiftungen übergab sie ihr Eigentum, in den Stiftungsurkunden wurde explizit auf den Fideikommiss Bezug genommen und ein Familienrat als Kontrollorgan vorgesehen. Als zentrale Aufgabe der Stiftungen wurde die Pflege und Weiterentwicklung des Erbes festgelegt, insbesondere der Kulturgüter und Immobilien.<ref>Vanessa Voss: Der Patron des Burgenlandes. In: trend, Nr. 16, vom 22. November 2024.</ref> Zum Grundbesitz der Stiftungen gehören insgesamt 44.000 Hektar Land- und Forstwirtschaftsflächen, ein Teilgebiet des Neusiedler Sees, ein Weingut und Abbaugebiete wie der Pauliberg. Der Kulturbesitz umfasst unter anderem Schloss Esterházy in Eisenstadt, Schloss Lackenbach und Burg Forchtenstein.<ref>Kid Moechel: Der enorme Reichtum des Adels: das Esterhazy-Imperium. In: Der Kurier. 23. Januar 2019, abgerufen am 1. Oktober 2024.</ref>

Im Jahr 2002 übertrug Melinda Esterházy die Leitung der Esterhazy Betriebe an ihren Neffen Stefan Ottrubay. Der Neffe ihres verstorbenen Mannes hingegen, das neue Familienoberhaupt Anton II. Esterházy, fühlte sich seinerzeit in seinen Kompetenzen beschnitten.<ref>Erbtante Melinda zeigt sich knausrig. Im Familienstreit der Esterhazys geht es um den Zugriff auf ein Milliardenvermögen. In: Die Presse. 27. Dezember 2011, abgerufen am 29. Juli 2013.</ref> Im März 2005 zog sich Melinda Esterházy aus dem Unternehmen Esterhazy Betriebe zurück und übertrug ihren Gesellschaftsanteil in Höhe von 600.000 Euro an die Domänen Privatstiftung. Nach ihrem Tod wurden mit Einbringungsvertrag vom 26. September 2012 die Geschäftsanteile der Domänen Privatstiftung sowie Domänen Privatstiftung Immobilien GmbH in die Esterhazy Betriebe eingebracht. Die Gesellschaftsanteile in Höhe von 900.000 Euro wurden neu verteilt: Der Einfluss der F.E. Familien-Privatstiftung Eisenstadt wurde auf einen Gesellschaftsanteil von 186.300 Euro zurückgedrängt (bis dahin 300.000 Euro) und jener der Domänen Privatstiftung auf 713.700 Euro erhöht.<ref name="EBG-FN-204172d">Esterhazy Betriebe GmbH, FB-Nr.:204172d. Historie aus dem Firmenbuch auf wirtschaft.at der Wiener Zeitung: Esterhazy Betriebe GmbH mit Sitz in Eisenstadt (seit 31. Jänner 2002, eingetragen im Firmenbuch am LG Eisenstadt am 28. Februar 2002), gegründet am 22. Dezember 2000 als SYRTIS HOLDING GmbH mit Sitz in Wien (Neueintragung im Firmenbuch am HG Wien am 3. Jänner 2001). Dr. Stephan Ottrubay (13.08.1954), vertritt seit 12. Dezember 2001 selbständig.</ref>

Auszeichnungen

  • 1989: Ehrenzeichen vom hl. Martinus in Gold<ref name=YT-Urk>Esterhazy Betriebe: Urkunden - Melinda Esterházy auf YouTube, abgerufen am 25. Februar 2025.</ref>
  • 1993: Ehrenbürgerin der Marktgemeinde Raidin<ref name=YT-Urk />
  • 1994: Ehrensenatorin der Universität für Bodenkultur Wien<ref name=YT-Urk />
  • 1994: Ehrenbürgerin der Gemeinde Forchtenstein<ref name=YT-Urk />
  • 1997: Ehrenring der Gemeinde Neckermarkt<ref name=YT-Urk /><ref>Aus der alten Heimat. In: Verein zur Pflege der Heimatverbundenheit der Burgenländer in aller Welt (Hrsg.): Burgenländische Gemeinschaft. Band 42, 348 (Juli/August 1997), S. 8 f. (Online [PDF]).</ref>
  • 1998: Komturkreuz des Landes Burgenland<ref name=YT-Urk /><ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 89.</ref>
  • 1998: Ehrenpräsidentin des Kammerorchesters Joseph Haydn Eisenstadt<ref>Roland Graschitz, Katrin Gstöttenbauer, Stefanie Rechnitzer und Christian Weisz (Bearbeitung ): Konzertchronik Haydnorchester Eisenstadt 1965 – 2014. Januar 2014, S. 56 (Online [PDF]).</ref>
  • 1998: Ehrenbürgerin der Landeshauptstadt Freistadt Eisenstadt<ref name=YT-Urk />
  • 1998: Ehrenbürgerin der Marktgemeinde Lackenbach<ref name=YT-Urk />
  • 2000: Großkreuz des Papst-Silvester-Ordens<ref name=YT-Urk />
  • 2000: Ehrenbürgerin der Gemeinde St. Martin<ref>Angelika Futschek: Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt, Eisenstadt 2016, S. 121.</ref>

Literatur

  • Hanna Molden: Greif und Rose. Geschichte eines Fürstenpaares. Europa Verlag, München/Wien 1998, ISBN 3-203-80005-5.
  • Angelika Futschek: Fürstin Melinda Esterházy. Das Leben hat mir viel geschenkt. Esterházy-Privatstiftung, Eisenstadt 2016, ISBN 978-3-9504287-2-8.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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