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Mehrwortbenennung

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Eine Mehrwortbenennung ist eine Benennung durch mindestens zwei getrennt geschriebene Wörter.<ref name="Göpferich">Satz nach Susanne Göpferich: Interkulturelles Technical Writing. Narr, 1998, S. 178 und 179.</ref> Die Mehrwortbenennung findet sich insbesondere in den unterschiedlichen Fachsprachen und deren jeweiligen Terminologien, daher existiert auch die Bezeichnung Mehrwortterminus.<ref name="Möhn">Satz nach Dieter Möhn: Determinativkomposita und Mehrwortbenennungen im deutschen Fachwortschatz. In Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache. Band 12, 1986, S. 114.</ref> Das sprachwissenschaftliche Fachwort Mehrwortbenennung dient bei der Beschäftigung mit Terminologien als Abgrenzung zu Einwortbenennung. Freie Fügungen, also Wortgruppen ohne fachsprachliche oder terminologische Sonderbedeutung, werden nicht zu den Mehrwortbenennungen gezählt.

Einwort- und Mehrwortbenennungen

Einwortbenennungen existieren als:

  • Simplizia (Stammwörter), beispielsweise: Schalter, Taster, Griff<ref name="Göpferich" />
  • Komposita (zusammengesetzte Wörter), beispielsweise: Schraubstock, Rolltreppe, Fahrstuhl<ref name="Göpferich" />
  • Derivate (abgeleitete Wörter), beispielsweise: Verbindung, Zähigkeit, Umzäunung<ref name="Göpferich" />

Das Abgrenzungsmerkmal der Mehrwortbenennung gegenüber einer zusammengesetzten Einwortbenennung (Kompositum) ist die Trennung der Benennungsteile durch Leerzeichen.<ref>Satz nach DIN 2342 Begriffe der Terminologielehre - Teil 1: Grundbegriffe. Ausgabe: 1992-10, Seite: 2, Absatz: 3.1.2 Benennung, Anmerkung 2</ref> Die getrennt geschriebenen Wörter einer Mehrwortbenennung bilden allerdings eine syntaktische Einheit.<ref name="Terminologiearbeit112">Satz nach Reiner Arntz, Heribert Picht, Felix Mayer: Einführung in die Terminologiearbeit. 5. Auflage, Georg Olms Verlag, 2004, S. 112.</ref> Die jeweiligen Einzelwörter können wiederum Komposita sein. Beispiele für Mehrwortbenennungen sind: Gaußsche Glockenkurve, torque converter und roulement à aiguilles.<ref name="Göpferich" /> Oder auch: abgesetzter Linsensenkkopf, nackte Elektrode, Scheibe mit Vierkantloch, Aufstecksechskant mit Griff.<ref>Satz nach Dieter Möhn: Determinativkomposita und Mehrwortbenennungen im deutschen Fachwortschatz. In Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache. Band 12, 1986, S. 111. Auf S. 126 bis 128 findet sich eine umfangreiche Typologie mit zahlreichen weiteren Beispielen.</ref>

Bedeutung der Mehrwortbenennungen

In der deutschen Sprache gilt insbesondere die Bildung zusammengesetzter Benennungen (Komposita) als bedeutsam, es besteht aber auch die Möglichkeit Mehrwortbenennungen zu bilden.<ref name="Terminologiearbeit117">Satz nach Reiner Arntz, Heribert Picht, Felix Mayer: Einführung in die Terminologiearbeit. 5. Auflage, Georg Olms Verlag, 2004, S. 117.</ref> Im Englischen, Französischen und Spanischen werden ebenfalls Zusammensetzungen gebildet, allerdings überwiegt in diesen Sprachen die Mehrwortbenennung.<ref name="Terminologiearbeit117" /> Die Abgrenzung gilt in der englischen Sprache als schwierig, da dort Zusammenschreibung, Verbindung mit Bindestrich und Getrenntschreibung häufig willkürlich erfolgen (z. B. termbank, term-bank, term bank).<ref name="Terminologiearbeit117" />

Im Deutschen spielten und spielen Mehrwortbenennungen insbesondere im Bereich „Speisen und Getränke“ eine große Rolle (gelbe Rüben, gebrannte Mandeln, Frankfurter Würstchen, Schwarzwälder Kirschtorte, Handkäse mit Musik u. v. a.).<ref>Satz nach Dieter Möhn: Determinativkomposita und Mehrwortbenennungen im deutschen Fachwortschatz. In Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache. Band 12, 1986, S. 116.</ref> Sprachwissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass ein vermehrtes Auftreten in Fachsprachen dann zu erkennen ist, wenn es gilt eine schnelle fachliche Differenzierung zu bewältigen.<ref>Satz nach Dieter Möhn: Determinativkomposita und Mehrwortbenennungen im deutschen Fachwortschatz. In Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache. Band 12, 1986, S. 122.</ref> Bei Fächern, in denen gerade intensive Weiterentwicklungen stattfinden.<ref>Satz nach Dieter Möhn: Determinativkomposita und Mehrwortbenennungen im deutschen Fachwortschatz. In Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache. Band 12, 1986, S. 128.</ref> Vor diesem Hintergrund wurde beobachtet, dass Mehrwortbenennungen im Deutschen in den letzten Jahrzehnten (wieder) an Bedeutung gewonnen haben.<ref>Satz nach Dieter Möhn: Determinativkomposita und Mehrwortbenennungen im deutschen Fachwortschatz. In Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache. Band 12, 1986, S. 111.</ref>

Einzelnachweise und Fußnoten

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