Maximilian Joseph von Lamotte
Maximilian Joseph von Lamotte, auch de Lamotte und de la Motte (* 19. April 1809 in München; † 9. Januar 1887 in Speyer) war ein hoher bayerischer Verwaltungsbeamter, Vize-Regierungspräsident der Rheinpfalz und erster Direktor der Pfälzischen Ludwigsbahn.
Familie
Er wurde als Sohn des bayerischen Hofjuweliers Peter Lukas de Lamotte und dessen Frau Anna Maria, geb. de Quaglio, geboren; König Maximilian I. Joseph von Bayern war sein Taufpate. Die väterliche Familie stammte ursprünglich aus der Normandie und schrieb sich früher de la Motte.<ref>Maria Adele Herrmann: Clara de Lamotte, die Gründerin des Marienheims, in Frauen in Speyer, Stadtverwaltung Speyer, 1990, Seite 88</ref>
Im September 1840 hatte der Verwaltungsbeamte Sibylla Michell, Tochter des höchsten pfälzischen Steuerinspektors Philipp Joseph Michell, geheiratet. Nach ihrem Tod im Jahr 1854 ehelichte er 1855 deren Schwester Therese, welche jedoch bereits 1860 starb, wonach er Witwer blieb. Lamotte und seine Familie waren dezidiert katholisch, die Kinder wurden teilweise von Speyerer Ordensschwestern erzogen. Aus der zweiten Ehe entstammte ein Sohn, aus der ersten hingegen sieben Kinder, wovon die ledige Tochter Clara Anna Maria von Lamotte (1849–1938), den Vater im Alter pflegte. Sie war in der katholischen Frauenseelsorge sehr engagiert, gründete das Speyerer Marienheim zur hauswirtschaftlichen Ausbildung von Mädchen und war Inhaberin des päpstlichen Ehrenzeichens Pro Ecclesia et Pontifice.<ref>Zeitungsartikel zum Verkauf des Marienheims, Speyerer Tagespost, vom 2. Oktober 1999 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2022. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref>
Leben und Wirken
Maximilian Joseph von Lamotte war zunächst bei der Regierung von Oberbayern angestellt und wurde 1836 Akzessist sowie unmittelbar darauf Regierungssekretär bei der Regierung des Rheinkreises in Speyer, ab 1837 Aktuar im Landkommissariat Bergzabern. Von 1840 bis 1845 amtierte Maximilian Joseph von Lamotte als Landkommissär von Kaiserslautern. Dort erwarb er sich den Namen eines Organisators des Straßenbaues und der Verkehrsinfrastruktur, weshalb er 1844 zum ersten Direktor der Pfälzischen Ludwigsbahn-Gesellschaft ernannt wurde, was er bis 1849 blieb.<ref>Albert Mühl: Die Pfalzbahn: Geschichte, Betrieb und Fahrzeuge der pfälzischen Eisenbahnen, 1982, Seite 28, ISBN 3-8062-0301-6; Ausschnitt aus der Quelle</ref> Die Bauverwaltung der Ludwigsbahn mit etwa 14.000 Arbeitskräften lag in seinen Händen.<ref>Werner Weidmann: Schul-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Pfalz, Band 3, Seite 92, Arbogast Verlag, 2002, ISBN 3-87022-301-4; Ausschnitt aus der Quelle</ref> 1848 wechselte Lamotte als Landkommissar nach Germersheim, am 27. August 1850 ernannte ihn König Maximilian II. zum Regierungsrat bei der Regierung der Rheinpfalz.<ref>Ludwig Hans, S. 216</ref> 1867 avancierte er in Speyer zum Direktor der Kammer des Innern.<ref>Albert Mühl: Die Pfalzbahn: Geschichte, Betrieb und Fahrzeuge der pfälzischen Eisenbahnen, 1982, Seite 28, ISBN 3-8062-0301-6; Ausschnitt aus der Quelle</ref> Von 1853 bis 1867 berief ihn die Bayerische Regierung als Mitglied in den Verwaltungsrat der Pfälzischen Eisenbahnen. Zuletzt wirkte Maximilian Joseph von Lamotte als stellvertretender Regierungspräsident der Rheinpfalz. Als solcher trat er 1881 in den Ruhestand.<ref>Albert Mühl: Die Pfalzbahn: Geschichte, Betrieb und Fahrzeuge der pfälzischen Eisenbahnen, 1982, Seite 28, ISBN 3-8062-0301-6; Ausschnitt aus der Quelle</ref> 1853 verfasste er eine Denkschrift über den aufstrebenden Wirtschaftsstandort Ludwigshafen am Rhein.<ref>Gesellschaft für Unternehmensgeschichte: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, Bände 12–13, 1967, Seite 580; Ausschnitt aus der Quelle</ref><ref>Oskar Poller: Ludwigshafen 1853 und 1873: Die Denkschriften von Lamotte und Matthäus, Arbeitsgemeinschaft Pfälzisch-rheinische Familienkunde, 1974</ref>
Als 1853 erstmals ein Dombauverein gegründet wurde, wählte man Maximilian Joseph von Lamotte zum ersten Vorsitzenden.<ref>Franz Xaver Remling: Nikolaus von Weis, Bischof zu Speyer, im Leben und Wirken, Band 2, Speyer 1871, Seiten 283–285</ref> Dieser Dombauverein war der Vorläufer des heutigen, 1995 wiedergegründeten Vereins.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Webseite zur Geschichte des Speyerer Dombauvereins ( des Vorlage:IconExternal vom 10. Juli 2010 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Lamotte war Komtur des Verdienstordens vom Heiligen Michael und Ritter des Verdienstordens der Bayerischen Krone. Er wurde auf dem Friedhof Speyer beigesetzt, das Grab ist erhalten.
Rezeption
Bei der Übernahme des Vorsitzes des Dombauvereins schrieb König Ludwig I. am 16. Dezember 1853, in einem Brief, u. a. die sehr persönlichen Worte:
„Es ist schön, daß Sie - ein Lamotte - an der Spitze dieses Vereines sich befinden, dessen Großvater ein treuer Diener des meinen war. Noch steht der alte Lamotte vor mir, wie am Ende des vorigen Jahrhunderts ich ihn sah.“
Literatur
- Landesarchiv-Verwaltung Rheinland-Pfalz: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Bände 3–4, 1977, S. 381 Scan aus der Quelle mit tabellarischem Lebenslauf
- Albert Mühl: Die Pfalzbahn: Geschichte, Betrieb und Fahrzeuge der pfälzischen Eisenbahnen. 1982, S. 28, ISBN 3-8062-0301-6.
- Maria Adele Herrmann: Clara de Lamotte, die Gründerin des Marienheims, in Frauen in Speyer. Stadtverwaltung Speyer, 1990, S. 88–98.
- Schriften zur Geschichte von Stadt- und Landkreis Kaiserslautern. Band 2, Arbogast Verlag, 1960, S. 102, Ausschnitte aus der Quelle
- Lothar Keller: Landcommissär Max Joseph de Lamotte, ein Pionier des Straßenbaus. In Kaiserslautern Stadt und Land. 1970 Heft 2, S. 15–18. Findhinweis
- Ludwig Hans: Germersheimer Landkommissäre des 19. Jahrhunderts. In: Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim. Band 2, Steimer Verlag, 2012, S. 199–234, ISBN 978-3-9815628-0-4.
Weblinks
- Rede von Max Joseph de Lamotte bei der Eröffnung der Pfälzischen Industrie-Ausstellung 1860, aus dem „Bericht über die Pfälzische Industrie-Ausstellung zu Kaiserslautern im Herbste 1860“ Seiten 36–41
Einzelnachweise
<references />
Leopold Heusner (1816–1840) | Maximilian Joseph von Lamotte (1840–1845) | Max Freiherr von Maillot (kommissarisch 1845–1847) | Franz Borgias von Fredl (1848–1861) | Ludwig Ottmann (1861–1871) | Carl Ludwig Ferdinand Medicus (1871–1879) | Gustav Schmitt (1879–1901) | Eugen Reiß (1902–1924) | Karl Müller (1924–1944) | Otto Schellhaas (1945–1950) | Werner Spiess (1950–1959) | Friedrich Ludwig Wagner (1959–1975) | Rudolf Tartter (1975–1991) | Rolf Künne (1991–2009) | Paul Junker (2009–2017) | Ralf Leßmeister (seit 2017)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lamotte, Maximilian Joseph von |
| ALTERNATIVNAMEN | Lamotte, Maximilian Joseph de |
| KURZBESCHREIBUNG | bayerischer Verwaltungsbeamter, Ritter des Verdienstordens der Bayerischen Krone |
| GEBURTSDATUM | 19. April 1809 |
| GEBURTSORT | München |
| STERBEDATUM | 9. Januar 1887 |
| STERBEORT | Speyer |
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