Maximen und Reflexionen
Maximen und Reflexionen ist eine Spruchsammlung des Dichters Johann Wolfgang von Goethe, die erstmals 1833 posthum von Johann Peter Eckermann und Friedrich Wilhelm Riemer in der Ausgabe letzter Hand der Werke Goethes bei der Cotta’schen Buchhandlung erschien und in späteren Ausgaben stark erweitert wurde.
Die Sammlung stellt Lebensweisheiten in Form von Aphorismen, Sentenzen, Aperçus, Pointen, Reflexionen, Gleichnissen und Zitaten oder Redewendungen zusammen.
Werktitel
Goethe ließ 1822 ein Teilmanuskript mit „Maximen und Reflexionen“ bezeichnen, nachdem er im Lauf der Jahre seine vorläufigen Notate mit verschiedensten Überschriften (von „Einzelnheiten“ bis „Späne“) versehen hatte. Die Nachlass-Herausgeber Eckermann und Riemer gaben dann 1840 „Sprüche in Prosa“ den Vorzug, im Gegensatz zu den andernorts gesammelten Sprüchen in Versen. In den neueren Ausgaben hatte sich der Werktitel „Maximen und Reflexionen“ eingebürgert, bis 1994 die Frankfurter Ausgabe zu „Sprüche in Prosa“ mit dem Zusatz „sämtliche Maximen und Reflexionen“ zurückkehrte.
Das Begriffspaar „Maximen und Reflexionen“ findet sich in der Form „Réflexions ou sentences et maximes morales“ bereits bei François de La Rochefoucauld (1664) als Titel seines Hauptwerks, der in deutschen Buchausgaben manchmal mit Goethes Worten wiedergegeben wird.
Editionsgeschichte und Gliederungen der „Maximen“
In der Münchner Ausgabe wird die Ausgangssituation in einem Satz zusammengefasst: „Ein Goethesches Werk Maximen und Reflexionen gibt es nicht.“<ref name="MA 1236">Münchner Ausgabe, Band 17, S. 1236.</ref> Goethe hat mehrfach kleinere Sammlungen von Prosa-Sprüchen in andere Werke aufgenommen. Zudem hat er bündelweise Notizen von eigenen Gedanken und Lesefrüchten hinterlassen. Schließlich berichtet Eckermann in seinen Gesprächen mit Goethe von dessen Auftrag an ihn: „Es bleibt jetzt weiter nichts, als daß Sie bei Herausgabe meines Nachlasses diese einzelnen Sachen dahin stellen, wohin sie gehören.“<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Die Herausgeber des Werks sind mit dieser Ausgangssituation in unterschiedlicher Weise umgegangen und die publizierten Ausgaben weichen demgemäß oft stark voneinander ab.
Die Erstausgabe (1833) enthält rund 600 Sprüche. Die Zwischenüberschriften („Erste Abtheilung“ usw.) geben kein Ordnungsprinzip zu erkennen. Zumindest teilweise orientieren sich die Abschnitte und die Anordnung an den zu Goethes Lebzeiten publizierten Teilsammlungen. In der auf 1058 Sprüche erweiterten Ausgabe von 1840 durch Eckermann und Riemer folgen auf sieben „Abtheilungen“ weitere Abschnitte mit thematischen Überschriften. Die Herausgeber der Weimarer Ausgabe verstanden Goethes von Eckermann überlieferten Auftrag als weitreichende Ermächtigung, teilten die Sprüche nach inhaltlichen Kriterien auf und verteilten sie auf zehn Bände der Ausgabe.<ref>Siehe Berliner Ausgabe, Band 18, S. 926.</ref>
Mit der Ausgabe von 1907 wurde der seither etablierte Umfang von etwa 1400 Sprüchen erreicht. Max Hecker wandte sich darin wieder von der Aufsplitterung in der Weimarer Ausgabe ab. Er behielt die von Goethe selbst zusammengestellten und zum Druck gebrachten Gruppen bei und schloss die Sprüche aus dem Nachlass in einem zweiten Teil daran an. Dieser Umfang (mit etwas über 1400 Sprüchen) und diese Gliederung wurden in mehreren Ausgaben des Insel-Verlags, in der Berliner (BA) und in der Münchner Ausgabe (MA) – ggf. mit kleineren Varianten und Erweiterungen – beibehalten. Ausgaben, die darüber hinaus auch die von Hecker eingeführte Nummerierung übernehmen, sind dadurch einfach nebeneinander benutzbar.
- Aus Wilhelm Meisters Lehrjahre: Lehrbrief (ohne Nr., nicht bei Hecker, nur in MA)
- Aus den Wahlverwandtschaften 1809 (Nr. 1–57)
- Aus der Farbenlehre 1810 (Nr. I–XVI, nicht bei Hecker, nur in BA und MA)
- Aus Kunst und Altertum 1818–1827 (nach acht Heften untergliedert, Nr. 58–390)
- Aus den Heften zur Morphologie (...) 1822 (Nr. 391–418)
- Aus den Heften zur Naturwissenschaft (...) 1823 (Nr. 419–440)
- Aus Wilhelm Meisters Wanderjahre(n) 1829
- Betrachtungen im Sinne der Wanderer (Nr. 441–616)
- Aus Makariens Archiv (Nr. 617–798)
- Aus dem Nachlaß
- Über Literatur und Leben (Nr. 799–1063)
- Über Kunst und Kunstgeschichte (Nr. 1064–1134)
- Über Natur und Naturwissenschaft (Nr. 1135–1302)
- Skizziertes. Zweifelhaftes. Unvollständiges (Nr. 1303–1404)
- Nachlese aus dem Nachlaß (Nr. 1405–1413 bzw. Nr. 1405–1417 in BA)
In der Ausgabe von Helmut Koopmann (2006) wurde dieses Goethe-philologische Gliederungskonzept wieder aufgegeben und durch eine thematische Gruppierung in acht Kapitel ersetzt (in der Art einer Zitatensammlung – was die Maximen und Reflexionen nicht sind): Gott und Natur – Religion und Christentum – Gesellschaft und Geschichte – Denken und Tun – Erkenntnis und Wissenschaft – Kunst und Literatur – Literatur und Sprache – Erfahrung und Leben.
Rezeption
Wegen des schwer fasslichen Charakters dieses „Werks“, das es „nicht gibt“<ref name="MA 1236" />, bzw. das zumindest keine durch Goethe verbindlich vorgegebene Struktur besitzt, wird es oft übergangen. Man findet es selbst in manchen großen Literaturlexika nicht verzeichnet.<ref>Beispielsweise finden sich keine Artikel über das Werk in Kindlers Literatur-Lexikon, 1965–1974; Kindlers neues Literatur-Lexikon, 1988–1992; Gero von Wilpert (Hrsg.): Lexikon der Weltliteratur. Band 2: Hauptwerke der Weltliteratur (...), 3. Aufl. 1993. – Im Harenberg Lexikon der Weltliteratur, 1994, wird unter dem Goetheschen Titel ein 1664 erschienenes Werk von François de La Rochefoucauld behandelt. – Mit der speziellen Geschichte und Eigenart der Maximen wird auch zusammenhängen, dass beispielsweise Karl Otto Conrady in seiner umfangreichen Goethe-Biographie nicht näher auf sie als „Werk“ eingeht, obwohl er an vielen Stellen daraus zitiert, um Goethes Weltbild und Denkweise zu erläutern. {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Andererseits konstatierte bereits der Herausgeber des Werks in der Hamburger Ausgabe:<ref>Hans Joachim Schrimpf, in: Hamburger Ausgabe, Band 12 (1. Aufl. 1953, zitiert nach der 14. Aufl. 2005), S. 727.</ref> „Die Maximen und Reflexionen sind ein Goethesches Lebenswerk, als solches nur dem Faust oder dem Wilhelm Meister vergleichbar. Das will heißen, daß in ihnen nicht nur ein Einzelproblem (...) behandelt wird, sondern daß sie Resultate eines ganzen Daseins und damit der Welt im ganzen geben (...). Zugleich sind [sie] ein Goethesches Alterswerk (...)“ Das sind gute Gründe, sich intensiv damit zu befassen. In der Frankfurter Ausgabe wurde dem Werk daher 1994 ein eigener, ausführlich kommentierter Band mit 1188 Seiten Umfang gewidmet.
Ausgaben (Auswahl)
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- Johann Wolfgang von Goethe: Maximen und Reflexionen. In: Goethes Werke – Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Band 12: Schriften zur Kunst – Schriften zur Literatur – Maximen und Reflexionen. Kommentiert und textkritisch durchgesehen von Hans Joachim Schrimpf (…). 14. Auflage. Verlag C. H. Beck, München 2005, S. 365–547, 727–782, 798–800 (1. Aufl. Hamburg 1953. – 1390 Sprüche).
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- Johann Wolfgang Goethe: Maximen und Reflexionen. In: Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche – Frankfurter Ausgabe. Abteilung 1, Band 13: Sprüche in Prosa – sämtliche Maximen und Reflexionen. Aus den Quellen neu ediert, geordnet und kommentiert von Harald Fricke. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt 1994, ISBN 3-618-60330-4.
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Literatur
- Ferdinand Tönnies, (Besprechung 1936 der Löperschen Ausgabe von 1870[!]), in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Band 22, Berlin/New York 1998, S. 503–511 (Tönnies’ letzte Veröffentlichung, zugleich auch eine Summa der Lebenseinstellung des von den Nazis verfolgten 80-jährigen Begründers der deutschen Soziologie).
Einzelnachweise
<references />
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Romane und Novellen
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Über den Zwischenkiefer der Menschen und der Tiere |
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Zur Farbenlehre
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Autobiographische Prosa
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Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit
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Hanswursts Hochzeit
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