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Mautner Markhof (Familie)

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Datei:Mautner-Wappen2.jpg
Wappen der Mautner von Markhof (1872)

Mautner Markhof ist der Name einer 1872 als Mautner von Markhof geadelten österreichischen Unternehmerfamilie, welche über 100 Jahre lang den Lebensmittelhersteller Mautner Markhof führte. Eine Stammverwandtschaft zu dem alten Adelsgeschlecht derer von Mautner besteht nicht.

Geschichte

Die aus Böhmen stammende jüdische Familie wurde 1690 erstmals in einem Kaufvertrag einer Brauerei in Smirschitz erwähnt. Dort war auch Israel Mautner (gestorben 1838) noch Gutspächter.<ref name="NDB">Josef Mentschl: Mautner v. Markhof, Adolf Ignaz Ritter (österr. Adel 1872). In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 16. Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref>

Datei:Adolf Ignaz Mautner Litho.JPG
Adolf Ignaz Mautner, Ritter von Markhof (1801–1889), Lithographie von Franz Würbel

Sein Sohn Adolf Ignaz Mautner – geboren als Abraham Isaak Mautner – begann als Brauereibesitzer in Smirschitz. 1831 heiratete er Julie Marcelline Kadisch, die Tochter eines Lederhändlers aus Senftenberg,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Julia Kadisch (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) auf Genealogie Online abgerufen am 23. Oktober 2012</ref> und übersiedelte 1840 nach Wien, wo er die Brauerei Sankt Marx pachtete, die er 1857 kaufte und 1861 durch weitere Grundankäufe erweiterte. Das Paar hatte zehn Kinder (siehe unten, Stammfolge).

Datei:Sankt Marxer Versorgungshaus 19 Jahrhundert.jpg
Bürgerspital St. Marx mit Brauerei

Bekannt in der Brauindustrie wurde Ignaz Mautner durch die Erfindung einer Kühlmaschine für Bier, die eine ganzjährige Produktion ermöglichte. Mit seinem Schwiegersohn Johann Peter von Reininghaus verbesserte er zudem die Produktion von Backhefe. Zusammen mit seiner Ehefrau förderte er das Gesundheitswesen durch den Aufbau des Bürgerspitals St. Marx (zu dem die Brauerei einst gehört hatte), durch Errichtung von Militärspitälern und vor allem durch Stiftung des Mautner Markhof’schen Kinderspitals 1872 in Wien-Landstraße.<ref>Adolf Ignaz Mautner von Markhof. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 6, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1975, ISBN 3-7001-0128-7, S. 165 f. (Direktlinks auf S. 165, S. 166).</ref>

Vor der Dezemberverfassung 1867 (siehe Jüdische Emanzipation) hatten Juden noch nicht das volle Bürgerrecht. Wie zahlreiche andere Familien mosaischen Glaubens, die zur wirtschaftlichen Elite Wiens gehörten, ließen sich die Mautners taufen.<ref>Anna L. Staudacher: Der Namenswechsel jüdischer Konvertiten in Wien von 1748 bis 1868, auf: http://www.judentum.net/geschichte/konvertiten.htm</ref> Im Mai 1872 wurde Adolf Ignaz Mautner aufgrund der Statuten des ihm einen Monat zuvor verliehenen Ordens der eisernen Krone dritter Classe<ref>Amtlicher Teil. (…). In: Wiener Zeitung, Nr. 92/1872, 23. April 1872, S. 339, unten links (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz</ref> als Ritter von Markhof nobilitiert; später erhielt er auch das Wiener Ehrenbürgerrecht.<ref>Chong One RHIE: Die Entstehung der zweiten Gesellschaft: Die Nobilitierungspolitik in der Habsburgermonarchie im 19. Jahrhundert, besonders an Juden in Österreich. (Diplom-?)Arbeit an der Kongju National University, Gongju (Republik Korea) 1996, S. 284. – <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Volltext online (Memento vom 13. November 2013 im Internet Archive; PDF, 2,78 MB; S. 16), abgerufen am 19. November 2010.</ref> Der Familienname lautete vor 1919 „Mautner von Markhof“ und wurde nach Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Aufhebung des Adels in Österreich auf „Mautner Markhof“ festgelegt.<ref group="Anm.">Da im Nobilitierungsverfahren der Ritterstand mit dem Prädikat „Markhof“ verliehen wurde, wäre gemäß § 2 Z 2 StGBl 1919/237 die Nutzung des Namensteils Markhof allenfalls zu versagen gewesen. – Siehe: Amtlicher Teil. (…). In: Wiener Zeitung, Nr. 113/1872, 18. Mai 1872, S. 766, oben rechts (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz sowie StGBl 1919/237.</ref>

Die älteste Tochter Therese (1832–1926) war mit dem Grazer Brauherrn Johann Peter von Reininghaus verheiratet. Tochter Coelestine (1845–1923)<ref>Coelestine von Oppolzer. In: dynastiemautnermarkhof.com</ref> heiratete 1865 den Astronomen Theodor von Oppolzer. Die Söhne Carl Ferdinand (1834–1896)<ref group="Anm.">1868 Mitbegründer der k. k. priv. Wiener Handelsbank für den Producten- und Waarenverkehr. – Siehe: Amtlicher Teil. (…). In: Wiener Zeitung, Nr. 171/1868, 21. Juli 1868, S. 227, unten links (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz</ref> und Georg Heinrich (1840–1904) vergrößerten das Unternehmen nach Floridsdorf und Simmering. Unter Victor Mautner Markhof (1865–1919), dem Sohn Carl Ferdinands, wurde die Stamm-Brauerei der Familie mit jenen von Schwechat und Simmering fusioniert.<ref>Eintrag zu Mautner Markhof (Familie) im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon) abgerufen am 25. Oktober 2012</ref>

Die Familie Mautner Markhof war zwar jüdisch, aber wegen ihrer Bedeutung für Wien wurde sie von den Nazis nicht drangsaliert.<ref>Wolfgang Hafer: Die anderen Mautners. Das Schicksal einer jüdischen Unternehmerfamilie. Hentrich & Hentrich, Berlin 2014, ISBN 978-3-95565-061-2, S. 7.</ref>

2001 zog sich die Familie aus der Mautner Markhof Feinkost GmbH zurück und verkaufte sie an das Münchener Lebensmittelunternehmen Develey Management, die den Markennamen weiterführt. Der zweite große Familienbesitz, der Schwechater-Anteil an der Brau Union, ging 2003 an Heineken. Die Mautner Markhof AG, die Mautner Markhof Industriebeteiligungs GmbH (MMIB) und die Mautner Markhof AG (neu) mit deren Tochtergesellschaft MATMAR SE bestanden bis 2008.

2013 übernahm Marcus Mautner Markhof (1958–2024) die oberösterreichische Brauerei Grieskirchen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />GESCHICHTE (Memento vom 26. Juli 2014 im Internet Archive)</ref>

Die Familie ist neben der karitativen Tätigkeit auch als Förderer der Künste und Wissenschaften hervorgetreten. Vom Österreichischen Kunstverein wurde unter anderem noch in den 1880er Jahren ein sogenannter Mautner-von-Markhof-Preis vergeben.<ref>Aus der Kunstwelt. In: Oesterreichische Kunst-Chronik / Allgemeine Kunst-Chronik. Zeitschrift für Kunst, Kunstgewerbe und Literatur / Allgemeine Kunst-Chronik. Illustrirte Zeitschrift für Kunst, Kunstgewerbe, Musik und Literatur / Allgemeine Kunst-Chronik. Illustrirte Zeitschrift für Kunst, Kunstgewerbe, Musik, Theater und Literatur, 1. Dezember 1881, S. 7 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/okc</ref> In den 1930er Jahren wurde etwa von Theodor Mautner von Markhof (1869–1947), der unter anderem Vizepräsident des Wiener Trabrennvereines war, der nach ihm benannte Theodor-Mautner-von-Markhof-Preis, ein Trabrennsportpreis, gestiftet.<ref>Sport – Der Theodor Mautner v. Markhof-Preis und der Nervus verum-Preis. In: Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ / Neues Wiener Abendblatt. Abend-Ausgabe des („)Neuen Wiener Tagblatt(“) / Neues Wiener Tagblatt. Abend-Ausgabe des Neuen Wiener Tagblattes / Wiener Mittagsausgabe mit Sportblatt / 6-Uhr-Abendblatt / Neues Wiener Tagblatt. Neue Freie Presse – Neues Wiener Journal / Neues Wiener Tagblatt, 10. November 1934, S. 10 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg</ref>

Der „Hausarchitekt“ der Familie war nach 1900 Friedrich Dietz von Weidenberg, der für etliche Um- und Ausbauten an den Fabriksanlagen verantwortlich war und auch 1908/09 die Villa an der Prager Straße (vulgo Mautner-Markhof-Schlössl) baute, in der sich heute das Floridsdorfer Bezirksmuseum befindet. Eduard Kuschée schuf den Ausstellungspavillon der Firma Mautner Markhof für die Wiener Weltausstellung 1873 und 1874–1875 das Hauptgebäude des von der Familie gestifteten Kronprinz-Rudolf-Kinderspitals.

Datei:Brauerei Sankt Marx – Pavillon Weltausstellung Wien 1873.jpg
Sankt Marxer Pavillon der Wiener Weltausstellung 1873

Bekannte Familienmitglieder

Vorlage:Stammbaumliste

Stammfolge

Datei:GuentherZ 2007-10-11 3291 Kleingasse Mautner-Markhofsches-Kinderspital Spitalskapelle.jpg
Kapelle des Mautner-Markhofschen Kinderspitals
Datei:Alte Arkaden, crypts 35-36 - Mautner Markhof family.jpg
Familiengruft Mautner Markhof in den „Alten Arkaden“ auf dem Wiener Zentralfriedhof

Die 10 Kinder von Adolf Ignaz und Julie Marceline:

  • Therese (1832–1926) (verh. mit Johann Peter von Reinighaus).
    • Kinder: Gustav, Luise, Adelheid, Emilie, Martha, Hugo, Hans, Maria, Elisabeth und Friederike.
  • Carl Ferdinand (1834–1896) (siehe unten).
  • Ludwig Joseph (1835–1918) verh. 1. mit Elisabeth von Buol (1831–1885), 2. mit Maria Anna Wallach (1861–1909) und 3. mit Anna Susanna Lang (1867–1945).
    • Kinder: (I.) Adolf, Marie-Leopoldine, Margarethe, Hildegard, (II.) Angela, (III.) Robert, Oskar und Julius.
  • Maria Seraphine (1936–1906) (verh. mit Anton Philip Willner).
    • Kinder: Alfred Maria, Konrad, Marceline.
  • Emilie Susana (1838–1887) (verh. mit Julius von Reinighaus).
  • Georg Heinrich (1840–1904) (verh. mit Charlotte Biehler 1845–1905).
    • Kinder: Maria, Eugenie, Otto, Theodor, Friederike („Fritzi“), Georg II. Anton, Kuno.
  • Eleonora Catharina (1842–1937) (verh. mit Otto von Waechter).
    • Kinder: Rudolf, Elisabeth, Hedwig.
  • August Johann Nepomuk (1843–1883) (verh. mit Elisabeth Fischer von Ankern)
    • Kinder: Oskar, Wilfriede und Bruno.
  • Coelestine Rosina (1845–1923) (verh. mit Theodor von Oppolzer).
    • Kinder: Johann, Hildegard, Egon, Sylvia, Armin und Agathe.
  • Johanna Nepomucena Maria (1850–1913) (verh. mit Wilhelm Mittag von Lenkheym).
    • Kinder: Rudolf, Irene, Auguste („Koki“) und Erwin.<ref>Von Böhmen in die ganze Welt. In: dynastiemautnermarkhof.com. Abgerufen am 21. März 2026.</ref>

Das zweite Kind von Adolf Ignaz und Julie Marceline und ältester Sohn war Carl Ferdinand (1834–1896). Er war drei Mal verheiratet. Er heiratete 1863 die junge Johanna Kleinoscheg (* 1846). Innerhalb von acht Jahren bekam das Paar sieben Kinder. Nach dem letzten, 1871 geborenen, Kind starb Johanna 1872:<ref>Carl Ferdinand Ritter Mautner von Markhof. In: dynastiemautnermarkhof.com. Abgerufen am 22. März 2026.</ref>

Kinder:

  • Henriette (1864–1938) (verh. v. Haynau),
  • Victor (1865–1919),
  • Gertrude (1866–1962) (verh. v. Szilvinyi),
  • Cornelia (1867–1927) (verw. Schürer v. Waldheim, verh. Schenk zu Castel),
  • Elisabeth („Elsa“) (1868–1937) (verh. Dittl v. Wehrberg),
  • Christine (1869–1931) (verh. v. Wieser),
  • Dorothea (1871–1976) (verh. mit dem Maler und Bildhauer Josef Engelhart).

1874 heiratete Carl Ferdinand Editha Freiin Sustenau von Schützenthal (1846–1918). Sie bekamen drei Töchter:

  • Hertha (1879–1970) (verh. Jäger),
  • Magda (1881–1944) (verh. Grasmayr),
  • Editha („Ditha“) (1883–1969) (verw. Moser, verh. Hauska).

Carl Ferdinands dritte Ehefrau Editha Mautner von Markhof<ref group="Anm.">geb. Freiin Sunstenau von Schützenthal</ref> (genannt „Baronin“) war als Präsidentin des Vereins für erweiterte Frauenbildung an der Gründung des ersten österreichischen Mädchengymnasiums 1892 in Wien<ref>Editha Mautner Markhof. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 6, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1975, ISBN 3-7001-0128-7, S. 166.</ref> und eines ordensgeführten Mädchenpensionates im nach dem Tod des Gatten 1898 verkauften Schloss Rodaun beteiligt.<ref>Wer wir sind. In: stachristiana.at. Abgerufen am 21. März 2026.</ref> Ihre Tochter Ditha (1883–1969) war Grafikerin, mit dem Künstler Koloman Moser verheiratet und im Briefkontakt mit Hermann Bahr.<ref>Hermann Bahr: Tagebücher, Skizzenbücher, Notizhefte. Hg. Moritz Csáky. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 1994–2003, Bd. V, S. 292, 294–295, 341–342.</ref> Friederike Mautner Markhof (1872–1954) war über ihre zweite Ehe mit dem Kunsthandwerker Valentin Zeileis ebenfalls mit der Wiener Werkstätte verbunden. Sie profilierte sich als Frauenrechtlerin im Verein Wiener Settlement.<ref>Friederike Zeleis in der Datenbank Frauen in Bewegung 1848–1938 der Österreichischen Nationalbibliothek</ref>

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Anmerkungen

<references group="Anm." />