Mauer-Gänsefuß
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| Mauer-Gänsefuß | ||||||||||||
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| Datei:Starr 030202-0092 Chenopodium murale.jpg
Mauer-Gänsefuß (Chenopodiastrum murale) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Chenopodiastrum murale | ||||||||||||
| (L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch |
Der Mauer-Gänsefuß (Chenopodiastrum murale,<ref name="Fuentes 2012" /> Syn.: Chenopodium murale) ist eine Pflanzenart in der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Er ist in Europa, Nordafrika und Südwestasien heimisch und kommt inzwischen fast weltweit vor.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Mauer-Gänsefuß ist eine einjährige krautige Pflanze mit Wuchshöhen von meist 10 bis 70 (bis zu 120) cm. Der aufrechte Stängel ist gelblich bis grün-gestreift, selten etwas rötlich, kahl oder höchstens jung schwach mehlig. Er ist besonders an der Basis abstehend verzweigt, die untersten Zweige sind fast gegenständig.
Die meist olivgrünen, manchmal gelblichen oder rötlichen Laubblätter sind dünn oder etwas fleischig, nicht aromatisch, oberseits glänzend, jung manchmal undeutlich mehlig. Der Blattstiel weist eine Länge von 1 bis 2,5 cm auf. Die Blattspreite ist dreieckig, eiförmig oder rhombisch-eiförmig mit einer Länge von 1 bis 8 (bis 10) cm und einer Breite von 0,4 bis 3 (bis 5) cm. Der Blattgrund kann sich keilförmig in den Blattstiel verschmälern oder gestutzt bis abgerundet sein. Der Blattrand ist grob unregelmäßig buchtig bis scharf gesägt oder gezähnt, mit meist nach vorn gerichteten Zähnen. Die obersten Blätter sind lanzettlich und manchmal fast ganzrandig.
Blütenstand und Blüte
Die endständigen oder blattachselständigen Blütenstände sind kürzer als das Tragblatt. Sie bestehen aus dicht angeordneten knäueligen, fast kugeligen Teilblütenständen mit einem Durchmesser von 2 bis 4 mm. Einzelne Blüten können auch außerhalb von Knäueln vorkommen. Es sind keine Vorblätter vorhanden. Die zwittrigen oder manchmal rein weiblichen Blüten besitzen eine Blütenhülle aus fünf nur im unteren Teil verbundenen, grünen, bemehlten Tepalen. Die Tepalenzipfel sind eiförmig, bis 0,8 mm lang und bis 0,7 mm breit, auf dem Rücken besonders im oberen Teil deutlich gekielt. Es sind fünf Staubblätter vorhanden. Auf dem Fruchtknoten befinden sich zwei Narben.
Frucht und Samen
Zur Fruchtzeit bleibt die Frucht von der grünen, manchmal rot werdenden Blütenhülle umschlossen und fällt zusammen mit dieser ab. Die Frucht ist flach-eiförmig, die deutlich papillöse Fruchtwand liegt dem Samen dicht an und wird zur Fruchtreife glatt. Der horizontale Same misst im Durchmesser 1 bis 1,5 mm und ist linsenförmig mit rundem Umriss und am Rand scharf gekielt. Die schwarze Samenschale ist dicht mit sehr kleinen, nicht verlängerten Gruben bedeckt.
Blütenökologie
Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die Bestäubung erfolgt in der Regel durch den Wind.<ref name="BiolFlor" />
Chromosomenzahl
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.<ref name="Tropicos" />
Ökologie
Der Mauer-Gänsefuß ist eine Nahrungspflanze für die Schmetterlingsraupen der Palpenmotte Scrobipalpa atriplicella.<ref name="HOSTS" />
Ein Falscher Mehltau (Peronospora farinosa) lebt parasitisch auf dem Mauer-Gänsefuß.<ref name="EOL" />
Vorkommen und Gefährdung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Mauer-Gänsefußes erstreckt sich von den Kanarischen Inseln und Madeira über Nordafrika und Mittel- und Südeuropa bis nach Südwest- und Südasien.<ref name="GRIN murale" /> Als eingeführte Art kommt er fast weltweit vor, besonders in subtropischen und warm-gemäßigten Regionen, und ist eine der am weitesten verbreiteten Arten der Gattung. In Europa hat er in allen Ländern Vorkommen, nur sind diese in Norwegen, Finnland, Irland, Island, Polen, der Slowakei, Litauen, Lettland, Estland und in Luxemburg nicht ursprünglich.<ref name="Euro+Med" />
Der Mauer-Gänsefuß gehört zur Ruderalvegetation an Weg- und Straßenrändern, Eisenbahnlinien, oder dörflichen Unkrautfluren. Er ist von der Ebene bis in die Hügelstufe (Höhenstufen) verbreitet. In Pakistan erreicht er Höhenlagen bis zu 1675 Meter, in Nordamerika wurde er in Höhenlagen von bis zu 2000 Meter gefunden.
In Deutschland ist der Mauer-Gänsefuß ein Archäophyt oder war eventuell auch ohne Zutun des Menschen einheimisch.<ref name="FloraWeb" /> Hier wächst er zerstreut in kurzlebigen Unkrautfluren, vor allem in trocken-warmen Gebieten, wo er nährstoffreiche Plätze in dörflichen Siedlungen, Wegränder, Hausmauern oder Hühnerhöfe besiedelt.<ref name="Oberdorfer2001" /> Er gedeiht auf mäßig trockenen, nährstoffreichen, ammoniakalischen, milden, humosen Böden.<ref name="Oberdorfer2001" /> Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Sisymbrion.<ref name="Oberdorfer2001" /> In Süd- und Westeuropa ist er eine Charakterart des Chenopodietum muralis aus dem Verband Chenopodion muralis.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="ZDS" />
Durch Dorfsanierung, Burgrestaurierung, Mauerverfugung und die Zerstörung dieser Sonderstandorte ist der Mauer-Gänsefuß in Deutschland bundesweit gefährdet (Rote Liste gefährdeter Arten 3+). In Brandenburg und Rheinland-Pfalz gilt er als gefährdet, in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen, Hessen und Bayern als stark gefährdet. In Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin ist er bereits vom Aussterben bedroht. Als ausgestorben gilt er in Schleswig-Holstein und Hamburg.<ref name="FloraWeb" />
Auch in der Schweiz gilt der Mauer-Gänsefuß in mehreren Gebieten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht.<ref name="ZDS" />
Systematik
Die Erstveröffentlichung des Basionyms Chenopodium murale <templatestyles src="Person/styles.css" />L. erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.<ref name="SpPl" /><ref name="Tropicos" /> Durch molekulargenetische Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Art nicht zu den Gänsefüßen im engeren Sinne gehört. Daher wurde sie 2012 von Suzy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila und Thomas Borsch als Chenopodiastrum murale <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch in die neu beschriebene Gattung Chenopodiastrum in der Tribus Atripliceae gestellt.<ref name="Fuentes 2012" />
Weitere Synonyme, die auf demselben Typusexemplar beruhen, sind Anserina muralis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Montandon und Atriplex muralis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Crantz.<ref name ="Tropicos" /> Als weitere Synonyme gelten Chenopodium biforme <templatestyles src="Person/styles.css" />Nees, Chenopodium carthagenense <templatestyles src="Person/styles.css" />Zuccagni, Chenopodium chamrium <templatestyles src="Person/styles.css" />Buch.-Ham. (nom. invalid.), Chenopodium congestum <templatestyles src="Person/styles.css" />Hook.f., Chenopodium flavum <templatestyles src="Person/styles.css" />Forssk., Chenopodium gandhium <templatestyles src="Person/styles.css" />Buch.-Ham. (nom. invalid.), Chenopodium guineense <templatestyles src="Person/styles.css" />Jacq., Chenopodium laterale <templatestyles src="Person/styles.css" />Aiton, Chenopodium longidjawense <templatestyles src="Person/styles.css" />Peter, Chenopodium lucidum <templatestyles src="Person/styles.css" />Gilib., Chenopodium maroccanum <templatestyles src="Person/styles.css" />Pau, Rhagodia baccata var. congesta <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hook.f.) Hook.f., Rhagodia billardierei <templatestyles src="Person/styles.css" />R.Br., Rhagodia congesta <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hook. f.) Moq. sowie Vulvaria trachisperma <templatestyles src="Person/styles.css" />Bubani.<ref name= "ThePlantList" />
Nutzung
Die Blätter und jungen Sprosse des Mauer-Gänsefußes können roh oder gekocht wie Spinat zubereitet werden. Rohe Blätter sollten wegen ihres Gehalts an Saponinen allerdings nur in kleinen Mengen verzehrt werden. Auch die Samen sind gekocht essbar. Es wird empfohlen, sie über Nacht einzuweichen und danach gründlich abzuspülen, um die Saponine zu entfernen. Die Samen können auch gemahlen als Mehlzusatz dienen.<ref name="PFAF" />
Die ganze Pflanze kann als Färbepflanze für gold-grüne Farbtöne verwendet werden.<ref name="PFAF" />
Belege
Literatur
- Steven E. Clemants, Sergei L. Mosyakin: Chenopodium. In: (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen)
- Pertti Uotila: Chenopodium: In: Helmut Freitag, Ian C. Hedge, Saiyad Masudal Hasan Jafri, Gabriele Kothe-Heinrich, S. Omer, Pertti Uotila: Flora of Pakistan 204: Chenopodiaceae. University of Karachi, Department of Botany/Missouri Botanical Garden Press, Karachi/St. Louis 2001, Chenopodium murale (online). (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen).
Einzelnachweise
<references> <ref name="BiolFlor">Chenopodium murale bei BiolFlor - Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.</ref> <ref name="SpPl">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 219, Digitalisat.</ref> <ref name="EOL">Eintrag bei EOL, abgerufen am 30. Januar 2012.</ref> <ref name="FloraWeb">Mauer-Gänsefuß. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="Fuentes 2012">Susy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila, Thomas Borsch: A novel phylogeny-based generic classification for Chenopodium sensu lato, and a tribal rearrangement of Chenopodioideae (Chenopodiaceae). In: Willdenowia. Band 42, Nr. 1, 2012, S. 5–24, hier: S. 14. DOI:10.3372/wi.42.42101</ref> <ref name="GRIN murale">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="HOSTS">Gaden S. Robinson, Phillip R. Ackery, Ian J. Kitching, George W. Beccaloni, Luis M. Hernández: Eintrag bei HOSTS - A Database of the World's Lepidopteran Hostplants, abgerufen am 31. Januar 2012.</ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="PFAF">Chenopodium murale bei Plants For A Future, abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="ThePlantList">Eintrag bei The Plant List, abgerufen am 30. Januar 2012.</ref> <ref name="Tropicos">Chenopodium murale bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="ZDS">Chenopodium murale. In: Info Flora (Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora), abgerufen am 31. Januar 2012.</ref> <ref name="Euro+Med"> Pertti Uotila (2011+): Amaranthaceae. Datenblatt Chenopodiastrum murale In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>
Weblinks
- Mauer-Gänsefuß. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Verbreitungskarte für Deutschland. In: Floraweb.
- Chenopodium murale L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- Günter Blaich: Fotos europäischer Pflanzen: Chenopodium murale.