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Matthiaskirche (Groß-Buchholz)

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Datei:KG Grossbuchholz 01 15.jpg
Matthiaskirche Groß-Buchholz nach dem Anbau 2014

Die Matthiaskirche ist ein in den 1960er Jahren entstandenes Kirchengebäude in Hannovers Stadtteil Groß-Buchholz. Die Matthiaskirche ist die Kirche der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Groß–Buchholz.

Geschichte der Kirchengemeinde

Die erste Ansiedlung in Groß-Buchholz erfolgte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts um die Pinkenburg, eine ehemalige Warte der Hannoverschen Landwehr. Die Bewohner erbauten die Antoniuskapelle in Groß-Buchholz.

Kirchlich gehörte Bothfeld zunächst zur Jakobikirche in Kirchrode. Seit 1295 wurde Bothfeld kirchlich von Kirchrode gelöst und selbständig. Schon 1288 wird eine Nikolauskapelle erwähnt,<ref>Karl Heißmeier: Heimat- und Kirchengeschichte von Groß-Buchholz. In: Grundsteinlegung 1962. S. Literatur, S. 6.</ref> erhielt aber erst 1339 eine eigene Kirche.<ref name="St.Nicolai">Birte Rogacki-Thiemann: St. Nicolaikirche, in: Wolfgang Puschmann (Hrsg.): Hannovers Kirchen. 140 Kirchen in Stadt und Umland. Ludwig-Harms-Haus, Hermannsburg 2005, ISBN 3-937301-35-6, S. 55.</ref> Daher hat Groß-Buchholz kirchlich schon vom Beginn seiner Besiedlung an zu Bothfeld gehört.<ref>Wolfgang Neß: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen. Band 10, Teil 2: Stadt Hannover. Braunschweig 1985, doi:10.11588/diglit.44415, S. 74 (Link zum Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg).</ref>

Nach der Eingemeindung von Klein-Buchholz, Groß-Buchholz, Lahe und Bothfeld nach Hannover im Jahr 1907 stieg die Einwohnerzahl dieser früheren Dörfer. Um 1935 gab es erste Pläne für eine selbständige Kirchengemeinde und den Bau einer Kirche in Groß-Buchholz. 1940 erwarb die Bothfelder Kirchgemeinde in Groß-Buchholz ein Pfarrhaus für die zweite Pfarrstelle von St. Nicolai. Ein dort wohnender Pfarrer war für den Schwerpunkt der Seelsorge für Groß-Buchholz und Lahe vorgesehen. Zwischen 1952 und 1957 fanden im Speisesaal des Flüchtlingslagers am Misburger Mühlenweg (jetzt Milanstraße) Gottesdienste statt, im Wechsel mit römisch-katholischen und ukrainisch-orthodoxen Gottesdiensten.<ref>Karl Heißmeier: Heimat- und Kirchengeschichte von Groß-Buchholz. In: Grundsteinlegung 1962. S. Literatur, S. 9.</ref> Erst im Jahr 1958 folgte die formelle Gründung einer selbstständigen Kirchengemeinde.<ref name="St.Nicolai" /> Die Matthiaskirche wurde am 14. März 1964 eingeweiht.

Als das Kirchenschiff noch nicht erbaut war, fanden die Gottesdienste im Pfarrsaal des Gemeindehauses von 1957 statt.<ref>Karl Heißmeyer: Heimat- und Kirchengeschichte von Groß-Buchholz, in: Grundsteinlegung 1962. S. Literatur, S. 10</ref> Nach der 1961 erfolgten Errichtung des Glockenturms mit seinen sechs Glocken konnten diese vom Gemeindehaus aus geläutet werden.

Zwischen 1970 und 1980 folgten die Neubauten des Kindergartens, eines Gemeindezentrums im Gemeindeteil In den Sieben Stücken, das im Jahr 2007 wieder aufgegeben wurde, und eines Jugendhauses. Der Kindergarten steht heute in der Trägerschaft des Stadtkirchenverbandes Hannover.<ref>Website des Kindergartens, Abruf am 10. September 2021</ref>

Architektur

Über die Urheberschaft der Architektur gibt es diese Angaben: Architektin der Kirche war Ingeborg Düker. Fritz Mues oblag die Bauleitung.<ref>Beschreibung bei Kirche-Hannover.de, Abruf am 23. November 2025</ref> Nach den Informationen in Wolfgang Puschmanns Werk „Hannovers Kirchen“ war Fritz Mues der Architekt des Vorhabens.<ref name="Puschm">Birte Rogacki-Thiemann: Matthiaskirche. In: Wolfgang Puschmann (Hrsg.): Hannovers Kirchen. 140 Kirchen in Stadt und Umland. Ludwig-Harms-Haus, Hermannsburg 2005, ISBN 3-937301-35-6, S. 79.</ref>

Zusammenschluss mit der Messiasgemeinde

Zum 1. Januar 2009 fusionierte die Matthiaskirchengemeinde mit der Messias-Kirchengemeinde zur Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Groß-Buchholz in Hannover.<ref>Webseite der Kirchengemeinde „Wir über uns“, Abruf am 6. September 2025.</ref> Die auf einem Erbbaugrundstück der Klosterkammer Hannover errichtete Messiaskirche wurde zum 1. Advent 2008 profaniert<ref>Darstellung im Kirchengemeidelexikon.de, Abruf am 7. September 2025.</ref> und 2009<ref>Landeskirche lässt erstes Gotteshaus abreißen, in Bild am 17. August 2009 (bild.de Digitalisat).</ref> abgerissen. Ihre Glocken – insgesamt drei, die 1967 von der Glockengießerei Rincker gegossen wurden – wurden in den Turm der Matthiaskirche gehängt.<ref name="Geläut">Faltblatt Konzert der Glocken der Matthiaskirche in Hannover-Groß-Buchholz. Glockenfest zur Vervollständigung des Geläutes der Matthiaskirche am 5. September 2025, unpag. (S. 2).</ref>

Umbau der Kirche und Abriss des Gemeindehauses
Datei:Matthiaskirche Großbuchholz (Hannover) IMG 3223.jpg
Die Kirche im Jahr 2011 vor dem U-förmigen Anbau

2014 wurden neue Räume für die Gemeinde in der Form eines Hufeisens um die Kirche herum und an das Kirchengebäude direkt angebaut. Der Nachteil dieser Lösung ist, dass die Buntglasfenster nicht mehr von außen zu sehen sind, auch kann in der dunklen Jahreszeit das bunt durch die Fenster scheinende Licht in der Kirche von außen nicht mehr gesehen werden kann. Konzipiert hatten diesen 2015 abgeschlossenen Bau die hannoverschen Architekten Andreas Koch und Karl Prange.<ref>Bericht bei Architekten-RTW.de, Abruf am 7. September 2025.</ref> Ihnen oblag auch die Bauleitung. Diese neuen Räume ersetzten das Gemeindehaus, das schon im Jahr 1955<ref name="Puschm" /> entstanden war. Das Gemeindehaus und seine Grundstücksfläche wurde von Kirchengemeinde verkauft, abgerissen und vom Erwerber durch ein Mehrpersonenhaus ersetzt. Die Antoniusglocke aus dem Dachreiter des Gemeindehauses wurde auf eine Palette in den Vorraum der Kirche gestellt.

Vorgängerbau

Die in der in der Nähe liegenden Straße Kapellenbrink stehende ehemalige Antoniuskapelle, die wohl aus dem 14. Jahrhundert stammt, war die erste Kapelle für das um 1300 entstandene Dorf Groß Buchholz.

Innenraum

Datei:Matthiaskirche (Groß-Buchholz) Konzert am 29 März 2015 1.jpg
Konzert in der 2015 neu gestalteten Kirche

Das Altarbild (zu Offenbarung Kapitel 4<ref>Text des Kapitels 4 der Offenbarung des Johannes, Abruf am 10. September 2021.</ref>) und das Altarkreuz aus Bronze, Silber und Amethyst stammen von Siegfried Zimmermann aus Hannover. Die Buntglasfenster wurden von Gerhard Hausmann aus Hamburg gestaltet. Der Altar, die Kanzel, das Lesepult und der Taufstein wurden aus Eifeler Mühlsteinlava gefertigt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />kirche-grossbuchholz.de: Zur Geschichte der Gemeinde (Memento des Vorlage:IconExternal vom 2. Februar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kirche-grossbuchholz.de</ref>

Die Orgelbaufirma Firma Schmidt & Thiemann aus Hannover errichtete die Orgel im Jahr 1966. Sie hat zwei Manuale, 28 Register und etwa 2000 Pfeifen.<ref>Hannoversche Pfeifenorgeln auf der Webseite Pages, Hemmingen, Abruf am 10. September 2021.</ref>

Glockenturm und Glocken

Datei:2021-05-12 Hannovers aelteste Glocke Groß-Buchholz 02.JPG
Die Antoniusglocke hängt seit 2025 im Turm der Kirche

Den Glockenturm ließ die Kirchengemeinde bereits im Jahr 1961 errichten, also noch vor dem eigentlichen Kirchenbau. Er ist 30 Meter hoch und steht frei.<ref name="Puschm" /> Als Glockenstuhl dient ein Stahlprofilträgersystem, bei dem die Glocken übereinander aufgehängt sind. Im Turm der Kirche hingen bis 2024 neun Glocken. Davon sind sechs schon 1961 von Karl Stumpf für die Matthiaskirche gegossen worden. Die drei weiteren im Jahr 1967 gegossenen stammen von der ehemaligen Messiaskirche.<ref name="Geläut" /> Sie konnten nicht gleichzeitig geläutet werden. Dies hatte statische Gründe, sonst wäre die „Substanz des Turmes“ gefährdet worden, denn die neuen Glocken schwangen alle in die gleiche Richtung. 2025 wurde deshalb der Glockenstuhl umgearbeitet und die Glocken aus der Messiaskirche „um 90 Grad gedreht“.<ref name="Ehlers">Axel Ehlers: Schöner denn je – das erneuerte Geläut der Matthiaskirche, in: Gemeindebrief der Ev.-luth. Brückengemeinden Hannover–Ost, Ausgabe 4, September–November 2025, S. 6.</ref> Im Dachstuhl des Gemeindehauses hing bis zum Abriss dieses Gebäudes die über 500 Jahre alte Antoniusglocke. Die Glocke im Gemeindehaus wurde früher immer geläutet, wenn im Gottesdienst gerade das „Vater Unser“ gebetet wurde.

Die Antoniusglocke ist 2025 als zehnte Glocke in den Turm gehängt worden.<ref name="Ehlers" /> Ihr Gießer ist unbekannt. Sie stammt nach Angaben von Glockensachverständigen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers aus dem 13. Jahrhundert<ref name="HAZ">ep: Glocken wehrten die Dämonen ab, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung. Stadt-Anzeiger Nr. 305 vom 30. Dezember 1999</ref> oder nach Angaben bei einer Veranstaltung der Kirchengemeinde aus dem 14. Jahrhundert,<ref name="Geläut" /> wiegt 130 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 547 Millimeter. Sie ist auf den Ton f´´ gestimmt.<ref name="Geläut" /> Diese Glocke soll auch künftig als „Vaterunser-Glocke“ dienen.<ref name="Ehlers" /><ref>Heike Löhr: Glocken. In: Gemeindebrief der Ev.-luth. Brückengemeinden Hannover-Ost, Ausgabe 1, Dezember 2025-Februar 2026, S. 7</ref>

Das Besondere am Geläut der zehn Glocken der Matthiaskirche ist, dass „Größe und Tonlage aller zehn Glocken harmonieren“. Sie können wieder regelmäßig geläutet werden. Der Umbau des Glockenturms wurde durch Spenden und Mitteln des Kirchenkreises finanziert.<ref name="Ehlers" /> Am 5. September 2025 gab es ein von Jonas Rennspieß geleitetes Glockenkonzert, bei dem die einzelnen Glocken nacheinander, in verschiedenen Kombinationen und schließlich alle zehn Glocken zusammen erklangen.<ref name="Geläut" />

Die Glocken im Turm werden zum Gottesdienst vom Küster per Knopfdruck geläutet. Täglich läuten die Glocken aber auch automatisch per Zeitschaltuhr, nämlich um folgende Uhrzeiten: montags bis freitags um 7:00 Uhr morgens, um 12:00 Uhr mittags und um 18:00 Uhr abends.

Nr. Name<ref name="Geläut" /> Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Schlagton
1 Christus 1961 Karl Stumpf, Heidelberg 1480 1683 c′
2 Dank 1961 1160 882 f′
3 Hoffnung 1961 1020 621 g′
4 Liebe 1961 960 500 as′
5 Glaube 1961 870 411 b′
6 Gnade 1961 770 278 c″
7 Antoniusglocke 13. (oder 14.<ref name="Geläut" />) Jahrhundert<ref name="HAZ"/> unbezeichnet 547 130 f″
8 Große Messiasglocke 1967 Glockengießerei Rincker, Sinn 390 47 es‴
9 Mittlere Messiasglocke 1967 340 33 f‴
10 Kleine Messiasglocke 1967 310 25 g‴

Literatur

  • Festschrift zur Einweihung der Volksschule Hannover, Groß-Buchholzer Kirchweg am 13. Februar 1961, Hannover o. J. (1961) (Mit Beiträgen über das Gebäude, den Unterricht, die „Groß-Buchholzer Schulhäuser“ mit Angaben zur Glocke auf dem Dachreiter des Gemeindehauses, die in Dachreitern auf verschiedenen Schulgebäuden hing, und einer „kurzen Dorfchronik von Groß-Buchholz“)
  • Ev.-luth. Pfarramt Matthiaskirche (Hrsg.): Matthiaskirche Hannover-Buchholz, Gedenkschrift zur Grundsteinlegung der evang.-luth. Matthias-Kirche am 7. Oktober 1962, Hannover o. J. (1962) (Mit Berichten über die Bemühungen seit um 1900, eine eigene Kirchengemeinde zu bilden, die „Heimat- und Kirchengeschichte“ von Groß-Buchholz, die Entstehung des Gemeindehauses, des Kirchturmes und seiner sechs Glocken)
  • Pfarramt Matthiaskirche: Festschrift zur Weihe der evang.-luth. Matthiaskirche in Hannover-Buchholz 1964, Hannover o. J. (1964) (Eine bebilderte, mit einem Zeitplan versehene Beschreibung des Baus der Kirche, der Orgel und des Kirchbauvereins mit Abschnitt „Die Läuteordnung“.)
  • Kirchenvorstand der Matthias-Gemeinde (Hrsg.), Reinhard Herholz (Autor): Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Ev.-luth. Matthias-Gemeinde Hannover-Buchholz, Hannover 1983 (Bebilderte Beschreibung der Entstehung und des Baus einschließlich des Gemeindezentrums Sieben Stücken, der Namensentscheidung, des Gemeindelebens für Jung und Alt, des Kindergartens. Die Broschüre enthält eine Liste der „Kirchenvorsteher und Mitarbeiter“.)
  • Harm Glashoff: Kunstschätze der Matthiaskirche. Betrachtungen und Gedanken, Hannover 1986, Neuauflage 2001 (Mit Angaben zur Glocke auf dem Dachreiter des Gemeindehauses, zum Bronzerelief über dem Altar, den Buntglasfenstern, dem Tauf- und Osterleuchter, dem Altar mit einem Kruzifix und zum Gemeindezentrum In den Sieben Stücken)
  • Birte Rogacki-Thiemann: Matthiaskirche, in: Wolfgang Puschmann (Hrsg.): Hannovers Kirchen. 140 Kirchen in Stadt und Umland. Ludwig-Harms-Haus, Hermannsburg 2005, ISBN 3-937301-35-6, S. 79.
  • Kirchenvorstand der Ev.-luth. Matthias-Gemeinde Hannover-Groß-Buchholz (Hrsg.), Harm Glashoff, Ute Glashoff, Holger Grünjes, Dieter Lippold, Thomas Schenk, Hans-Jürgen Ziegenbein (Redaktion): 50 Jahre Matthiasgemeinde 2008, Hannover 2008 (Nach Jahrzehnten gegliederte Beschreibung des Gemeindelebens für Jung und Alt, einschließlich des Gemeindezentrums Sieben Stücken, des Kindergartens, der Kirchenmusik und Theatergruppe. Eine Übersicht berichtet über Kirchenvorstände, Pastorinnen und Pastoren sowie die anderen in der Kirchengemeinde Wirkenden.)
  • Kirchenchor der Matthiaskirche (Hrsg.), Hans-Victor Reuter (Autor): Chronik 2009, Hannover 2009 (Beschreibung der Geschichte und des Wirkens von Vokal- und Posaunenchor.)

Weblinks

Commons: Matthiaskirche (Groß-Buchholz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Trivia

Klaus Meine, Frontmann der Scorpions, hatte 1966 mit seiner damaligen Band Mushroom seinen ersten Auftritt im Jugendraum des Gemeindehauses.<ref>Zeitungsbericht über das Geschehen, Abruf am 10. September 2021</ref>

Einzelnachweise

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Koordinaten: 52° 23′ 54,2″ N, 9° 48′ 13,9″ O

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