Masha (Gewichtseinheit)
Masha ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), in europäischen Darstellungen auch Massa, Mas oder Mähs genannt, war eine indische Gewichtseinheit, die sich an dem Gewicht des getrockneten Samens der Urdbohne orientierte und ungefähr einem Gramm entsprach. Sie bildete neben dem Rati eine der wichtigsten Grundeinheiten des indischen Gewichtssystems und wurde vor allem als Münzgewicht verwendet. In der britischen Kolonialzeit wurde mit dem Masha auch der Feingehalt von Gold und Silber angegeben.
Altes Indien
Im alten Indien war das Masha vor allem Münzgewicht. Eine Münze im Gewicht eines Masha wurde Mashaka genannt. Eine Goldmünze von der Schwere eines Masha nannte man Suvarna-Mashaka.<ref>Bhandarkar: Lectures on Ancient Indian Numismatics. 1921, S. 53.</ref> Aus einem Kommentar zum Vinayapitaka geht hervor, dass zur Zeit des Königs Bimbisara (5. Jh. v. Chr.) ein Karshapana 20 Mashas entsprach.<ref>Bhandarkar: Lectures on Ancient Indian Numismatics. 1921, S. 111.</ref> Nach dem vedischen Priester Katyayana (3. Jh. v. Chr.) wurde das Masha auch Pana genannt, entsprach 1/20 Karshapana und setzte sich aus 5 Kakani zusammen.<ref>Bhandarkar: Lectures on Ancient Indian Numismatics. 1921, S. 185.</ref> Auch das Naradasmriti gibt das Verhältnis zwischen Masha und Karshapana mit 1/20 an, legt aber gleichzeitig fest, dass 1 Masha nur 4 Kakani entspricht. Außerdem wird mitgeteilt, dass das Karshapana auch Andika genannt wird.<ref>Barnett: Antiquities of India. 1913, S. 207.</ref>
Nach dem Manusmriti und dem Yajnavalkyasmriti gab es zwei verschiedene Mashas, eines für Gold und Kupfer und eines für Silber. Für das Gold- und Kupfer-Masha galt: 1 Masha = 5 Krishnala oder Raktika (= Rati) = 1/16 Karsha, Aksha, Tolaka oder Suvarna. Für das Silber-Masha galt: 1 Masha = 2 Krishnala oder Raktika = 1/16 Dharana oder Purana.<ref>Barnett: Antiquities of India. 1913, S. 206.</ref> Nach Angaben des Mathematikers Mahavira war dies auch der Standard im Königreich Magadha, wobei allerdings das Rati hier Gunja genannt wurde.<ref>Barnett: Antiquities of India. 1913, S. 207.</ref> Im Königreich Kalinga galt dagegen: 1 Masha = 7 oder 8 Gunja = ¼ Nishka (Tanka oder Sana) = 1/6 Gadyana = 1/10 Karsha.<ref>Barnett: Antiquities of India. 1913, S. 209.</ref> Insgesamt ist auffällig, dass das Verhältnis des Masha zum Rati sehr unterschiedlich (½, 1/5, 1/7 oder ⅛) bestimmt wurde.<ref>Vgl. dazu auch Colebrooke: Miscellaneous Essays. 1873, S. 531.</ref>
Muslimische Zeit
Al-Biruni, der im frühen 11. Jahrhundert ein Weg über Indien verfasste, gibt an, dass in seiner Zeit 1 Masha = 4 Andi war. Das Andi war der Samen eines Gaura genannten Baumes. An größeren Gewichtseinheiten, die ein Vielfaches des Masha bildeten, nennt er das Drankshana (= 6 Masha), das Chana (= 8 Masha), den Tola (= 12 Masha) und den Suvarna (= 16 Masha). Gleichzeitig berichtet al-Biruni, dass 1 Mithqāl = 5 5/7 Masha.<ref>Al-Bīrūnī: Tārīḫ al-Hind - Engl. Übers. von Eduard Sachau unter dem Titel: Alberuni’s India: an account of the religion, philosophy, literature, geography, chronology, astronomy, customs, laws and astrology of India about A. D. 1030. Kegan, London, 1914. Nachdruck der Ausgabe von London 1888. Band I, S. 160–164. Textarchiv – Internet Archive</ref>
Wie aus einem Lehrgedicht von Thakkura Pheru, dem Münzmeister des Khalji-Herrschers Ala ud-Din Khalji, hervorgeht, galt Anfang des 14. Jahrhunderts 1 Masha = 8 Rati = 16 Java. Zu den größeren Gewichtseinheiten, die ein Vielfaches des Masha bildeten, gehörten das Tanka (= 4 Māsha) und das Tola (= 12 Masha).<ref>Marie H. Martin: "The Reforms of the Sixteenth Century and Akbar’s Administration: Metrological and Monetary Considerations" in John F. Richards (ed.): The Imperial Monetary System of Mughal India. Oxford University Press, Oxford, 1987. S. 68–99. Hier S. 73.</ref>
Der Suri-Herrscher Sher Khan Suri (1540–1545) führte als neue Silbermünze in Indien die Rupie mit einem Gewicht von 11 ½ Masha ein.<ref>Abū l-Fazl ʿAllāmī: Āʾīn-i Akbarī. Bd. I, S. 26. - Engl. Übers. Bd. I, S. 32.</ref> In der Zeit des Mogulherrschers Akbars galt: 1 Masha = 6 Surch (d. h. Rati) = ¼ Tank.<ref>Abū l-Fazl ʿAllāmī: Āʾīn-i Akbarī. Bd. II, S. 59. - Engl. Übers. Bd. III, S. 123.</ref> Für das Masha als Münzgewicht (wazn-i ṣairafī) galten allerdings andere Relationen, nämlich: 1 Masha = 8 Surch = 1/12 Tulcha. Es gab Gewichtsstücke zu 1, 2, 4 und 6 Masha.<ref>Abū l-Fazl ʿAllāmī: Āʾīn-i Akbarī. Bd. II, S. 60. - Engl. Übers. Bd. III, S. 125.</ref> Die Dam-Münze bestand unter Akbar aus 20 Māsha Kupfer.<ref>Colebrooke: Miscellaneous Essays. 1873, S. 533.</ref>
Aurangzeb erhöhte zu Anfang seiner Herrschaft das Gewicht der Dam-Münzen auf 21 Masha, senkte es dann aber später auf 14 Masha, was mit dem Anstieg des Kupferpreise zu tun hatte.<ref>Bhandarkar: Lectures on Ancient Indian Numismatics. 1921, S. 117.</ref> Da eine Silber-Rupie Akbar nach dem Münzbefund genau 11,5484 Gramm wiegt, ergibt sich für das Masha dieser Zeit ein metrisches Gewicht von 1,0042 Gramm.<ref>Walther Hinz: Islamische Masse und Gewichte. Umgerechnet ins metrische System. E. J. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 23.</ref>
19. und 20. Jahrhundert
Indischer Subkontinent
Als Gewichtseinheit
In Britisch-Indien wurde mit der bengalischen Regulation VII of 1833, die auf eine Standardisierung der Gewichtsmaße in Indien abzielte, das Gewicht des Masha auf 15 Troy Grains festgelegt,<ref>A Regulation for altering the weight of the Furruckabad rupee and for assimilating it to the legal currency of the Madras and Bombay Presidencies; for adjusting the weight of the Company’s sicca rupee, and for fixing a standard unit of weight for India. In: The Sessional Papers of the House of Lords Vol. VIII Accounts and Papers 1837-38. S. 19–21, hier S. 19. books.google.de</ref> was 0,972 Gramm entspricht.<ref>Prinsep: Coins, Weight and Measures of British India. 1840, S. 66.</ref> Hinsichtlich des Verhältnisses zu den kleineren indischen Gewichtseinheiten sollte gelten: 1 Masha = 8 Rati = 32 Dhan.<ref>Prinsep: Coins, Weight and Measures of British India. 1840, S. 66.</ref> Das Dhan scheint mit dem Nely identisch gewesen zu sein, denn es galt zu dieser Zeit auch: 1 Massa = 32 Nely.<ref>Krüger: Vollständiges Handbuch der Münzen, Maße und Gewichte aller Länder der Erde. 1830, S. 180.</ref> Hinsichtlich der größeren Gewichtseinheiten wurden durch die Regulation von 1833 folgende Relationen festgelegt:
- 1 Tola = 12 Masha
- 1 Chitak = 60 Masha
- 1 Seer = 960 Masha
- 1 Pusseree = 4800 Masha
- 1 Maund = 38.400 Masha.<ref>Prinsep: Coins, Weight and Measures of British India. 1840, S. 66.</ref>
Neben diesem offiziellen Masha existierten allerdings noch verschiedene lokale Masha-Einheiten, die in den westlichen Quellen meist als Massa bezeichnet werden. Umgerechnet ins metrische System, ergab das Massa an den verschiedenen Orten unterschiedliche Gewichtswerte:
- in Jalna 1 Massa = 0,9965 Gramm
- in Surat 1 Massa = 1,0124 Gramm
- in Ahmadnagar 1 Massa = 1,0162 Gramm
- in Malwa 1 Massa = 1,0259 Gramm
- in Pune 1 Massa = 1,0349 Gramm
- in Kalkutta 1 Massa = 1,1641 Gramm
- in Patna 1 Massa = 1,1987 Gramm<ref>Doursther: Dictionnaire universel des poids et mesures. 1840, S. 252.</ref>
Zu den anderen indischen Gewichtseinheiten stand das Massa an den meisten dieser Orte in der gleichen Relation. Für einige dieser Orte werden auch noch zusätzliche Verhältnisbestimmungen genannt. So war in Ahmadnagar, Jalna und Pune 1 Massa = 4 Wall, und in Calcutta war 1 Massa = 128 Punko = 1/10 Sicca.<ref>Doursther: Dictionnaire universel des poids et mesures. 1840, S. 252.</ref>
Hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Māsha und Tola scheint es an einzelnen Orten abweichende Bestimmungen gegeben zu haben. So gibt der Bombay-Almanach für das Jahr 1842 an, dass der Tola in Bengalen aus 12 ½ Massa bestand, in Bombay aus 11 ½ Massa und in einigen Gebieten des südlichen Konkan aus 11 ¼ Massa.<ref>The Bombay Calendar and Almanac Directory and Register for the Year 1842. Bombay 1841. books.google.de</ref> Keine Bestätigung findet die Angabe bei Johann Friedrich Krüger, dass in Bombay 1 Tola = 15 Massa und 1 Seer = 120 Massa waren.<ref>Krüger: Vollständiges Handbuch der Münzen, Maße und Gewichte aller Länder der Erde. 1830, S. 180.</ref>
Bei mehreren Münzen wurde in Britisch-Indien das Gewicht in Massa angegeben. So hatte die Sicca Rupie in Calcutta ein Gewicht von 12 ½ Massa, das Kota Pice von Malwa ein Gewicht von 18 Massa und der Gold-Mohur und die Silber-Rupie von Bombay ein Gewicht von 11 ½ Massa.<ref>Thomas Best Jervis: Records of ancient science, exemplified and authenticated in the primitive universal standard of weights and measures: communicated in an essay transmitted to Capt. Henry Kater. Calcutta, 1835, S. 45. Textarchiv – Internet Archive</ref>
Als Anteilseinheit
Daneben wurde das Masha von Goldschmieden und Juwelieren auch zur Angabe des Feingehalts bei Gold und Silber verwendet. Bei Gold entsprachen 12 Masha einem Feingehalt von 24 Karat, 11 Māsha einem Feingehalt von 22 Karat, und 10 Masha einem Feingehalt von 20 Karat.<ref>Prinsep: Coins, Weight and Measures of British India. 1840, S. 67.</ref>
Malaiischer Archipel
Im Malaiischen Archipel und in China gab es mit dem Mass (auch Mas, Meß oder Mace genannt) eine vom Namen und Gewicht her ähnliche Maßeinheit, die wahrscheinlich ebenfalls auf das Masha zurückgeht.<ref>Prinsep: Coins, Weight and Measures of British India. 1840, S. 80.</ref> Im Malaiischen Archipel setzte sich ein Mass aus 4 Coupang zusammen.<ref>Doursther: Dictionnaire universel des poids et mesures. 1840, S. 252.</ref> Mehrere größere Gewichtseinheiten wurden mit Hilfe des Mass berechnet. Im Sultanat von Aceh galt:
- 1 Pagode = 8 Mass
- 1 Tael = 16 Mass
- 1 Buncal = 80 Mass
- 1 Kätti = 1600 Mass
- 1 Bahār = 320.000 Mass.<ref>Krüger: Vollständiges Handbuch der Münzen, Maße und Gewichte aller Länder der Erde. 1830, S. 180.</ref>
Das Mass war hier auch eine Münze, die aus einem dünnen Goldblättchen bestand und auf beiden Seiten malaiische Schrift aufwies. Sie hatte den Wert von 1600 Käsch aus Blei.<ref>Karl Joseph Jurende: Lexikon der Münzen, Masse und Gewichte aller Länder der Erde, Geschäfts- und Unterhaltungsbuch für alle Provinzen des österreichischen Kaiserstaates. Beilage zu Jurende’s vaterländischer Pilger, 21, 1834, S. 195. Digitalisat</ref> Umgerechnet ins metrische System, hatte das Mass an den verschiedenen Orten die folgenden Gewichtswerte:
- in Aceh 1 Mass = 0,6001 Gramm
- auf Ambon 1 Mass = 1,8456 Gramm
- in Banjarmasin, Jambi und Makassar 1 Mass = 2,4864 Gramm
- in Padang 1 Mass = 2,5755 Gramm
- in Bengkulu 1 Mass = 2,5836 Gramm.<ref>Doursther: Dictionnaire universel des poids et mesures. 1840, S. 252.</ref>
Literatur
- Abū l-Fazl ʿAllāmī: Āʾīn-i Akbarī. Ed. Henry Blochmann. Calcutta 1877, Band II, S. 59 f. (Textarchiv – Internet Archive) Engl. Übers. H. S. Jarrett. Band III, S. 125–127 (Textarchiv – Internet Archive).
- Lionel D. Barnett: Antiquities of India. An Account of the History and Culture of Ancient Hindustan. Philip Lee Warner, London 1913, S. 206–210. Textarchiv – Internet Archive
- D. R. Bhandarkar: Lectures on Ancient Indian Numismatics. University of Calcutta, Calcutta 1921. Textarchiv – Internet Archive
- Henry Thomas Colebrooke: Miscellaneous Essays. Ed. Edward Cowell. Trübner & Co, London 1873, Bd. I, S. 528–543. Textarchiv – Internet Archive
- Horace Doursther: Dictionnaire universel des poids et mesures anciens et modernes, contenant des tables des monnaies de tous les pays. Brussel 1840, S. 252 f. Textarchiv – Internet Archive
- Shāhpūrshāh H. Hodīvālā: Historical studies in Mughal numismatics. Calcutta, 1923. Nachdruck: Bombay, 1976. S. 103–107. Textarchiv – Internet Archive
- Johann Friedrich Krüger: Vollständiges Handbuch der Münzen, Maße und Gewichte aller Länder der Erde. Gottfried Basse, Quedlinburg/Leipzig 1830, S. 180. Textarchiv – Internet Archive
- James Prinsep: Coins, Weight and Measures of British India. Useful Tables Forming an Appendix to the Journal of the [Bengal] Asiatic Society; 2. ergänzte Auflage. Calcutta 1840. Textarchiv – Internet Archive
- Friedrich von Schrötter, N. Bauer: Wörterbuch der Münzkunde. De Gruyter, Berlin, 1970, S. 548 f.
- Shailaj Kumar Shrivastava: Measurement Units of Length, Mass and Time in India through the Ages. In: International Journal of Physical and Social Science, 7, 2017, S. 39–47. researchgate.net (PDF; 251 kB)
- Edward Thomas: On Ancient Indian Weights. In: Journal of the Asiatic Society of Bengal, 33, 1864, S. 251–266. Hier S. 260–264. Textarchiv – Internet Archive
- Edward Thomas: Ancient Indian Weights als: Marsden’s Numismata Orientalia: A new Edition. Part 1. London 1874, S. 11–13. Textarchiv – Internet Archive
- H. Wilson: A glossary of judicial and revenue terms and of useful words occurring in official documents relating to the administration of the government of British India. Allen, London 1855, S. 333. Textarchiv – Internet Archive
Einzelnachweise
<references />