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Martinskirche (Beedenbostel)

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Datei:Martinskirche in Beedenbostel IMG 2034.jpg
Martinskirche mit dem Glockenturm
Datei:Beedenbostel Martinskirche Innenraum@20150819.JPG
Innenraum mit Blick zum Altar

Die ev.-luth. Martinskirche Beedenbostel in Beedenbostel im Kirchenkreis Celle (Landkreis Celle, Niedersachsen) stammt von 1737. Kirchenpatron ist Martin von Tours. Der Holzglockenturm stammt von 1565/66.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz (siehe auch Liste der Baudenkmale in Beedenbostel).

Geschichte

Die Martinskirche ist die dritte Kirche an diesem Ort. Die Taufkirche von 1051 war die erste. Die zweite Kirche ist vor 1481 gebaut worden. Am 21. März 1735 wurde der Grundstein der jetzigen Kirche gelegt. Die Fläche vergrößerte sich von 60 m2 auf 360 m2. Altar und Orgel wurden aus der alten Kirche übernommen. Die Kirche wurde 1751 um das Küsterhaus ergänzt.

Beschreibung

Gebäude

Die barocke Saalkirche in verputztem Feldsteinmauerwerk mit polygonalem Chorabschluss und mit Walmdach stammt von 1735/37. Die Rundbogenfenster haben Versprossungen. Über dem Hauptportal ist ein Relief. Südlich befindet sich der Sakristeianbau. Ein tonnengewölbte Holzdecke überspannt den Innenraum.<ref>Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen</ref>

Das niedersächsische Landesdenkmalamt befand u. a.: „… Mit einem original erhaltenen Kirchenschiff mit einer bemerkenswerten Innenausstattung des 14.-18. Jh. besitzt die Martinkirche künstlerisch-qualitative Gestaltwerte. …“

Zur Gruppe der denkmalgeschützten Objekte zähle auch der Kirchhof, das verbohlte kleine Toilettenhaus von um 1918, die Eisenkreuze und das östliche Gefallenendenkmal als Feldsteinstele.<ref>Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen</ref>

Ausstattung

Datei:Beedenbostel Martinskirche Altar@20150819.JPG
Flämischer Holzschnitzaltar
Datei:Beedenbostel Martinskirche Kanzel@20150819.JPG
Kanzel

Zusammen mit dem Neubau errichtete man einen barocken Altaraufbau, in den der Mittelschrein eines flämischen Flügelaltars aus dem Spätmittelalter eingepasst wurde. Dieser ist von besonderer Qualität und kunstgeschichtlicher Bedeutung, weil er wichtige künstlerische und ikonographische Tendenzen der niederländischen Kunst aufgreift. Bildthema ist die bühnenartig ausgebaute Szenerie eines „volkreichen Kalvarienbergs“. Seine Qualität schließt aus, dass er ursprünglich für eine Dorfkirche bestimmt war. So vermutet man, dass das Bildwerk auf eine fürstliche Erwerbung oder Beauftragung zurückgeht und ursprünglich von Anna, der Witwe des Herzogs Friedrichs des Frommen für die 1485 geweihte Celler Schlosskapelle erworben wurde. Er wurde 1989/1990 restauriert.<ref>Urs Boeck: Ein Brabanter Retabel in Niedersachsen. Der Kalvarienberg von Celle/Beedenbostel. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte. 67, 2004, S. 532–539, Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)</ref>

Die nach 1635 gefertigte Kanzel auf der Südseite neben der Sakristei zeigt Reliefs der Evangelisten.

Orgel

Datei:Beedenbostel Martinskirche Orgel@20150819.JPG
Orgel mit dem ursprünglichen Prospekt von Furtwängler

Die aus der zweiten Kirche mit übernommene Orgel war zu klein für den großen Raum der neuen Kirche. Die erste Orgel verfügte über sieben Register. Der Prospekt der zweiten Orgel (Philipp Furtwängler, 1855) ist noch heute Prospekt der jetzigen. Durch die Wiederentdeckung der Barockmusik Anfang des 20. Jahrhunderts schien die alte Orgel mit romantischem Klang dafür nicht geeignet. Außerdem gab es Schwierigkeiten mit der Technik. Im Januar 1928 wurde mit dem Abbau der alten Orgel begonnen. Die neue Orgel mit pneumatischer Traktur wurde durch die Orgelbaufirma Wetzel (Hannover) nach Disposition von Christhard Mahrenholz erbaut und am 6. Mai 1928 eingeweiht. 1958/1959 wurden klangliche Änderungen vorgenommen. Anfang der 1960er Jahre machten sich Verfallserscheinungen bemerkbar, bis sie 1968 nicht mehr spielbar war. So wurde 1972 durch die Firma Hammer (Hannover) die neue, vierte und jetzt aktuelle Orgel in das historische Gehäuse von 1855 eingebaut. Nun verteilen sich 26 Register auf zwei Manuale (Hauptwerk, Oberwerk) und Pedal.<ref>Die Orgel der Martinskirche Beedenbostel auf orgelinformation.de</ref>

I Hauptwerk C–
Pommer 16′
Prinzipal 8′
Holzflöte 8′
Oktave 4′
Spillpfeife 4′
Spitzflöte 2′
Mixtur III-V
Trompete 8′
II Oberwerk C–
Gedackt 8′
Blockflöte 4′
Nasat 223
Prinzipal 2′
Oktävlein 1′
Zimbel II-III
Dulzian 8′
Tremulant
Pedal C–
Subbass 16′
Oktave 8′
Rohrflöte 8′
Nachthorn 4′
Oktavkornett III
Posaune 16′

Glocken und Turm

Der Glockenturm stammt aus dem Jahr 1565/1566. Vorher war er nur ein Gerüst aus Baumstämmen. In ihm sind zwei Glocken und die Turmuhr. Nachdem 1801 die erste Glocke von 1567 geborsten war, wurde aus ihrem und zusätzlichem Material eine Glocke gegossen. Sie trägt die Inschrift:

               Höret und Kömt
               Ich rufe zur Weisheit
               und festlichen Freude
               Stimme die Herzen zur Trauer
               Und wecke zur schnellern Hülfe

Nachdem die Nachfolgerin der 1724 gesprungenen Glocke 1918 eingeschmolzen wurde, wurde eine weitere Glocke gegossen. Sie trägt die Inschrift:

                O Land, Land, Land, höre des Herren Wort !
                Geopfert für Deutschlands Wehr 1918,
                wiedererstanden zu Gottes Ehr 1935

Kirchengemeinde

Die evangelische Kirchengemeinde im Kirchenkreis Celle ist verbundenen mit den Kirchengemeinden Beedenbostel, Eldingen, Eschede, Hohne und Lachendorf, u. a. mit der Martins-Kirche und der Kapelle Ahnsbeck und der verwalteten kommunalen Kapelle von Höfer sowie deren Friedhöfe. Die Gemeinde hat einen Kinderchor, einen Posaunenchor und Kirchenband, die Jugendgruppe Play and Pray, den Bibelkreis und eine Seniorengruppe.

Literatur

  • Beedenbostel Kr. Celle. Ev. Martinskirche. In: Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bremen Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 203.
  • Ernst Mertsch: Chronik der Gemeinde Beedenbostel. Band 1: Kirche und Schule. o. O. [1984]

Weblinks

Commons: Martinskirche in Beedenbostel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 52° 38′ 38,8″ N, 10° 15′ 24,9″ O

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