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Martha Bolldorf-Reitstätter

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Martha Bolldorf-Reitstätter (* 19. Februar 1912 in Innsbruck; † 13. Juni 2001 in Eisenstadt) war eine österreichische Architektin.

Leben

Datei:ORF-Funkhaus Lobby.jpg
Funkhaus Wien. Nahezu original erhaltener Eingangsbereich mit Hauptstiege (2013)

Nach ihrer Schulausbildung absolvierte Martha Reitstätter 1930 die Matura an der HTL Schellinggasse. Danach besuchte sie an der Akademie der bildenden Künste Wien die Meisterklasse Architektur bei dem österreichischen Architekten Clemens Holzmeister und wurde nach ihrem Abschluss 1934 dessen Mitarbeiterin.<ref>wienerzeitung.at: Martha Bolldorf-Reitstätter im 90. Lebensjahr verstorben, abgerufen am 14. September 2011</ref> Sie war die erste Frau die ihr Architekturstudium an der Akademie abgeschlossen hatte.<ref>Martha Bolldorf-Reitstätter – Architektur Pionierinnen. Abgerufen am 15. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Während Holzmeister sich für den Neubau des türkischen Parlaments fast ununterbrochen in Ankara aufhielt, übertrug er Reitstätter die gesamte Innenraumgestaltung des Funkhauses Wien 4 (Argentinierstraße) in Eigenverantwortung.<ref name="Tech">ARGE Architektinnen und Ingenieurkonsulentinnen (Hrsg.): Frauen in der Technik von 1900 bis 2000. Das Schaffen der österreichischen Architektinnen und Ingenieurkonsulentinnen. Ausstellungskatalog, Wien 2000, S. 51.</ref> Sie war für dieses Objekt Bauleiterin von 1936 bis 1940.<ref name="BioAT">o. A.: Bolldorf-Reitstätter, Martha, verh. Bolldorf, Architektin. In: Ilse Korotin (Hrsg.) biografiA.Lexikon österreichischer Frauen, Band 1, A – H. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 373–374.</ref>

1938 folgte der Schritt in die Selbständigkeit mit einem eigenen Architekturbüro und in der Folge bis zu neun Angestellten.<ref name="BioAT" /> Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde sie NSDAP-Mitglied.<ref>Martha Bolldorf-Reitstätter – Architektur Pionierinnen. Abgerufen am 15. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bis 1940 erhielt Reitstätter große Aufträge im Städte- und Wohnungsbau.<ref name="Tech" /> 1942/43 war sie im Rahmen eines freiwilligen Kriegseinsatzes als Stadtplanerin für Melitopol und Simferopol auf der besetzten Krim tätig. 1943 wurde ihr ein Lehrstuhl an der Reichshochschule für angewandte Kunst Wien angeboten, den sie ablehnte, weil sie die Akademie der bildenden Künste als einzige klassische Ausbildungsstätte für Architekten sah.<ref name="BioAT" /> Ab März 1944 erfolgten Luftangriffe auf Wien, in deren Folge auch Kulturdenkmäler zerstört oder schwer beschädigt wurden. Reitstätter arbeitete 1944 und 1945 zusammen mit dem Dombaumeister Karl Holey im Wiener Bombeneinsatzstab für Kultur- und historische Baudenkmäler. Nach dessen Flucht war sie auch für den Stephansdom zuständig.<ref name="Tech" /> Bis 1947 erstellte sie Kriegsschadenpläne für die Stadt Wien. Inzwischen verheiratet ging Bolldorf-Reitstätter mit ihrem Mann 1948 für einige Zeit nach Mossul.<ref name="Tech" /> 1949 wurde sie Mitglied der österreichischen Ingenieurkammer.<ref name="BioAT" /> Weitere Aufenthalte im Irak gab es zwischen 1957 und 1962.<ref name="BioAT" /> Sie erwarb 1963 das Schloss Kobersdorf, an dessen Restaurierung und Revitalisierung sie bis zu ihrem Lebensende arbeitete.<ref name="BioAT" /><ref name="Tech" /> Ab 1970 war sie Ziviltechnikerin in der Wiener Kammer der Architekten und Ingenieure.<ref name="Tech" /> Im Burgenland, ihrem neuen Lebensmittelpunkt erhielt sie, als erste Architektin, mehrere Aufträge durch die Diözese Eisenstadt und in Eisenstadt realisiert sie 1971 das erste Wohnhochhaus.<ref>Martha Bolldorf-Reitstätter – Architektur Pionierinnen. Abgerufen am 15. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Martha Bolldorf-Reitstätter war ab 1946 mit dem Architekten Leo Nikolaus Bolldorf (1910–1996) verheiratet, mit dem sie zwei Söhne und eine Tochter hatte.<ref name="BioAT" /> Der Diplomat Martin Bolldorf ist ihr Sohn.

Auszeichnungen

Werke

Datei:Eisenstadt - Hochhaus, Bahnstraße 16-18.JPG
Erstes und einziges Hochhaus in Eisenstadt; Fertigstellung 1971
Datei:Eisenstadt Bischofshof.JPG
Der Bischofshof in Eisenstadt (2013), 1951/52 errichtet
Jahr Werk / Projekt<ref>Martha Bolldorf-Reitstätter – Architektur Pionierinnen. Abgerufen am 10. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
1936–1940 Leitung der gesamten Innengestaltung des Wiener Funkhauses in der Argentinierstraße
1938–1940 Entwicklung von Wohnhaustypen für eine Anlage am Laaerberg, Wien
1942–1943 Stadtplanerin für Melitopol und Simferopol auf der Krim
1944–1945 Mitarbeit an Rettungsaktionen und Kriegsschadenbehebung, u. a. Schloss Belvedere, Schönbrunn, Stephansdom in Wien
1947 Kirchenbänke mit Schnitzereien für die Prandtauerkirche, St. Pölten
1947/1951 Moderner Erweiterungsbau der Pfarrkirche Johannesberg
1951/1952 Bischofshof in Eisenstadt
1953/1954 Wohnhausanlage Grinziger Straße, Wien (zweigeschossige Wohnhäuser für den Wiener Gemeindebau)<ref>Wiener Wohnen - Gemeindewohnungen. Abgerufen am 10. Juli 2025.</ref>
1950er–1960er Umbau und Hochhäuser in Eisenstadt, u. a. erstes Wohnhochhaus (1971)<ref>Wiener Wohnen - Gemeindewohnungen. Abgerufen am 10. Juli 2025.</ref>
1963–2001 Restaurierung und Revitalisierung von Schloss Kobersdorf
ohne Jahr Umbau der Pfarre Pitten
ohne Jahr Umbau des Dom St. Martin in Eisenstadt

Literatur

  • Brigitte Fuchs: Bolldorf-Reitstätter, Martha. In: Brigitta Keintzel, Ilse Korotin (Hrsg.): Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben – Werk – Wirken. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2002, ISBN 3-205-99467-1, S. 85–90.
  • Sabine Plakolm-Forsthuber: Martha Bolldorf-Reitstätter 1912–2001. In: Ingrid Holzschuh, Sabine Plakolm-Forsthuber (Hrsg.): Pionierinnen der Wiener Architektur. Birkhäuser, Basel 2022, ISBN 978-3-0356-2628-5, S. 14–29.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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