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Marie Elisabeth von Sachsen-Meiningen

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Datei:Portrait photograph of Princess Maria Elisabeth of Saxe-Meiningen.jpg
Marie Elisabeth von Sachsen-Meiningen (um 1875)
Datei:Princess Marie Elisabeth of Saxe-Meiningen.jpg
Marie Elisabeth von Sachsen-Meiningen (nach 1900)
Datei:Meiningen, Parkfriedhof, Grab Marie-Elisabeth von Sachsen-Meiningen.jpg
Grab von Marie Elisabeth von Sachsen-Meiningen auf dem Parkfriedhof Meiningen

Marie Elisabeth von Sachsen-Meiningen (* 23. September 1853 in Potsdam; † 22. Februar 1923 in Obersendling) war Prinzessin von Sachsen-Meiningen, Musikerin und Komponistin.

Leben

Marie Elisabeth war die einzige Tochter des Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen aus dessen erster Ehe mit Charlotte (1831–1855), Tochter des Prinzen Albrecht von Preußen. Damit entstammte sie dem Haus Sachsen-Meiningen. Marie Elisabeths älterer Bruder Bernhard III. war von 1914 bis 1918 letzter Herzog von Sachsen-Meiningen. Über Musikunterricht der musikalisch hochtalentierten Prinzessin ist wenig bekannt, Klavierunterricht erhielt sie u. a. durch Theodor Kirchner in den Jahren 1872/73.<ref>Vorlage:RISM</ref> Sie galt als „vortreffliche Pianistin“<ref>Christian Mühlfeld: Musiker-Buch des Herzogtums Sachsen-Meiningen. 1908 [Manuskript], zitiert nach: Maren Goltz: Musiker-Lexikon des Herzogtums Sachsen-Meiningen (1680–1918). 2. erweiterte Version. September 2008, S. 221 f. urn:nbn:de:gbv:547-200800945.</ref> und profitierte von dem von ihrem Vater geförderten reichen Musikleben in der Zeit der Spätromantik in Meiningen, an dem sie lebhaft Anteil nahm.<ref>Herta Müller, Renate Hofmann (Hrsg.): Johannes Brahms im Briefwechsel mit Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen und Helene Freifrau von Heldburg (= Johannes-Brahms-Briefwechsel, Neue Folge, 17). Hans Schneider, Tutzing 1991, S. 12 sowie Briefe Nr. 10, 18, 31, 76, 86 [zwischen 1883 und 1897].</ref> Marie Elisabeth von Sachsen-Meiningen schuf als Komponistin mehrere Musikstücke, von denen sich viele erhalten haben, z. B. ein „Fackeltanz“ anlässlich der Vermählung ihres Bruders Bernhard sowie weitere Werke zu offiziellen höfischen Festen. Allgemein beliebt wurde ihre „Romanze in F-Dur für Klarinette“ mit Begleitung des Klaviers oder Orchesters,<ref>Eine Partitur der in der Literatur erwähnten Orchesterfassung ist im RISM nicht nachgewiesen.</ref> die von dem berühmten Klarinettisten Richard Mühlfeld uraufgeführt wurde. Nach Angaben seines Bruders Christian fand die Uraufführung der Orchesterfassung am 6. oder 7. März 1892 in Hildburghausen in einem Abonnement-Konzert der Hofkapelle statt, was durch den Programmzettel allerdings nicht belegt ist. In jedem Fall wurde das Werk wenige Tage später am 11. März 1892 in einem Abonnement-Konzert in Meiningen durch Mühlfeld und Hofkapellmeister Fritz Steinbach aufgeführt, allerdings bestehen widersprüchliche Angaben darüber, ob dabei die Orchester- oder die Klavierfassung gespielt wurde.<ref>Maren Goltz, Herta Müller: Der Brahms-Klarinettist Richard Mühlfeld. K & K, Balve 2007, ISBN 978-3-930643-46-2, S. 102, 149 u. 187.</ref><ref name="RISM-1001003479">Vorlage:RISM</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Musikalische Liebesabenteuer. Konzertprogramm 15. September 2015, Beethoven-Orchester Bonn (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref> Die Fassung „mit Begleitung eines Klaviers“ wurde 1911 in Berlin im Verlag der Schlesinger’schen Buch- und Musikalienhandlung gedruckt.<ref>Vorlage:RISM</ref> Ihre spätere Ansicht über dieses Werk teilte die Komponistin 1913 Max Reger in einer Antwort bezüglich eines Ausstellungsvorhabens mit:

„Nun wegen der Romanze für die Clarinette. Ein Manuskript besitze ich nicht. Und wenn ich es besäße, würde ich es nicht geben. Ich bin ganz dagegen solche Dilettanten Compositionen in eine Ausstellung zu geben! Diese Romanze wurde von Mühlfeld wunderbar gespielt, einen großen Werth hat sie aber wohl nicht. – Es war immerhin von Mühlfeld sehr liebenswürdig, daß er sie spielte!“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Marie Elisabeth von Sachsen-Meiningen: Brief an Max Reger vom 14. August 1913<ref>Meininger Museen Br 105/18. Zitiert nach: Maren Goltz, Herta Müller: Der Brahms-Klarinettist Richard Mühlfeld. K & K, Balve 2007, ISBN 978-3-930643-46-2, S. 200.</ref>

1918 komponierte sie ein reines Orchesterwerk, die Phantasie „Aus der großen eisernen Zeit“.

Marie Elisabeths Vater setzte sich, zusammen mit dem Intendanten Hans von Bülow sehr für die Entwicklung und Etablierung der Meininger Hofkapelle ein, die in dieser Zeit berühmt wurde.<ref>Zur Musikgeschichte Meiningens</ref> Er war ein großer Gönner des Komponisten Johannes Brahms.

Neben Brahms, Kirchner und Mühlfeld stand die Prinzessin auch mit dem Meininger Hofkapellmeister (1882–85) Franz Mannstädt, dem von ihrem Vater entdeckten Chorleiter Bernhard Müller sowie den Komponisten Max Reger und Richard Strauss in Verbindung. Hans von Bülow widmete ihr das Chorwerk Tristan (1884),<ref>Vorlage:RISM</ref> Fritz Steinbach das Lied Zum neuen Jahr (1898).<ref>Vorlage:RISM</ref> Max Reger widmete ihr 1912 den sechsten Band seiner Liedersammlung Schlichte Weisen op. 76.<ref>Schlichte Weisen, Op.76 (Reger, Max): Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project</ref> In der Villa Felicitas in Berchtesgaden-Stanggaß, die sie sich 1887 von Hofbaurat Karl Behlert als Sommersitz errichten ließ,<ref>Maren Goltz, Herta Müller: Der Brahms-Klarinettist Richard Mühlfeld. K & K, Balve 2007, ISBN 978-3-930643-46-2, S. 106.</ref> empfing sie regelmäßig einen Kreis aus Künstlerinnen und Künstlern. Auch Johannes Brahms musizierte dort 1894 gemeinsam mit Richard Mühlfeld seine Klarinettensonaten op. 120.<ref>Herta Müller, Renate Hofmann (Hrsg.): Johannes Brahms im Briefwechsel mit Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen und Helene Freifrau von Heldburg (= Johannes-Brahms-Briefwechsel, Neue Folge, 17). Hans Schneider, Tutzing 1991, S. 133 f., Anmerkung zu Brief Nr. 86.</ref> Sie förderte außerdem begabte Sängerinnen durch die Finanzierung von deren Ausbildung. Marie Elisabeth starb unverheiratet und ist auf dem Parkfriedhof Meiningen bestattet.

Werke

Literatur

  • Christian Mühlfeld: Die Herzogliche Hofkapelle in Meiningen – Biographisches und Statistisches. [Manuskript]. = Neue Beiträge zur Geschichte deutschen Altertums. 23, 1910, S. 18 f.; urn:nbn:de:urmel-96764f45-5ff7-4817-bd9e-a655c59480c29.
  • Herta Müller, Renate Hofmann (Hrsg.): Johannes Brahms im Briefwechsel mit Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen und Helene Freifrau von Heldburg (= Johannes-Brahms-Briefwechsel, Neue Folge, 17). Hans Schneider, Tutzing 1991, ISBN 3-7952-0655-3.
  • Antje Olivier (Red.): Frauen als Komponistinnen. Eine Bestandsaufnahme. 2. Auflage. Internationaler Arbeitskreis Frau und Musik, Geschäftsstelle und Archiv, Düsseldorf 1987, OCLC 923428535, S. 59 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
  • Robert Münster: Im geliebten „Schneewinkl“. Max Reger und das Berchtesgadener Land. In: Charivari. 24, 1998, 4, ISSN 0343-2548, S. 28–31.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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