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Mariam Kühsel-Hussaini

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Datei:MariamKühsel-Hussaini794.JPG
Mariam Kühsel-Hussaini bei einer Lesung auf dem Erlanger Poetenfest 2010

Mariam Kühsel-Hussaini (* 23. Dezember 1987 in Kabul) ist eine deutsche Schriftstellerin afghanischer Herkunft.<ref>[1]</ref>

Leben und Wirken

Geboren als Tochter des afghanischen Dichters Sayed Rafat Hussaini<ref name="tip berlin">Du bist Berlin: Mariam Kühsel-Hussaini – Die Weltenverbinderin, tip Berlin</ref> – gefeierter primus inter pares unter seinen afghanischen Dichterkollegen<ref>In der Art eines Panegyrikus auf Sayed Rafat Hussaini eröffnete Atiq Rahimi seinen Roman „Erde und Asche“ (2002) mit einer Gedichtzeile aus Hussainis Gedichtband „die frau, die regen verkaufte: gedichte“ (1995): „Er hat ein Herz, groß wie sein Kummer.“</ref> – und Enkelin des afghanischen Kalligrafen Sayed Da'ud Hussaini<ref>Siehe Lexikoneintrag zur Familie Hossaini [AKA: Hussaini], afghan. Kalligraphenfamilie aus Kabul: Lexikon der Kunst - Architektur, Bildende & Angewandte Kunst, Industriegestaltung, Kunsttheorie, BAND III: Greg-Konv. Leipzig 1991, S. 345–346. Siehe auch Ausstellung im Pergamonmuseum: Kalligraph des Königs – Daud Hossaini 07.02.2020 bis 31.12.2020: https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/kalligraph-des-koenigs-daud-hossaini/</ref>, kam Mariam Kühsel-Hussaini 1990 nach Deutschland ins Exil.<ref name="tip berlin" /> Sie lebt heute als Schriftstellerin in Berlin, ist verheiratet und hat eine Tochter.

Neben der Literatur schreibt Mariam Kühsel-Hussaini Essays und Kritiken zu Kunst<ref>Der himmlische Moment, wenn die Zeit still steht. In: Grisebach – Das Journal Ausgabe 8/2018, Berlin 2018, S. 6–9; Tuschrote Fragen an den Fluch der Schönheit (Essay), in: Brücke-Museum, Lisa Marei Schmidt, Isabel Fischer (Hg.): 1910: Brücke. Kunst und Leben. [Ausstellungszeitung Brücke Museum ]. Berlin 2022, S. 5 ff.; Ferdinand Hodler. Eine Hand malt Gefühle (Essay), in: Kunsthaus Zürich, Sandra Gianfreda, Cathérine Hug (Hg.): Apropos Hodler. Aktuelle Blicke auf eine Ikone. [Ausstellungskatalog Kunsthaus Zürich], Wienand Verlag, Köln 2024, S. 28–35.</ref> und Musik<ref>Konzert-Besprechung Bob Dylan für Rolling Stone: https://www.rollingstone.de/bob-dylan-live-in-berlin-diese-stimme-klingt-nach-schicksal-2821593/</ref>. Sie gab auch das literarische Faltblatt „autodafé“ heraus: „autodafé Nr. 1“ (2017) zum Animus mit Beiträgen von Werner Spies, Stefan Weidner, Florian Illies, Maxim Nitsche, Alexander Vilenkin, Martin Walser, Alfred Jahn, Winfried Glatzeder, André Stern, Richard Eu, Sergei Tchoban, Mariam Kühsel-Hussaini<ref>autodafé Nr. 1, Berlin 2017.</ref>, und „autodafé Nr. 2“ (2017/18) zu Mozart mit Beiträgen von Daniel Barenboim, Peter Matić, Stefan Weidner, David Sela, Jürgen Udolph, Roberto Ferruzzi, Eduard Karl Habsburg-Lothringen, Atiq Rahimi, Uwe Tellkamp, Jürgen Dollase, Philippe Herreweghe, André Heller, Mariam Kühsel-Hussaini, Arwid Lagenpusch<ref>autodafé Nr. 2, Berlin 2017/18. </ref>.

Der deutsche Neurochirurg und Hochschullehrer Nima Etminan ist ein Cousin von Mariam Kühsel-Hussaini.

Werk

Gott im Reiskorn (2010)

Inhalt

Ihr vielgelobtes Erstlingswerk Gott im Reiskorn handelt von einem jungen Kunsthistoriker aus Berlin, der in den 1950er-Jahren nach Afghanistan reist, in eine Kalligrafenfamilie aufgenommen wird und die wahre Seele des Orients erlebt: die Poesie. Kühsel-Hussaini schildert damit eine durch Einmarsch der Sowjetunion und religiöse Gewaltherrschaft untergegangene Kultur ihrer eigenen Familie.<ref>west.art Magazin, WDR</ref>

Kritik

Das Buch kam ins Finale des aspekte-Literaturpreises 2010.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aspekte-Literaturpreis: Fünf Bücher im Finale (Memento des Vorlage:IconExternal vom 5. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.boersenblatt.net, Börsenblatt, 22. September 2010</ref>

Denis Scheck stellte das Buch in der Fernsehsendung Druckfrisch vor und urteilte: „Es war höchste Zeit für solch ein Buch über Afghanistan. […] Mariam Kühsel-Hussaini hat mit ihrem Familienroman ein eindrucksvolles Debüt vorgelegt.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rückschau: Mariam Kühsel-Hussaini – Gott im Reiskorn (Memento vom 23. Januar 2011 im Internet Archive)</ref> Felicitas von Lovenberg lobte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Kühsel-Hussainis „bildstarke, erstaunlich reife und ausgesucht selbstbewusste Sprache, die mit jeder Beschreibung, jedem exakt gezogenen Adjektiv-Schnörkel einer eigenen Kalligraphie folgt“.<ref>Rezension in der FAZ</ref> Hans-Jost Weyandt schrieb in Spiegel Online: „Alles wird Ereignis in einer Sprache, die einen sehr hohen Ton anschlägt, die fasziniert, wenn sie feierlich schwelgt, verspielt abschweift, übermütig schnörkelt, verlockend umspielt. Und die nervt, wenn das Streben nach dem höheren Ausdruck sich mal wieder in einem Hagel von Superlativen erschöpft und der Stil nichtssagende Blüten treibt.“<ref>In der Parallelwelt gibt's Würstchen für alle, Spiegel Online, 20. Oktober 2010</ref>

Abfahrt (2011)

Der Roman stieß aufgrund seiner romantisch-aufgeladenen und von „zu viel Seele“ heimgesuchten Hauptfigur, des jungen Potsdamer Unternehmensberaters Max Freydorn, abermals auf polarisierende Kritik.<ref name="Deutschlandradio Kultur">Ein Scheusal auf Sinnsuche von Vladimir Balzer, Deutschlandradio Kultur vom 11. November 2011</ref><ref name="Neue Zürcher Zeitung">Das Hohelied auf die Schönheit, Neue Zürcher Zeitung vom 6. Dezember 2011</ref>

Attentat auf Adam (2012)

Der dritte Roman, der im Jerusalem der Gegenwart spielt und dessen Hauptfigur Adam Tessdorf den Leser durch Glauben, Tod und Liebe führt und durch die „Geheimnisse der Existenz“, erzählt von den berühmten heiligen Schriftrollen von Qumran.

Tschudi (2020)

Hugo von Tschudi, der Kunsthistoriker und Direktor der Nationalgalerie, bringt zu Zeiten des Wilhelminismus mit seinen ersten weltweiten Ankäufen der französischen Impressionisten die zeitgenössische Kunst nach Berlin und verärgert damit den konservativen Kaiser. Weitere Protagonisten dieses Romans sind Adolf von Menzel und insbesondere Max Liebermann, der Tschudi auf seinen Reisen begleitet und ihn als seinen Verbündeten unterstützt. Die Ausstrahlung von Tschudi, aber auch seine tödlich endende Wolfskrankheit werden thematisiert.<ref>Tschudi, eine Geschichte aus der Nationalgalerie. In: Blog Museen. Abgerufen am 9. Dezember 2020.</ref>

Veröffentlichungen

  • Gott im Reiskorn (Roman), Berlin University Press, Berlin 2010, ISBN 978-3-940432-88-9.
  • Gott im Reiskorn (Hörbuch), Berlin University Press, Berlin 2011, ISBN 978-3-86280-009-4.
  • Abfahrt (Roman), Berlin University Press, Berlin 2011, ISBN 978-3-86280-010-0.
  • Attentat auf Adam (Roman), Berlin University Press, Berlin 2012, ISBN 978-3-86280-040-7.<ref>In diesen Perlenmomenten kam eine Helligkeit über sein Antlitz, in: FAZ vom 3. Dezember 2012, Seite 26</ref>
  • Tschudi (Roman), Rowohlt, Hamburg 2020, ISBN 978-3-498-00137-7.
  • Tschudi (Hörbuch), argon verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-7324-1784-1.
  • Tuschrote Fragen an den Fluch der Schönheit (Essay), in: Brücke-Museum, Lisa Marei Schmidt, Isabel Fischer (Hrsg.): 1910: Brücke. Kunst und Leben. [Ausstellungszeitung Brücke Museum]. Berlin 2022, S. 5 ff., ISBN 978-3-9820178-3-9.
  • Emil (Roman), Klett-Cotta, Stuttgart 2022, ISBN 978-3-608-98351-7.
  • 57 (Roman), Europa Verlag, München 2023, ISBN 978-3-95890-609-9.
  • Ferdinand Hodler. Eine Hand malt Gefühle (Essay), in: Kunsthaus Zürich, Sandra Gianfreda, Cathérine Hug (Hrsg.): Apropos Hodler. Aktuelle Blicke auf eine Ikone. [Ausstellungskatalog Kunsthaus Zürich], Wienand Verlag, Köln 2024, S. 28–35, ISBN 978-3-86832-786-1.
  • Tucholsky (Roman), Europa Verlag, München 2024, ISBN 978-3-95890-611-2.
  • Amadé. Sommer der Zauberflöte (Roman), Konrad Verlag, Weißenhorn 2026, ISBN 978-3-87437-652-5.

Literatur

  • Hans-Christoph Graf v. Nayhauss (Karlsruhe, Deutschland): Der Raum als Denkform in Mariam Kühsel-Hussainis Roman Gott im Reiskorn. In: KULTURRAUM. Zur (inter)kulturellen Bestimmung des Raumes in Sprache, Literatur und Film. Herausgegeben von Ernest W. B. Hess-Lüttich gemeinsam mit Pornsan Watanangura. Frankfurt am Main 2013, S. 91–102. ISBN 978-3-631-64301-3.
  • Riham Tahoun (Universität Helwan): Begegnungen zwischen Orient und Okzident. Inaam Kachachis Die amerikanische Enkelin (2008) und Mariam Kühsel-Hussainis Gott im Reiskorn (2010). In: Ernest W.B. Hess-Lüttich/Yoshito Takahashi (Hrsg.): Orient im Okzident - Okzident im Orient. West-östliche Begegnungen in Sprache und Kultur, Literatur und Wissenschaft, Frankfurt am Main 2015, S. 317–334. ISBN 978-3-631-65766-9.

Monografien

  • Friederike Aminy: Repräsentationen Afghanistans im zeitgenössischen deutschen Roman. Mariam Kühsel-Hussainis „Gott im Reiskorn" und Linus Reichlins „Das Leuchten in der Ferne". Studylab 2016. ISBN 978-3-9464-5856-2.

Auszeichnungen

Schriftstellerstipendium aus dem Else-Heiliger-Fonds der Konrad-Adenauer-Stiftung 2013/14.

Weblinks

Commons: Mariam Kühsel-Hussaini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references/>

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