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Mariä Himmelfahrt (Stadlern)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt<ref>Manfred Müller (Hrsg.): Matrikel des Bistums Regensburg. Verlag des Bischöflichen Ordinariats Regensburg, 1997, S. 650</ref> ist die römisch-katholische Kirche von Stadlern im Oberpfälzer Landkreis Schwandorf (Bayern).

Datei:StadlernKircheSäule.jpg
Stadlerner Wallfahrtskirche, Granitsäule und Hufeisen an der südlichen Tür (2012)

Legende

Ein Ritter verirrte sich im Böhmerwald und gelobte eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes zu errichten, falls er je wieder herausfinden würde. Sein Gebet wurde erhört und das Dickicht öffnete sich. Später ritt er dann wieder in den Böhmerwald, um sich über den Ort klar zu werden, wo er die Kapelle bauen sollte. Da verlor sein Pferd ein Hufeisen und war nicht mehr von der Stelle zu bringen. Der Ritter nahm dies für einen Wink Gottes und beschloss an dieser Stelle die Kapelle zu bauen. Über die Tür der bald darauf erbauten Kapelle wurde das Hufeisen genagelt.

Im 14. Jahrhundert wurde dann an Stelle der Kapelle die heutige Stadlerner Kirche erbaut, die nun das Hufeisen außen an ihrer südlichen Tür hat.

Geschichte

Stadlern wird 1363 erstmals als Pfarrei genannt.<ref name="Teresa Guggenmoos 1981">Teresa Guggenmoos: Stadt Schönsee. Verlag der Stadt Schönsee, Schönsee 1981, S. 116</ref> Wahrscheinlich befand sich schon zu dieser Zeit in Stadlern eine Kirche, die vielleicht von Ottokar II. Přemysl bei einem Überfall im Jahre 1266 zerstört wurde.<ref name="Marianne Popp 1997">Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X (Schnell, Kunstführer Nr. 2286), S. 4</ref>

Die heute vorhandene Kirche wurde um 1400 erbaut. Aus dieser Zeit ist der gotische Chor mit Kreuzrippengewölbe erhalten.<ref>Andreas Lesser (Hrsg.): Stadlern im Oberpfälzer Wald. Forstner GmbH, Oberviechtach 2000, ISBN 3-00-006390-0, S. 53</ref> 1431 nach der Niederlage des kaiserlichen Heeres bei Taus verwüsteten die Hussiten Stadlern und seine Kirche.<ref name="Marianne Popp 1997"/>

1526–1627 war Stadlern abwechselnd lutherisch und kalvinisch und die Bevölkerung musste je nach Obrigkeit fünfmal den Glauben wechseln.<ref name="Popp S. 8">Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X (Schnell, Kunstführer Nr. 2286), S. 8</ref> In dieser Zeit war die Stadlerner Kirche geschlossen. Die Wallfahrt kam jedoch trotzdem nicht zum Erliegen. Die mitgebrachten Opfergaben wurden von den Wallfahrern durch die zerbrochenen Fenster in die Kirche geworfen.<ref>Teresa Guggenmoos: Aus der Geschichte des Schönseer Landes. In: Heribert Batzl (Hrsg.): Der Landkreis Oberviechtach in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag für Behörden und Wirtschaft R. Alfred Hoeppner, Aßling/Obb. und München 1970, S. 121.</ref>

Unter Kurfürst Maximilian I. wurde Stadlern 1627/28 wieder katholisch. 1665 wird im Bistumsmatrikel Stadlern als Filiale von Schönsee mit der Kirche „Beatae Mariae Virginis“ erwähnt.<ref name="Popp S. 8"/>

1768/69 wurde unterstützt vom Herrschaftsinhaber Friedrich Karl Karg von Bebenburg und der Rittmeistersgattin Ursula von Thiolar, geborene Portner von Theuern, zusammen mit der Bevölkerung eine Seelsorgerstelle geschaffen – ein Kuratbenefizium.<ref name="Teresa Guggenmoos 1981"/> Dies war bis 1980 besetzt.<ref name="Popp S. 8"/>

Heute (2013) gehört Stadlern zur Pfarrei Schönsee und wird von dem dortigen Seelsorger mitbetreut. Zur Aufrechterhaltung der Gottesdienste in der Wallfahrtskirche halfen seit 1980 Ruhestandspfarrer, die in der Nähe wohnten:

  • 1980–2006 Andreas Lesser (* 18. Mai 1937 in Weiding; † 22. September 2006 in Weiding<ref>Sterbebildchen</ref>)
  • seit 2006 Michael Reitinger aus Stein

Bauwerk

Datei:Bild Stadlern 2011 01.JPG

Der Chor ist in seiner originalen Bauweise fast vollständig erhalten. Er besteht aus zwei Kreuzrippengewölben auf profilierten Kragsteinen. Der Chorbogen war ursprünglich viel niedriger und wurde um 1900 zum heutigen Rundbogen erhöht.

Das Kirchenschiff entstand in der Barockzeit.<ref>Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X (Schnell, Kunstführer Nr. 2286), S. 10, 11</ref> Links vom südlichen Eingang befindet sich eine dreieinhalb Meter hohe Granitsäule aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie stellt Christus in der Kelter dar.<ref>Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X (Schnell, Kunstführer Nr. 2286), S. 15</ref>

Innenausstattung

Zwischen 1700 und 1760 erhielt die Kirche eine wertvolle barocke Innenausstattung.<ref>Andreas Lesser (Hrsg.): Stadlern im Oberpfälzer Wald. Forstner GmbH, Oberviechtach 2000, ISBN 3-00-006390-0, S. 54</ref>

Der sechssäulige barocke Hochaltar enthält das Gnadenbild flankiert von den Aposteln Petrus und Paulus.<ref name="Popp S. 11">Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X (Schnell, Kunstführer Nr. 2286), S. 11</ref> Der linke Seitenaltar stellt den Erzengel Michael beim Kampf mit dem Drachen dar. Der rechte Seitenaltar zeigt den heiligen Sebastian.<ref>Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X (Schnell, Kunstführer Nr. 2286), S. 13</ref>

Die Kirchenstuhlwangen und die Beichtstühle sind mit Rokoko-Schnitzereien geschmückt.<ref>Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X (Schnell, Kunstführer Nr. 2286), S. 14</ref>

Gnadenbild

Beim Gnadenbild von Stadlern handelt es sich um eine spätgotische Madonna aus Ton, entstanden um 1500. In den bewegten Zeitläuften mit kriegerischen Überfällen, calivinistischem Bildersturm und verschiedentlichen Versuchen der Schönseer, die Statue für Schönsee zu rauben, blieb von der Tonstatue nur der Kopf erhalten, der restliche Körper und das Jesuskind wurden in der Barockzeit aus Holz geschnitzt.<ref name="Popp S. 11"/>

Orgel

Datei:Stadlern orgel schädler.jpg
Orgel

Die Orgel mit 17 Registern auf zwei Manualen und Pedal wurde 2001 von Johannes Schädler erbaut. Die Disposition des Schleifladen-Instruments mit elektrischer Spiel- und Registertraktur lautet:<ref>Orgeldatenbank Bayern v5 (2009) (online), abgerufen am 4. September 2025.</ref>

I Hauptwerk C–g3
Prinzipal 8′
Flauto 8′
Oktave 4′
Sesquialter II 223′+135
Traversflöte 4′
Superoktave 2′
Mixtur III 113
II Schwellwerk C–g3
Gedackt 8′
Salicional 8′
Vox coelestis 8′
Holzflöte 4′
Schweizerpfeife 2′
Quinte 113
Oboe 8′
Pedal C–f1
Subbaß 16′
Gedecktbaß 08′
Fagott 16′

Wallfahrt

Es wird angenommen, dass die Wallfahrt nach Stadlern im 15. Jahrhundert begann, jedenfalls vor der Reformation. In einer Karte von 1626 ist Stadlern als „Städla zur Wallfahrt“ eingetragen und aus dem Jahre 1629 über die Wallfahrt zu „Unserer Lieben Frau Bildnis aus Erden gebrannt“ berichtet.<ref>Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X (Schnell, Kunstführer Nr. 2286), S. 9</ref>

Heute (2012) pilgern viele Menschen nach Stadlern. Ein großes Fest ist der 15. August – Mariä Himmelfahrt – in Stadlern „Frauentag“ genannt. An diesem Tag kommen aus der Umgebung und auch von weiter her Pilgerzüge zu Fuß oder auch mit dem Auto nach Stadlern. Auf dem Kalvarienberg, gegenüber der Kirche wird ein feierlicher Gottesdienst unter freiem Himmel gehalten.<ref>Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X (Schnell, Kunstführer Nr. 2286), S. 10</ref>

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Literatur

  • Teresa Guggenmoos: Stadt Schönsee. Verlag der Stadt Schönsee, Schönsee 1981.
  • Heribert Batzl (Hrsg.): Der Landkreis Oberviechtach in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag für Behörden und Wirtschaft R. Alfred Hoeppner, Aßling/Obb. und München 1970.
  • Andreas Lesser (Hrsg.): Stadlern im Oberpfälzer Wald. Forstner GmbH, Oberviechtach 2000, ISBN 3-00-006390-0.
  • Marianne Popp: Mariä Himmelfahrt Stadlern. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-4067-X. (Schnell, Kunstführer Nr. 2286)

Weblinks

Commons: Mariä Himmelfahrt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 49° 30′ 14,1″ N, 12° 36′ 43,6″ O

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