Manhattan (Schiff, 1962)
Die Manhattan 1969 in Port of Chester, Philadelphia
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Der Turbinentanker Manhattan war das größte je in den Vereinigten Staaten gebaute Handelsschiff. Gleichzeitig war er nach einem Umbau der größte Eisbrecher der Welt. Im Jahr 1969 durchfuhr er als erster Tanker die Nordwestpassage von der Ostküste der Vereinigten Staaten nach Alaska.
Beschreibung
Das Schiff war ein zum Eisbrecher umgebauter Supertanker und hatte eine Länge von 306,9 m bei einer Verdrängung von 152.407 Tonnen. Seine Turbinen leisteten 43.000 PS. Es wurde 1962 auf der Fore River Shipyard in Quincy, Massachusetts gebaut. Der Umbau erfolgte auf der Sun Shipbuilding & Dry Dock Company, wobei das Schiff in vier Teile geteilt wurde und der Bug gegen einen Löffel-Eisbrecherbug aus 38 mm starkem Stahl getauscht wurde<ref>Bilder vom Umbau bei Auke Visser’s International Esso Tankers site (englisch)</ref> – durch die Löffelform schiebt sich ein Eisbrecher während der Fahrt auf die Eisplatten und bricht diese durch sein Gewicht. Die Schrauben und Ruderanlage unterschieden sich bereits bei der ursprünglichen Lieferung von sonstigen Supertankern, weil eine Zweischraubenanlage mit Doppelruder zum Einsatz kam.
Nordwestpassage
Nachdem die Manhattan Chester, Pennsylvania, am 24. August 1969 verließ, traf sie am 2. September auf dem Weg zur Baffininsel erstmals auf Eis. Sie nahm danach am 9. September zunächst die nördliche Route durch den Viscount-Melville-Sund und erreichte am 11. September die McClure-Straße. Dort traf sie auf eine Eisscholle von 20 m Dicke und einem Durchmesser von circa 1,6 km, die er mit einer Geschwindigkeit von 10 Knoten brach. Es war das dickste Eis, das bis dahin durch ein Schiff zerteilt wurde. Als der Tanker aber die durch Wind aufgetürmten Platten des Packeises erreichte, waren die Grenzen erreicht. Er fuhr sich fest und konnte nur durch ihre kleinen Begleitschiffe, die kanadischen Eisbrecher John A. Macdonald und Louis S. St-Laurent und die US-amerikanischen Eisbrecher Staten Island und Northwind sowie dank der Erkundung durch mehrere Helikopter befreit werden. Der Tanker erreichte dann auf der südlichen Route am 15. September Sachs Harbour und am 19. September Prudhoe Bay, Alaska, nahm ein symbolisches Fass Erdöl auf und begann den Rückweg. Am 12. November erreichte er New York City. Die Forschungsreise mit Gesamtkosten von 54 Millionen US-$ wurde von der Humble Oil & Refining Co. (ExxonMobil/Esso)<ref>Notification that Humble Oil & Refining Co Will Merge Into Parent Corp., Exxon Corp., Effective 1/1/73., auf: nrc.gov, abgerufen 24. August 2018 (PDF; 61 kB)</ref> unterstützt, um einen Transportweg für das Erdöl des 1968 entdeckten Prudhoe-Bay-Ölfeld zu finden. Während der Expedition wurde die Manhattan vom Kapitän Roger A. Steward kommandiert.
Im April 1970 sollte das Schiff auf einer zweiten Reise beweisen, dass eine Passage auch im arktischen Winter möglich wäre, scheiterte aber schon vor Baffin Island und unternahm statt der Reise nach Alaska einige Forschungsaufgaben. Als Ergebnis des Projektes wurde der Öltransport per Schiff nicht weiter verfolgt und stattdessen von 1975 bis 1977 die Trans-Alaska-Pipeline gebaut. Bereits die Reise von 1969 warf die Frage auf, ob die Nordwestpassage kanadisches Hoheitsgewässer (kanadische Position<ref>Camille Escudé, Lydie Lescarmontier: Les pôles : Au centre des nouveaux enjeux géopolitiques et climatiques en 100 questions. Éditions Tallandier, Paris 2025, ISBN 979-1-02106285-6, Kap. 71, S. 228.</ref>) oder eine internationale Wasserstraße bzw. Meerenge (US-Position) ist (vgl. Seerecht). Der Klimawandel und das damit verbundene Abtauen des Eises hat die Frage aktuell verschärft. Erst 2008 passierte mit der Camilla Desgagnés wieder ein Frachtschiff die Nordwestpassage. Sie versorgte von Montreal, Kanada, aus Siedlungen im äußersten Nordwesten Kanadas.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />First commercial ship sails through Northwest Passage ( vom 1. April 2014 im Internet Archive), Alaska Dispatch, 7. September 2010.</ref>
Die Manhattan blieb bis 1987 als Tanker in Dienst, bevor sie am 15. Juli 1987 durch den Taifun Thelma vor Yosu in Südkorea auf Grund lief und sank. Am 27. Juli 1987 wurde das Schiff gehoben. Es wurde zunächst an einen Abwracker in Hongkong verkauft und dann an eine chinesische Abbruchwerft weiterveräußert. Am 1. September 1987 verließ das Schiff Yosu im Schlepp und traf wenige Tage darauf zum Abbruch in China ein.<ref>Eintrag bei Auke Visser’s International Esso Tankers site (englisch)</ref>
Literatur
- Bern Keating, Tomas Sennett: Through the Northwest Passage for Oil. In: National Geographic Magazine. Band 137, Nr. 3, 1970.
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The First Arctic Tanker. ( vom 8. März 2011 im Internet Archive) In: Surveyor, Magazin des American Bureau of Shipping, Sommer 2005, Seiten 18–22 (PDF, 1,8 MB; englisch)
Weblinks
- Bericht über die SS Manhattan (englisch)
- Bericht über die Nordwestpassage (englisch) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2019. Suche im Internet Archive )
Einzelnachweise
<references />