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Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:2013-10-25 Enthüllung der Informationstafel am Holocaust-Mahmmal in Hannover, 40k, ein erster Passant vor der Tafel ....JPG
Das Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers auf dem Opernplatz mit der 2013 enthüllten Informationstafel

Das Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers wurde 1994 nach einem Entwurf des italienischen Künstlers Michelangelo Pistoletto auf dem Opernplatz aufgestellt, einem der zentralen Plätze Hannovers. Das auf Initiative des Vereins Memoriam aus privaten Spenden errichtete Mahnmal neben dem Opernhaus erinnert an mehr als 6800 Juden, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Bisher wurden 1935 Namen in Stein gemeißelt. Bei den Namen der Deportierten wurde das Alter zum Zeitpunkt der Deportation vermerkt, bei den anderen Opfern das Geburtsjahr. Soweit bekannt, wurde das weitere Schicksal jedes einzelnen Opfers aufgeführt. Wenn der Todesort nicht ermittelt werden konnte, wurde wie auch andernorts üblich „verschollen“ vermerkt.<ref name="erinnernundzukunft.de">Netzwerk Erinnerung und Zukunft Region Hannover: Orte der Erinnerung: Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers auf der Seite archive.org in der Version vom 26. März 2016</ref>

Geschichte

Datei:2013-10-25 Enthüllung der Informationstafel am Holocaust-Mahmmal in Hannover, 10g, Schüler vom Gymnasium St. Ursula-Schule Hannover verlesen ausgewählte Inhalte zum Mahnmal.JPG
Schüler der St. Ursula-Schule zur Enthüllung der Informationstafel
Datei:2013-10-25 Enthüllung der Informationstafel am Holocaust-Mahmmal in Hannover, 22c, Ingrid Wettberg, Vorsitzende Liberale Jüdischen Gemeinde Hannover, und Kultur- und Schuldezernentin Marlis Drevermann.JPG
Kultur- und Schuldezernentin Marlis Drevermann sowie die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde, Ingrid Wettberg, bei der Enthüllung der Informationstafel
Datei:2013-10-25 Enthüllung der Informationstafel am Holocaust-Mahmmal in Hannover, 33e, Holocaust-Überlebende und Zeitzeugen, der 91jährige ehemalige Häftling Nummer 132 34 Salomon Finkelstein, sowie Henry Korman.JPG
Überlebende des Holocausts: die Zeitzeugen Salomon Finkelstein und Henry Korman

Die Geschichte der Juden in Hannover bis zum Ende des Dritten Reichs fasst eine zentrale Inschrift am Mahnmal wie folgt zusammen:<ref name="erinnernundzukunft.de" />

„“

Unter den am 28. Oktober 1938 im Rahmen der Polenaktion nach Polen Ausgewiesenen befand sich auch die Familie Grünspan aus der Burgstraße 36. Der zweitälteste Sohn der Familie, Herschel Grünspan, befand sich zu diesem Zeitpunkt in Paris. Als er von der Vertreibung seiner Familie erfuhr, kaufte er sich am 7. November 1938 einen Revolver, fuhr in Paris zur deutschen Botschaft und schoss fünfmal auf den dort zufällig anwesenden Legationsrat Ernst Eduard vom Rath, der am 9. November verstarb. Von den Nationalsozialisten wurde dies als „Anschlag des Weltjudentums“ hochstilisiert und zum Vorwand für die lange geplanten Novemberpogrome 1938 genommen, die als „spontane Aktionen des Volkszornes“ inszeniert wurden. Überall im Deutschen Reich wurden in der folgenden Nacht Synagogen in Brand gesteckt, auch die Neue Synagoge in Hannover in der Bergstraße. Sie brannte dabei aus.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Foto der ausgebrannten Synagoge (Memento vom 31. Januar 2016 im Internet Archive)</ref>

Vor der Aufstellung des Bauwerkes gab es jahrelange, kontrovers geführte Diskussionen über das Für und Wider eines solchen Mahnmals. Schließlich kamen auf Initiative des Vereins Memoriam e. V. genügend private Spenden zusammen, um das Bauwerk am 9. Oktober 1994 der Öffentlichkeit übergeben zu können.<ref name="erinnernundzukunft.de" />

Am Tag der Einweihung trug Landesrabbiner Henry G. Brandt folgendes Gebet vor:<ref name="Dursthoff, Pechel">Ulrike Dursthoff, Michael Pechel (Redaktion): Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers (siehe Literatur)</ref>

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Bei der Einweihung am 9. Oktober 1994 waren die Namen von 1890 Opfern bekannt. Aufgrund weiterer Forschung konnten 1997 weitere 25 Namen nachgetragen werden, weitere 20 im Jahr 2004.<ref name="Dursthoff, Pechel" />

Mitte 2012 war das Mahnmal von Unbekannten beschmiert und mit Kaugummi verdreckt worden. Nach einem Schreiben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Niedersachsen, Michael Fürst, an den damaligen Oberbürgermeister Stephan Weil<ref>Vergleiche etwa den Abschnitt Pressespiegel</ref> und einer intensiveren Säuberung des Mahnmals zur Wiederherstellung der Würde des Ortes wurde 2013 eine gesonderte, beidseitig erläuternde Informationstafel aufgestellt:<ref name="Commons">Vergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks)</ref> Während einer Veranstaltung des Fachbereichs Bildung und Qualifizierung der Landeshauptstadt, Projekt Erinnerungskultur, enthüllten am 25. Oktober des Jahres<ref>Infoblatt Holocaust-Mahnmal / Enthüllung der Informationstafel zur Veranstaltung der Landeshauptstadt Hannover, FB Bildung und Qualifizierung, Projekt Erinnerungskultur vom 25. Oktober 2013</ref> Ingrid Wettberg, Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde, gemeinsam mit Kultur- und Schuldezernentin Marlis Drevermann die Tafel vor zahlreichen Gästen aus Politik, Kultur und Geschichte der Stadt Hannover, darunter die Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugen Salomon Finkelstein und Henry Korman. Während der Veranstaltung erinnerten Schüler der St. Ursula-Schule an die Schicksale einzelner Hannoveraner, die Opfer des Holocausts geworden waren.<ref name="Commons" />

Siehe auch

Literatur

  • Memoriam e. V. (Hrsg.): Ein Mahnmal für die ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer Hannovers, Hannover 1994
  • Peter Schulze: Juden in Hannover. Beiträge zur Geschichte und Kultur einer Minderheit. Texte und Bilder der Ausstellungen „Juden in Hannover“ und „Historische Thoravorhänge aus Hannovers früheren Synagogen“ in der Alten Predigthalle, Kulturamt der Stadt Hannover, Hannover 1989 (= Kulturinformation Nr. 19)
  • Peter Schulze: Namen und Schicksale der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus aus Hannover, mit einem Geleitwort von Jörn Hilfrich und Joachim Perels, Verein zur Förderung des Wissens über jüdische Geschichte und Kultur e. V., Hannover 1995
  • Ulrike Dursthoff, Michael Pechel (Redaktion): Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers / Opernplatz, in: Orte der Erinnerung. Wegweiser zu Stätten der Verfolgung und des Widerstands während der NS-Herrschaft in der Region Hannover, hrsg. vom Netzwerk Erinnerung und Zukunft in der Region Hannover, Eigenverlag, ohne Jahr [2007], S. 84f.
  • Julia Berlit-Jackstien, Karljosef Kreter (Hrsg.): Abgeschoben in den Tod. Die Deportation von 1001 Hannoveranern am 15. Dezember 1941 nach Riga Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 15. Dezember 2011 bis 27. Januar 2012 im Neuen Rathaus, Reihe Schriften zur Erinnerungskultur in Hannover, Bd. 1, Hannover 2011, ISBN 978-3-7752-6200-2

Filmdokumentation

  • Ein Mahnmal für die ermordeten jüdischen Kinder, Frauen und Männer Hannovers, NDR 1995 (45 Minuten)

Pressespiegel

Weblinks

Commons: Mahnmal für die ermordeten Juden Hannovers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Gedenkstätten mit Bezug zum NS-Regime in Hannover

Koordinaten: 52° 22′ 20,6″ N, 9° 44′ 27,5″ O

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