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Mühlenhof (Linn)

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Mühlenhof Linn (Roß- und Wassermühle)

Datei:Krefeld, Linn, Mühlenhof, 2011-08 CN-03.jpg
Das Tor zum Innenhof, im Nordflügel (links) die ehemalige Ölmühle

Das Tor zum Innenhof, im Nordflügel (links) die ehemalige Ölmühle

Lage und Geschichte
Koordinaten 51° 20′ 3″ N, 6° 38′ 28″ OKoordinaten: 51° 20′ 3″ N, 6° 38′ 28″ O
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Standort Krefeld-Linn
Gewässer Linner Mühlenbach
Erbaut Erste urkundliche Erwähnung 1602,
Mühlenhof um 1810<ref name="Krinvel" /><ref name="Amtsblatt 59" /><ref name="Amtsblatt 60" /><ref name="Amtsblatt 61" />
Stillgelegt um 1900<ref name="Krinvel" />
Technik
Nutzung Getreidemühle

Antrieb Wassermühle + Pferde-Göpelmühle
Wasserrad Unterschlächtig

Der Mühlenhof, auch (Kurfürstliche) Ross- und Wassermühle genannt, ist eine historische Korn- und Ölmühle im heute zu Krefeld gehörigen Linn.

Die Mühle liegt als Teil einer Hofanlage östlich der Altstadt von Linn am äußeren Burg- und Stadtgraben. Dieser Befestigungsgraben, gebildet durch den aufgestauten Linner Mühlenbach, diente gleichzeitig als Wasserspeicher für die Mühle.

Bemerkenswert ist der doppelte Antrieb: Normalerweise wurde das Mahlwerk durch ein Wasserrad angetrieben; wenn der Mühlenbach aber nicht genug Wasser führte, bestand die Möglichkeit, auf ein Roßwerk, also einen durch Arbeitspferde angetriebenen Göpel, auszuweichen.

Geschichte

Die Mühle wird erstmals 1602 urkundlich erwähnt, es wird aber angenommen, dass die Mühle ähnlich alt ist wie die Burg Linn und die dazugehörige Stadt, zu deren Versorgung die Mühle diente. Die Mühle war ehemals, ebenso wie die nahegelegene Geismühle, eine Tafelmühle der Kölner Erzbischöfe und Kurfürsten, Landesherren des Amtes Linn und Lehensherren der Burg Linn, und genoss Mühlenzwang im Kirchspiel Lank.<ref name="Amtsblatt 60" />

Der Nachteil der für die Wasserzufuhr günstigen Lage am Stadtgraben erwies sich beispielsweise im Dreißigjährigen Krieg: Die Mühle lag ungeschützt vor Angriffen außerhalb der Stadtbefestigung<ref name="Krinvel" />, wurde daher mehrfach geplündert. Schließlich wurde sie während der Kurhessischen Besetzung von Linn (1643–45) vollständig zerstört, möglicherweise weil sie einer Erweiterung der Wehranlagen im Weg war.<ref name="Amtsblatt 60" /> Danach wurde sie im Jahre 1650 als Öl- und Getreidemühle wieder aufgebaut.<ref name="WZ" />

Nach der napoleonischen Eroberung des Linken Rheinufers kam der Mühlenhof im Jahre 1805/06 im Rahmen der Säkularisation der erzbischöflichen Güter zusammen mit der Burg Linn in den Besitz des Krefelder Seidenfabrikanten Isaak de Greiff. Dieser ließ den Mühlenhof bis 1816<ref name="Amtsblatt 60" /> zu einer vierflügeligen Hofanlage in der heutigen Form ausbauen<ref name="Amtsblatt 59" /><ref name="Köhren" />, wobei die Wassermühle in den Südflügel, die Roßmühle in den Nordflügel integriert wurde.

Nach Isaak de Greiffs Tod erbte den Hof seinen Sohn Cornelius, der das Gelände entlang des Mühlenbaches östlich der Mühle zum Greiffenhorstpark umgestalten ließ. Über dessen Nichte Marianne Rhodius ging der Hof als Erbe wiederum weiter an deren Cousine Maria Schelleckes und weiter an deren Mann Conrad, der den Hof schließlich zusammen mit anderen Besitztümern in Linn 1925 an die Stadt Krefeld verkaufte, die bis heute (Stand 2010) Besitzer des Hofes ist.<ref name="Amtsblatt 59" />

Aufgrund der immer stärkeren Kanalisierung des Regenwassers und Entnahme als Brauchwasser hatte die Mühle, wie viele Wassermühlen am Niederrhein, mit einer immer geringeren Wassermenge im Mühlenbach zu kämpfen. Damit die Mühle dennoch immer einsatzbereit war, wurde sie Anfang des 19. Jahrhunderts zur Roßmühle erweitert. Das Roßwerk kam im Laufe der Jahre immer häufiger zum Einsatz und schließlich wurde der Wassermühlenbetrieb – insbesondere in Konkurrenz zu den aufkommenden modernen Dampfmühlen – so unwirtschaftlich, dass er um 1900 aufgegeben wurde. Das Mühlrad blieb in gutem Zustand erhalten, es hat heute aber – unabhängig von der Tatsache, dass das Mahlwerk seit Langem demontiert ist – nur noch Dekorationswert, denn der Mühlenbach führt selten genug Wasser, um es anzutreiben.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Mühlenhof durch Bombenangriffe stark beschädigt, jedoch später von der Stadt Krefeld wiederhergestellt.<ref name="Amtsblatt 59" /> Die Mühle, die die einzige erhalten gebliebene Wassermühle auf dem Gebiet von Krefeld ist<ref name="Amtsblatt 59" /><ref name="WZ" />, ist als Baudenkmal der Stadt geschützt (Nr. 24).<ref name="Denkmalliste" /> Zuletzt wurde 2004 das Dach der Mühle<ref name="Amtsblatt 59" /> und 2005 die Fachwerkscheune restauriert.<ref name="Amtsblatt 61" /><ref name="Köhren" /> Der Mühlenhof dient heute als Wohngebäude und beherbergt außerdem ein Café.<ref>Chrismie Fehrmann: Zu Gast in der „guten Stube“. Das neue Mühlenhofcafé soll Spaziergänger und Fahrradfahrer zum Schlemmen locken. Westdeutsche Zeitung Online, 8. April 2010 (abgerufen am 26. Mai 2010).</ref>

Bildergalerie

Weblinks

Commons: Mühlenhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Denkmalliste"> Stadt Krefeld, Fachbereich Stadtplanung: Denkmalliste der Stadt Krefeld (Stand 05/2010), <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />online auf www.krefeld.de (PDF; 124 kB) (Memento des Vorlage:IconExternal vom 5. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.krefeld.de </ref> <ref name="Krinvel"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Krinvel: Stadt Linn auf bund.de (Memento des Vorlage:IconExternal vom 12. November 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ims2.bkg.bund.de </ref> <ref name="WZ"> Westdeutsche Zeitung Online: Die historische Altstadt soll Denkmal werden (9. Mai 2010), abgerufen am 26. Mai 2010 </ref> <ref name="Köhren"> Köhren Jansen, Helmtrud: Eine Scheune fast wie ein Herrenhaus. Die Instandsetzung der Fachwerkscheune des Mühlenhofes in Krefeld-Linn. In: Zeitschrift Denkmalpflege im Rheinland, ISSN 0177-2619, Jg.: 26, Nr. 3, 2009, Seite 122–128. </ref> <ref name="Amtsblatt 61"> Die Scheune der alten Linner Wassermühle ist saniert. In: Krefelder Amtsblatt, 61. Jg., Nr. 32, Presseamt der Stadt Krefeld, Krefeld, 2006, @1@2Vorlage:Toter Link/www.ratsportal.krefeld.deonline auf www.ratsportal.krefeld.de (PDF; 117 kB) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot </ref> <ref name="Amtsblatt 59"> Linner Mühlenhof bekam neues Dach In: Krefelder Amtsblatt, 59. Jg., Nr. 49, Presseamt der Stadt Krefeld, Krefeld, 2004, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />online auf www.ratsportal.krefeld.de (PDF; 237 kB) (Memento des Vorlage:IconExternal vom 13. Januar 2006 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.krefeld.de </ref> <ref name="Amtsblatt 60"> Die Linner Wassermühle ist die einzige erhaltene Wassermühle in Krefeld / Bewegte Geschichte über vier Jahrhunderte / Seit 1925 im Besitz der Stadt In: Krefelder Amtsblatt, 60. Jg., Nr. 31, Presseamt der Stadt Krefeld, Krefeld, 2005, @1@2Vorlage:Toter Link/www.krefeld.euonline auf www.ratsportal.krefeld.de (PDF; 237 kB) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot </ref> </references>