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Möhren-Haftdolde

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Möhren-Haftdolde
Datei:Caucalis platycarpos subsp. platycarpos sl18.jpg

Möhren-Haftdolde (Caucalis platycarpos)

Systematik
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Scandiceae
Gattung: Haftdolden (Caucalis)
Art: Möhren-Haftdolde
Wissenschaftlicher Name
Caucalis platycarpos
L.

Die Möhren-Haftdolde (Caucalis platycarpos), auch Acker-Haftdolde<ref name="FloraWeb" /> genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Haftdolden (Caucalis) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Beschreibung

Datei:Illustration Caucalis platycarpos0.jpg
Illustration
Datei:Caucalis platycarpos1 eF.jpg
Stängel, Laubblätter und Blütenstand
Datei:Caucalis platycarpos Herbar.jpg
Herbarbeleg (bitte keine Pflanzenteile aus Naturbeständen entnehmen)
Datei:Caucalis platycarpos subsp. platycarpos sl17.jpg
Die Früchte weisen Stacheln auf.
Datei:Caucalis platycarpos subsp. platycarpos sl13.jpg
Die Stacheln besitzen am Ende einen Widerhaken.
Datei:Caucalis platycarpos subsp. platycarpos sl14.jpg
Zwischen den Reihen mit Stacheln befinden sich Borsten, die auf einem Höcker sitzen.
Datei:Caucalis platycarpos subsp. platycarpos sl15.jpg
Aufgeschnittene Frucht
Datei:Caucalis platycarpos subsp. platycarpos sl47.jpg
Döldchen

Vegetative Merkmale

Die Möhren-Haftdolde wächst als sommergrüne,<ref name="FloraWeb" /> einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 30<ref name="Oberdorfer1990" />, selten bis zu 40<ref name="FloraBW" /> Zentimetern erreicht. Der Stängel ist sparrig verzweigt, mehr oder weniger grau-grün und zerstreut behaart bis kahl.<ref name="FloraBW" /> Die unteren Laubblätter sind kurz gestielt, die oberen auf der Blattscheide sitzend.<ref name="Hegi1966" /> Oft ist nur die Blattrhachis locker borstig behaart.<ref name="FloraBW" /> Die Laubblätter sind zwei- bis dreifach fiederschnittig und besitzen bei einer Länge von 2 bis 4 Millimetern<ref name="Hegi1966" /> sowie bei einer Breite von etwa 0,5 Millimetern<ref name="EFÖLS" /> schmale, linealische Endabschnitte.<ref name="FloraBW" />

Generative Merkmale

Scheinbar blattgegenständig auf einem langen Blütenstandsschaft befindet sich der doppeldoldige Blütenstand.<ref name="Hegi1966" /> Der doppeldoldige Blütenstand ist zwei- bis drei-, selten bis fünfstrahlig<ref name="Hegi1966" /> und besitzt keine oder bis zu zwei Hüllblätter.<ref name="Hegi1966" /> Die Döldchen sind mit drei bis fünf Hüllchenblättern ausgestattet, die kaum hautrandig sind.<ref name="Hegi1966" /> In den armblütigen Döldchen befinden sich drei kurzgestielte Zwitterblüten und drei langgestielte männliche Blüten.<ref name="FloraBW" /> Die weißen bis rosafarbenen<ref name="EFÖLS" /> Kronblätter sind bis zu 2 Millimeter lang und bis zu 2,5 Millimeter breit und tiel zweilappig ausgerandet.<ref name="Hegi1966" />

Die länglichen, etwa 6 bis 13 Millimeter langen Doppelachänen und besitzen bei der Varietät Caucalis platycarpos var. platycarpos 1 bis 2 Millimeter lange,<ref name="EFÖLS" /> an der Spitze hakig gekrümmte Stacheln. Bei der Varietät Caucalis platycarpos var. muricata sind diese Stacheln kürzer als 1 Millimeter und an der Spitze ohne Widerhaken.<ref name="EFÖLS" />

Chromosomenzahl

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 20.<ref name="Oberdorfer1990" />

Ökologie und Phänologie

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli, vereinzelt bis zum Herbst.<ref name="Hegi1966" />

Bei der Möhren-Haftdolde handelt es sich um einen Therophyten.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Oberdorfer1990" />

Neben Insektenbestäubung kommt auch Selbstbestäubung vor.<ref name="Düll2011" />

Die widerhakigen Früchte unterliegen der Klett- und Trittausbreitung. Die starke Bodenhaftung dieser Klettfrüchte kann aber auch ein Hemmnis für ihre Ausbreitung sein.<ref name="Düll2011" />

Vorkommen und Gefährdung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Möhren-Haftdolde umfasst Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Mitteleuropa, Dänemark, Slowenien, die Balkanhalbinsel, Bulgarien, Rumänien, Estland, Lettland, Moldawien, Slowakei, Ungarn, die Ukraine, die Türkei, Syrien, Zypern, den Libanon, Irak, Iran, Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, den Kaukasususraum und Kirgisistan.<ref name="GRIN" /><ref name="Euro+Med" /> In Mitteleuropa ist die Möhren-Haftdolde ein im Gefolge des Menschen eingewanderter Archäophyt und kommt vor allem in den Kalk- und Wärmegebieten vor.<ref name="Oberdorfer1990" /> In Baden-Württemberg ist sie durch Fossilfunde aus dem 12. Jahrhundert belegt.<ref name="FloraBW" /> Vorkommen in Hafen- und Eisenbahnanlagen und bei Getreidesilos deuten auf neuere Einschleppungen hin.<ref name="Hegi1966" /> Als ursprüngliche Heimat wird der östliche Mittelmeerraum vermutet.<ref name="FloraBW" />

Sie steigt auf der Iberischen Halbinsel bis in eine Höhenlage von 1600 Meter auf.<ref name="FloraVascular" />

Die Möhren-Haftdolde wächst einzeln oder in lockeren Beständen in Getreideäckern (insbesondere Sommerweizen) sowie an Wegrändern und auf Brachland<ref name="Oberdorfer1990" /> an lichtreichen, mäßig trockenen, kalkreichen, oft skelettreichen, basischen Stellen.<ref name="FloraBW" /> Sie gilt als Tonzeiger.<ref name="Oberdorfer1990" /> Sie kommt an Ackerrändern und in den Ackerecken vor, meist bevorzugt sie niederwüchsige bis offene Stellen.<ref name="FloraBW" /> Gelegentlich tritt sie auch auf Schutthaufen auf.<ref name="FloraBW" /> Sie ist namensgebende Charakterart des Verbandes Caucalidion lappulae und der Assoziation Caucalido lappulae-Adonidetum flammeae.<ref name="Oberdorfer1990" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+ (trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Die Möhren-Haftdolde kam in den Kalk- und Wärmegebieten Mitteleuropas nach dem Zweiten Weltkrieg noch verbreitet vor.<ref name="Hegi1966" /><ref name="FloraBW" /> Seitdem ist sie stark zurückgegangen und in vielen Regionen völlig verschwunden oder auf kleine Populationen meist am Ackerrand zurückgedrängt worden.<ref name="FloraBW" /> Ursache dieses Rückgangs ist die intensive Düngung der Äcker (und damit verbunden das Fehlen offener Stellen). Auch dürfte der Einsatz von Herbiziden der Möhren-Haftdolde stark zu schaffen machen.<ref name="FloraBW" />

Die Möhren-Haftdolde wird in Deutschland als „gefährdet“ mit regional stärkerer Bedrohung (Kategorie 3+) bewertet.<ref name="FloraWeb" /> In Österreich gilt die Varietät Caucalis platycarpos var. platycarpos als gefährdet, die Varietät Caucalis platycarpos var. muricata als vom Aussterben bedroht.<ref name="EFÖLS" /> In der Schweiz wird die Möhren-Haftdolde als „verletzlich“ eingestuft.<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Caucalis platycarpos erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 241.<ref name="SpPl" /><ref name="Euro+Med" /> Synonyme für Caucalis platycarpos <templatestyles src="Person/styles.css" />L. sind Caucalis lappula <templatestyles src="Person/styles.css" />Grande und Caucalis daucoides <templatestyles src="Person/styles.css" />L. non L. 1753.

Je nach Autor gibt es zwei Varietäten, die oft auch als Unterarten betrachtet werden:<ref name="Reduron2007" />

  • Langstachel-Haftdolde (Caucalis platycarpos <templatestyles src="Person/styles.css" />L. var. platycarpos)
  • Kurzstachel-Haftdolde (Caucalis platycarpos var. muricata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Godr.) V.N.Tikhom., Syn.: Caucalis platycarpos subsp. muricata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Godr.) Holub, Caucalis bischoffii <templatestyles src="Person/styles.css" />Koso-Pol., Caucalis muricata <templatestyles src="Person/styles.css" />Bisch. non <templatestyles src="Person/styles.css" />Crantz)

Trivialnamen

Für Württemberg ist auch der Trivialname Strigelen belegt.<ref name="Pritzel1882" />

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="FloraWeb"> Caucalis platycarpos L., Acker-Haftdolde. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Caucalis platycarpos L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="EFÖLS"> </ref> <ref name="FloraBW"> </ref> <ref name="Oberdorfer1990"> </ref> <ref name="Hegi1966"> </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 241, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D241%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D </ref> <ref name="Pritzel1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 85. (eingescannt). </ref> <ref name="Reduron2007"> Jean-Pierre Reduron: Ombellifères de France 2. In: Bulletin de la Société Botanique du Centre Ouest, Nouvelle Série. Numéro Spécial. Band 27, 2007, Caucalis, S. 750–767. </ref> <ref name="FloraVascular"> Datenblatt bei Flora Vascular. </ref> <ref name="Euro+Med"> Ralf Hand (2011): Apiaceae. Datenblatt Caucalis platycarpos In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Möhren-Haftdolde (Caucalis platycarpos) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien