Löllingit
| Löllingit | |
|---|---|
(Größe ~ 2,5 mm) | |
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Lö<ref name="Warr" /> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | FeAs2 |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/C.08 II/D.23-010<ref name="Lapis" /> 2.EB.15a 02.12.02.09 |
| Ähnliche Minerale | Arsenopyrit (Arsenkies), Gersdorffit |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | Pnnm (Nr. 58)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 5,30 Å; b = 5,98 Å; c = 2,88 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="StrunzNickel" /> |
| Zwillingsbildung | überwiegend verzwillingt nach {011}, auch Drillinge |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5 bis 5,5 (VHN100= 859–920 kg/mm2)<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 7,40 (synthetisch); berechnet: 7,47<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | selten deutlich nach {010} und {101}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Bruch; Tenazität | uneben; spröde |
| Farbe | silberweiß, grau anlaufend |
| Strichfarbe | grauschwarz<ref name="Lapis" /> |
| Transparenz | undurchsichtig (opak)<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Glanz | Metallglanz<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Magnetismus | vor dem Lötrohr schwer zu einer magnetischen Kugel schmelzend |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | im frischen Bruch deutlich heller als Arsenopyrit |
Löllingit, auch veraltet als Arseneisen<ref name="Lüschen" /> oder Arsenikalkies<ref name="Lüschen" /> bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung FeAs2 und damit chemisch gesehen ein Eisenarsenid, genauer Eisendiarsenid.
Löllingit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt prismatische Kristalle, kommt aber auch in Form massiger Aggregate vor. Das Mineral ist undurchsichtig und zeigt auf den Oberflächen der in frischem Zustand silberweißen Proben einen metallischen Glanz. An der Luft laufen diese nach einiger Zeit grau an. Der frische Mineralbruch hat eine hellere Farbe als der ansonsten ähnliche Arsenopyrit.
Etymologie und Geschichte
Benannt wurde Löllingit 1845 durch Wilhelm Ritter von Haidinger nach dessen Typlokalität (erstem Fundort) Lölling im österreichischen Bundesland Kärnten. Bekannt war das Mineral aber bereits früher unter den Bezeichnungen Arseneisen<ref name="Lüschen" />, Arsenikalkies (nach Weiß)<ref name="Lüschen" /> und Axotomer Arsenikkies.<ref name="Breithaupt" />
Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (TU-BA) unter der Katalog-Nummer 3617 (HT) aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />
Da der Löllingit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Löllingit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Löllingit lautet „Lö“.<ref name="Warr" />
Klassifikation
Bereits in der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Löllingit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Sulfide mit M : S < 1 : 1“, wo er gemeinsam mit Rammelsbergit und Safflorit sowie im Anhang mit Froodit und Pararammelsbergit in der „Löllingit-Reihe“ mit der Systemnummer II/C.08 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.23-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Löllingit zusammen mit Costibit, Nisbit, Oenit, Rammelsbergit, Safflorit und Seinäjokit die „Löllingitgruppe“ mit der Systemnummer II/D.23 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Löllingit in die Abteilung „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2, mit Fe, Co, Ni, PGE usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Anduoit, Klinosafflorit, Nisbit, Omeiit, Rammelsbergit und Safflorit die „Löllingitgruppe“ mit der Systemnummer 2.EB.15a bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Löllingit die System- und Mineralnummer 02.12.02.09. Auch dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfidminerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:2“ in der „Markasitgruppe (Orthorhombisch: Pnnm)“, in der auch Markasit, Ferroselit, Frohbergit, Hastit, Mattagamit, Kullerudit, Omeiit, Anduoit, Seinäjokit, Safflorit, Rammelsbergit und Nisbit eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Löllingit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe Pnnm (Raumgruppen-Nr. 58) mit den Gitterparametern a = 5,30 Å, b = 5,98 Å und c = 2,88 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Modifikationen und Varietäten
Als Glaukopyrit wird eine cobalthaltige Varietät des Löllingit bezeichnet.<ref name="Mindat-Glaucopyrite" /> Es besteht eine Mischbarkeit mit dem Safflorit, CoAs2<ref name="Handbookofmineralogy" /> Allerdings ist diese Mischbarkeit nicht vollständig. Ebenfalls kann Eisen teilweise gegen Nickel ausgetauscht werden und Arsen gegen Schwefel.<ref name="Hem-Makovicky" />
Bildung und Fundorte
Löllingit bildet sich entweder in magmatischen Gesteinen wie Pegmatit oder als Nebenbestandteil in hydrothermalen Erzgängen. Begleitet wird es unter anderem von Calcit, Nickelin, Pharmakosiderit, Siderit, Skutterudit und Bismut.
Als eher seltene Mineralbildung kann Löllingit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher fast 900 Vorkommen dokumentiert (Stand 2024).<ref name="Mindat-Anzahl" /> Neben seiner Typlokalität Lölling trat das Mineral in Österreich unter anderem noch an mehreren Orten am Hüttenberger Erzberg, bei St. Martin am Silberberg, an der Saualpe und am Markogel bei Villach in Kärnten; am Schlossberg bei Gloggnitz in Niederösterreich; im Gasteinertal und am Rotgüldensee in Salzburg sowie am Semmering Basis Tunnel (Semmering-Pass) bei Dürrhof, an den Vetternspitzen und an der Zinkwand in den Schladminger Tauern auf.
In Deutschland fand sich Löllingit vor allem im Schwarzwald (Wittichen, Oberwolfach), im Spessart (Hartkoppe, Schöllkrippen), im Bayerischen Wald, im Odenwald, im Harz (Rammelsberg, Sankt Andreasberg), im Siegerland, im Erzgebirge und im Vogtland.
In der Schweiz konnte das Mineral bisher nur im Kanton Wallis gefunden werden, genauer bei Ayer (Val d’Anniviers), Saint-Luc VS, Pipjitälli und Salanfe gefunden werden.
Weitere Fundorte sind unter anderem in Ägypten, Australien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Georgien, Ghana, Griechenland, Grönland, Guinea, Indien, Iran, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Korea, Kosovo, der Demokratischen Republik Kongo, Marokko, Mexiko, der Mongolei, Namibia, Norwegen, Pakistan, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Tadschikistan, der Ukraine, Ungarn im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />
Auch in Gesteinsproben vom Ostpazifischen Rücken konnte Löllingit nachgewiesen werden.<ref name="Fundorte" />
Verwendung
Löllingit dient als Rohstoff zur Gewinnung von Arsen.
Siehe auch
Literatur
- Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie. Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. vollständige überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer Verlag, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 40.
- Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 47 (Dörfler Natur).
Weblinks
- Löllingit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Löllingite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 17. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- IMA Database of Mineral Properties – Löllingite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Löllingite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Löllingite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Breithaupt"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für MineralName beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 17. Juli 2024. </ref> <ref name="Haidinger"> </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Hem-Makovicky"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 17. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – L. (PDF 262 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 17. Juli 2024 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Lüschen"> </ref> <ref name="Meyers"> Meyers Großes Konversations-Lexikon (1905): Arsenikālkies bei Zeno.org. </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Löllingite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 17. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Glaucopyrite"> Glaucopyrite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 17. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Lollingite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 17. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>