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Lykurgos (Gegner des Dionysos)

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Datei:Naples Museum 19 (14972833500).jpg
Lykurgos greift mit seiner Doppelaxt die Nymphe Ambrosia an, Mosaik des 1. Jahrhunderts v. Chr. aus Herculaneum im Archäologischen Nationalmuseum Neapel

Lykurgos ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); eingedeutscht auch Lykurg) ist in der griechischen Mythologie ein Gegenspieler des Gottes Dionysos. Sein Mythos wurde in einer über tausend Jahre umfassenden Zeitspanne in unterschiedlichen Versionen erzählt und literarisch wie künstlerisch verarbeitet.

Quellen und ihre wechselnden Verortungen Lykurgs

Im Verlauf der antiken Literaturgeschichte wurde seine Herkunft unterschiedlich angegeben. Nach Homers Ilias war er der Sohn eines gewissen Dryas;<ref>Homer, Ilias 6,130 ff.</ref> eine geographische oder ethnische Herkunft wird bei Homer aber nicht genannt. Erst später, in Theaterstücken der klassischen Zeit, erscheint Lykurgos als König der Edoner in der nördlich von Griechenland gelegenen Landschaft Thrakien. Eine einflussreiche Darstellung des Mythenstoffs stammt von dem athenischen Tragödienschreiber Aischylos. Von dessen Trilogie Lykourgeia wie auch von dem dazugehörigen Satyrspiel Lykourgos sind aber nur Fragmente erhalten.<ref>Erika Simon: Lykurgos. Frevler, Tor, Bekehrter. In: Dieselbe: Ausgewählte Schriften. Band IV. Verlag Franz Philipp Rutzen, Ruhpolding/Mainz 2012, ISBN 978-3-447-06758-6, S. 49–57, hier S. 49–52.</ref> Die ausführlichste Schilderung des Lykurgos-Mythos stammt aus den Dionysiaka des spätantiken Autors Nonnos von Panopolis.<ref>Nonnos von Panopolis, Dionysiaka 20–21; Erika Simon: Lykurgos. Frevler, Tor, Bekehrter. In: Dieselbe: Ausgewählte Schriften. Band IV. Verlag Franz Philipp Rutzen, Ruhpolding/Mainz 2012, ISBN 978-3-447-06758-6, S. 49–57, hier S. 57 Anmerkung 33.</ref> Dort wird er als Sohn des Kriegsgottes Ares und als arabischer König bezeichnet. Die Bewohner Arabiens galten schon in vorislamischer Zeit als Gegner des Weingenusses, sodass es nahe lag, Lykurgos als Widersacher des Weingottes Dionysos dort zu verorten.<ref>Erika Simon: Lykurgos. Frevler, Tor, Bekehrter. In: Dieselbe: Ausgewählte Schriften. Band IV. Verlag Franz Philipp Rutzen, Ruhpolding/Mainz 2012, ISBN 978-3-447-06758-6, S. 49–57, hier S. 53–54.</ref>

Versionen des Mythos

Datei:Madness Lycurgus BM VaseF271.jpg
Die Raserei des Lykurgos, rotfigurig bemalter Kelchkrater der Zeit um 350/340 v. Chr. aus apulischer Produktion im British Museum
Datei:Lycurgus Cup red BM MME1958.12-2.1.jpg
Fesselung des Lykurgos durch die Weinrebe, Darstellung auf dem Lykurgos-Becher, einem gläsernen Diatret wohl aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. im British Museum

Eine klassische Variante des Mythos lautet wie folgt: Als Dionysos sich Thrakien unterwirft, stellt sich ihm Lykurgos entgegen und nimmt alle Begleiterinnen des Dionysos gefangen. Der Gott selbst entkommt, indem er sich ins Meer stürzt und von Thetis aufgenommen wird. Rhea schlägt nun Lykurgos mit Wahnsinn oder im Weinrausch hält er seinen Sohn Dryas für einen Rebstock und tötet ihn mit einer Axt, indem er ihm die Glieder abhackt. Thrakien wird unfruchtbar. Dionysos kehrt aus dem Meer zurück und verkündet nun den Bewohnern, dass das Land erst wieder fruchtbar werde, wenn Lykurgos getötet sei. Dieser wird nun von den Edonern gefangen genommen und auf dem Berg Pangaion von Pferden zerrissen oder gefressen; oder dies besorgen die Panther des Dionysos.

Nach Homer wird er von Zeus geblendet und findet ein rasches Ende. Nach anderen Versionen treibt ihn sein Wahnsinn in den Suizid; wieder anderen Varianten zufolge wird Lykurgos von Dionysos bekehrt und schließt sich dessen Anhängerschaft an.

In den Dionysiaka des Nonnos steht die Verfolgung Ambrosias durch Lykurgos im Mittelpunkt der entsprechenden Passage. Nachdem Dionysos vor ihm ins Meer geflohen ist, verfolgt Lykurgos das verbleibende Gefolge und insbesondere die Nymphe Ambrosia. Diese fleht in ihrer Verzweiflung die Erdgöttin Gaia um Hilfe an und wird tatsächlich erhört: Gaia lässt eine Erdspalte erscheinen, die Ambrosia in sich aufnimmt und aus der stattdessen eine sprechende Weinrebe hervorwächst, die Lykurgos fesselt und verhöhnt. Lykurgos bleibt jedoch störrisch, bis er schließlich von Hera aus der Rebe befreit, aber anschließend von Zeus geblendet wird.<ref>Nonnos, Dionysiaka 20,142–21,314. Analyse dieser Passage: Pierre Chuvin: Mythologie et géographie dionysiaques. Recherches sur l’œuvre de Nones de Panopolis. Adosa, Clermont-Ferrand 1992, ISBN 2-86639-116-0, S. 254–272.</ref>

Verehrung

Nonnos als eine der spätesten Quellen für den Mythos schreibt, dass die Araber Lykurgos seit seiner Niederlage gegen Dionysos als Gott verehren.<ref>Nonnos von Panopolis, Dionysiaka 21,158–161.</ref> Tatsächlich finden sich in der Region des Dschabal ad-Duruz im heutigen Südsyrien griechische Inschriften aus einem arabischen kulturellen Kontext, die einem „Gott Lykurgos“ geweiht sind. Dieser wurde möglicherweise mit dem arabischen Gott Shai' el-Qaum gleichgesetzt, zu dessen Eigenschaften ebenfalls die Ablehnung von Wein gehörte.<ref>Maurice Dunand: Le Musée de Soueïda. Inscriptions et monuments figurés. Librairie Orientaliste Paul Geuthner, Paris 1934, S. 21–22 Nummer 16 (mit weiteren Verweisen) und S. 86 Nummer 174; Enno Littmann, David Magie: Greek and Latin Inscriptions in Syria. Sektion A: Southern Syria. Teil 7: The Ledjā (= Syria. Publications of the Princeton University Archaeological Expeditions to Syria in 1904–5 and 1909. Band III A,7). Brill, Leiden 1921, S. 396–399 Nummer 789 und S. 441 Nummer 8012 (Digitalisat).</ref>

Davon abgesehen liegen keine konkreten Zeugnisse für eine kultische Verehrung des Lykurgos vor. Eine Ausnahme könnte eine Gruppe von Darstellungen einer bärtigen Person mit Doppelaxt sein, die sich aus dem römerzeitlichen Ägypten erhalten haben und wohl in einen kultischen Kontext gehören. Sie stellen einer Forschungsmeinung zufolge Lykurgos dar.<ref>Vincent Rondot: Le dieu à la bipenne, c’est Lycurgue. In: Revue d’Égyptologie. Band 52, 2001, S. 219–236.</ref>

Literatur

Überblicke

  • Michael Grant, John Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten. dtv, München 2004, ISBN 3-423-32508-9.
  • Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie – Quellen und Deutung. rororo, Hamburg 2001, ISBN 3-499-55404-6.
  • Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen – Die Götter- und Menschheitsgeschichten. dtv, München 1994, ISBN 3-423-30030-2.

Materialsammlungen

Untersuchungen

  • Pierre Chuvin: Mythologie et géographie dionysiaques. Recherches sur l’œuvre de Nones de Panopolis (= Vates. Band 2). Adosa, Clermont-Ferrand 1992, ISBN 2-86639-116-0.
  • Charles Picard: Lycurgue l’Edone menaçant une « nourrice » de Dionysos. In: Monuments et mémoires de la Fondation Eugène Piot. Band 45, 1951, S. 15–31 (Digitalisat).
  • Erika Simon: Lykurgos. Frevler, Tor, Bekehrter. In: Akten des Kolloquiums „Religion, Lehre und Praxis“, Basel 2004 (= Archaiognosia. Supplementband 8). Archaiognosia, Athen 2009, S. 111–124. Nachdruck in: Erika Simon: Ausgewählte Schriften. Band IV. Verlag Franz Philipp Rutzen, Ruhpolding/Mainz 2012, ISBN 978-3-447-06758-6, S. 49–57.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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