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Luxusbedürfnis

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Luxusbedürfnis ist in der Wirtschaft das über die Befriedigung von Grundbedürfnissen hinausgehende Bedürfnis an Luxusgütern.

Allgemeines

Das Bedürfnis steht am Anfang der ökonomischen Kettenglieder Mangel, Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage, die oft synonym verwendet werden, jedoch wirtschaftswissenschaftlich voneinander zu unterscheiden sind. Ein objektiver Mangel wird zum Bedürfnis, wenn er subjektiv durch Wirtschaftssubjekte wahrgenommen wird und ein Anreiz zur Bedürfnisbefriedigung besteht.<ref>Steffen Fleßa, Grundzüge der Krankenhausbetriebslehre, 2007, S. 33</ref> Wenn sich ein subjektives Bedürfnis konkretisiert, entsteht der ökonomisch relevante Bedarf.<ref>Jörg Freiling/M. Reckenfelderbäumer, Markt und Unternehmung, 2005, S. 85 f.</ref> Der Bedarf ist die Art und/oder Menge der zur Bedürfnisbefriedigung eines Wirtschaftssubjektes notwendigen Güter und Dienstleistungen. Die Nachfrage ist der zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einem Markt wirksam gewordene Bedarf.<ref>Wolfgang J. Koschnick, Management: Enzyklopädisches Lexikon, 1996, S. 443</ref>

Hermann Roesler verstand im Jahre 1875 unter Luxus „eine nicht auf äußerer Notwendigkeit beruhende Lebensbefriedigung, welche mit dem Bewusstsein bloßen Zweckdaseins noch nicht gegeben ist und den Menschen das erhebende Gefühl unabhängigen, in sich selbst begründeten Daseins verleiht“.<ref>Hermann Roesler, Über die Gesetzmäßigkeit der volkswirtschaftlichen Erscheinungen, in: Annalen des Deutschen Reichs, 1875, S. 42 ff.</ref> Die individuelle Einstufung als Grund- oder Luxusbedürfnis hängt vom Einkommen, von der Lebensart, der sozialen Herkunft oder der Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse ab.<ref>Rainer Fischbach/Klaus Wollenberg, Volkswirtschaftslehre I: Einführung und Grundlagen, 2007, S. 16</ref> Was früher einmal Luxus war, ist heute ein Grundbedürfnis wie beispielsweise Radio, Fernsehen, Auto oder Urlaub. Beim Verbraucher stehen sich deshalb zumeist zwei – nicht immer abgrenzbare – Teilsphären gegenüber, die des Grund- oder Luxusbedürfnisses.<ref>Hermann-Wilfried Bayer/Thomas Birtel, Die Liebhaberei im Steuerrecht, 1981, S. 26</ref> Die Einstufung hängt auch davon ab, ob jemand in einem Industriestaat oder einem Entwicklungsland lebt.

Arten

Zum Luxusbedarf gehören insbesondere Güter exklusiver Markennamen mit Hochpreisstrategie („Luxusmarken“) wie die Modelabels der haute couture (etwa Hugo Boss, Pierre Cardin, Christian Dior, Yves Saint Laurent), Marken-Accessoires (Breitling SA, Gucci, Rolex, Louis Vuitton), Gebrauchsgegenstände wie Kraftfahrzeuge (Ferrari, Lamborghini, Mercedes-Maybach, Rolls-Royce) oder Sammlerobjekte (Antiquitäten, Briefmarkensammlungen, Kunstwerke, Münzsammlungen), hochpreisige Nahrungs- oder Genussmittel (Champagner, Delikatessen wie Kaviar oder Trüffel), Hausrat (Christofle, Poggenpohl, Rosenthal, Villeroy & Boch) oder Luxuswohnungen. Der Hochpreis ergibt sich entweder aus künstlicher Knappheit (etwa Hermès) oder aus der Hochpreisstrategie (Bally). Zum Hochpreis-Segment zählt auch die „Sterne-Gastronomie“, die vom Guide Michelin ausgezeichnet wurde. Für diese Luxusgüter sind keine immanenten Sättigungsgrenzen erkennbar.<ref>Michael Jäckel (Hrsg.), Elmar Lange: Ambivalenzen des Konsums und der werblichen Kommunikation, 2007, S. 143 f.</ref>

Wirtschaftliche Aspekte

Während Grundbedürfnisse eine unelastische Nachfrageelastizität aufweisen, kann bei Luxusbedürfnissen generell von elastischer Nachfrage ausgegangen werden.<ref>Volker Häfner (Hrsg.), Gabler Volkswirtschafts Lexikon, 1983, S. 63</ref><ref>Rainer Fischbach/Klaus Wollenberg, Volkswirtschaftslehre I: Einführung und Grundlagen, 2007, S. 16</ref> Bei elastischen Luxusbedürfnissen erhöht sich die Nachfrage bei steigendem Einkommen überproportional. Ist der Bedarf gesättigt, ist die Elastizität gleich Null. Es ist jedoch denkbar, dass elastisches Luxusgut mit einer Einkommenselastizität ≥ 1 bei einer Einkommenserhöhung zu einem unelastischen Gut (Einkommenselastizität ≤ 1) übergeht. Deshalb ist es sinnvoll, nicht von Luxusgut/Luxusbedürfnis oder Grundbedürfnis zu sprechen, weil Güter abhängig vom Einkommensniveau zu beurteilen sind.<ref>Sandra Jung, Privater Verbrauch in Deutschland, 2001, S. 60 f.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Jean-Paul Thommen: Managementorientierte Betriebswirtschaftslehre. 8. überarbeitete und erweiterte Auflage, Zürich 2008, ISBN 3039091182

Einzelnachweise

<references />