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Luigi Torelli

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Datei:9024 - Milano, C.so Venezia - Lapide sul palazzo BCI - Foto Giovanni Dall'Orto 22-Apr-2007.jpg
Gedenktafel für Luigi Torelli in Mailand von 1932

Graf Luigi Torelli (* 9. Februar 1810 in Villa di Tirano; † 14. November 1887 in Tirano) war ein italienischer Offizier, Präfekt und Politiker.

Leben

Torelli studierte an der Universität Pavia Rechtswissenschaft. 1848 nahm er in Mailand an einem fünftägigen Volksaufstand gegen die Österreicher teil, die vorübergehend aus der Stadt vertrieben wurden. Torelli gelangte zu gewisser Berühmtheit, weil er als führendes Mitglied der Aufständischen die italienische Trikolore auf die Spitze des Mailänder Doms gesteckt hatte.

Nach der Niederschlagung des Aufstandes ging er ins benachbarte Piemont und wurde dort 1849 Abgeordneter und daneben auch Offizier in der dortigen Armee. Als solcher nahm er 1849 und 1859 an den italienischen Einigungskriegen teil und erhielt mehrere hohe Auszeichnungen.

1860 wurde Torelli zum Senator ernannt und übernahm bis 1864 das Amt eines Präfekten in verschiedenen Provinzen. 1864 und 1865 gelang ihm als Minister für Landwirtschaft, Industrie und Handel der Ausbau von Handelsbeziehungen zu China. 1866 schlug er als Präfekt in Palermo einen Aufstand nieder, danach wurde er, als Nachfolger des ersten Präfekten Venedigs, Giuseppe Pasolini, der nur zwei Monate im Amt war, fünf Jahre lang, nämlich von 1867 bis 1872 Präfekt der Provinz Venedig. 1870 ließ er ein umfangreiches statistisches Werk zu seinem Amtsbezirk veröffentlichen, wobei er selbst den Abschnitt über die Lagune von Venedig verfasste. Er trug Umbaupläne für die Stadt vor, die ihm den Ruf eintrugen, Venedig mit seinen Traditionen nicht zu verstehen. Ihm folgte für kurze Zeit Carlo Mayr im Amt des Präfekten, diesem von 1867 bis 1880 Luigi Sormani Moretti. Er versuchte mit Hilfe seiner Kontakte bis nach Ägypten den Zugang zum Suezkanal zu erleichtern, von dem er sich in der wirtschaftlichen Not der späten 1860er Jahre Abhilfe erhoffte. Damit hingen die Aushebungsarbeiten zur Verbreiterung der Durchfahrt von Malamocco, die von der Lagune in die Adria führte. Nur eine Woche vor dem Ende seiner Amtszeit, am 20. Juli 1872, wurde eine regelmäßige Dampfschiffverbindung zwischen Venedig und Ägypten eingerichtet.<ref>Douglas Antony Farnie: East and West of Suez. The Suez Canal in History 1854–1956, Oxford 1969, S. 141.</ref>

Torelli war seit 1853 Mitglied verschiedener Wirtschaftsverbände und wissenschaftlicher und sozialer Einrichtungen, wie des Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti. Er hinterließ der Kommune Venedig sein Haus bei San Zanipolo. Er hoffte, dass dieses Haus und die Häuser der Umgebung abgerissen und durch eine freie, begrünte Fläche ersetzt würden.

Wohl getrieben von den Gesundheitsvorstellungen der Epoche, gründete er eine Società per l’aereazione delle calli, eine Gesellschaft, die es sich zum Ziel machte, für eine „Belüftung“ der Gassen zu sorgen.<ref>Antonio Monti: Il conte Luigi Torelli, Mailand 1931, S. 279.</ref> So setzte er den Abriss einer Reihe von Häusern durch, allerdings stieß er dabei auf Widerstand. Nur das Bacino Orseolo in der Nähe des Dogenpalasts konnte er durchsetzen, obwohl er dabei seine Kompetenzen als Präfekt überschritt.

Gemeinsam mit anderen Vertretern der örtlichen Elite, wie dem Bürgermeister Giobatta Giustinian und den Stadträten Antonio Fornoni und Elia Vivante, trat er der Società edificatrice di case per operai a Venezia (Gesellschaft für den Bau von Arbeiterwohnungen in Venedig) bei, die nicht nur die neuen Arbeiterwohnungen verwaltete, die auf den Grundstücken der ehemaligen Kirche Santa Ternita in Castello und auf dem Campo Sant’Agostin errichtet worden waren, sondern auch erhebliche Gewinne unter ihren Gesellschaftern verteilte.<ref>Adolfo Bernardello: La ‘società edificatrice di case per operaj a Venezia’ e la demolizione della Chiesa di S. Agostino, in: Atti dell’Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti, 151 (1992–1993) 305–318.</ref> Als er versuchte, die Austernzucht in der Lagune durchzusetzen, riet der seinerzeit berühmte Wissenschaftler Pietro Paleocapa dringend davon ab, da dies das ökologische Gleichgewicht in der Lagune gefährden würde.

Endgültig zum „Tyrannen der Lagune“ machte ihn jedoch die Publikation seines seit 1867 angedachten Projekts, den Markusplatz und die Insel Sant’Elena| durch eine erhöhte Straße aus Gusseisen – mautpflichtig – entlang der Riva degli Schiavoni zu verbinden und eine große Wasserarena zwischen den Giardini pubblici und der Insel zu schaffen. Nun wies der Innenminister Giovanni Lanza den Präfekten in seine Schranken – er hielt diese Aktivitäten für eine Kompetenzüberschreitung, zumal diese Zuständigkeiten beim Bürgermeister und dem Stadtrat lägen. Torelli hatte für sein Projekt zwar die Unterstützung des Bürgermeisters Giuseppe Giovanelli erhalten, der war jedoch im September 1870 von seinem Amt zurückgetreten. Sein Nachfolger, der Stadtrat Antonio Fornoni, der die formale Ernennung zum Bürgermeister erst im März 1872 annahm, war von der Durchführbarkeit des Projekts nicht überzeugt. Es wurde in der Ratssitzung vom 12. Juli 1872 – nur zwei Wochen vor dem Dekret, das Torelli in den Urlaub versetzen sollte – mit 22 zu 16 Stimmen abgelehnt.

Die italienische Marine benannte später ein U-Boot nach ihm. Am 26. März 1888 beschloss der Stadtrat von Venedig, eine Gasse hinter der Kirche Zanipolo nach ihm zu benennen. Sie trägt heute den Namen Calle Luigi Torelli o de la Cavallerizza.

Veröffentlichungen

  • L’Istmo di Suez e l’Italia, Mailand 1867.
  • (Hrsg.): Statistica della provincia di Venezia, Venedig 1870.

Literatur

Weblinks

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Anmerkungen

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