Ludwig Kraus (Ingenieur)
Ludwig Kraus (* 26. Dezember 1911 in Hettenshausen; † 19. September 1997 in München) war ein promovierter Maschinenbau-Ingenieur der zunächst bei der Daimler-Benz AG arbeitete und dort leitende Funktionen bekam. Er war ab 1963 Technischer Direktor der von Daimler übernommenen Auto Union GmbH in Ingolstadt die noch unter der Marke DKW Zweitaktmotoren anbot. Kraus bewirkte die Entwicklung eines Viertakt-Motors gemäß Mitteldruckmotor-Konzept von Daimler. Der neue Wagen kam, nach zwischenzeitlichen Verkauf von Auto Union an Volkswagen, unter der Marke Audi heraus. Nach der Fusion mit den NSU Motorenwerken zur Audi NSU Auto Union AG im September 1969 war Kraus bis Ende 1973 Technikvorstand und zudem im Volkswagenkonzern einflussreich.
Karriere
Tätigkeit bei Daimler-Benz
Ab 1939 arbeitete Kraus bei der Daimler-Benz AG. 1951 übernahm er dort die Leitung der Abteilung Konstruktion für den Rennwagenbau, wo er die Mercedes-Silberpfeile W 154 und W 196 entwickeln ließ. Als Oberingenieure und Leiter der Vorentwicklung waren seine bekanntesten Mitarbeiter in dieser Zeit: Rudolf Uhlenhaut, Hans Scherenberg und Fritz Nallinger<ref>[1] Artikel in oldtimer-markt 7/2013 „Der Mercedes-Mann, der Audi und VW rettete“</ref>.
Ende der 1950er Jahre wurde Daimler-intern die Baureihennummer 118 verwendet, um ein kleineres Mercedes-Modell mit Frontantrieb<ref>AUTO ZEITUNG Classic Cars - Mercedes W 118: Wie ein Stern zum Audi wurde - Johannes Beck - 25.07.2025 - https://www.autozeitung.de/mercedes-w-118-w-119-classic-cars-208984.html</ref> zu entwickeln, Zweitürer W118 und Viertürer W119. Zudem hatte man einen hochverdichteten Vielstoffmotor für militärische Anwendungen entwickelt, den 1,7-Liter-Vierzylinder-Hochdruckmotor bzw. Mitteldruckmotor mit dem Codenamen "Mexico". Der Entwurfe war auch angedacht die von Daimler übernommene Auto Union GmbH mit ihren unzeitgemäßen DKW-Zweitaktern mit einem modernen Viertakt-Motor zu versorgen. Daraus wurde kein Mercedes 170, sondern unter Kraus nach Weiterverkauf an VW der erste Nachkriegs-Audi.<ref>Mercedes W 118 Prototyp - Wie dieser Mercedes fast zum Audi wurde - Der Mercedes W 118 kam nie auf den Markt. Sein Motor hingegen schon – im ersten Audi der Nachkriegsgeschichte. - Andreas Of-Allinger Veröffentlicht am 05.10.2024 - https://www.auto-motor-und-sport.de/oldtimer/audi-mercedes-w118-prototyp-v1/</ref> Die Nummer 118 wurde ab 2019 für den CLA der Mercedes-Benz Baureihe 118 doch noch verwendet.
Tätigkeit bei der Auto Union GmbH
Am 8. Oktober 1963 übernahm er die Stelle als stellvertretender Geschäftsführer und Technischer Direktor der damaligen Daimler-Benz-Tochterfirma Auto Union GmbH. Seine Hauptaufgabe war es, den überzeugten Zweitaktverfechter und Auto-Union-Geschäftsführer Werner Henze vom Einsatz des heimlich geplanten 1,3-Liter-V6-Zweitakters aus der Feder des bekannten Konstrukteurs Hans Müller abzubringen und endlich einen Viertaktmotor einzuführen. Daher verpflanzte Kraus als eine seiner ersten Tätigkeiten den sogenannten Mitteldruckmotor in den DKW F 102 und ließ damit auf Geheiß von Daimler-Benz die Marke Audi mit dem Audi F 103 wiederauferstehen. Die Entwicklung des Motors war ursprünglich bei Daimler-Benz als Vielstoffmotor mit dem internen Code „Mexico“ für militärische Zwecke begonnen worden.
Kaum lief die Produktion bei Audi richtig gut, erließ der Vorstandsvorsitzende der Volkswagenwerk AG, Heinrich Nordhoff, die Anordnung, Entwicklungsarbeiten in Ingolstadt auf serienbegleitende Maßnahmen zu beschränken. Neue Autos sollten nur noch in Wolfsburg konstruiert werden. Deshalb sollten in Ingolstadt 150 Mitarbeiter der Entwicklungsabteilung entlassen werden. Dennoch entwickelte Kraus heimlich ein neues Modell, den Audi 100, der letztlich zum Erhalt der Marke Audi und des Volkswagenkonzerns führte. Kraus’ Erfahrungen bei der Entwicklung der Silberpfeile in den 1950er Jahren flossen direkt in die neue Entwicklung ein: Als Konstrukteur hatte er in der Rennabteilung von Daimler-Benz eine computergestützte Berechnung entwickelt, welche nun bei der Berechnung der Karosseriestruktur des neuen Audi 100 erstmals im Serienfahrzeugbau eingesetzt wurde.
Einfluss auf den Volkswagenkonzern
Kraus stellte den Kontakt zum Star-Designer Giorgio Giugiaro her, der Anfang der 1970er Jahre für Audi tätig wurde und später für Volkswagen den VW Golf zeichnete.
Anfang der 1970er Jahre geriet Volkswagen in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten, die in letzter Minute mit Techniktransfer von Audi und NSU abgewendet werden konnten: VW stellte das PKW-Fahrzeugprogramm von luftgekühlten Heckmotoren (zuletzt VW Typ 4) auf wassergekühlten Frontantrieb um (VW K 70). Ohne die engagierte Arbeit von Kraus wäre der Konkurs von VW kaum abwendbar gewesen.
Auszeichnung
1974 verlieh die TU Hannover Kraus die Ehrendoktor-Würde.
Sonstiges
- Der Firmensitz von Audi wurde Anfang der 1970er Jahre scherzhaft auch als „Ludwigsburg“ bezeichnet.
- Kraus’ Nachfolger bei Audi wurde Ferdinand Piëch.
Weblinks
- Porträt auf audi.com
- Tradition: Als Ludwig Kraus Audi rettete auf welt.de, veröffentlicht am 9. Juli 2013, abgerufen am 2. Mai 2018
- Porträt auf audi-100-coupe-s.de, abgerufen am 2. Oktober 2017
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kraus, Ludwig |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Manager, Technikvorstand der Audi NSU Auto Union AG (1963–1973) |
| GEBURTSDATUM | 26. Dezember 1911 |
| GEBURTSORT | Hettenshausen |
| STERBEDATUM | 19. September 1997 |
| STERBEORT | München |