Zum Inhalt springen

Ludwig Kick

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Ludwig Kick DSCN1702.jpg
Ludwig Kick

Ludwig Kick (* 29. März 1857 in Lindau, Bodensee; † 4. August 1947 in Zürich) war ein deutscher Ingenieur und Stifter.

Leben

Elternhaus und Ausbildung

Ludwig Kick stammte aus einer seit langem ansässigen Lindauer Bürgerfamilie; der Vater betrieb ein Bürstenwarengeschäft auf der Insel in der Grub. Nach der Heirat der Eltern 1845 wurden acht Kinder geboren, Ludwig Edmund als vorletztes. Drei Kinder, darunter das einzige Mädchen, waren schon bald nach ihrer Geburt gestorben. Unter den fünf Brüdern fiel Ludwig auf durch besoderes technisches Interesse und Verständnis, durfte er deshalb nach der Realschule, fünfzehnjährig und begleitet von der elterlichen Sorge ob der finanziellen Belastung, auf die in der Regel dreijährige Industrieschule in Augsburg wechseln, absolvierte diese erfolgreich bereits nach zwei Jahren.<ref>Cavazzen News 2017/01 u. 2018/01 und Die Ehrenbürger…(s.o.) – mit überhöhter Geschwisterzahl („fünf Buben und fünf Mädchen“), berichtigt durch Dokumentation aus dem Verwandtenkreis, korrekt und genau recherchiert auch von K. Schweizer, biographische Skizze S. 2f u. Fußnote S. 58; zuverlässige Information zum weiteren Ausbildungsgang ebd. S. 5f</ref> Anschließend studierte Ludwig Kick am Polytechnikum München, der heutigen Technischen Universität, und schloss das Universitätsstudium 1878 mit Diplom ab. Nach "Einjährig-Freiwilligen Dienst" in der bayerischen Armee erhielt er 1879 einen ersten Arbeitsplatz als technischer Angestellter in der Baumwoll-Feinspinnerei Augsburg.

Erfolg in den USA

Entscheidenden beruflichen und finanziellen Erfolg hatte Ludwig Kick ab 1889/90 in den Vereinigten Staaten.  Als Konstruktionsingenieur war er beim Aufbau von Textilfabriken beteiligt gewesen. Der Leipziger Großbetrieb Stöhr & Co zog ihn zu Rate bei der Standortwahl, Planung und Errichtung der Botany Worsted Mills in Passaic, New Jersey, einer Kammgarnspinnerei mit integrierter Weberei und einer Ausdehnung über 60 Morgen Fläche. Ludwig Kick wurde Teilhaber des US-Unternehmens, war im Vorstand, profitierte als einer der Hauptaktionäre von der hohen jährlichen Dividende.<ref>Hierzu Zs. des Vereins Dt. Ingenieure, Bd. 34, Berlin 1890, S. 72 u. S. 120; ferner Rudolf Cronauer, Drei Jahrhunderte dt. Lebens in Amerika, Nachdruck der Originalausgabe von 1909, Hamburg 2010, S. 406. Inzwischen kritisch und ganz detailliert zu den Worsted Mills und ihren Eignern, mit Ausblick auf US-Arbeiterorganisationen, K. Schweizer, biographische Skizze S. 7-26</ref> Kehrseiten des ziemlich ungezügelten Kapitalismus waren Atemwegserkrankungen, rigorose Lohnkürzungen während der Absatzkrise 1893/94 u.a.m. Andererseits bildete sich eine schlagkräftige Gewerkschaftsbewegung.

Zeitweilig war auch Neffe Fritz Kick (1871-1936) vor Ort in die boomende US-Textilindustrie eingebunden, als „superintendend“ bei „Forstmann & Huffmann, Garfield Plant, Passaic“. Er verließ bei Weltkriegsbeginn eilig die USA, heiratete am 21.02.1916 in Offiziersuniform im Lindauer Rathaus die Bürgermeisterstochter Bertha Schützinger, übersiedelte 1923 nach Zürich.<ref>Tagebuchaufzeichnungen der Margarethe Schützinger, mit Fotodokumenten und maschinenschriftlich übertragen</ref>

Rückkehr in die Heimat und Verdienste als Mäzen

Schon kurz nach der Jahrhundertwende, mit 45 Jahren, kehrte „Fabrikdirektor“ Ludwig Kick mit US-Pass zurück zum Bodensee nach Lindau, und er machte seine Geburtsstadt fortan zu seinem vorrangigen Aufenthaltsort. Von den Schiffsreisen über den Atlantik, von New York nach Bremerhaven und umgekehrt, auch noch in den folgenden Jahrzehnten unternommen, hat sich ein voluminöser Schrankkoffer, heute Museumsstück, erhalten.<ref>Letzte Hinfahrt war 1936 auf der „Hansa“, Rückfahrt Sept.1937 auf der „Europa“; Schiffspassagen s. htpps://heritage.statueofliberty.org/passenger-result</ref>

In Lindau lebte Ludwig Kick als vermögender Mann und Honoratior mit Bürgersinn, mit einer offenen, freigiebigen Hand für viele soziale und kulturelle Zwecke. Seine vier Brüder waren der Mutter Ursula vorausgestorben; nervenkrank starb die vordem weithin und auch als Rädlewirtin geschätzte Frau 1901.<ref>K. S., biografische Skizze S. 27; zu Ferienheim und Erholungen siehe Gedenkartikel in der Lindauer Zeitung vom 04.04.1957 und biographische Skizze S. 29, zum Säuglingsheim ebd. S. 35-37</ref> Ihrem Andenken gewidmet entstand 1902 auf der Basis amerikanischer Goldbonds eine Stiftung zum Wohl erholungsbedürftiger kranker oder schwächlicher Kinder, gleich welcher Konfession, und Ludwig Kick machte es der Stadt möglich, nach 1. Weltkrieg und Inflation ein Ferienheim in Lindenberg im Allgäu zu erwerben. Er betrieb die Gründung des Lindauer Säuglingsheims und sicherte dessen Unterhalt.  1931/32 finanzierte er die denkmalgerechte Restaurierung der gotischen Kröll-Kapelle am Aeschacher Friedhof, schützte kunstvolle Epitaphien vor Witterungsschäden und trieb die Umwandlung zum Park voran.<ref>Der alte Lindauer Friedhof S. 60ff.; zum humorvollen Majolika-Relief („Fahre langsam zum Friedhof“) siehe auch biographische Skizze S. 46 und Zum Gedächtnis S. 56</ref>

Privatleben und späte Jahre

In Passaic bekannt geworden mit einem aus Thüringen stammenden Schwesternpaar, heiratete ein Geschäftspartner Elise<ref>Fotoalbum der Eheleute Arnold-Zippel…</ref>, Ludwig Kick 1895 Lydia Zippel (1870-1948). Tochter Gertrud (1896-1950), in den USA geboren, führte in Lindau eine erste kurze Ehe mit Anton Zwisler (1888-1977), dem späteren Lindauer Kreispräsidenten. Nach der Scheidung verheiratete sie sich 1922 ins ostpreußische Rügenwalde.

Ludwig Kick mietete 1904 die der Stadt Lindau gehörende Villa Engel in der Gemeinde Aeschach, teilte sie sich mit der Stadtgärtnerei. Nach zwanzig Jahren im „Engel“ erfolgte der Umzug ins „Landhaus Tanne“, sein neu errichtetes repräsentatives Domizil gegenüber dem alten Bauernhof „Lärche“.

Lindaus Bürgermeister setzten auf den wohlhabenden Mäzen, der knüpfte Großzügigkeit an Bedingungen, so 1922: Beim Eine-Million-Darlehen fürs städtische Wohnungsbauprogramm verfünffache sich der 1%-Zinssatz augenblicklich, sollte in Rechte an Kickschen Besitztümern, z.B. durch Einquartierungen, eingegriffen werden.<ref>Repro. des Schreibens an 1. Bgm. Siebert bei K. S., biographische Skizze S. 38</ref> Die Million war bald aufgezehrt von der Geldentwertung, Ludwig Kick stockte auf, sorgte für einen inflationsresistenten Kredit einer Schweizer Bank, spendete für die Verbilligung von Grundnahrungsmitteln.

1931 wechselte der langjährige Bürgermeister Ludwig Siebert von der Bayerischen Volkspartei zur NSDAP; auch in den dreißiger Jahren verschloss sich Ludwig Kick nicht gegenüber Spendenwünschen. Am 27.03.1937 wurde ein von Ludwig Kick gestifteter Brunnen eingeweiht, eine auf der Säule platzierte HJ-Trommler-Figur enthüllt.<ref>Einweihungsakt in Wort und Bild bei K. S., bio. Skizze S. 53f</ref> Der Stifter war absent, verbrachte die Zeit um seinen 80. Geburtstag bei der Schweizer Verwandtschaft. Die brisante Geschichte der Brunnenfigur wurde für die neue Cavazzen-Ausstellung aufgearbeitet, der Torso ist ein eindrückliches Exponat.

Über den Umzug des Säuglingsheims am 5. April 1940, vom Rot-Kreuz-Kolonnenhaus auf der Insel in das Kick gehörende, von ihm hergerichtete Haus „Laubeggen“, berichtete tags darauf die „Lindauer Nationalzeitung vereinigt mit Lindauer Tagblatt“: „Unter den geladenen Gästen sah man auch den Stifter und seine Frau“. Die Übersiedlung in die neutrale Schweiz am 8. April, ein Wegzug ohne Wiederkehr, wurde beschwiegen.

Datei:Das Haus zum Cavazzen (Stadtmuseum).jpg
Das Haus zum Cavazzen in Lindau

Der Cavazzen

Nachhaltigstes Zeugnis für Ludwig Kicks am Gemeinwohl ausgerichteten Bürgersinn ist bis heute das „Haus zum Cavazzen“ am Lindauer Marktplatz. Das markante Gebäude im Stil des Barock, 1729 und 1730 für die begüterte Kaufmannsfamilie Seutter von Loetzen erbaut, wurde von Ludwig Kick erworben und aufwendig saniert. Als „Ludwig und Lydia Kick’sche Heimatstiftung“ vermachte er es 1929 der Stadt mit Ziel, dem Stadtmuseum Lindau, bisher im Oberstock des Alten Rathauses und nach einem Brand obdachlos, eine neue, geräumige Bleibe und ein finanziell abgesichertes würdiges Domizil zu geben.<ref>Zum Gedächtnis …, S. 57</ref>

Als nach 90 Jahren wiederum eine gründliche Sanierung nötig wurde, bildete sich, deutlich inspiriert auch von der Erinnerung an das Stifterehepaar, ein Förderverein, dem viele engagierte Bürgerinnen und Bürger beitraten und der das große Projekt bis zur feierlichen Wiedereröffnung im Mai 2025 unterstützend begleitete.

Auszeichnungen

  • Ludwig Kick wurde am 3. April 1922 zum Ehrenbürger der Stadt Lindau ernannt.
  • 1927 wurde er Ehrenmitglied der Technischen Universität München.
  • Nach ihm benannt ist die Ludwig-Kick-Straße in Lindau.

Literatur

  • Zum Gedächtnis von Ludwig Kick, Ansprachen von Bürgermeister Dr. Frisch und Dr. Alfred Stolze, in Neujahrsblatt 11 des Museumsvereins Lindau, 1949, S. 55 – 60
  • Manfred Maurer und Werner Dobras, Die Ehrenbürger der Stadt Lindau, Hrsg. Bayer. Hypotheken- und Wechselbank, München 1985, hierin: Ludwig Kick - Stifter des Cavazzen
  • Der alte Lindauer Friedhof in Aeschach, Neujahrsblatt 43 des Museumsvereins Lindau, 2003
  • Das Haus zum Cavazzen, Broschüre des Fördervereins Cavazzen e. V. in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Lindau, Kunstverlag Josef Fink, 2. Aufl. 2022
  • Karl Schweizer: Ludwig Kick – Ingenieur, Textilkapitalist in den USA und Mäzen in Lindau, Eine biographische Skizze, 64 S., mit Illustrationen, Okt. 2024,  www.edition-inseltor-lindau.de, im Digitalen Geschichtsbuch 2
  • Cavazzen-Stifter Kick: In der Heimat wurde der Kapitalist zum großen Wohltäter, Artikel von Karl Schweizer in der Lindauer Zeitung, 15.05.2025, S. 13

Weblinks

[{{canonicalurl:Commons:Category:{{#if:|{{{1}}}|Ludwig Kick}}|uselang=de}} Commons: {{#if:|{{{2}}}|{{#if:|{{{1}}}|{{#invoke:WLink|getArticleBase}}}}}}]{{#switch:1

|X|x= |0|-= |S|s= – Sammlung von Bildern |1|= – Sammlung von Bildern{{#if:

    | {{#switch: {{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}/{{#invoke:TemplUtl|faculty|1}}
        |1/=  und Videos
        |1/1=, Videos und Audiodateien
        |/1=  und Audiodateien}}
    | , Videos und Audiodateien
  }}

|#default= – }}{{#if:

   | {{#ifeq: {{#invoke:Str|left||9}} 
       | category: 
| FEHLER: Ohne Category: angeben!}}}}

Vorlage:Wikidata-Registrierung

Einzelnachweise

<references responsive />

{{#ifeq: p | p | | {{#if: 125099782838164423027020530000 | |

}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 1250997828 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 1250997828 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 38164423027020530000 | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 38164423027020530000 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung

{{#if: Kick, Ludwig | {{#if: | {{#if: deutscher Ingenieur und Stifter | {{#if: 29. März 1857 | {{#if: Lindau (Bodensee) | {{#if: 4. August 1947 | {{#if: Zürich |

Vorlage:Wikidata-Registrierung