Lucius Sempronius Atratinus (Suffektkonsul 34 v. Chr.)
Lucius Sempronius Atratinus (* 73 v. Chr.; † 7 n. Chr.) war ein Politiker der ausgehenden Römischen Republik und frühen Kaiserzeit. 34 v. Chr. amtierte er als Suffektkonsul.
Leben
Lucius Sempronius Atratinus war ein Sohn des um 57 v. Chr. als plebejischer Ädil amtierenden Lucius Calpurnius Bestia.<ref name="ig9-2-39">Inscriptiones Graecae IX, 2, 39 = Hermann Dessau, Inscriptiones Latinae selectae 9461.</ref> Als sein Geburtsjahr ist 73 v. Chr. überliefert.<ref>Hieronymus, Chronik p. 165 ed. Helm.</ref> Er wurde, als er noch im Kindesalter stand, von einem nicht näher bekannten Lucius Sempronius adoptiert, der damit das Ziel verfolgte, den Fortbestand seiner Familie sicherzustellen. Mit der Beilegung des Beinamens Atratinus knüpfte er an den im 5. Jahrhundert v. Chr. vorkommenden und als patrizisch geltenden Zweig der Sempronii Atratini an, während in historisch sicher fassbarer Zeit der römischen Republik seit dem Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. nur plebejische Zweige der Sempronier vorkamen.<ref>Friedrich Münzer: Sempronius 26). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II A,2, Stuttgart 1923, Sp. 1366.</ref>
Das erste öffentliche Auftreten von Sempronius ist für 56 v. Chr. bezeugt, als er gegen Marcus Caelius Rufus einen Prozess anstrengte. Dies war eine Reaktion darauf, dass sein leiblicher Vater Lucius Calpurnius Bestia kurz zuvor von Caelius wegen unerlaubten Stimmenkaufs (Ambitus) gerichtlich belangt worden war. Caelius machte sich über den erst siebzehnjährigen Ankläger lustig, dessen Rede vom professionellen Rhetoriklehrer Lucius Plotius Gallus stamme. Cicero hingegen, der als Verteidiger von Caelius fungierte, drückte in der erhaltenen Rede für seinen Klienten mit höflichen Worten seinen Respekt für Sempronius aus. Der Prozess ging zugunsten von Caelius aus.<ref>Cicero, Pro M. Caelio 1f.; 7f.; 15f.; Sueton, De grammaticis 26; Hieronymus, Chronik p. 165 ed. Helm.</ref>
Aufgrund fehlender Erwähnungen in den erhaltenen Quellen sind Sempronius’ Lebensumstände während der folgenden 15 Jahre unbekannt. Er taucht erst 40 v. Chr. wieder auf, als er das religiöse Amt eines Augurs übernahm<ref>CIL 6, 1976.</ref> und politisch zu den Gefolgsmännern des Triumvirn Marcus Antonius zählte. Im gleichen Jahr könnte er auch die Prätur innegehabt haben. Ende 40 v. Chr. setzte er sich im Senat für den nach Rom gereisten Herodes ein, der vor dem Einfall der Parther geflohen war und nun um römische Militärhilfe zur Wiedereroberung Judäas ersuchte.<ref>Flavius Josephus, Jüdischer Krieg 1, 284; dazu Michael Grant, Kleopatra, 1974, dt. 1998, ISBN 3-404-61416-X, S. 181f.</ref>
In der folgenden Zeit war Sempronius in der Funktion eines legatus pro praetore für Antonius in Griechenland tätig, wo in der Stadt Hypata ein Standbild von ihm mit erhaltener Inschrift aufgestellt wurde.<ref name="ig9-2-39" /> Seine Gattin Marcia Censorina erhielt wohl damals in Patrai eine Ehrung.<ref>Athanasios D. Rizakes: Achaie, II. La Cité de Patras: Épigraphie et histoire. Athen 1998, Nr. 33 = Supplementum Epigraphicum Graecum (SEG) 30, 433.</ref> Sparta gab Münzen mit dem Porträt und Namen von Sempronius heraus.<ref>Susanne Grunauer-von Hoerschelmann: Die Münzprägung der Lakedaimonier. Walter de Gruyter, Berlin 1978 (Antike Münzen und geschnittene Steine. Band 7), ISBN 3-11-007222-X, S. 39, 51, 57 (Auszug bei Google Bücher).</ref> Sempronius selbst prägte um 39 v. Chr. in einer unbekannten Münzstätte für Antonius.<ref>Michael Crawford, Roman republican coinage, Band 1, 1974, S. 533, Nr. 530 (Auszug bei Google Bücher).</ref>
Als der Triumvir Octavian (der spätere Kaiser Augustus) mehrjährige militärische Auseinandersetzungen mit Sextus Pompeius vor allem in der Umgebung von Sizilien ausfocht, wurde er von Antonius durch die Entsendung eines Geschwaders unterstützt. Einer von dessen Kommandanten war 36 v. Chr. Sempronius, wie aus Münzfunden u. a. von Lilybaeum hervorgeht.<ref>Friedrich Münzer: Sempronius 26). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II A,2, Stuttgart 1923, Sp. 1367.</ref> Am 1. Januar 34 v. Chr. trat Antonius sein zweites Konsulat an, dankte aber sofort wieder ab, so dass nun Sempronius als Suffektkonsul nachrücken konnte.<ref>Cassius Dio 49, 39, 1 (englische Übersetzung).</ref> Sein Amtskollege war Lucius Scribonius Libo.
In dem sich nun zuspitzenden Konflikt zwischen den Triumvirn wechselte Sempronius zu einem nicht genauer bestimmbaren Zeitpunkt auf die Seite Octavians, der den Machtkampf für sich entscheiden konnte. Zum Lohn wurde Sempronius vermutlich 22 v. Chr. zum Prokonsul der Provinz Africa bestellt und durfte nach dem Zeugnis der Triumphalakten nach seiner Heimkehr im Herbst 21 v. Chr. einen Triumph feiern.
Im relativ hohen Alter von 80 Jahren fand Sempronius 7 n. Chr. den Tod,<ref>CIL 6, 1976.</ref> indem er sich wahrscheinlich selbst umbrachte.<ref>Hieronymus, Chronik p. 165 ed. Helm (mit Einreihung unter falschem Todesjahr).</ref>
Literatur
- Friedrich Münzer: Sempronius 26). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II A,2, Stuttgart 1923, Sp. 1366–1368.
- Jens Bartels: Sempronius [I 8]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 11, Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-01481-9, Sp. 386.
Anmerkungen
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sempronius Atratinus, Lucius |
| ALTERNATIVNAMEN | Atratinus, Lucius Sempronius |
| KURZBESCHREIBUNG | römischer Suffektkonsul 34 v. Chr. |
| GEBURTSDATUM | 73 v. Chr. |
| STERBEDATUM | 7 |