Lucius Arruntius Camillus Scribonianus
Lucius Arruntius Camillus Scribonianus († 42 n. Chr. in Issa) war ein römischer Senator des 1. Jahrhunderts n. Chr.
Leben
Scribonianus entstammte der illustren patrizischen Familie der Furier und war ein Nachfahre des römischen Feldherrn und mehrfachen Konsuls Marcus Furius Camillus, der als großer Held der frühen Republikszeit betrachtet wurde.<ref>Alisdair Gibson: Arruntius Camillus Scribonianus, Lucius, in: The Encyclopedia of Ancient History. Bd. 1, S. 760.</ref> Vermutlich war er ein Sohn des Marcus Furius Camillus (Konsul 8 n. Chr.) und wurde von Lucius Arruntius (Konsul 6 n. Chr.) adoptiert.<ref>Werner Eck: Arruntius [II 8]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 2, Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-01472-X, Sp. 33.</ref> Laut Tacitus war Letzterer sehr vermögend, wagemutig und beliebt, Eigenschaften, die ihn als einen möglichen Nachfolger von Augustus erscheinen ließen.<ref>Tacitus, Annalen 1,13 und Historien 1,49.</ref> Scribonianus’ Schwester Livia Medullina war mit dem späteren Kaiser Claudius verlobt, starb aber Sueton zufolge an ihrem Hochzeitstag.<ref>Sueton, Claudius 26,1.</ref> Im Jahr 32 war Scribonianus consul ordinarius mit Gnaeus Domitius Ahenobarbus, dem Vater des späteren Kaisers Nero.<ref>Tacitus, Annalen 6,1; Sueton, Otho 2; Cassius Dio, Römische Geschichte 58,17,1; CIL 10, 899; u. a.</ref> Unter Kaiser Caligula und dessen Nachfolger Claudius war er Statthalter (legatus Augusti pro praetore) von Dalmatien.
Als der Senator Gaius Appius Iunius Silanus 42 n. Chr. auf Betreiben seiner Stieftochter, der Kaiserin Messalina, hingerichtet wurde, kam es zu einer Verschwörung gegen Kaiser Claudius. Der in dieses Komplott verwickelte Senator Lucius Annius Vinicianus brauchte militärische Unterstützung und stiftete Scribonius, der die siebte und elfte Legion unter seinem Kommando hatte, zum Abfall von Claudius an. Scribonianus versprach, dem Senat seine frühere Macht zurückzugeben, wodurch er zahlreiche Ritter und Senatoren auf seine Seite ziehen konnte.<ref>Cassius Dio, Römische Geschichte 60,15-16.</ref><ref>Epitome de Caesaribus 4,4: Huius tempore Scribonianus Camillus intra Dalmatias imperator creatus continuo occiditur.</ref> Aufgrund schlechter Omina sollen seine Truppen aber zunehmend von abergläubischer Furcht befallen worden sein. Der Putsch brach jedenfalls nach fünf Tagen zusammen, als die Soldaten Scribonianus nicht folgen wollten.<ref>Sueton, Claudius 13 (online).</ref> Er floh auf die Insel Issa und wurde dort laut Tacitus von dem Soldaten Volaginius getötet;<ref>Tacitus, Historien 2,75 (online).</ref> hingegen gibt Cassius Dio an, dass Scribonianus sich selbst umbrachte.<ref>Cassius Dio, Römische Geschichte 60,15,2 f.; 60,16,4 f.</ref> Seine Gemahlin wurde verbannt,<ref>Tacitus, Annalen 12,52.</ref> sein Name auf Inschriften getilgt, sein Mitverschwörer Aulus Caecina Paetus nach Rom gebracht und dort zum Tod verurteilt.<ref>Plinius der Jüngere, Briefe 3,16.</ref>
Literatur
- Werner Eck: Arruntius [II 8]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 2, Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-01472-X, Sp. 33.
- Alisdair Gibson: Arruntius Camillus Scribonianus, Lucius. In: Roger S. Bagnall et al.: The Encyclopedia of Ancient History. Bd. 1, Wiley-Blackwell, Malden (MA) 2013, ISBN 978-1-4051-7935-5, S. 760 f.
- Hans Georg Gundel: Arruntius II 7. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 608.
- Paul von Rohden: Arruntius 14. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,1, Stuttgart 1895, Sp. 1264.
Anmerkungen
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scribonianus, Lucius Arruntius Camillus |
| KURZBESCHREIBUNG | römischer Konsul 32 |
| GEBURTSDATUM | 1. Jahrhundert v. Chr. oder 1. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 42 |
| STERBEORT | unsicher: Issa |