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Lomonossow

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Vorlage:Hinweisbaustein Vorlage:Infobox Ort in Russland

Lomonossow (Vorlage:RuS), bis 1948 Oranienbaum, ist eine administrativ zu Sankt Petersburg (Russland) gehörende Stadt. Sie liegt 40 km westlich des Stadtzentrums an der Newabucht der Ostsee und unmittelbar südlich der Insel Kotlin im Rajon Petrodworez. Im Wappen führt die Stadt einen Orangenbaum.

Oranienbaum wurden die Stadtrechte im Jahr 1780 verliehen. Bis zum Jahr 1998 war es eine selbständige Stadt, wurde dann aber zusammen mit anderen Vororten unter die städtische Verwaltung von Sankt Petersburg gestellt. Lomonossow hat Vorlage:EWZ Einwohner (Stand Vorlage:EWD).<ref name="einwohner_aktuell" />

Das Ensemble aus Schlössern, Pavillons, einem Schlosspark sowie der historischen Altstadt wurde 1990 von der UNESCO in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.

Geschichte

Gründung

Datei:Menshikovsky Palace in Oranienbaum 01.jpg
Menschikowpalais in Oranienbaum

Oranienbaum entstand 1710 mit der Errichtung des Palastes und Parkkomplexes für Fürst Menschikow, einen engen Berater Peters des Großen. Er war der erste Generalgouverneur von Sankt Petersburg. Es heißt, dass Menschikow die Ansiedlung nach den in der Orangerie des Schlosses gezüchteten Orangenbäumen benannt habe. Im Jahr 1848 gab es in Oranienbaum 6344 deutsche Siedler.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Vorlage:Zitat

Nach einer anderen Version wurde der Name Oranienbaum im Hinblick auf Oranienbaum in Anhalt-Dessau und die Begeisterung Peters I. für die Oranier gewählt.

Paläste

Datei:Chinese Palace in Oranienbaum.jpg
Chinesischer Palast
Datei:RUS-2016-Aerial-SPB-Grand Menshikov Palace.jpg
Gärten des Großen Menschikow-Palais (1710–1727)

Die zahlreichen Paläste und Parks von Oranienbaum dienten bis 1917 als Sommerresidenzen der kaiserlichen Familie und des Adels. Auch Kaiserin Katharina II. (die Große), die aus Deutschland stammte, hatte dort eine Sommerresidenz, den Chinesischen Palast. Das Innere und das Äußere sind von ausgesuchter Schönheit. Die Palastgebäude bieten eine sehr seltene Sammlung handwerklicher Kunst des 18. Jahrhunderts, darunter russisches Porzellan und Meißner Porzellan, erlesenes Mobiliar und Emaillearbeiten. Katharina die Große holte zahlreiche Deutsche, unter anderem aus Hessen, als Kolonisten in ihr neues Heimatland. Sie wurden zunächst in Oranienbaum in Kasernen untergebracht und dann auf ganz Russland verteilt. Einige durften im Sankt Petersburger Gebiet bleiben.

Letzte private Eigentümer des gesamten Palastensembles von Oranienbaum waren von 1873, als Großfürstin Katharina Michailowna den Besitz erbte, bis zur Oktoberrevolution 1917 die Herzöge von Mecklenburg-Strelitz.

Zweiter Weltkrieg und Gegenwart

Oranienbaum konnte im Deutsch-Sowjetischen Krieg zwischen 1941 und 1944 von der Roten Armee gegen die angreifende deutsche Wehrmacht gehalten werden. Am 16. September 1941 wurden die sowjetischen Truppen hier abgeschnitten und verteidigten fortan den Brückenkopf von Oranienbaum, der von dem ebenfalls belagerten Leningrad durch deutsche Truppen getrennt war. Dieser Brückenkopf schützte – zusammen mit der ebenfalls von sowjetischen Truppen gehaltenen Insel Kotlin im Norden – Leningrad vor deutschen Angriffen von der Meeresseite. Die Versorgung war nur über den Finnischen Meerbusen möglich. Die Kunstschätze der Stadt blieben vor der Zerstörung bewahrt.

1948 erhielt die Stadt ihren heutigen Namen nach dem Universalgelehrten Michail Wassiljewitsch Lomonossow, dessen Villa und Glashütte in der Nähe lagen.

Bis zur Perestroika war Lomonossow als Stützpunkt der Sowjetischen Marine von der Außenwelt abgeschnitten. Rund 500 Kleinbetriebe und einige wenige größere haben sich seither angesiedelt.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1897 5.458
1939 20.650
1959 27.513
1970 39.987
1979 43.272
1989 41.694
2002 37.776
2010 42.505

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Städtepartnerschaften

Datei:Lomonosov Archangel Michael 1.JPG
Kirche des Erzengels Michael
Datei:The palace of Petr III in Oranienbaum.jpg
Palast Zar Peters III.

Lomonossow unterhält mehrere offizielle Partnerschaften, unter anderem mit Oberursel (Taunus) in Deutschland, zwei amerikanischen Städten (Framingham im Bundesstaat Massachusetts und Anacortes im Bundesstaat Washington), sowie Mariehamn in Finnland. Die Städtepartnerschaften mit Deutschland und den USA wurden auf private Initiative durch den Verein Kalinka aufgebaut, der sich 1993 offiziell formierte. Die Partnerschaftsarbeit mit den Menschen findet vorwiegend zwischen den Vereinen statt. Das besondere Interesse aber gilt Deutschland. Viele Bürger lernen Deutsch und an den Schulen ist Deutsch nach Englisch die wichtigste Fremdsprache. Zwischen den Partnerstädten Oberursel und Lomonossow finden regelmäßig Bürgerfahrten statt. Es existiert seit 2004 eine im Juni 2005 mit einem Ehrenpreis der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnete private Praktikumsinitiative, die jungen russischen Studenten einen Praktikumsaufenthalt in Oberursel und Umgebung ermöglicht.

Verkehr

Nach Sankt Petersburg gibt es direkte Flugverbindungen zum internationalen Teil des Flughafens Pulkowo (Vorlage:Lang) von mehreren europäischen Flughäfen. Lomonossow selbst kann dann mit der Eisenbahn aus Sankt Petersburg heraus vom Baltischen Bahnhof (Vorlage:Lang) Richtung Oranienbaum (Vorlage:Lang) oder mit den Marschrutka-Kleinbussen (Vorlage:Lang) 300 und 424-A von der Metro-Station Awtowo (Vorlage:RuS) erreicht werden. Die Fahrzeit beträgt etwa 45–60 Minuten, je nach Tageszeit.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Personen mit Bezug zur Stadt

Berühmte Künstler, Schriftsteller und Komponisten wie Nekrassow, Schischkin und Mussorgski wohnten und arbeiteten hier. Häufige Besucher waren Dumas, Puschkin, Saltykow-Schtschedrin und Turgenew.

Literatur

  • Juri Kalinin: Deutsche in Oranienbaum, St. Petersburg, 2006.
  • Н.Н. Пивнева: Прогулки по Ораниенбауму. Сборник работ участников конкурса «Мир красочный, поющий и звенящий…». Вып. 1. – СПб.: ВВМ, 2004. – 87 с. (N. N. Piwnewa: Spaziergänge durch Oranienbaum. Eine Auswahl von Arbeiten aus dem Wettbewerb «…». St. Petersburg: 2004. – 87 S.)
  • Natalja Popova, Abram Raskin: Vororte Sankt Petersburgs. St. Petersburg, 2003.

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

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