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Lochheim (Biebesheim)

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Koordinaten: 49° 48′ 9″ N, 8° 27′ 5″ O

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Lochheim ist eine Wüstung im Kreis Groß-Gerau im Regierungsbezirk Darmstadt in Hessen bei Biebesheim am Rhein und Stockstadt am Rhein. Von einigen Autoren wird der Ort mit dem Platz gleichgesetzt, an dem Hagen von Tronje den Nibelungenhort versenkt haben soll.

Lage

Lochheim wird nordwestlich bis nordnordwestlich der Ortslage Biebesheim am Rhein, in der heutigen Gemarkung „Kleines Lochheim“ im nördlichsten Zipfel des Gebietes der Gemeinde Biebesheim am Rhein vermutet (knapp 2,8 km nordwestlich des Bahnhofs Biebesheim).<ref name="Ortslexikon" />

Geschichte

Im Lorscher Codex sind acht Schenkungen in der Gemarkung von Lochheim an das Kloster Lorsch unter der Regentschaft Karls des Großen überliefert (Urkunden Nr. CL 186 – CL 193, ausgestellt zwischen dem 9. Oktober 770 und dem 6. Juni 799).<ref name="Minst2" /> Die Lage des Ortes wird dabei als im Oberrheingau und direkt am Rhein gelegen bestimmt.<ref name="Wagner" /> Mit CL 187, der ältesten Urkunde aus Karls dritten Regentschaftsjahr (zwischen dem 9. Oktober 770 und dem 8. Oktober 771), wurde dem Kloster eine Wiese übertragen.<ref name="Minst2" /> In CL 186 ist als weiterer Ort Elmarsbach (Wüstung westlich von Erfelden am Altrhein) mitgenannt.<ref name="Minst2" />

In einer Abgabenliste, deren Vorlagen auf die Jahre 780–850 zurückgehen, wird unter zahlreichen abgabepflichtigen Orten Locheim (Lochheim) zwischen Eich und Elmarsbach aufgezählt.<ref name="Minst5" />

815 erfolgte eine weitere Schenkung in der Gemarkung von Lohheim (Lochheim) an das Kloster Hersfeld.<ref name="Wagner" />

1209 tauschten vier Biebesheimer Erben eine Wiese in Locheim (Lochheim) gegen Ackerland des Klosters Eberbach.<ref name="Baur" /> Eine undatierte Notiz auf der Rückseite einer Kloster Eberbacher Urkunde aus dem Jahr 1210 erwähnt: „dimidium mansum in loco, qui dicitur Locheim, qui totus redactus est in pratum“ (eine halbe Manse an dem Ort, der Lochheim genannt wird, die vollständig zu Wiesenland geworden ist).<ref name="Rossel" />

In einer Aufzählung der zur comitia Wolfskehlen gehörigen Dörfer aus dem Jahr 1252 wird Lochheim nicht aufgeführt.<ref name="Ortslexikon" />

Fichter vermutet, dass Lochheim aus einer römischen Villa rustica entstanden sei; archäologische Belege für diese These liegen bisher nicht vor. Diese Villa rustica sei im 8. Jahrhundert fränkisches Königsgut gewesen und 815 von Theodrada, einer Tochter Karls des Großen, dem Kloster Hersfeld geschenkt worden. Der 815 in der Schenkungsurkunde erwähnte und 1738 auf einer Landkarte eingetragene Wingert in der Gemarkung sei von der Spätantike bis ins 18. Jahrhundert durchgehend genutzt worden, ebenso sei der Flurzuschnitt der Villa rustica bis zur Flurbereinigung im 20. Jahrhundert erhalten geblieben.<ref name="Fichter" />

Die Erwähnung in superiori Locheim (in Ober-Lochheim) im Jahr 792 setzt die Existenz eines Nieder-Lochheims voraus.<ref name="Ortslexikon" /> Nach Fichter entspricht Ober-Lochheim der Villa rustica, während Nieder-Lochheim kleinere Höfe nördlich davon, an der Modau­mündung (auf dem Gebiet der Gemeinde Stockstadt am Rhein), umfasst habe. Hier verortet Fichter auch die Kirche des Ortes.<ref name="Fichter" />

Historische Namensformen

Historische Namensformen (in Klammern das Jahr der Erwähnung):<ref name="Ortslexikon" />

  • uilla Locheim (770–771/85/88/90)
  • superiori Locheim, in (792)
  • Locheim (793/99)
  • villa Lohheim (815)
  • Locheim (1209)
  • Lochheim, locus, qui dicitur (undatiert, nach 1210)
  • Lochem (2. Hälfte 14. Jahrhundert)
  • Lochen, off dene (1487)
  • Flochum, uf(f) (1555)
  • Oberlochheim
  • Niederlochheim
  • Lochheim.

Die Namensform „Flochheim“ soll durch falsche Trennung aus der Ortsbezeichnung „uff Lochheim“ entstanden sein.<ref>Lochheim. Südhessisches Flurnamenbuch. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).</ref>

Nibelungenhort

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wird Lochheim mit dem im Nibelungenlied erwähnten Ort Lôche gleichgesetzt.<ref>so bspw. bei Ludwig Braunfels: Das Nibelungen-Lied. Literarische Anstalt, Frankfurt am Main 1846, S. 266–267, Vers 1174.</ref> Hier soll Hagen von Tronje den Nibelungenhort im Rhein versenkt haben: „er schvtten da ce Lôche allen in den Rin“<ref>Nibelungenlied, Handschrift B, Strophe 1134; Transkription nach Hermann Reichert</ref> (er schüttete [ihn] da zu Lôche gänzlich in den Rhein). Diese Gleichsetzung war bereits im 19. Jahrhundert umstritten. Trotz der Unklarheit über den tatsächlichen Ort haben verschiedene Schatzsucher versucht, den Nibelungenhort im Bereich des Rheinknies zu finden, insbesondere am Schwarzen Ort, der schärfsten Krümmung des Rheins. So behaupten beispielsweise zwei medienwirksam auftretende<ref>u. a. in Terra X: Der Nibelungen-Code. Deckname Siegfried und Der Nibelungen-Code. Kriemhilds Todesspiel (2007).</ref> Schatzsucher seit 2003, sie hätten den genauen Ort lokalisiert, den Schatz aber noch nicht bergen können.<ref>Johannes Dillinger: Rheingold: Schätze und Schatzsucher im heutigen Rheinland-Pfalz von den Nibelungen bis zur Gegenwart. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Bd. 36, 2010, ISSN 0170-2025, S. 53–84, hier S. 79.</ref>

Literatur

  • Georg Wilhelm Justin Wagner: Die Wüstungen im Grossherzogthum Hessen: Provinz Starkenburg. Darmstadt 1862, S. 157–159 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
  • Julia Fichter: Eine erhaltene römische Flur in Südwestdeutschland? Besitz einer Tochter Karls des Großen? – Zur frühen Geschichte Lochheims und seiner Nennung im Nibelungenlied. In: Alemannisches Jahrbuch. Band 2003/04, 2006, ISSN 0516-5644, S. 63–106.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Baur"> Ludwig Baur: Hessische Urkunden. Band 1. Darmstadt 1860, S. 9–10. </ref> <ref name="Fichter"> Julia Fichter: Eine erhaltene römische Flur in Südwestdeutschland? Besitz einer Tochter Karls des Großen? – Zur frühen Geschichte Lochheims und seiner Nennung im Nibelungenlied. In: Alemannisches Jahrbuch. Band 2003/04, 2006, ISSN 0516-5644, S. 63–106. </ref> <ref name="Minst2"> Karl Josef Minst [Übersetzer]: Schenkungsurkunden Nr. 167–818, Oberrheingau und Ladengau. In: ders. (Hrsg.): Lorscher Codex: deutsch. Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch. Band 2. Laurissa, Lorsch 1968, S. 20–24. </ref> <ref name="Minst5"> Karl Josef Minst [Übersetzer]: Schenkungsurkunden Nr. 2911–3836, Oberrheingau und Ladengau. In: ders. (Hrsg.): Lorscher Codex: deutsch. Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch. Band 5. Laurissa, Lorsch 1971, S. 251–252. </ref> <ref name="Ortslexikon"> Lochheim, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juni 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="Rossel"> Karl Rossel: Urkundenbuch der Abtei Eberbach im Rheingau. Band 1. Wiesbaden 1862, S. 145 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Wagner"> Georg Wilhelm Justin Wagner: Die Wüstungen im Grossherzogthum Hessen: Provinz Starkenburg. Darmstadt 1862, S. 157–159. </ref> </references>