Die Liste der britischen Premierminister enthält alle Personen, die seit 1721 dieses Amt bekleideten.
Der Titel eines Premierministers entwickelte sich allmählich aus der Machtfülle, die mit anderen Ämtern in der Regierung des Königreichs Großbritannien einherging. Belegt ist die Benennung erst seit 1805.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Der erste offiziell so benannte Amtsträger war Henry Campbell-Bannerman (1905–1908).<ref>John Marriott: English Political Institutions. An Introductory Study. Zweite Auflage, Clarendon Press, Oxford 1923, S. 83.</ref> Im 18. und 19. Jahrhundert war das inoffizielle Amt des Regierungschefs daher mit verschiedenen offiziellen Amtsbezeichnungen verknüpft. Wenn traditionell der Lord High Treasurer (Lordschatzmeister) und seit 1714 First Lord of the Treasury (Erster Lord des Schatzamtes) als Regierungschef fungierte, so konnte es später auch der Chancellor of the Exchequer (Schatzkanzler), der Lord Keeper of the Privy Seal oder Lord Privy Seal (Lordsiegelbewahrer) oder ein anderer Amtsinhaber sein, der als wichtigster Minister (Secretary of State) in der Regierung agierte.
So hatten Lord Carteret als Minister für den Norden von 1742 bis 1744 (Northern Department, zuständig für Nordengland, Schottland und die protestantischen Staaten in Nordeuropa) und William Pitt der Ältere als Minister für den Süden zwischen 1756 und 1761 (Southern Department, zuständig für Südengland, Wales, Irland, die amerikanischen Kolonien und die katholischen und muslimischen Staaten in Europa) viel von der Macht eines Premierministers, obwohl andere Erster Lordschatzmeister waren. Als Pitt im Jahr 1766 vom König gebeten wurde, eine Regierung zusammenzustellen, bevorzugte er das geringere Amt des Lordsiegelbewahrers, das eine Mitgliedschaft im House of Lords voraussetzte. Dennoch wird er, da er vom König mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, allgemein als Premierminister betrachtet. Noch Ende des 19. Jahrhunderts führten William Ewart Gladstone und Lord Salisbury die Regierungsgeschäfte als Lordsiegelbewahrer. Erster Lordschatzmeister in diesen Amtsperioden war jeweils Arthur Balfour.
Die Liste der Premierminister (seit 1721)
Als Charles Spencer, 3. Earl of Sunderland, 1718 Erster Lordschatzmeister (First Lord of the Treasury) und gleichzeitig Lord President of the Council wurde, war er de facto Premierminister, auch wenn diese Bezeichnung erst für seinen Nachfolger Sir Robert Walpole zum ersten Mal verwendet wurde. Im April 1721 legte der Earl of Sunderland dann alle Ämter nieder. Hier beginnt diese Auflistung.
Die Nummerierung dient nur zur Orientierung in dieser Tabelle. Verschiedene Premierminister hatten mehrere Regierungszeiten, beispielsweise Winston Churchill oder Harold Wilson. Mit Nr. AZ werden die einzelnen Amtszeiten chronologisch durchgezählt. Mit Nr. PM die einzelnen Premierminister, bei einem Premierminister mit mehreren Amtszeiten folgen dessen persönliche Amtszeiten in Klammern.
Premierminister des Königreichs Großbritannien (1721–1801)
Auch nach dem Tode Victorias 1901 gingen die Amtszeiten des Prime Ministers jeweils über den Thronwechsel hinaus:
Im Juli 1902 wurde Arthur Balfour von König Eduard VII. zum Premierminister berufen. Er wurde so der Nachfolger seines Onkels, Robert Gascoyne-Cecil, 3. Marquess of Salisbury, den noch Königin Victoria berufen hatte. Salisbury war auch der letzte Premierminister, der zugleich Mitglied des Oberhauses war.<ref>Abgesehen von der besonderen Situation 1963 bei Alec Douglas-Home.</ref>
Herbert Henry Asquith, von König Eduard VII. berufen, diente bis Dezember 1916, davon über sechs Jahre unter König Georg V.
Stanley Baldwin, von König Georg V. im Juni 1935 berufen, blieb während der kurzen Episode mit König Eduard VIII. 1936 im Amt und diente auch unter Georg VI. bis Mai 1937.
Sir Anthony Eden ist schließlich der erste Premierminister in einer langen Reihe, der von Königin Elisabeth II. berufen wurde, im April 1955. Doch da war Elisabeth schon seit über drei Jahren britische Monarchin; seit Oktober 1951 füllte Sir Winston Churchill seine letzte Amtszeit aus, berufen von Elisabeths Vater.
Liz Truss wurde zwei Tage vor deren Tod von Königin Elisabeth II. zur Premierministerin ernannt und diente bis zum 25. Oktober 2022 auch unter König Charles III.
Dick Leonard: A History of British Prime Ministers (Omnibus Edition). Walpole to Cameron. Palgrave MacMillan, Basingstoke 2014. (Kurzbiographien mit weiterer Literatur)