Adjunktion (Kategorientheorie)
Adjunktion ist ein Begriff aus dem mathematischen Teilgebiet der Kategorientheorie. Zwei Funktoren <math>F:\mathcal{C}\rightarrow \mathcal{D}</math> und <math>G:\mathcal{D}\rightarrow \mathcal{C}</math> zwischen Kategorien <math>\mathcal{C}</math> und <math>\mathcal{D}</math> heißen adjungiert, wenn sie eine gewisse Beziehung zwischen Morphismenmengen vermitteln. Dieser Begriff wurde von D. M. Kan eingeführt.<ref>D. M. Kan: Adjoint Functors. In: Transaction American Mathematical Society, 1958, Band 87, S. 294–329</ref>
Definition
Zwei Funktoren <math>F\colon\mathcal{C}\rightarrow \mathcal{D}</math> und <math>G \colon \mathcal{D}\rightarrow \mathcal{C}</math> zwischen Kategorien <math>\mathcal{C}</math> und <math>\mathcal{D}</math> bilden ein adjungiertes Funktorpaar, wenn die Funktoren
- <math>(X,Y)\mapsto\operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(X,FY)</math>
und
- <math>(X,Y)\mapsto\operatorname{Mor}_{\mathcal{C}}(GX,Y)</math>
von <math>{\mathcal{D}}^{\operatorname{op}}\times {\mathcal{C}}</math> in die Kategorie der Mengen Set natürlich äquivalent sind. (Zusammen mit den beiden Kategorien und den beiden Funktoren bildet die natürliche Äquivalenz eine Adjunktion.)
<math>F</math> heißt rechtsadjungiert zu <math>G</math>, <math>G</math> heißt linksadjungiert zu <math>F</math>.<ref>P. J. Hilton, U. Stammbach: A Course in Homological Algebra. Springer-Verlag, 1970, ISBN 0-387-90032-2, Kapitel II, Absatz 7: Adjoint Functors</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Man schreibt dies kurz als <math>G \dashv F</math> oder <math>F \vdash G</math>, das Turnstile-Symbol zeigt auf den linksadjungierten Funktor. In Diagrammen wird dieses Symbol ebenfalls zur Kennzeichnung einer Adjunktionsbeziehung verwendet.
Einheit und Koeinheit der Adjunktion
Ist <math>t</math> die natürliche Äquivalenz <math>\operatorname{Mor}_{\mathcal{D}}(\cdot_1,F(\cdot_2))\to \operatorname{Mor}_{\mathcal{C}}(G(\cdot_1),\cdot_2)</math>, so heißen die natürlichen Transformationen
- <math>\eta \colon \operatorname{id}_{\mathcal D}\to FG</math>
- <math>X\mapsto t_{(X,GX)}^{-1}(\operatorname{id}_{GX})</math>
und
- <math>\varepsilon \colon GF\to\operatorname{id}_{\mathcal C}</math>
- <math>Y\mapsto t_{(FY,Y)}(\operatorname{id}_{FY})</math>
Einheit bzw. Koeinheit der Adjunktion.
Einheit und Koeinheit haben die Eigenschaft, dass die beiden induzierten Transformationen
- <math>G\rightarrow GFG \rightarrow G</math> und <math>F\rightarrow FGF \rightarrow F</math>
jeweils die Identität ergeben. Genauer sollen folgende Diagramme kommutativ sein:
Dabei sind <math>1_G</math> und <math>1_F</math> die identischen Transformationen und die natürlichen Transformationen <math>G\eta, \varepsilon G, \eta F, F \varepsilon</math> sind definiert durch <math>(G\eta)_X := G(\eta_X), (\varepsilon G)_X := \varepsilon_{G(X)}, (\eta F)_Y := \eta_{F(Y)}, (F \varepsilon)_Y := F(\varepsilon_Y)</math> für Objekte <math>X</math> aus <math>\mathcal D</math> und <math>Y</math> aus <math>\mathcal C</math>. Wegen der Form dieser kommutativen Diagramme nennt man die Beziehungen <math>1_G = \varepsilon G\circ G\eta</math> und <math>1_F = F \varepsilon\circ \eta F</math> auch die Dreiecksgleichungen.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Umgekehrt kann man zeigen, dass zwei derartige natürliche Transformationen, die diese Dreiecksgleichungen erfüllen, eine Adjunktion bestimmen, deren Einheit und Koeinheit sie sind.
Eigenschaften
- Sind <math>F</math> und <math>G</math> quasi-invers zueinander, so ist <math>F</math> rechts- und linksadjungiert zu <math>G</math>.
- Rechtsadjungierte Funktoren erhalten Limites (sind also linksexakt), linksadjungierte Funktoren erhalten Kolimites (sie sind rechtsexakt).
- Ist <math>F</math> rechtsadjungiert zu <math>G</math>, <math>\eta\colon \mathrm{id}_{\mathcal D}\to FG</math> die Einheit, und <math>\varepsilon\colon GF\to\mathrm{id}_{\mathcal C}</math> die Koeinheit der Adjunktion, so ist <math>(FG, \eta, \mu)</math> mit <math>\mu_X := F(\varepsilon_{GX})</math> eine Monade in <math>\mathcal D</math>.
Beispiele
- Der Funktor <math>F\colon \mathbf{Set} \to \mathbf{Vec}_K</math>, der eine Menge <math>I</math> auf <math>F(I)</math>, den freien <math>K</math>-Vektorraum über <math>I</math>, dessen Elemente formale <math>K</math>-Linearkombinationen sind, abbildet, ist linksadjungiert zum Vergissfunktor <math>U\colon \mathbf{Vec}_K \to \mathbf{Set}</math>, der Vektorräumen ihre zugrundeliegende Menge zuordnet. Die <math>I</math>-Komponente der Einheit dieser Adjunktion, <math>\eta_I\colon I \to U(F(I))</math>, ist gerade die Familie der kanonischen Basisvektoren von <math>F(I)</math>. Die <math>V</math>-Komponente der Koeinheit, <math>\varepsilon_V\colon F(U(V)) \to V</math>, ist die lineare Abbildung, die formale <math>K</math>-Linearkombinationen von Elementen von <math>V</math> mit den konkreten Operationen von <math>V</math> auswertet.
- Der Funktor „freie abelsche Gruppe über einer Menge“ ist linksadjungiert zum Vergissfunktor Ab → Set.
- Der Funktor „statte eine Menge mit der diskreten Topologie aus“ ist linksadjungiert zum Vergissfunktor Top → Set.
- Der Funktor „statte eine Menge mit der trivialen Topologie aus“ ist rechtsadjungiert zum Vergissfunktor Top → Set.
- Der Funktor „disjunkte Vereinigung mit einem einpunktigen Raum“ ist linksadjungiert zum Vergissfunktor Top* → Top.
- Der Funktor „Stone-Čech-Kompaktifizierung“ ist linksadjungiert zum Vergissfunktor von der Kategorie der kompakten Hausdorffräume in die Kategorie aller topologischer Räume.
- Der Funktor „Vervollständigung“ ist linksadjungiert zum Vergissfunktor von der Kategorie der vollständigen metrischen Räume in die Kategorie aller metrischen Räume.
- Die reduzierte Einhängung ist linksadjungiert zum Schleifenraum; beide Kategorien sind dabei die punktierten topologischen Räume mit den Homotopieklassen von punktierten Abbildungen als Morphismen.
- In einer kartesisch abgeschlossenen Kategorie <math>\mathcal C</math> ist für jedes Objekt <math>S</math> der Funktor <math>(-)\times S \colon \mathcal C \to \mathcal C</math> linksadjungiert zum Funktor <math>(-)^S\colon \mathcal C \to \mathcal C</math>. Die sich durch diese Funktoren ergebende Monade, bei der die Objektabbildung <math>A\mapsto (A\times S)^S</math> ist, ist gerade die Zustandsmonade mit Zustandsobjekt <math>S</math>.
- Fasst man Funktionen als spezielle Relationen auf, so ergibt sich ein Vergissfunktor <math>G \colon \mathbf{Set} \to \mathbf{Rel}</math>, mit <math>G(X) = X</math> für Mengen <math>X</math> und <math>G(f) = \{(x,f(x)) \mid x \in X\} \subseteq X\times Y</math> für Funktionen <math>f \colon X \to Y</math>. Der zu <math>G</math> rechtsadjungierte Funktor <math>F \colon \mathbf{Rel} \to \mathbf{Set}</math> ordnet Mengen ihre Potenzmenge und Relationen <math>r\subseteq X\times Y</math> die Funktion <math>M \mapsto \{y \mid (x,y)\in r, x\in M\}</math> zu. Die <math>X</math>-Komponente der Einheit der Adjunktion, <math>\eta_X \colon X \to \mathcal{P} X</math>, ist <math>x\mapsto\{x\}</math>. Die <math>Y</math>-Komponente der Koeinheit der Adjunktion, <math>\varepsilon_Y \subseteq \mathcal{P} Y \times Y</math>, ist gerade die auf <math>\mathcal{P} Y</math> beschränkte Elementrelation.
Literatur
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Einzelnachweise
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