Lindener Aktien-Brauerei
Die Lindener Aktien-Brauerei (LAB) war eine Brauerei im heute zu Hannover gehörenden Linden. Die Brauerei mit ihrem Standort an der Blumenauer Straße fusionierte 1968 mit der Städtischen Lagerbierbrauerei Hannover zur späteren Gilde Brauerei. Hauptprodukt war das noch heute von der Gilde Brauerei produzierte Exportbier Lindener Spezial.<ref name="SLH">Waldemar R. Röhrbein: Lindener Aktien-Brauerei (LAB), in: Stadtlexikon Hannover, S. 408f.</ref>
Geschichte
Ab 1852: Brande & Meyer
In der Frühzeit der Industrialisierung im Königreich Hannover gründete der Arzt August Brande gemeinsam mit seinem Schwager, dem Kaufmann Eduard Meyer im Jahr 1852 in Linden vor Hannover eine so beworbene „großartige Brauerei von Bayerisch Bier“, in der zunächst untergäriges Lagerbier nach Bayerischer Art gebraut wurde.<ref name="HBL">Waldemar R. Röhrbein: Brande, August, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 67; Digitalisat über Google-Bücher</ref>
Da die Produktion von untergärigem Bier bei etwa 8 Grad niedrigeren Temperaturen erfolgen musste als bei obergärigem Bier, musste Brande & Meyer zunächst die Kühlung sicherstellen. Da es noch keine Kühlanlage gab, ließ das Unternehmen drei bis heute erhaltene Felsenkeller am Lindener Berg anlegen, in die im Winter von den gefrorenen Maschwiesen ausgesägte und herbeitransportierte Eisblöcke eingelagert wurden.<ref name="Bachmanns neue" /> Erst 1857 wurde eine erste Eismaschine aufgestellt<ref name="HBL" /> – nach anderer Quelle 1867 auf der Pariser Weltausstellung eine Eis-Kühlmaschine gekauft. Doch erst mit der 1871 von Carl Linde erfundenen Kältemaschine konnte schließlich zu jeder Jahreszeit auch untergäriges Bier gebraut werden.<ref name="Bachmanns neue">Thorsten Bachmann: Linden. Neue Streifzüge durch die Geschichte, Erfurt: Sutton, 2015, ISBN 978-3-95400-608-3 und ISBN 3-95400-608-1, S. 49;
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Unterdessen hatte 1859 die Personengesellschaft der beiden Brau-Unternehmer anlässlich der Gewerbeausstellung 1859 des Gewerbevereins für das Königreich Hannover eine Auszeichnung für ihre Produktion erhalten.<ref name="HBL" />
Brande & Meyer hatte öfter mit der hannoverschen Brauergilde prozessiert, da diese ein Monopol für Abgaben auf in die Stadt eingeführte Biere hatte.
Mit der Annexion des Königreichs Hannover nach der Schlacht bei Langensalza durch Preußen im Jahr 1866 war auch die zwei Jahre später eingeführte Gewerbefreiheit verbunden, mit der die Privilegien der Zünfte und damit auch die der hannoverschen Brauergilde abgeschafft wurden. Nun konnte die LAB ihr Bier beispielsweise auch in die benachbarte Stadt Hannover liefern.<ref name="Bachmanns neue"/>
Ab 1871: Lindener Actien-Brauerei
Von den seinerzeit fünf größeren Brauereien in Hannover und Linden hatte sich die Brauerei Brande & Meyer zur zweitgrößten entwickelt, als sie im Jahr der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 in eine Aktiengesellschaft<ref name="HBL" /> unter der Bezeichnung Lindener Actien-Brauerei, vorm. Brande & Meyer umfirmiert wurde. Zuvor hatte Eduard Meyer seine Firmenanteile abgegeben, zugleich wurde die bisherige Firma liquidiert,<ref name="SLH" /> doch behielt Meyer bis zu seinem Lebensende 1899 als Direktor der neuen Firma die Führung in der kontinuierlich weiter wachsenden Brauerei.<ref name="Brauerjournal">Direktor Eduard Meyer †, in Eugen Prior (Hrsg.): Bayerisches Brauer-Journal, IX. Jahrgang, Nummer 38 vom 23. September 1899, S. 457; Digitalisat über die Bayerische Staatsbibliothek</ref> Zunächst jedoch war Eduard Meyer gemeinsam mit dem „Oekonomen Carl Meyer“ zum Vorstandsmitglied der am 24. Juni 1871 in das Handelsregister beim Amtsgericht Hannover „auf Folio 1484“ eingetragenen neuen Firma bestimmt worden.<ref>Albert Lefèvre: Fritz Hurtzig 1825 - 1897. Ein Beitrag zur Entwicklung der hannoverschen Industrie und der wirtschaftlichen Selbstverwaltung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge Band 28 (1974), S. 121–274; hier: S. 232; {{#if: XV0gAAAAMAAJ
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Die Brauerei produzierte im Jahr 1891 mit 80 Mitarbeitern 130.000 Hektoliter. Über den Güterbahnhof Küchengarten bestand ein Gleisanschluss.
1909 übernahm das Lindener Unternehmer die Mehrheit der in Peine produzierenden Brauerei H. Langkopf & Malzfabrik GmbH, die anschließend als Mälzerei weiterbetrieben wurde.<ref name="SLH" />
Mitten im Ersten Weltkrieg im Jahr 1917 bildete die Lindener Actien-Brauerei gemeinsam mit den ebenfalls in Hannover ansässigen Brauereien Vereinsbrauerei Herrenhausen und Städtische Lagerbier-Brauerei ein Konsortium, durch das den Anteilseignern der Germania-Brauerei ein – erfolgreiches – Übernahmeangebot unterbreitet wurde.<ref>Heuweg-Werke, Hannover. Hannoversche Eishaus- und Waren-Einkaufsgesellschaft m.b.H. In: Paul Siedentopf (Haupt-Schriftleitung), Karl Friedrich Leonhardt (Zusammenstellung des Bildmaterials): Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahr 1927, Jubiläums-Verlag Walter Gerlach, Leipzig 1927, S. 91</ref> Daraufhin wurden noch im selben Jahr zwei hannoversche Brauereien stillgelegt.<ref name="SLH" />
1926: Übernahme durch die Gilde-Brauerei
1926 stockte die Brauergilde Hannover ihren Aktienanteil an der Lindener Aktien-Brauerei von 30 % auf eine Mehrheitsanteil von 76,85 % auf.<ref name="SLH" />
Im Zweiten Weltkrieg wurden während einer der Luftangriffe auf Hannover im Jahr 1943 der größte Teil der Betriebsgebäude der LAB zerstört.<ref name="SLH" />
In der Nachkriegszeit musste zunächst die Brauerei-Einrichtungen in Linden wiederaufgebaut werden. Doch bereits in den 1950er Jahren konnte der Vertrieb der verschiedenen Biere wie etwa das Lindener Spezial von zahlreichen Niederlagen aus erfolgen.<ref name="SLH" />
1968 brachte die Muttergesellschaft ihren eigenen Brauereibetrieb als Sacheinlage in die Lindener Aktienbrauerei ein; nach der Fusion firmierte diese dann als Lindener Gilde-Bräu AG und wurde zur mit Abstand größten Brauerei in Niedersachsen. 1988 wurde der Name auf Gilde-Brauerei AG geändert. Eine umfassende Modernisierung der Braustätte an der Blumenauer Straße war dann aber mit einer gleichzeitigen Reduzierung der Lindener Arbeitsplätze verbunden.<ref name="SLH" />
1997: Ende des Brauens in Linden
Wegen des seinerzeit rückläufigen Bierkonsums und einer fortschreitenden Konzentration in Braugewerbe und Getränkehandel wurde schließlich 1997 der Braubetrieb in Linden-Mitte eingestellt, und die Gilde-Brauerei AG verlagerte die Produktion des Lindener Spezial auf ihr Stammhaus an der Hildesheimer Straße.<ref name="SLH" />
Nach dem Verkauf von Sudkessel und anderen Einrichtungsteilen der Brauerei wurden im August 2000 die Gebäude auf dem Gelände der Lindener Aktien-Brauerei abgerissen. Seit 2004 stehen jetzt Reihenhäuser auf dem dreiecksförmigen ehemaligen Firmengelände - jetzt Gilde-Carré genannt.
Ab 2002
Die im 16. Jahrhundert gegründete Gilde-Brauerei am Altenbekener Damm in Hannovers Südstadt wurde im Jahr 2002 ihrerseits von der belgischen Firma Interbrew – inzwischen umbenannt in AB-Inbev NV und nunmehr weltgrößter Brauereikonzern – aufgekauft. Inbev gab der Produktion und Bewerbung überregionaler Biermarken auch in Hannover den Vorrang und vernachlässigte in der Vermarktung die hannoverschen Traditionsmarken. Im Februar 2008 wurde der Verkauf von Lindener Spezial als Fassbier eingestellt. Zum 1. Januar 2016 wurde die Gilde-Brauerei an die TCB Beteiligungsgesellschaft verkauft.
Literatur
- Gerhard Nienaber: Die Brau- und Bannrechte der Brauergilde Hannover im 19. Jahrhundert Brauergilde Hannover AG 1993
- Walter Buschmann: Linden. Geschichte einer Industriestadt im 19.Jahrhundert August Lax Verlag Hildesheim 1981
- Gerhard Nienaber: Brauergilde Hannover 1322-1450-1609-1841, 150 Jahre auf privatrechtlicher Grundlage 1841 - 1991
- A. Fahl: Vom Broyhan zum Pils. In: Von Tabakpflanzern und Trunkenbolden. Zur Geschichte von Bier, Branntwein und Tabak in Norddeutschland, Begleitheft zur Ausstellung, Ausstellungsverbund: Sielhafenmuseum Carolinensiel und Kreismuseum Syke, hrsg. vom Kreismuseum Syke, mit Beiträgen von Geerd Dahms u. a., Syke: Kreismuseum, 2000
- Waldemar R. Röhrbein: Lindener Aktien-Brauerei. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 408 f.
Weblinks
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Einzelnachweise
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