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Lincé

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Vorlage:Infobox Ort in Belgien Das Dorf Lincé ist ein Ortsteil der Gemeinde Sprimont in der Provinz Lüttich in Belgien.

Geschichte

Während der Annexion der südlichen Niederlande von der Französischen Republik im Jahre 1795 war der Ort Bestandteil des Départements Ourthe.

Erster Weltkrieg

Datei:Schlieffen Plan fr.svg
Der Schlieffen-Plan

Lincé erlangte traurige Berühmtheit während des Ersten Weltkriegs durch ein Massaker des Deutschen Heeres. Der Generalmajor Karl-Ulrich von Bülow, Bruder des vormaligen (bis 1909) Reichskanzlers Bernhard von Bülow, marschierte am 5. August 1914 mit der 9. Kavallerie-Division im Zuge des Schlieffenplans, nördlich Luxemburgs in Belgien ein. Die Truppen quartierten sich über Nacht in dem Dorf mit damals 800 Einwohnern ein, zur Mitternachtsstunde wurden jedoch Schüsse gemeldet. Von Bülow vermutete einen Angriff durch belgische Scharfschützen und reagierte mit aller Härte. Er ordnete an, zurückzuschießen und Lincé niederzubrennen. Im Verlauf der nächtlichen Wirren wurden elf Einwohner aus Lincé getötet. Als sich das Gefecht gelegt hatte, organisierte er ein Kriegsgericht, welches 23 Männer im Alter von 16 bis 73 Jahren aus Lincé zum Tod durch Erschießung verurteilte. Das Urteil wurde am frühen Morgen des 6. August 1914 durch Genickschuss vollstreckt. In der Nacht waren bereits 11 weitere Zivilisten, darunter 3 Jugendliche und ein zehnjähriges Mädchen umgekommen. Am nächsten Tag wurde deutlich, dass die Attacke ungerechtfertigt war, denn sämtliche belgischen und französischen Militäreinheiten befanden sich außer Reichweite. Auch fanden die deutschen Soldaten keine Waffen bei den Hingerichteten. Vermutlich aus Verzweiflung über sein Versagen als Befehlshaber verübte Karl Ulrich von Bülow in der Nähe des Schlosses von Lincé am 7. August 1914 Suizid. Sein Tod wurde in der Propaganda zuerst als „erster gefallener General“ dargestellt. Einige Wochen später stellte sich jedoch die Wahrheit heraus. Bernhard von Bülow versuchte in der Folge den Tod doch noch als Ergebnis feindlicher Handlungen darzustellen, was aber nicht gelang.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Denkmäler

In Lincé erinnern mehrere Denkmäler an die deutschen Kriegsverbrechen. Zum einem steht am Rand der Rue d'Ogné das sogenannte „Monument Hazotte“.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Außerdem existierte im Ort selbst ein Denkmal mit einer Plastik George Petits, das 1920 installiert und in der deutschen Besatzungszeit 1943 entfernt wurde.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Heute steht an gleicher Stelle ein Denkmal des belgischen Bildhauers Marceau Gillard (1904–1977), errichtet 1962. Dieses zeigt wiederum, wie das Original, eine kniende Frau, die ein Kind im Arm trägt und die geballte Faust erhoben hat.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Literatur

  • Peter Winzen: Exzess um Mitternacht. In: Spiegel Online. 27. Februar 2011.
  • Peter Winzen, Generalmajor Karl Ulrich von Bülow. Über den rätselhaften Tod des Kanzlerbruders zu Beginn des Ersten Weltkriegs. In: Zeitschrift fuer Geschichtswissenschaft (ZfG). Bd. 74 (2026), Heft 3, S. 201–217.

Einzelnachweise

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