Ligamentum meniscofemorale
Das Ligamentum meniscofemorale (Meniskus-Oberschenkelknochen-Band) ist eine Bandstruktur, die vom Hinterhorn des Außenmeniskus zum innenseitigen Femurkondylus verläuft. Zwar werden auch Bänder vom Vorderhorn des Meniskus und solche vom medialen Meniskus beschrieben, ihre Häufigkeit scheint jedoch deutlich geringer zu sein.<ref name="Wan" />
Mensch
Die häufigsten meniskofemoralen Bänder (Ligamenta meniscofemoralia) beim Menschen sind
- das Ligamentum meniscofemorale posterius (auch Ligamentum Wrisberg) hinter dem hinteren Kreuzband und
- das Ligamentum meniscofemorale anterius (auch Ligamentum Humphry) vor dem hinteren Kreuzband verlaufend.<ref name="Niess2000" /><ref name="Gupte2002" /><ref name="Amis2006" />
Das Ligamentum Wrisberg ist mit einer Häufigkeit um 70 % häufiger vorhanden als das Ligamentum Humphry mit einer Häufigkeit von ca. 50 %.<ref name="Niess2000" /><ref name="Gupte2002" /><ref name="Gupte" /> Die Bänder sind bei jüngeren Menschen häufiger nachweisbar als bei älteren, was auf die Möglichkeit einer Degeneration hinweist.<ref name="Gupte2002" />
Bei gleichem Ursprung am medialen Femurkondylus werden nach ihrem Ansatz drei Typen des Ligamentum Wrisberg unterschieden:<ref name="Niess2000" />
- Typ 1: Klassischer Ansatz am Außenmeniskushinterhorn
- Typ 2: Fächerartiger Ansatz vom Meniskus bis weiter nach medial am Schienbein
- Typ 3: Kein Ansatz am Meniskus, sondern nur am Schienbein (wird von anderen Autoren als Anteil des hinteren Kreuzbandes gesehen<ref name="Gupte2002" />)
Geschichtliches
Die Erstbeschreibung der meniskofemoralen Bänder wird Josias Weitbrecht 1742 zugeschrieben.<ref name="Niess2000" /> Eine ausführliche Beschreibung des Ligamentum Wrisberg findet sich bei Robert 1855.<ref name="Robert1855" /> Auch wenn Heinrich August Wrisberg inzwischen als Namensgeber für das Ligamentum meniscofemorale posterius akzeptiert ist, ist von ihm wohl niemals ausführlich darüber berichtet worden.<ref name="Kaplan" /> Der Ausdruck „drittes Kreuzband“ wurde immer wieder für die beiden meniskofemoralen Bänder verwendet, hat sich jedoch nicht im Alltag durchgesetzt.<ref name="Niess2000" /><ref name="Robert1855" />
Funktion und klinische Bedeutung
Die biomechanische Funktion der meniskofemoralen Bänder wird heute in erster Linie darin gesehen, die Verschiebung des Schienbeins nach dorsal zu begrenzen.<ref name="Amis2003" /><ref name="Porcine" /> Dabei spannt sich das Ligamentum Humphry bei Beugung, das Ligamtentum Wrisberg bei Streckung des Kniegelenks. Sie wirken somit synergistisch mit dem hinteren Kreuzband und erlangen bei einer Verletzung desselben eine besondere Bedeutung für die Stabilität des Kniegelenks.
In der MRT muss der Verlauf der Ligamenta meniscofemoralia berücksichtigt werden, um eine Verwechslung mit einem verlagerten Anteil des Außenmeniskus bei einem Riss desselben zu vermeiden.<ref name="Vahey1990" />
Einzelnachweise
<references> <ref name="Niess2000">C. Niess, U. Stumpf, J. Petermann: Anatomie, Häufigkeit und Verteilung der meniskofemoralen Ligamente. In: Arthroskopie. 2000. im Springer-Verlag</ref> <ref name="Gupte2002">C. Gupte u. a.: Meniscofemoral ligaments revisited ANATOMICAL STUDY, AGE CORRELATION AND CLINICAL IMPLICATIONS. In: The Journal of Bone & Joint Surgery (Br). 2002.</ref> <ref name="Robert1855">F. Robert: Untersuchungen über die Anatomie und Mechanik des Kniegelenkes. 1855. bei Google</ref> <ref name="Amis2006">A. Amis, C. Gupte, A. Bull, A. Edwards: Anatomy of the posterior cruciate ligament and the meniscofemoral ligaments. In: Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy. 2006, PMID 16228178.</ref> <ref name="Gupte">C. Gupte, A. Bull, R. Thomas, A. Amis: A review of the function and biomechanics of the meniscofemoral ligaments. In: Arthroscopy. Elsevier, 2003, PMID 12579149.</ref> <ref name="Amis2003">A. Amis u. a.: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Biomechanics of the PCL and related structures: posterolateral, posteromedial and meniscofemoral ligaments. ( des Vorlage:IconExternal vom 28. Juli 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF-Datei; 332 kB) In: Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy. 2003, PMID 12961064.</ref> <ref name="Porcine">P. Lertwanich u. a.: Contribution of the meniscofemoral ligament as a restraint to the posterior tibial translation in a porcine knee. In: Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy. 2010, PMID 20407757.</ref> <ref name="Vahey1990">T. Vahey u. a.: MR Imaging of the Knee: Pseudotear of the Lateral Meniscus Caused by the Meniscofemoral Ligament. In: American Journal of Roentgenology. 1990, PMID 2110735.</ref> <ref name="Wan">A. Wan u. a.: The menisco-femoral ligaments. In: Clinical Anatomy. 1995, PMID 8535963.</ref> <ref name="Kaplan">E. Kaplan: The lateral meniscofemoral ligament of the knee joint. In: Bulletin of the Hospital for Joint Diseases. 1956, PMID 13413392.</ref> </references>