Lex Cornelia testamentaria nummaria
Die Lex Cornelia testamentaria nummaria, später auch Lex Cornelia de falsis genannt, war ein römisches Gesetz aus dem Jahr 81 v. Chr., das Testamentsfälschungen, Falschaussagen, Münzverbrechen und andere Prozessdelikte regelte. Erlassen wurde es während der Republik unter Sulla. und diente der Herstellung von Rechtssicherheit und Ordnung. Es ist Teil des Gesetzespakets der leges Corneliae.
Münzverbrechen
Der Eingriff in Silbermünzen, etwa durch Beimischung minderwertiger Metalle, wurde unter empfindlicher Strafandrohung verboten. Da Zuwiderhandlungen Kapitalverbrechen darstellten, sah der Sanktionskatalog für freie Bürger die Verbannung, für Unfreie den Tod an.<ref>Ulpian, Digesten 48, 10, 9.</ref> Während der Kaiserzeit wurde das Gesetz verschärft. Nunmehr wurde das Nachahmen oder Verfälschen von Goldmünzen, um diese anschließend in den Wirtschaftskreislauf einzuführen, erfasst (Falschgeldherstellung).<ref>Sententiae Receptae 5, 25, 1 ff.</ref> Das Gesetz verbot damit die Einschmelzung oder Manipulation – beispielsweise durch Abknappung – der Münzen.<ref>Karl Strobel: Geldwesen und Währungsgeschichte des Imperium Romanum im Spiegel der Entwicklung des 3. Jahrhunderts n. Chr. – Wirtschaftsgeschichte im Widerstreit von Metallismus und Nominalismus. In: Karl Strobel (Hrsg.): Die Ökonomie des Imperium Romanum: Strukturen, Modelle und Wertungen im Spannungsfeld von Modernismus und Neoprimitivismus, St. Katharinen 2002, ISBN 3-89590-135-0. S. 114 und 116 f.</ref> Da bei der Beurteilung der „Echtheit“ der Münzen auf die forma publica abgestellt worden war, genossen illegal geprägte Münzen bis dahin den Charakter gültigen Geldes, wenngleich der Prägestempel gestohlen und eingesetzt worden war.<ref>Ulpian, Digesten 48, 13, 8.</ref> In der Spätantike galten Eingriffe dieser Art gar als Majestätsbeleidigung.
Testamentsfälschungen
Ursprünglich war die lex Cornelia de falsis auf Testamentsfälschungen beschränkt, unter Strafe standen etwa die Fälschung, Unterdrückung, Entwendung oder Vernichtung von Testamenten; auch war das unbefugte Öffnen strafbewehrt. Senatsbeschlüsse erweiterten den Anwendungsbereich.<ref>Marcian 14 Institutionum libri XVI, in Digesten 48,10,1pr.; Paulus 5 Sententiarum ad filium libri V, in Digesten 22, 5, 16 (= Sententiae Receptae 5, 15, 5.)</ref> Sowohl die aktive, als auch passive Zeugenbeeinflussung , etwa durch Bestechung oder gegenseitige Absprachen, war erfasst. Falschaussagen vor Gericht (falsum testimonium dicere) standen fortan unter Strafe.<ref>Georg Klingenberg: Formularprozess: Verhandlung „apud iudicem“. In: Ulrike Babusiaux, Christian Baldus, Wolfgang Ernst, Franz-Stefan Meissel, Johannes Platschek, Thomas Rüfner (Hrsg.): Handbuch des Römischen Privatrechts. Band 1 §§ 1–58. Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5, S. 413–475, hier S. 442.</ref>
Anmerkungen
<references />
Literatur
- Alexander Nogrady: Römisches Strafrecht nach Ulpian. Buch 7 bis 9 De officio proconsulis (= Freiburger rechtsgeschichtliche Abhandlungen. NF 52). Duncker & Humblot, Berlin 2006, ISBN 3-428-12257-7, S. 214 ff., (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Universität, Dissertation, 2005/2006).
- Henning Ernst Müller: Falsche Zeugenaussage und Beteiligungslehre. Mohr-Siebeck, Tübingen 2000, ISBN 3-16-147347-7, S. 11 f., (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Habilitations-Schrift, 1999).
- Theodor Mommsen: Römisches Strafrecht. Unveränderter fotomechanischer Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1899. Akademische Druck- und Verlags-Anstalt, Graz 1955, S. 672 f.