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Lettgallen (Volk)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Baltische Stämme um 1200.png
Lettgallen unter den Baltischen Stämmen um 1200

Der Begriff Lettgallen als Volksbezeichnung kann sich auf die Bewohner der Region Lettgallen (lettisch: Latgale) im östlichen Lettland im Allgemeinen, auf die ethnisch lettischen Bewohner dieser Region im Besonderen, im engsten Sinn auch nur auf die lettgallisch sprechenden Personen beziehen, oder aber den alten baltischen Volksstamm bezeichnen.<ref name="latvhist1">The Latgalians – a distinct Latvians or a different nation? 12. Juli 2009, abgerufen am 16. August 2015.</ref><ref name="latvhist2">Latgale – a part of Latvia. 25. April 2014, abgerufen am 16. August 2015.</ref><ref name="lidenz">Jade Mitchell-Ross: Latgalians. 17. März 2014, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 16. August 2015.@1@2Vorlage:Toter Link/lidenz.ru (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Im Lettischen bezeichnet latgalieši (lettgallisch: latgalīši) die ethnischen Letten aus Lettgallen, während latgaļi (lettgallisch: latgali) den Stamm bezeichnet. Die Begriffe werden jedoch im umgangssprachlichen Lettisch durcheinandergebracht und einige lettgallische Nationalisten plädieren für die Verwendung des Begriffs latgaļi, um die heute lettgallisch Sprechenden als eigenständiges Volk oder kulturelle Gruppe zu unterscheiden.<ref name="latvhist1" /><ref name="latvhist2" /><ref name="lidenz" />

Die alten Lettgallen

Datei:Latgaļu sievietes tērpa un rotu rekonstrukcija LNVM ekspozīcijā.jpg
Schmuck und rekonstruierte Kleidung einer lettgallischen Adligen aus dem 12. Jahrhundert im Lettischen Nationalmuseum Riga

Die alten Lettgallen lebten in den zentralen und östlichen Teilen Lettlands, in der Region Livland (lettisch: Vidzeme) und Lettgallen (lettisch: Latgale). Politische Teilungen führten dazu, dass sich Livland und Lettgallen von 1562 bis 1917 unterschiedlich entwickelten.<ref name="latvhist1" /><ref name="latvhist2" /><ref name="cakuls">Edgars Cakuls: Lettgallen – der unbekannte Südosten Lettlands. In: Ost – West. Europäische Perspektiven. Jg. 10, Nr. 1. Pustet, 2009, ISSN 1439-2089 (Online).</ref>

Die modernen Lettgallen

Während der ersten Unabhängigkeit Lettlands von 1918 bis 1940 war Lettgallen das einzige Gebiet Lettlands, in dem es starke regionale Parteien gab. Die Idee einer politischen Autonomie Lettgallens war populär, wurde aber nie erreicht. Obwohl lettische Regierungen hauptsächlich eine gemeinsame lettische Kultur förderten, war die lettgallische Sprache als Amts- und Bildungssprache in Gebrauch.<ref name="latvhist1" /><ref name="latvhist2" /><ref name="cakuls" />

In der Zeit der Sowjetunion wurde die lettgallische Kultur und Sprache unterdrückt, negiert und verboten, erst nach der erneuten Unabhängigkeit konnten sich diese wieder neu entfalten und mit ihnen eine lettgallische Identität.<ref name="latvhist1" /><ref name="latvhist2" /><ref name="cakuls" />

Einige Lettgallen betrachten sich als eigenständige ethnische Gruppe, ebenso wie die katholische Minderheit der Suiti in Kurland. Die Mehrheit sieht sich jedoch als den Letten zugehörig. Genaue Zahlen darüber gibt es nicht, da die lettische Regierung die Lettgallen nicht als eigene Gruppe in ihren Volkszählungen aufführt.<ref name="latvhist1" /><ref name="latvhist2" /><ref name="lidenz" />

Weblinks

Commons: Lettgallen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • „Baltic Tribes - die letzten Heiden Europas.“ – preisgekrönte „Abenteuerdoku“ aus Lettland 2018 (Filmbeschreibung). Im Zuge der Handlung bereist ein fiktiver dänischer Kaufmann und Späher – das gab es nach Angaben des mittelalterlichen Liber Census Daniæ wirklich – die Länder aller baltischen Stämme, etwa ab 1200 bis zur Schlacht von Schaulen (1236). Die Angaben über Besiedlung, soziale Sitten, Religion, Handel, Kleidung, Hausbau, Bevölkerungszahl, Städte usw. und die eingefügten animierten Kurzerklärungen stehen auf aktuellem geschichtswissenschaftlichen und archäologischen Forschungsstand und stammen vom Institutsleiter für Archäologie an der Universität Lettlands, Juris Urtāns, dem Balten-Archäologen Tomasz Nowakiewicz (Universität Warschau) und dem lettischen Archäologen und Burg-Kurator Gundars Kalniņš. In min. 41:45 – 48:00 werden einige bekannte Angaben über die alten Lettgallen verfilmt oder erklärt, darunter die Beschreibung Lettgallens als dichteste, bevölkerungsreichste baltische Landschaft mit 50–70.000 Stammesmitgliedern, das schon Fürstentümer gebildet hatte, teilweise Erfolge lateinisch-katholischer und orthodoxer Missionare, bis zur Taufe einzelner Fürsten und die in Quellen überlieferte Episode gemeinsamer Überfälle lettgallischer Heiden auf Festlands-Esten mit christlichen Kreuzrittern des Schwertbrüderordens, die die Beute teilten und sogar Opfer der christlichen Schwertbrüder an heidnische Götter.

Literatur

  • Claus von Carnap-Bornheim, Volker Hilberg, Arnis Radiņš, Franz Schopper (Hrsg.): Lettlands viele Völker. Archäologie der Eisenzeit von Christi Geburt bis zum Jahr 1200. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Wünsdorf 2009, ISBN 978-3-910011-55-7, S. 99–117.

Einzelnachweise

<references />