Zum Inhalt springen

Leszczyński-Palast (Warschau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Leszczyński-Palast
Datei:Aleje Ujazdowskie 23 Warszawa 04.jpg
Staat Polen
Ort Warschau
Entstehungszeit nach 1800
Burgentyp Palast
Erhaltungszustand Rekonstruiert
Geographische Lage 52° 13′ N, 21° 1′ OKoordinaten: 52° 13′ 24″ N, 21° 1′ 25″ O
 {{#coordinates:52,223333333333|21,023611111111|primary
dim=200 globe= name=Leszczyński-Palast region=PL-14 type=building
  }}
[[Datei:Vorlage:Positionskarte Polen Masowien|class=noviewer notpageimage|300x400px|center|Leszczyński-Palast (Vorlage:Positionskarte Polen Masowien)]]
Datei:Wawa44DSC 1065.JPG
Der Palast von den Aleja Ujazdowskie aus; im Vordergrund der Gedenkstein zum Kutschera-Attentat
Datei:Wawa30DSC 1030.JPG
Inschrift auf dem Gedenkstein

Der Leszczyński-Palast (auch Gawroński-Villa genannt; polnisch: Pałacyk Leszczyńskich bzw. Willa Gawrońskich) befindet sich in der Aleje Ujazdowskie Nr. 23 im Warschauer Innenstadtdistrikt. An das Objekt schließt sich unmittelbar das Śleszyński-Palais an. Zur Vorkriegsgeschichte des Palastes ist wenig bekannt. In den 2000er Jahren war er in den Regionalmedien häufig thematisierter Anlass zu einem Rechtsstreit zwischen den Nachkommen des Vorkriegsbesitzers und den Vertretungen der Bundesrepublik Jugoslawien und der Republik Serbien.

Geschichte

Die Baugeschichte des Stadtpalais ist unbekannt. Nach einigen Quellen wurde das Objekt im 19. Jahrhundert in einem neobarocken Stil errichtet. Der Architekt ist ebenfalls unbekannt, eventuell wurde das Objekt 1924 von Marcin Weinfeld umgebaut. Unstrittig ist, dass der Palast für ein Mitglied der Familie Leszczyński errichtet wurde und vor dem Zweiten Weltkrieg in den Besitz der Familie Gawroński gelangte.

Das Kutschera-Attentat

Während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg befand sich im Gebäude der Sitz der SS- und Polizei-Leitung des Distrikts Warschaus. Am 1. Februar 1944 wurde vor dem Palast ein tödliches Attentat auf den Warschauer SS- und Polizeiführer Franz Kutschera verübt<ref>Peter H. Baumgarten (hrsg.): Polen. Baedeker Allianz Reiseführer, Verlag Karl Baedeker, Ostfildern 1993, ISBN 3-87504-542-4, S. 417</ref>. Die „Kutschera-Aktion“ (polnisch: Akcja Kutschera) wurde auf Befehl von August Emil Fieldorf (Pseudonym „Nil“), dem Chef der „Kedyw KG“ von der „Pegaz“, einer Einheit der Kompanie „Agat“ der Szare Szeregi, durchgeführt<ref>Waldemar Kowalski: 67 lat temu przeprowadzono udany zamach na Franza Kutscherę, 1. Februar 2011 bei HistMag.org (polnisch)</ref><ref>Piotr Margas: Bestzungsbehörden in Warschau 1939–1945 auf Czapki na Bakier (polnisch)</ref>. Ein Gedenkstein am Straßenrand erinnert heute an das Attentat.

Nach dem Warschauer Aufstand von 1944 wurde der Palast ausgebrannt. Nach dem Krieg wurde er unter Szymon Syrkus wiedererrichtet. Dabei wurde eine – in dem vormals in einem barocken Stil gehaltenen Mansarddach vorhandene – Etage nicht wiederhergestellt. Auch die barockanmutenden Dekorationen an der Fassade wurden teilweise nicht wieder rekonstruiert. Das Gebäude wurde im Inneren mit dem angrenzenden Śleszyński-Palais verbunden und zunächst den Vereinigten Staaten (1948–1953) und danach der Republik Jugoslawien zur Nutzung als Botschaft übergeben.<ref name="utm"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aleje Ujazdowskie (Memento vom 1. Januar 2012 im Internet Archive) bei UTM-Ulice Towjego Misata (polnisch)</ref>

Restitutions-Streit

Die beiden Gebäude wurden bis Ende der 2000er Jahre von der Botschaft Jugoslawiens und folgend der Botschaft von Serbien genutzt. Bereits ab dem Jahr 2000 forderten die Erben des Vorkriegseigentümers (zunächst die Italienerin Luciana Frassati-Gawrońska, die Ehefrau des bereits verstorbenen Diplomaten Jan Gawroński<ref>Jan Gawroński (1892–1982) war ein polnischer Diplomat. Seine Ehefrau war Luciana Frassati, Tochter des Gründers der Tageszeitung La Stampa</ref> und später deren Sohn, der EU-Abgeordnete Jas Gawronski) das Objekt in den Al. Ujazdowskie 23 zurück<ref>Mariusz Jałoszewski: Ambasada Serbii i Czarnogóry straci swoją siedzibę, 24. März 2004 bei GazetaWyborcza.pl (polnisch)</ref>, das nach dem Krieg auf Basis des „Warschauer Dekrets“ von Bolesław Bierut enteignet worden war. Im Jahr 2002 wurde das Objekt nach polnischem Recht rückübereignet<ref name="utm"/>, den Eigentümern vom Nutzer aber kein Zugang gewährt<ref>Iwona Szpala: Eksmisji nie będzie. Serbia oddaje pałacyk bei Gazeta.pl Warszawa, 13. August 2010 (polnisch)</ref>. Die Nutzer, die den Wiederaufbau des Objektes finanziert hatten, fochten das Urteil an. Im weiteren Verlauf trug neben dem schwierigen juristischen Verhältnis zwischen dem polnischen und dem jugoslawischen Staat auch der Zerfall Jugoslawiens zu weiteren Komplikationen des Verfahrens bei. Erst im Jahr 2008 erfolgte der Räumungsbefehl des bis dahin als Botschaft genutzten Gebäudes. Kurz vor dessen Vollstreckung zogen die Diplomaten aus. Für die ungenehmigte Nutzung ab Rückerstattung forderten die Erben einen Schadensausgleich von 25 Millionen Złoty<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Niezwykłe i precedensowe procesy w 2011 r. (Memento vom 8. Januar 2012 im Internet Archive), 29. Dezember 2011 bei rp.pl (polnisch)</ref>.

Einzelnachweise

<references />

Siehe auch

Weblinks

Commons: Leszczyński-Palast – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien