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Lebende Sprache

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Ausdruck lebende Sprache bezeichnet diejenigen Sprachen, die derzeit von einer Sprachgemeinschaft verwendet werden. Vielfach haben sich Sprachen durch nationale Expansionen (Handel, Kolonisation) oder auch Migration zu modernen Weltsprachen entwickelt.

Verbreitung

Die meistverbreiteten lebenden Sprachen (Sprecher in Millionen) sind:

Muttersprache Quelle
English Company
(2006)<ref name="tcstar">Sprachtechnologien für Europa. Accipo Consulting, April 2006, S. 12.</ref>
ethnologue
(2006)<ref name="tcstar" />
Chinesisch 1.113 917 (2020)<ref name="ethnologue">What is the most spoken language? Ethnologue.com. Abgerufen am 11. Juni 2020.</ref>
Englisch 372 379 (2020)<ref name="ethnologue" />
Hindi 316 341 (2020)<ref name="ethnologue" />
Spanisch 304 460 (2020)<ref name="ethnologue" />
Russisch 155 288
Arabisch 201 202
Portugiesisch 165 170
Bengalisch 125 189
Japanisch 123 125
Deutsch 102 98
Kantonesisch 71
Französisch 70 72
Italienisch 57 63
Malaiisch 47 47

Zu den toten und ausgestorbenen Sprachen zählen unter anderem das Etruskische, die meisten keltischen Sprachen, das Ägyptische und zahlreiche indigene Sprachen Amerikas.

Sonderfälle

Wiederbelebte Sprachen

Ein Sonderfall kann sich daraus ergeben, wenn eine ausgestorbene Sprache wiederbelebt wird. Das bekannteste Beispiel hierfür ist das moderne Hebräisch (Ivrit), das heute als Amtssprache Israels wieder zu den lebenden Sprachen gehört. Allerdings war Hebräisch nur als Muttersprache ausgestorben, es überlebte als Sakralsprache die vergangenen Jahrtausende und wurde jeweils von Hunderttausenden gelesen und gesprochen – wenn auch nicht im Alltag. Weitere Beispiele sind die Kornische Sprache und Manx.

Tote Sprachen, die weiter benutzt werden

Ein anderer Sonderfall sind diejenigen Sprachen, die von keiner Sprachgemeinschaft mehr getragen werden, also auch nicht mehr von Kindern als Muttersprache erlernt werden, aber doch in einem gewissen Rahmen weiter benutzt werden. Beispiel hierfür ist das Sanskrit, das noch im religiösen Rahmen verwendet wird und zu dem es auch eine tägliche Nachrichtensendung in dieser Sprache geben soll.<ref> Harald Haarmann: Kleines Lexikon der Sprachen. Beck, München 2001, S. 330. ISBN 3-406-47558-2. </ref> Weiter benutzte tote Sprachen sind sodann das moderne Latein als Amtssprache des Vatikanstaates oder das Altäthiopische, das noch die Kirchensprache der äthiopischen und eritreischen orthodoxen Kirchen ist. Der Koran ist noch heute in Altarabisch verfasst.

Plansprachen

Ein dritter Sonderfall sind die Plansprachen<ref> Hans Joachim Störig: Abenteuer Sprache. Ein Streifzug durch die Sprachen der Erde. 2., überarbeitete Auflage. Humboldt, München 1997, S. 368ff. ISBN 3-581-66936-6 </ref>, für die sich nur ausnahmsweise eine eigene Sprachgemeinschaft entwickelte. Einige dieser Sprachen werden praktisch nicht mehr gesprochen (wie Volapük, Ido und Interlingua<ref>Vgl. Volkszählung 2001 in Ungarn: Je 2 Ido- und Interlingua-Sprecher</ref>).

Esperanto wird laut ethnologue.com von mehr als einer Million Menschen gesprochen.<ref>Esperanto bei ethnologue.com</ref> Außerdem gibt es ein paar tausend Esperanto-Muttersprachler; weiterhin findet Sprachentwicklung statt, die auch wissenschaftlich untersucht wird.<ref>Benoît Philippe. Sprachwandel bei einer Plansprache am Beispiel des Esperanto. Konstanz: Hartung-Gorre. 1991. 362 S. sowie François Lo Jacomo. Liberté ou autorité dans l'évolution de l'espéranto. Paris. 1981. 384 S.</ref> Esperanto erfüllt damit die üblichen Kriterien für eine lebende Sprache. Schon 1922 wurde Esperanto in einem Bericht des Völkerbunds als lebende Sprache bezeichnet.<ref>"(...) This makes it a living language (...)". In: Esperanto as an international auxiliary language. Report of the general Secretariat of the League of nations adopted by the third Assembly, 1922, S. 11</ref> Ebenso hat die Ungarische Akademie der Wissenschaften 2004 bestätigt, dass Esperanto eine lebende Sprache ist.<ref>Original auf Ungarisch; deutsche Übersetzung</ref> 1992 erschien ein Aufsatz, „Der Weg von einem Sprachprojekt zu einer lebenden Welthilfssprache. Einige Aspekte des Statuswandels, dargestellt am Beispiel des Esperanto“.<ref>Alicja Sakaguchi. Der Weg von einem Sprachprojekt zu einer lebenden Welthilfssprache. Einige Aspekte des Statuswandels, dargestellt am Beispiel des Esperanto. In: Ulrich Ammon und Marlis Hellinger (Hrsg.). Status Change of Languages. De Gruyter, Berlin 1992. Der Ausdruck "Welthilfssprache" ist mittlerweile nur noch selten zu finden, üblicher ist "geplante Sprache" oder "Plansprache".</ref> Die heutige tägliche Verwendung des Esperanto wird in der sprachwissenschaftlichen Literatur beschrieben.<ref>Etwa Sabine Fiedler, Cyril Robert Brosch. Esperanto – Lingua Franca and Language Community. Amsterdam (John Benjamins). 2022</ref>

Siehe auch

Weblinks

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Einzelnachweise

<references/>

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