Vertrag von Lausanne
Der Vertrag von Lausanne wurde am 24. Juli 1923 zwischen der Türkei sowie Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Griechenland, Rumänien und dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen im Palais de Rumine geschlossen. Tagungsort der Verhandlungen war das Schloss Ouchy.
Mit diesem Vertrag konnte die Türkei, nachdem sie 1922 den Griechisch-Türkischen Krieg gewonnen hatte, die Bestimmungen des nach dem Ersten Weltkrieg abgeschlossenen Vertrags von Sèvres teilweise nach ihren Vorstellungen revidieren.
Das Abkommen legalisierte nachträglich die vollzogene Vertreibung von Griechen bzw. Türken. Die aktuelle Grenze zwischen Griechenland und der Türkei hat ihren Ursprung in diesem Vertrag, obwohl es bis in die heutige Zeit Territorialkonflikte zwischen Griechenland und der Türkei gibt.
Inhalt des Vertrages
Die Friedensgespräche waren am 30. November 1922 vom Völkerbund, repräsentiert durch Fridtjof Nansen, initiiert worden, der am 1. Dezember 1922<ref name=":0" /> in Lausanne eintraf. Nach der Eröffnungszeremonie im Lausanner Casino de Montbenon bereits am 20. November 1922<ref name=":0" /> fand am 2. Dezember<ref name=":0" /> die erste Sitzung statt, am 28. Dezember<ref name=":0" /> folgte die zweite Sitzung. Ein bedeutender Zwischenschritt war die am 30. Januar 1923<ref name=":0" /> vereinbarte Konvention zum Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei (siehe unten). Vom 4. Februar bis 23. April 1923 pausierten die Gespräche.<ref name=":0" />
Laut Vertrag erhielt die Türkei Ost- und Südostanatolien (Ostanatolien war im Vertrag von Sèvres für Armenien vorgesehen gewesen), Ostthrakien (seitdem der europäische Teil der Türkei) sowie Izmir (griechisch Smyrna). Griechenland behielt Westthrakien.
Die Türkei stimmte nachträglich der bereits am 5. November 1914 proklamierten Annexion Zyperns durch Großbritannien zu, bis zu dieser Zustimmung hatte Zypern formal noch zur Türkei gehört. Zudem gab die Türkei ihre Ansprüche gegenüber Ägypten und dem Sudan auf.
Des Weiteren wurde die italienische Besetzung rund um Antalya revidiert. Im Gegenzug erkannte der türkische Staat die italienische Souveränität über den Dodekanes und Libyen an, die als Ergebnis des Osmanisch-Italienischen Krieges an Italien gefallen waren.
Der Vertrag bestimmte die Religionszugehörigkeit als Kriterium für die nationale Zugehörigkeit und damit für die Umsiedlung. Er regelte im Abschnitt über den Minderheitenschutz (Artikel 37–45) die Rechte der verbleibenden nicht-muslimischen Minderheiten in der Türkei sowie der muslimischen Minderheiten in Griechenland. In der Türkei wurden Juden, Griechen und Armenier als Minderheiten anerkannt. Sie sollten in der Türkei dieselben Bürgerrechte haben wie die muslimischen Türken.
Am 6. August 1923 wurde im Hotel Beau-Rivage Palace der Amerikanisch-Türkische Vertrag unterzeichnet.<ref name=":0" /> Stellvertretender Leiter der türkischen Delegation war Rıza Nur.<ref>Hans-Lukas Kieser: Talaat Pacha: L’autre fondateur de la Turquie moderne, architecte du génocide des Arméniens. Préface d’Antoine Garapon. CNRS Éditions (Centre national de la recherche scientifique), Paris 2023, ISBN 978-2-271-14634-2, S. 530 (Ersterscheinung bei Princeton University Press, Princeton (New Jersey) 2018; übersetzt von Gari Ulubeyan von der deutschsprachigen Ausgabe, Chronos Verlag, Zürich 2021).</ref>
Die Rolle der Schweiz als Gastgeberland
Am Rande der Verhandlungen nutzte der antikommunistische Russlandschweizer Moritz Conradi am 10. Mai 1923 die Anwesenheit der sowjetischen Delegation für einen politischen Mord an Wazlaw Worowski. Die Tat wurde als Conradi-Affäre bekannt.<ref name=":0" />
Die Schweizer Regierung und die Wirtschaftsverbände nutzten die Verhandlungen auf ihrem Boden für Gespräche des für die Bank Credit Suisse tätigen Julius Frey<ref name=":0" /> mit der türkischen Delegation über Eisenbahnkonzessionen und Staatsschulden. 1914 waren 1411<ref>Cédric Humair: La Suisse et les Empires : Affirmation d’une puissance économique (1857–1914) (= Alain Cortat [Hrsg.]: Collection Focus. Nr. 41). Éditions Livreo-Alphil, Neuchâtel 2024, ISBN 978-2-88950-247-9, S. 138.</ref> Schweizer im Osmanischen Reich niedergelassen. Ihre Wirtschaftsinteressen bestanden in der Türkei fort. Auch der Wirtschaftsvertreter und Faschist Arthur Fonjallaz<ref name=":0" /> wurde vorstellig. Mustafa İsmet Pascha war am 26. Juli 1923<ref name=":0" /> Staatsgast in Bern. Nestlé produzierte ab 1927 auch in der Türkei (Feriköy in Istanbul) Schokolade.<ref name=":0" />
Konvention über den Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei
Die am 30. Januar 1923 zwischen Griechenland und der Türkei vereinbarte Konvention zum Bevölkerungsaustausch war Teil des Vertrags von Lausanne (gemäß Artikel 142).
Inhalt der Konvention
Auf Grund dieser Konvention wurden die in Kleinasien ansässigen türkischen Staatsangehörigen griechisch-orthodoxen Glaubens (zumeist gebürtige Griechen), aber auch Türken christlichen Glaubens (etwa 1,5 Millionen) nach Griechenland ausgewiesen, die griechischen Staatsangehörigen muslimischen Glaubens (ca. 0,5 Millionen, zumeist gebürtige Türken und Griechen, die zum Islam konvertiert hatten) mussten in die Türkei auswandern.<ref name=":1">Renée Hirschon: Crossing the Aegean: The Consequences of the 1923 Greek-Turkish Population Exchange: An Appraisal of the 1923 Compulsory Population Exchange Between Greece and Turkey (Studies in Forced Migration). New York 2004, ISBN 1-57181-562-7, S. 6 f.</ref>
Ausgenommen vom Bevölkerungsaustausch waren insgesamt 110.000 Griechen in der Türkei und 106.000 Türken in Griechenland:<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig The Turks of Western Thrace.] Humans Right Watch, , S. 2, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung Band 11, Nr. 1 (PDF; 350 kB) – In 1923, the provisions of the Treaty of Lausanne left some 106,000 ethnic Turks in Thrace. The ethnic Greek minority of Istanbul […] has also shrunk in size […] from 110,000 in 1923 to an estimated 2,500 today</ref>
- die alteingesessene griechische und griechisch-orthodoxe Bevölkerung Istanbuls (offiziell als Rum bezeichnet).
- die Westthrakientürken (Türken, Pomaken und Xoraxane-Roma östlich der 1913 im Vertrag von Bukarest festgelegten Grenzlinie). Sie sollten als muslimische Einwohner Westthrakiens in Griechenland bleiben. Griechenlands Ansprechpartner für diese drei Ethnien ist seitdem die Türkei.
- die Bevölkerung der Inseln Imbros/Gökçeada und Tenedos/Bozcaada. (Dieser Punkt war noch kein Bestandteil der Konvention vom 30. Januar, aber Teil des Hauptvertrages, Artikel 14.)<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Treaty of Lausanne.] , archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung – The agreements which have been, or may be, concluded between Greece and Turkey relating to the exchange of the Greek and Turkish populations will not be applied to the inhabitants of the islands of Imbros and Tenedos.</ref>
Außerhalb der Konvention und des Vertrags von Lausanne wurden weitere Bevölkerungsgruppen vom Bevölkerungsaustausch ausgenommen:
- Nach Verhandlungen zwischen Griechenland und Albanien, die sich bis 1926 hinzogen, wurden die muslimischen Çamen in der Region Epirus ausgenommen, deren albanische Nationalität schließlich anerkannt wurde.<ref>Lambros Baltsiotis: The Muslim Chams of Northwestern Greece: The Grounds for the Expulsion of a "Non-Existent" Minority Community. In: European Journal of Turkish Studies. Band 12, 2011 (openedition.org).</ref>
- arabischsprachige Orthodoxe, die nicht dem Istanbuler Patriarchat unterstanden<ref>Onur Yıldırım: Diplomacy and Displacement: Reconsidering the Turco-Greek Exchange of Populations, 1922-1934. Routledge, New York, London 2006, ISBN 978-0-415-97982-5, S. 113.</ref>
- Nicht betroffen waren weiter Bewohner derjenigen heutigen griechischen bzw. türkischen Gebiete, die 1923 noch nicht zu Griechenland bzw. der Türkei gehörten. Dies sind
- die Muslime von Rhodos und anderen Inseln der Dodekanes, als Italienische Ägäis-Inseln damals italienisches Territorium
- Orthodoxe in der Provinz Hatay (Provinz) (damals zum französischen Mandatsgebiet Syrien gehörend)
Einordnung
Ziel des Bevölkerungsaustausches war es, die durch nationale Minderheiten ausgelösten Spannungen zu vermindern. So sollte der Frieden auf Basis klarer definierter Nationalitätengrenzen gesichert werden. Für viele Politiker jener Zeit wie auch für den Völkerbund galt Bevölkerungsaustausch als Paradigma für die friedliche Lösung ethnischer Konflikte. Bereits im Vertrag von Neuilly-sur-Seine im Jahre 1919 hatten Griechenland und Bulgarien einen Bevölkerungsaustausch vereinbart.<ref name=":1" />
Allerdings brachte die Umsiedlung großes Leid über die Betroffenen: Sie verloren ihre Heimat und durften nur ihr bewegliches Eigentum mitnehmen, das durch die Konvention ausdrücklich geschützt war. Unbewegliches Eigentum wurde liquidiert und die Eigentümer entschädigt. Viele starben während der oft brutal durchgeführten Umsiedlungsmaßnahmen. Der größte Teil der zur Umsiedlung vorgesehenen Bevölkerungsgruppen war jedoch schon vor 1923 vertrieben und viele Angehörige der Minderheiten dabei ermordet worden.
Der britische Außenminister und führende Vertreter des Imperialismus George N. Curzon bezeichnete den Vertrag von Lausanne als „eine durch und durch schlechte und böse Lösung, für welche die Welt während der nächsten hundert Jahre noch eine schwere Buße werde entrichten müssen“.<ref>Norman M. Naimark: Fires of Hatred. Ethnic Cleansing in Twentieth-Century Europe. Harvard 2001, ISBN 0-674-00313-6, S. 55.</ref>
David Lloyd George erklärte den Vertrag zu einer „erbärmlichen, feigen und schändlichen Kapitulation“ des Vereinigten Königreichs.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Die vom Bevölkerungsaustausch offiziell ausgenommenen Bevölkerungsgruppen in der Türkei und in Griechenland (siehe oben) konnten allein durch den Vertrag von Lausanne nicht vor Diskriminierung oder Anfeindungen geschützt werden. Auch von ihnen wanderten in den folgenden Jahrzehnten viele aus. In der Türkei bewirkte vor allem der Pogrom von Istanbul (1955) eine Vertreibung der Griechen aus Istanbul<ref>Berna Pekesen: Der Pogrom von Istanbul. Bundeszentrale für politische Bildung, 15. Oktober 2014.</ref> (siehe auch Nachwirken des Bevölkerungsaustauschs zwischen Griechenland und der Türkei).
Der Historiker Hans-Lukas Kieser stellte fest: „Lausanne billigte stillschweigend eine umfassende Politik der Vertreibung und Ausrottung hetero-ethnischer und hetero-religiöser Gruppen, was für deutsche Revisionisten und viele andere Nationalisten eine fatale Anziehungskraft hatte.“<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Nachwirkung
Im Vertrag von Montreux erhielt die Türkei am 20. Juli 1936 die volle Souveränität über die Meerengen zurück.<ref name=":0">Gaby Fierz, Laurent Golay, Diana Le Dinh: Frontières: Le traité de Lausanne, 1923–2023. Éditions Antipodes/Musée historique Lausanne, Lausanne 2023, ISBN 978-2-88901-244-2, S. 78 ff. und Bildteil.</ref>
In den 1950er Jahren erklärte die Türkei in Bezug auf Zypern einseitig, dass der Vertrag von Lausanne hinfällig werde, wenn sich am Status Zyperns etwas ändere. Großbritannien hatte zuvor als Reaktion auf griechische Unabhängigkeitsbestrebungen der seinerzeit britisch beherrschten Insel erklärt, dass Zypern auch eine Angelegenheit der Türkei sei.<ref>Heinz A. Richter: Historische Hintergründe des Zypernkonflikts. Bundeszentrale für politische Bildung, 5. März 2009, abgerufen am 16. Oktober 2023.</ref>
Im Rahmen eines Treffens mit Gemeindevorstehern Ende 2016 in Ankara stellte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan den Vertrag von Lausanne aus dem Jahre 1923 erneut in Frage.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Ankara stellt Lausanne-Vertrag in Frage – Athen in Aufruhr.] Griechenland.net, , archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Er sprach von „unfairen Bestimmungen“ und einer „Niederlage der Türkei“. Als Beispiel nannte er die griechischen Ägäis-Inseln, die in „Rufweite“ der Türkei liegen. Es gebe noch immer einen „Kampf darum, was ein Festlandsockel“ sei, „und welche Grenzen wir auf dem Land und in der Luft haben“, so der türkische Staatschef. Diejenigen, die sich damals an den Verhandlungstisch gesetzt hätten, so monierte er, seien den realen Umständen nicht gerecht geworden.
Nachdem der griechische Minister für Seefahrt und Inselpolitik Nektarios Santorinios in der ersten Januarwoche 2017 in einem an das Parlament überstellten Schreiben<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Προκαλεί ξανά η Αγκυρα: Μην τολμήσετε να κατοικήσετε μικρά νησιά.] ΗΜΕΡΗΣΙΑ On Line, , archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL (griechisch).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung Türkei warnt Griechenland vor Besiedelung 28 griechischer Inseln</ref> die Besiedelung 28 kleiner Inseln in der Ägäis angekündigt hatte, warnte das türkische Außenministerium durch seinen Sprecher Hüseyin Müftüoğlu in einer Bekanntmachung die griechische Regierung vor dieser Absicht. Am 14. Januar 2017 dementierte Minister Santorinios eine griechische Besiedlungsabsicht<ref>Minister says no plans to settle Aegean islets. H KAΘHMEPINH, online-Ausgabe, 14. Januar 2017, abgerufen am 5. August 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Griechisches Ministerium dementiert Besiedlungsabsicht von 28 griechischen Inseln</ref> und bewertete die türkische Warnung als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Griechenlands.
Kurden, Armenier und Assyrer
Die Volksgruppen der Kurden, Armenier und Assyrer<ref>Assyrer-Kundgebung in Lausanne. In: Neue Zürcher Zeitung. 25. Juli 2003, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 28. Januar 2025]).</ref> gelten als die großen Verlierer des Vertrags von Lausanne.<ref>Katharina Meier: Vertrieben, verstreut – und schon bald vergessen? In: Magnet. 27. Oktober 2021, abgerufen am 28. Januar 2025.</ref> Die Armenier und Assyrer waren in Lausanne zwar präsent, fanden aber bei den anderen Delegationen kein Gehör, und die Kurden waren als eigenständige Delegation gar nicht vertreten, sie wurden quasi subsumiert unter den Türken. Bei der Vertragsunterzeichnung war von einem armenischen Staat in Anatolien keine Rede mehr, und die Kurden wurden auf die vier Staaten Iran, Irak, Türkei und Syrien aufgeteilt. Der größte Teil fiel an die Türkei.<ref>100 Jahre Vertrag von Lausanne – Als in der Schweiz der Nahe Osten erfunden wurde In: Schweizer Radio und Fernsehen vom 3. Juli 2023</ref><ref>Maurus Reinkowski: Die Gründung der modernen Türkei und der lange Schatten von Lausanne In: Neue Zürcher Zeitung vom 22. Juli 2023.</ref> 2023, hundert Jahre nach Unterzeichnung des Vertrags von Lausanne stellen die Kurden in der Türkei mit schätzungsweise 19 Prozent der Gesamtbevölkerung (ca. 15 Millionen)<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig TR100_2022.] In: KONDA Araştırma ve Danışmanlık. , archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 5. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />CIA.gov: Turkey. ( des Vorlage:Referrer vom 20. September 2017 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/archiv-bot, abgerufen am 11. September 2018.</ref> die größte ethnische Minderheit in der Türkei dar.
Verschwörungstheorien
Der Vertrag von Lausanne hat in der Türkei zu einer Reihe islamistischer Verschwörungstheorien geführt, mit denen die türkische säkulare nationalistische Herrschaft der Nachkriegszeit diffamiert werden soll.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Türkiye'de Komplo Zihniyeti: Söylemler, Aktörler ve Eğilimler Üzerine Bir Araştırma.] In: ResearchGate. , archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 4. März 2025 (türkisch).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Lozan Antlaşması’nın 100. Yılında Komplo Teorileri ve Gizli Maddelerin İzinde.] In: Yalansavar. , archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 4. März 2025 (türkisch).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig In Turkey, conspiracy theories about the Peace Treaty of Lausanne run riot.] In: The Skeptic. , archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 4. März 2025 (englisch).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> So wurde beispielsweise behauptet, der Vertrag sei für ein Jahrhundert unterzeichnet worden und enthalte „geheime Artikel“ über den Abbau von Bodenschätzen durch die Türkei. Eine Verschwörungstheorie, die in den 2010er Jahren die Runde machte, besagte, dass der Vertrag im Jahr 2023 auslaufen würde und die Türkei dann Bor und Erdöl abbauen dürfe.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Foreign Policy, 2. Oktober 2014. Abgerufen am 4. März 2025 (englisch).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>
Trivia
Der Schweizer Bundespräsident Pascal Couchepin schenkte der Türkei am 11. November 2008 bei einem Besuch des türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül den Tisch, an dem der Vertrag von Lausanne 1923 unterzeichnet worden war.
Literatur
- Sylvie Arsever: Traité de Lausanne 1923. Éditions L’Aire, Vevey 2014, ISBN 978-2-940478-98-9.
- Roland Banken: Die Verträge von Sèvres 1920 und Lausanne 1923. Eine völkerrechtliche Untersuchung zur Beendigung des Ersten Weltkrieges und zur Auflösung der sogenannten „Orientalischen Frage“ durch die Friedensverträge zwischen den alliierten Mächten und der Türkei. Lit Verlag, Münster 2014, ISBN 3-643-12541-0.
- Andrew Mango: From the Sultan to Atatürk: Turkey (= Makers of the Modern World: The Peace Conferences of 1919–23 and their Aftermath). Haus Publishing, 2009, ISBN 1-905791-65-8.
- Jeremy Salt: The last Ottoman wars: the human cost, 1877–1923. The University of Utah Press, Salt Lake City 2019, ISBN 978-1-60781-704-8.
- Ferudun Ata: The Relocation Trials in Occupied Istanbul. Manzara Verlag, Offenbach am Main 2018, ISBN 978-3-939795-92-6.
- Hans-Lukas Kieser: Nahostfriede ohne Demokratie, der Vertrag von Lausanne und die Geburt der Türkei 1923. Chronos, Zürich 2023, ISBN 978-3-0340-1746-6.
- Sevtap Demirci: Strategies and struggles: British rethoric and Turkish response: The Lausanne Conference 1922-1923. Istanbul: The Isis Press, 2005, ISBN 975-428-309-5, Digitalisat MENAdoc.
Weblinks
Vorlage:Wikidata-Registrierung
- 100 Jahre Vertrag von Lausanne, E-Dossier, Dodis
- Text des Friedensvertrags (englisch)
- Text der Konvention hinsichtlich des Austausches der griechischen und türkischen Bevölkerungen (englisch)
- 24. Juli 1923: 100 Jahre Vertrag von Lausanne In: Bundeszentrale für politische Bildung
- *Vorlage:Pressemappe – FID nicht angegeben oder ungültig! (auch GND fehlt)* Zeitungsartikel über Vertrag von Lausanne] in den Historischen Pressearchiven der ZBW
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
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- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Pressemappe
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