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Lasttrennschalter

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Ein Lasttrennschalter, kurz Lasttrenner, ist ein Schalter, der die Eigenschaften eines Lastschalters und eines Trennschalters vereint.<ref name="Quelle 9" /> Durch Lasttrennschalter können zusätzliche Trennschalter in Schaltanlagen entfallen.<ref name="Quelle 10" />

Lasttrennschalter können wie ein Lastschalter Teile des Stromnetzes unter Last ab- und wieder zuschalten und besitzen wie Trennschalter eine sichtbare bzw. sicher kontrollierbare Trennstrecke, um Wartungsarbeiten am abgeschalteten Netzabschnitt vornehmen zu können.<ref name="Quelle 6" /> Der Einsatz dieser Schalter ist in Mittelspannungsnetzen wirtschaftlich gesehen eine kostengünstige Lösung,<ref name="Quelle 9" /> wenn kein Kurzschlussschutz erforderlich ist.

Grundlagen

Datei:Symbol Load disconnecting switch.svg
Schaltzeichen eines Lasttrennschalters

In Schaltanlagen ist es erforderlich, dass der Schaltzustand optisch als Trennstrecke erkennbar ist,<ref name="Quelle 12" /> wenn Arbeiten am abgeschalteten Anlagenteil erforderlich sind. Diese Forderung wird mittels eines Trennschalters erfüllt.<ref name="Quelle 11" /> Allerdings können Trennschalter keine Lasten schalten, sodass zusätzlich zum Trennschalter noch ein Lastschalter oder ein Leistungsschalter in Serie geschaltet ist.<ref name="Quelle 10" /> Wenn kein Kurzschluss abgeschaltet werden muss, kann anstelle dieser beiden einzelnen Schalter auch ein Lastschalter mit Trennfunktion, also ein Lasttrennschalter verwendet werden.<ref name="Quelle 12" /> Im geöffneten (abgeschalteten) Zustand haben diese Schalter die erforderliche sichtbare Trennstrecke.<ref name="Quelle 13" /> Durch den Einsatz dieser Schalter kann ein separater Trennschalter eingespart werden.<ref name="Quelle 10" /> Besonders in Mittelspannungsschaltanlagen sind sie zum Schalten des Betriebsstromes einsetzbar.<ref name="Quelle 13" /> Sie können also sowohl zum Freischalten als auch zum Abschalten eines Netzabschnittes verwendet werden.<ref name="Quelle 3" />

Das begrenzte Abschaltvermögen der Lasttrennschalter im Kurzschlussfall führt dazu, dass sie nicht zum Schutz vor Lichtbogenfehlern eingesetzt werden können bzw. dann nicht öffnen dürfen. Auch darf im Kurzschlussfall ihre Kurzzeit-Stromtragfähigkeit nicht überschritten werden. Daher muss der Kurzschlussschutz durch in Serie geschaltete Sicherungen gewährleistet sein.<ref name="Quelle 16" /> Hierfür werden spezielle Hochspannungs-Hochleistungssicherungen (HH-Sicherungen) verwendet.<ref name="Quelle 9" /> Da solche Sicherungen zwar für verschiedene Nennströme gefertigt werden, jedoch ein weniger hohes Schaltvermögen als Leistungsschalter haben, kann diese Kombination als Überlastschutz dienen und in weniger starken (sprich: weicheren) Netzen ist sie auch als Kurzschlussschutz ausreichend. Lasttrennschalter müssen daher in der Lage sein, auf einen Kurzschluss einzuschalten, sie sind jedoch nicht in der Lage, den Kurzschlussstrom abzuschalten.

Aufbau

Datei:OT630E03 Lasttrennschalter.jpg
Lasttrennschalter für Niederspannung in offener Stellung mit sichtbarer Trennstrecke
Datei:DMM 2002-745 Sicherungs-Lasttrennschalter 12kV - 400A.jpg
Dreipoliger Hartgas-Lasttrennschalter für 12 kV/400 A in Kombination mit HH-Schmelzsicherungen (unterhalb).

Der Lasttrennschalter ähnelt vom Aufbau einem Lastschalter.<ref name="Quelle 11" /> Die übliche Ausführung des Lasttrennschalters ist der Schublasttrennschalter.<ref name="Quelle 1" /> Der Schaltlichtbogen wird von einem Hilfskontakt (Nebenstrombahn) übernommen, um ihn von den Hauptkontakten fernzuhalten. Die Lichtbogenlöschung erfolgt nun mittels Hartgas,<ref name="Quelle 3" /> einem Kunststoff, der bei hohen Temperaturen des Lichtbogens teilweise verdampft und durch die freigesetzten organischen Gase die Lebensdauer der Ladungsträger im Lichtbogen herabsetzt. Zur Lichtbogenlöschung kann auch Beblasung eingesetzt werden.

Für höhere Schaltvermögen werden Lasttrennschalter auch als Vakuum-Lasttrennschalter gebaut. Bei diesen Schaltern wird der Lichtbogen durch das Vakuum gelöscht.<ref name="Quelle 4" /> Zusätzlich besitzt der Lasttrennschalter eine sichtbare Trennstrecke.<ref name="Quelle 2" /> Die Sichtbarkeit der Trennstrecke ist hier nicht gegeben, kann aber dadurch ersetzt werden, dass der Schalter eine Anzeigeeinrichtung besitzt, die unmittelbar mit den Schaltkontakten mechanisch kraftschlüssig verbunden ist und somit zweifelsfrei den Schaltzustand erkennen lässt.<ref name="Quelle 4" />

Die Trennstrecke besitzt ein Isoliervermögen, welches den Anforderungen einer sicheren Trennung genügt.<ref name="Quelle 1" /> Bedingt dadurch kann der Schaltfehlerschutz entfallen.<ref name="Quelle 10" />

Die Schalter werden mittels Federspeicherantrieb geschaltet,<ref name="Quelle 14" /> um die erforderlichen Geschwindigkeiten des Trennens und Verbindens zu erreichen. Über eine mechanische Auslöseeinrichtung wird der Schaltvorgang initiiert. Eine Fernabschaltung ist mittels Arbeitsstromauslöser (Zugmagnet) möglich.<ref name="Quelle 5" />

Manche Lasttrennschalter stellen nach der Unterbrechung des Strompfades auch dessen Erdung sicher.<ref name="Quelle 4" /> Der hierzu als Zusatzmodul angebaute Erdtrennschalter ist nach Lastabschaltung seinerseits optisch erkennbar geschlossen und schützt am abgeschalteten Anlagenteil tätiges Personal gegen Fremdspannungen oder versehentliches Wiedereinschalten. Hierzu muss der Erdschalter den Kurzschlussstrom führen können.

Mit Schmelzsicherungen kombinierte Lasttrennschalter werden auch Sicherungs-Lasttrennschalter genannt und sind bei Dreiphasenwechselstrom dreipolig ausgeführt.<ref name="Quelle 5" /> Die drei Sicherungen sind oftmals auf dem gleichen Rahmen wie der Schalter<ref group="ANM" name="Anm. Bildh. 1" /> montiert.<ref name="Quelle 15" /> In den Sicherungen ist ein Schlagbolzen angebracht, welcher durch eine kleine Treibladung bei Auslösung nach außen gedrückt wird.<ref name="Quelle 2" /> Sobald auch nur eine der drei Sicherungen anspricht und der Schlagbolzen hinausgedrückt wird, wird durch ein Gestänge die Freiauslösung des Federspeicherantriebs betätigt und die Anlage wird allpolig abgeschaltet.<ref name="Quelle 5" />

Einsatz

Lasttrennschalter werden überwiegend als Haupt- und Übergabeschalter in kleinen Mittelspannungsverteilungsanlagen eingesetzt.<ref name="Quelle 2" /> Des Weiteren werden sie zum Öffnen und Schließen von Ringleitungen verwendet.<ref name="Quelle 3" /> Lasttrennschalter werden auch eingesetzt, um unbelastete und belastete Transformatoren, Kabel und Freileitungen und Blindstrom-Kompensations-Kondensatoren zu schalten.<ref name="Quelle 7" /> Lasttrennschalter werden außerdem anstelle von Trennschaltern zur Erhöhung der Sicherheit in Schaltanlagen verwendet. In Kombination mit angebauten Hochleistungssicherungen können sie in Netzen mit höherer Kurzschlussleistung eingesetzt werden.<ref name="Quelle 3" /> In Niederspannungsnetzen werden Lasttrennschalter zur Unterbrechung von Hauptstromkreisen im Bereich der Hauptverteilung eingesetzt.<ref name="Quelle 8" />

Sicherungslasttrennschalter

Datei:Symbol Safeguard load disconnecting switch.svg
Schaltzeichen eines Sicherungslasttrennschalters
Datei:NEOZED-Sicherungslasttrennschalter 1P+N.webm
Bedienung eines modernen D0-Sicherungslasttrennschalters ohne Schraubsockel und mit allpoliger Abschaltung

Sicherungslasttrennschalter sind auch als Hutschienenmodule erhältlich, die dieselben Abmessungen wie Leitungsschutzschalter haben und statt eines solchen zur Absicherung von Stromkreisen in Verteilern eingesetzt werden können. Diese nehmen etwa D01-Schmelzeinsätze (Neozed) auf und bieten optional auch allpolige Abschaltung.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Quelle 1">Klaus Heuck, Klaus-Dieter Dettmann, Detlef Schulz: Elektrische Energieversorgung. Erzeugung, Übertragung und Verteilung elektrischer Energie. Für Studium und Praxis. 7., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Friedrich Vieweg & Sohn, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-8348-0217-0.</ref> <ref name="Quelle 2">Réne Flosdorff, Günther Hilgarth: Elektrische Energieverteilung. (= Leitfaden der Elektrotechnik. Bd. 9). 4., neubearbeitete und erweiterte Auflage. B. G. Teubner, Stuttgart 1982, ISBN 3-519-36411-5, S. 225, 226.</ref> <ref name="Quelle 3">Adolf Senner (Hrsg.): Fachkunde Elektrotechnik. 4. Auflage. Verlag Europa-Lehrmittel Willing, Wuppertal-Barmen 1964, S. 304.</ref> <ref name="Quelle 4">Adolf J. Schwab: Elektroenergiesysteme. Erzeugung, Transport, Übertragung und Verteilung elektrischer Energie. 3., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2012, ISBN 978-3-642-21957-3.</ref> <ref name="Quelle 5">Klaus Tkotz, Peter Bastian, Horst Bumiller u. a.: Fachkunde Elektrotechnik. 27., überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Europa-Lehrmittel Nourney Vollmer, Haan-Gruiten 2009, ISBN 978-3-8085-3188-4, S. 276.</ref> <ref name="Quelle 6">Theodor Schmelcher: Handbuch der Niederspannung. Projektierungshinweise für Schaltgeräte, Schaltanlagen und Verteiler. Siemens Aktiengesellschaft (Abt. Verlag), Berlin/München 1982, ISBN 3-8009-1358-5.</ref> <ref name="Quelle 7">Paul Waldner: Grundlagen der elektrotechnischen und elektronischen Gebäudeausrüstung. Werner, Düsseldorf 1998, ISBN 3-8041-3983-3.</ref> <ref name="Quelle 8">Wolfgang Esser: Hauptstromkreise sicher unterbrechen, mit Lasttrennschaltern N oder mit Molded Case Switches NS. Eaton Industries GmbH, Bonn Online (abgerufen am 30. Juli 2012; PDF; 494 kB).</ref> <ref name="Quelle 9">Valentin Crastan: Elektrische Energieversorgung 1. Netzelemente, Modellierung, stationäres Verhalten, Bemessung, Schalt- und Schutztechnik. 2., bearbeitete Auflage. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-69439-7, S. 361, 362.</ref> <ref name="Quelle 10">Klaus Heuck, Klaus-Dieter Dettmann, Detlef Schulz: Elektrische Energieversorgung. Erzeugung, Übertragung und Verteilung elektrischer Energie für Studium und Praxis. 8., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Friedrich + Teubner Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-8348-0736-6, S. 284, 285, 290.</ref> <ref name="Quelle 11">Thomas Heinz: Gleichstromschalten in der Mittel- und Hochspannungstechnik unter Einsatz von Vakuumschaltröhren. Dissertation am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Universität Darmstadt, Darmstadt 2017, S. 5, 6, 13.</ref> <ref name="Quelle 12">Marvin Bendig: Ausschaltvermögen von Mittelspannungs-Lasttrennschaltern bei Verwendung atmosphärischer Lösch- und Isoliergase. Dissertation am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Hochschule Aachen, Aachen 2020, S. V, 11, 12–15, 19–23.</ref> <ref name="Quelle 13">Constantinescu-Simon Liviu (Hrsg.): Handbuch Elektrischer Energietechnik. Grundlagen - Anwendungen. 2., verbesserte Auflage. Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft, Braunschweig/Wiesbaden 1997, ISBN 3-528-16367-4, S. 558–560.</ref> <ref name="Quelle 14">Günter Springer u. a.: Fachkunde Elektrotechnik. (= Europa. Nr. 30138). 18., völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Europa-Lehrmittel, Wuppertal 1989, ISBN 3-8085-3018-9, S. 439.</ref> <ref name="Quelle 15">Robert Adam: Beitrag zur thermischen Dimensionierung von Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen. Dissertation an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Universität Dresden, Dresden 2018, ISBN 978-3-00-063744-5, S. 100–103.</ref> <ref name="Quelle 16">Kenan Mustafa Demirel: Modellierung von Referenzspannungsebenen. Diplomarbeit an der Fakultät für Informations-, Medien- und Elektrotechnik der Fachhochschule Köln, Köln 2013, S. 16.</ref> </references>

Fußnote

<references group="ANM"> <ref group="ANM" name="Anm. Bildh. 1"> Wie in nebenstehender Abbildung dargestellt. </ref> </references>