Zum Inhalt springen

Köstenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Hinweisbaustein

Köstenberg (Dorf)
Ortschaft
Katastralgemeinde Köstenberg
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Villach-Land (VL), Kärnten
Gerichtsbezirk Villach
Pol. Gemeinde Velden am Wörther See
Koordinaten 46° 39′ 5″ N, 14° 0′ 38″ OKoordinaten: 46° 39′ 5″ N, 14° 0′ 38″ O
 {{#coordinates:46,651461111111|14,010486111111|primary
dim=1000 globe= name=Köstenberg region=AT-2 type=city
  }}f1
f3f0
Einwohner der Ortschaft 150 (2001)
Gebäudestand 55 (2001)
Fläche d. KG Vorlage:FLNdep1 (Vorlage:Metadaten Fläche AT KG)
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 02393
Katastralgemeindenummer 75308
Zählsprengel/ -bezirk Köstenberg (20725 004)
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; KAGIS

Vorlage:Check Geschlecht gegen WikidataBW

Datei:Velden Köstenberg Schmarotzwald 02112008 5183.jpg
Ansicht von Nord-Ost
Datei:9231 Oberdorf, Oberdorf und Köstenberg 02 2022-10-31.jpg
Luftbild von Köstenberg
Datei:Velden Pfarrkirche Koestenberg 06012007 01.jpg
Pfarrkirche Köstenberg
Datei:Velden Köstenberg herbstliche Birnbaum-Allee 02112008 66.jpg
Birnbaum-Halballee östlich der Ortschaft
Datei:Velden am Wörther See Hohenwartweg 50 Schmarotzwald Wohnhaus 31122006 01.jpg
Schmarotzwald

Köstenberg (slowenisch: Kostanje) ist Katastralgemeinde und ein Haufendorf im Gebiet der Marktgemeinde Velden am Wörthersee in Kärnten in Österreich. Es liegt in den Ossiacher Tauern auf einer Seehöhe von 790 m ü. A. und wird im Jahr 1150 urkundlich in der Aufzählung von Freisinger Besitzungen genannt. Bis zur Gemeindestrukturreform im Jahr 1973 war Köstenberg eine eigenständige Gemeinde. Die Ortschaft hatte bei der Volkszählung im Jahr 2001 150 Einwohner.

Pfarrkirche Heilige Philipp und Jakob

Der Sakralbau wird urkundlich erstmals im Jahr 1202 erwähnt und zuletzt im Jahr 1962 restauriert. Die ehemalige gotische Wehrkirche steht am Rand einer Felsstufe innerhalb des befestigten Friedhofs, dessen Mauer noch drei Schießscharten zeigt.

Datei:Kostanje - slovenski padli 1. svetovne vojne.JPG
Slowenische Grabsteine von Gefallenen des Ersten Weltkriegs

An der Außenmauer der Pfarrkirche befinden sich zahlreiche slowenische Grabsteine. Manche sind von gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg, andere erinnern mit ihren poetischen Grabinschriften auf die Schicksale der Verstorbenen. Jozi Kokot, gestorben am 25. September 1944 in Mauthausen, erhielt ein besonderes Denkmal, und zwar in ein episches Gedicht, das sein Schicksal nachzeichnet. Daher ist es kulturhistorisches Denkmal der lokalen Geschichte.

Datei:Kostanje - Jozi Kokot 1.JPG
Grabstein von Jozi Kokot

Grazkogel

An der Kreuzung der ehemaligen Köstenberger- und der alten Römerstraße, nordwestlich von Oberjeserz, steht eine Ruine am Grazkogel. Sie wird urkundlich im Jahr 1353 mit „turen und hof cze Chestnich“ erwähnt. Zirka 150 cm hohe Mauerreste eines quadratischen Turmes sowie eine 350 m lange Umfassungsmauer und Teile eines zweiten Ringes sind am Kogel erhalten.

Schmarotzwald

„Schmarotzwald“ oder „Hochwart“ (slowenisch: Hovart oder Črni grad)<ref>Pavel Zdovc: Slovenska krajevna imena na Avstrijskem Koroškem = Die slowenischen Ortsnamen in Kärnten. Erweiterte Auflage. Ljubljana 2010. ISSN 0560-2920.</ref> ist ein Weiler südlich von Köstenberg. Die einzige Sehenswürdigkeit dieser auf einer Waldlichtung gelegenen Häuserrotte ist die Burgruine Hochwart (slowenisch: Črni grad), die vom Weiler ausgehend nach 15-minütigem Fußmarsch über einen Waldweg erreicht werden kann.

Andrej Schuster-Drabosnjak und das slowenische Kulturleben

Datei:Kostanje - Drabosnjakov dom 1.JPG
Köstenberg/Kostanje – Drabosnjak-Museum der Alltagskultur

Andrej Schuster, vulgo Drabosnjak (* 6. Mai 1768 in Drabosenig/Drabosinje; † 22. Dezember 1825 in Umberg/Umbar) zählt zu den großen Söhnen der Gemeinde. Von Beruf war er Bauer, von Berufung Volksdramatiker, Volksliterat und Volkspoet. Er war Vertreter der spezifischen slowenischen literarischen Strömung des Bukovništvo, die von autodidakten Autoren getragen wurde und die ihre Wurzeln in der slowenischen protestantischen Sprachkultur hat.<ref>H. Paulitsch: Das Phänomen "bukovništvo" in der Kärntner-slowenischen Kultur- und Literaturgeschichte. Klagenfurt, Ljubljana, Wien 1990.</ref><ref>Pavle Zablatnik: Bukovniki - Volkspoeten. In: R. Vospernik, Pavle Zablatnik, Erik Prunč, Florjan Lipuš: Das slowenische Wort in Kärnten = Slovenska beseda na Koroškem. Wien 1985, S. 90–97.</ref><ref>Marija Mitrović: Geschichte der slowenischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Klagenfurt [e.a.] 2001, S. 110–118. ISBN 3-85013-834-8</ref> Er schrieb geistliche Volksschauspiele, die vielfach abgeschrieben, adaptiert und von Laienschauspielern im 19., in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und bis heute aufgeführt wurden. Berühmt sind das Stück vom verlorenen Sohn Izgubljeni sin und das Hirten- oder Weihnachtsspiel Pastirska igra. Sein Pasijon<ref>Suster-Drabosnjak, Andrej Kokot, Magdalena (Hrsg.): Pasijon. (… Kärntner Passionsspiel …). Celovec/Klagenfurt, Trst 1983</ref>, ein Passionsspiel, wurde vielfach als Volkstheater mit zahlreichen Laienschauspielern im Freien aufgeführt, so auch in Köstenberg/Kostanje.<ref>Bukovniki. In: Enciklopedija Slovenije, Band 1, Ljubljana 1991, S. 406; Andrej Šuster. In: Enciklopedija Slovenije, Band 13, Ljubljana 1991, S. 167.</ref><ref>Pavle Zablatnik: Bukovniki - Volkspoeten. In: Reginald Vospernik, Pavle Zablatnik, Erik Prunč, Florjan Lipuš: Das slowenische Wort in Kärnten = Slovenska beseda na Koroškem. Wien 1985, S. 90–97. ISBN 3-215-04304-1</ref>

Der heimische slowenische Kulturverein ist nach ihm benannt und heißt Slovensko prosvetno društvo Drabosnjak na Kostanjah (Slowenischer Kulturverein Drabosnjak in Köstenberg). Dieser wurde 1903 als slowenischer Bildungsverein gegründet. Wie alle slowenischen Bildungsvereine der Zeit galt die besondere Sorgfalt der Sprachkultur, dem Gesang und der Volksbildung. In Köstenberg war mit Schuster-Drabosnjak die Tradition des Volksschauspiels besonders gegenwärtig.<ref>J. Lesjak: 75 let po ustanovitvi Slovenskega prosvetnega društva za Kostanje in okolico (1903–1978). Klagenfurt/Celovec 1978.</ref>

Die Pfarrkirche Köstenberg/Kostanje, die Filialkirchen Dröschitz/Trešiče, Kerschdorf/Črešnje, Oberdorf/Gornja vas werden als zweisprachig ausgewiesen.<ref>Liste der Pfarren im Dekanat Rosegg/Rožek</ref>

Andrej Kokot

Andrej Kokot war ein Lyriker, Übersetzer und Zeitzeuge.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Andrej Kokot (Memento vom 27. Juli 2010 im Internet Archive) Biographie, Österreichische Gesellschaft für Literatur; Archivversion vom 27. Juli 2010</ref> Seine erste Gedichtsammlung erschien im Jahr 1969 (Zemlja molči). Weitere folgten: 1970 Ura vesti, 1972 Čujte, zvonovi pojo, 1974 Onemelo jutro. In seiner Sammlung Kamen molka (1979) und Kaplje žgoče zavesti (1982) kehrte er zu traditionellen poetischen Formen zurück. Kokot schrieb auch Kindergedichte, so Ringaraja 1983. Gedichte in deutscher Übersetzung wurden unter dem Titel Die Totgeglaubten im Jahr 1978 veröffentlicht.<ref>Andrej Kokot. In: Enciklopedija Slovenije, Band 5, Ljubljana 1991, S. 191.</ref> Eine Auswahl wurde im zweisprachigen Referenzwerk zur slowenischen Literatur in Kärnten von Reginald Vospernik u. a. publiziert.<ref>Reginald Vospernik, Pavle Zablatnik, Erik Prunč, Florjan Lipuš: Das slowenische Wort in Kärnten = Slovenska beseda na Koroškem. Wien 1985, S. 482–503.</ref>

Andrej Kokot ist auch Zeitzeuge. Als Kind wurde er, weil er Slowene war, gemeinsam mit seiner Familie am 14. April 1942 von den Nationalsozialisten in deutsche Lagerhaft deportiert.<ref>B. Entner, A. Malle (Hg.): Pregon koroških Slovencev 1942, Die Vertreibung der Kärntner Slowenen. Klagenfurt/Celovec 2012</ref><ref>Johannes W. Schaschl (Hg.): Als Kärnten seine eigenen Kinder deportierte, Die Vertreibung der Kärntner Slowenen 1942-1945, Historischer Überblick - Zeitzeugenerzählungen - Briefe und Dokumente. Klagenfurt/Celovec 2012. ISBN 9783708606736</ref><ref>B. Entner, H. Wilscher: „Sämtlich Slovenen!“ Kärntner SlowenInnen zwischen Entrechtung und Diskriminierung. In: Verena Pawlowsky, Harald Wendelin [Hg.]: Ausgeschlossen und entrechtet. Raub und Rückgabe. Österreich von 1938 bis heute. Wien 2006, 54–76.</ref> Erinnerungen veröffentlichte er erstmals im Jahr 1996 (Neuauflage 2012).<ref>Andrej Kokot: Das Kind, das ich war, Erinnerungen an die Vertreibung der Slowenen aus Kärnten; Andrej Kokot: Ko zori spomin … : otroška doživetja v pregnanstvu, Celovec/Klagenfurt 1996, 2012.</ref><ref>Reginald Vospernik: Zweimal aus der Heimat vertrieben – Die Kärntner Slowenen zwischen 1919 und 1945 – Eine Familiensaga, Klagenfurt/Celovec, 2011.</ref> Sein Bruder Jozi wurde im KZ Mauthausen ermordet.

Drabosnjak auf Schritt und Tritt

In Oberdorf/Gornja vas bei Köstenberg steht ein Drabosnjak-Denkmal.<ref>Drabosnjak Gedenkstein, auf kleindenkmaeler.at</ref>

In Oberjeserz/Zgornje Jezerce trägt seit dem Jahr 2012 eine Verbindungsstraße den Namen A.-S.-Drabosnjak-Straße.

In Köstenberg/Kostanje befindet sich das Drabosnjak-Museum (Drabosnjakov dom), ein Museum der Alltagskultur unter der Leitung des Slowenischen Volkskundeinstituts Urban Jarnik.<ref>Museum für Alltagsgeschichte Köstenberg/Kostanje, auf ethno.at</ref>

Freizeit, Kultur und Sport

Persönlichkeiten

Siehe auch

Literatur

  • H. Paulitsch: Das Phänomen "bukovništvo" in der Kärntner-slowenischen Kultur- und Literaturgeschichte. Klagenfurt, Ljubljana, Wien 1990.
  • Reginald Vospernik, Pavle Zablatnik, Erik Prunč, Florjan Lipuš: Das slowenische Wort in Kärnten = Slovenska beseda na Koroškem. Wien 1985, Bukovniki S. 90–97, Textbeispiele von Andrej Kokot in beiden Landessprachen S. 428–503
  • J. Lesjak: 75 let po ustanovitvi Slovenskega prosvetnega društva za Kostanje in okolico (1903–1978). Klagenfurt/Celovec 1978.
  • V. Hazler, P. Sketelj, U. Sereinig: Etnološki muzej Kostanje, Kraj spomina in učenja, Vodnik = Museum für Alltagsgeschichte in Köstenberg, hg. von Slovensko Prosvetno Društvo Drabosnjak/Slowenischer Kulturverein SPD Drabosnjak, Krščanska Kulturna Zveza/Christlicher Kulturverband, Slovenska Prosvetna Zveza/Slowenischer Kulturverband, Slovenski Narodopisni Inštitut Urban Jarnik/Slowen. Volkskunde-Institut Urban Jarnik. Köstenberg/Kostanje 2002.

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Hinweisbaustein