Zum Inhalt springen

Käte van Tricht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Berta Käte van Tricht (* 22. Oktober 1909 in Berlin; † 13. Juli 1996 in Bremen) war eine deutsche Organistin, Pianistin, Cembalistin, Sängerin und Musikpädagogin.

Biografie

Käte van Tricht<ref>Ihr Nachname zum Zeitpunkt der Geburt war Nagel; seit dem 1. Februar 1913 trug sie den Nachnamen ihres Stiefvaters, Paulus van Tricht. In: Henrike Moormann: Die Domorganistin Käte van Tricht (1909-1996) Mobilität – Kulturelles Handeln – Gender. (PDF) Doktorand*innenforum Präsentation. Kunstuniversität Graz – Wissenschaftliche Doktoratsschule, 13. Juni 2025, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> wurde 1909 als Tochter des Maklers Johannes Salomon Breuer<ref>Geboren am 31. Juli 1847 in Bremen; gestorben am 15. Dezember 1934 ebenda. In: Henrike Moormann: Die Domorganistin Käte van Tricht (1909-1996) Mobilität – Kulturelles Handeln – Gender. (PDF) Doktorand*innenforum Präsentation. Kunstuniversität Graz – Wissenschaftliche Doktoratsschule, 13. Juni 2025, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> und Anna Meta Nagel<ref>Anna Asendorf, geboren am 23. März 1871 in Kirchhuchting. Seit dem 10. Mai 1904 trug sie den Nachnamen Nagel. Am 7. Dezember 1910 heiratete sie den Kapellmeister Paulus Cornelius Marinus van Tricht in Bremen. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt. In: Henrike Moormann: Die Domorganistin Käte van Tricht (1909-1996) Mobilität – Kulturelles Handeln – Gender. (PDF) Doktorand*innenforum Präsentation. Kunstuniversität Graz – Wissenschaftliche Doktoratsschule, 13. Juni 2025, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> in Berlin geboren.<ref>Henrike Moormann: Die Domorganistin Käte van Tricht (1909-1996) Mobilität – Kulturelles Handeln – Gender. (PDF) Doktorand*innenforum Präsentation. Kunstuniversität Graz – Wissenschaftliche Doktoratsschule, 13. Juni 2025, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref><ref name=":0">StAB 7.165: van Tricht, Käte. Arcinsys – Archivinformationssystem Niedersachsen und Bremen, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> Sie wuchs in Bremen auf, wo sie auf Initiative ihrer Mutter Klavierunterricht erhielt. Mit acht Jahren trat sie in den Bremer Domchor unter der Leitung des Domkantors Eduard Nößler ein. Von 1916 bis 1927 besuchte sie das Lyzeum Janson von Ida Janson<ref>Edith Laudowicz: Biografien: Janson, Ida. In: Bremer Frauengeschichte. 2017, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref><ref>Romina Schmitter: Janson, Ida (1847 – 1923). Bremer Frauenmuseum e.V., 21. März 2017, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> und wurde mit 19 Jahren Organistin an der Alten Waller Kirche in Bremen-Walle. Ab 1927 studierte sie am Conservatorium der Musik in Bremen Orgel, Klavier und Cembalo; ihre Ausbildung finanzierte sie durch die Klavierbegleitung von Filmen und Ballett-Aufführungen und absolvierte 1930 erfolgreich die staatliche Privatmusiklehrer-Prüfung.

Auf Initiative des Domkantors Richard Liesche wurde Käte van Tricht 1933 zur zweiten Organistin am Bremer Dom ernannt.<ref>Käte van Tricht hatte die Stelle als hauptamtliche Domorganistin inne, mit Richard Liesche als Domkantor und Organist.</ref> Von 1934 bis 1937 studierte sie am Landeskonservatorium der Musik in Leipzig Kirchenmusik, Klavier (Carl Adolf Martienssen), Orgel (Karl Straube) und Gesang (Fritz Polster), ergänzt durch privaten Kontrapunkt-Unterricht bei Johann Nepomuk David. Während ihres Studiums trat sie unter der Leitung von Thomaskantor Karl Straube mehrfach als Gesangssolistin in der Leipziger Thomaskirche auf. In der Zeit des Nationalsozialismus war ihre Anstellung am Bremer Dom aufgrund der jüdischen Großeltern ihres leiblichen Vaters Johannes Salomon Breuer zeitweise in Gefahr; Käte van Tricht wurde mehrfach denunziert, und auch nach 1945 gab es arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen.<ref name=":0" /><ref>Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der frühere Organist der Kirche St. Stephani, Wilhelm Evers (der im August 1945 als Soldat und Kriegsgefangener nach Bremen zurückgekehrt war) auf Initiative von Domkantor Richard Liesche als dritter Organist an den Bremer Dom berufen. Käte van Trichts bestehender Arbeitsvertrag als hauptamtliche Domorganistin wurde zu ungünstigeren Bedingungen modifiziert, was zu mehrfachen Kündigungen und einer juristischen Auseinandersetzung zwischen Käte van Tricht und ihrem Arbeitgeber führte (Käte van Tricht: Ein Leben auf der Walze, 2. Teil, S. 1. Unveröffentlichtes Manuskript. In: Henrike Moormann: Die Domorganistin Käte van Tricht (1909-1996) Mobilität – Kulturelles Handeln – Gender. (PDF) Doktorand*innenforum Präsentation. Kunstuniversität Graz – Wissenschaftliche Doktoratsschule, 13. Juni 2025, abgerufen am 22. Januar 2026.)</ref><ref>Der digitale Stadtplan FrauenOrte Mitte. Bremer Frauenmuseum e.V., 18. Juni 2021, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> Während des Zweiten Weltkriegs trat sie als Pianistin und Lied- und Chanson-Sängerin im Rahmen der Wehrmachtsbetreuung in Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Italien und Russland auf. 1943 wurde sie Korrepetitorin von Musikdirektor Fritz Rieger am Bremer Staatstheater, das durch Bombenangriffe im August und Oktober 1944 komplett zerstört wurde.

Am 2. Juni 1948 heiratete Käte van Tricht den Naturwissenschaftler Wolf Siegert, mit dem sie zwei Söhne hatte.<ref>Wolf Siegert, geboren am 1. Juli 1917 in Berlin (Todesdatum nicht bekannt). Käte van Tricht nahm bei der Heirat den Nachnamen ihres Mannes an, führte aber „van Tricht“ weiterhin als Künstlernamen.</ref> Seit den 1950er Jahren ging sie, ergänzend zu ihrer Tätigkeit als Domorganistin in Bremen, einer internationalen Karriere als Konzertorganistin und Cembalistin nach (unter anderem 1964 in den USA)<ref name=":0" /> und spielte zahlreiche Tonträger im Bremer Dom und an anderen deutschen Orgeln ein.<ref>Käte van Tricht: Meine Bindung an Stuttgart. Internationale Orgel- und Bechsteinkonzerte Stuttgart, November 1995, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> Nach ihrer Pensionierung 1974 erhielt sie einen Lehrauftrag an der Universität Bremen. Zusätzlich war sie Organistin, Konzertveranstalterin und Leiterin des von ihr gegründeten „KvT“-Orchesters<ref>KvT: Käte van Tricht, wie sie auch im Freundes- und Bekanntenkreis genannt wurde.</ref><ref>Edwin Platt: Käte van Tricht war auch sein Vorbild. Weser Kurier, 14. März 2013, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> an der St. Jürgen-Kapelle der Bremer Krankenanstalt St. Jürgen, bei der sie auch regelmäßig mit einer mobilen Hammondorgel auftrat.<ref>Käte van Tricht. Musikproduktion Dabringhaus & Grimm, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. Mai 2011; abgerufen am 22. Januar 2026.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mdg.de</ref><ref>Edith Laudowicz: Käte van Tricht. Bremer Frauengeschichte, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> Käte van Tricht starb am 13. Juli 1996 im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in Bremen. Anlässlich ihres 100. Geburtstages fand am 22. Oktober 2009 ein Festkonzert im Bremer Dom statt.<ref>Ute Schalz-Laurenze: „Vertrauen Sie Ihren Ohren!“ In: www.kreiszeitung.de. 22. Oktober 2009, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref>

Zu ihren Klavierschülern zählt der deutsche Organist Martin Welzel.

Das Grab von Käte van Tricht befindet sich auf dem Riensberger Friedhof in Bremen.<ref>Maren Brandstätter: Grabstelle von Käte van Tricht bleibt. Weser Kurier, 8. Februar 2017, abgerufen am 22. Januar 2026.</ref>

Ehrungen

Diskographie

Werke

  • Ischa Freimaak. Bremer Foxtrott für den kommenden Winter. Bremen: Aschoff, 1928.
  • Ein Leben an der Walze. Lebenserinnerungen. Unveröffentlichtes Manuskript. Bremen, o. J.

Literatur

  • Hans-Adolf Allers: Käte van Tricht. In: Vereinigung für Bremische Kirchengeschichte (Hrsg.): Lebensgeschichten: Schicksale Bremer Christen jüdischer Abstammung nach 1933. Hospitum Ecclesiae (= Forschungen zur Bremischen Kirchengeschichte), Band 23, 2006. 2. erweiterte Auflage, Hauschild, Bremen 2009, ISBN 978-3-89757-335-2.
  • Edith Laudowicz: Käte van Tricht. In: Bremer Frauenmuseum (Hrsg.). Frauen Geschichte(n). Edition Falkenberg, Bremen 2016, ISBN 978-3-95494-095-0.
  • Kristina Maidt-Zinke: Käte van Tricht: Ein Leben wie ein Roman. 'Weser Kurier' vom 24. Dezember 1992, S. 5.
  • Kristina Maidt-Zinke: „Musik fällt nicht vom Himmel“: Die ehemalige Domorganistin Käte van Tricht wird 85 – und spielt immer weiter. Weser Kurier vom 20. Oktober 1994, S. 14.
  • Herbert Schwarzwälder: Käte van Tricht. In: Herbert Schwarzwälder (Hrsg.): Das Große Bremen-Lexikon, Band 2, S. 894. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 978-3-86108-693-2.
  • Friedemann Winklhofer: Nur einmal richtig glücklich sein. Käte van Tricht (1909–1996): Erste deutsche Konzertorganistin und 40 Jahre Domorganistin in Bremen. In: Organ – Journal für die Orgel 2, Heft 2 (1999), S. 22–28.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

VorgängerAmtNachfolger
Eduard NößlerOrganistin am St. Petri Dom zu Bremen
1933–1973
Zsigmond Szathmáry

Vorlage:Hinweisbaustein